Jederzeit Sicherheit!

Und wieder ist ein spannendes und interessantes Wochenende zu Ende gegangen. Dieses Mal waren wir auf einem Sicherheitsseminar in Neustadt/Holstein, das im Einsatzausbildungszentrum „Schadensabwehr“ der Bundesmarine stattgefunden hat. Es ging dort um die Themengebiete Brandabwehr, Leckabwehr, Verlassen der Yacht und um den Einsatz pyrotechnischer Signalmittel. Und das Beste daran war, dass der Schwerpunkt eindeutig auf der praktischen Ausbildung lag und weniger auf theoretischem Blabla, das man sich letztendlich doch nicht merken kann. Denn: es geht nichts über eine Erfahrung, die man selbst gemacht hat!

Aber der Reihe nach: nachdem wir wegen der weiten Anfahrt schon am Vortag angereist waren und das Seminar am Freitag erst um 12:15 begann, hatten wir morgens noch Zeit, gemütlich im Café Wichtig am Timmendorfer Strand zu frühstücken.

Danach haben wir noch einen sehr kurzen Strandspaziergang gemacht. Der Versuchung Baden zu gehen konnten wir bei den eisigen Temperaturen und bei so viel Schnee wie es dort seit 26 Jahren nicht mehr gab, gerade eben so widerstehen.

Dann wurde es Ernst. Punkt viertel nach zwölf wurden wir auf dem Parkplatz in der Kaserne vom Seminarleiter mit folgenden Worten empfangen: „Ab jetzt wird hier das gemacht, was wir sagen. Ist das klar?“. Na, dachten wir, das fängt ja prima an…

Danach war erst mal Einzug in die Mehrbettzimmer angesagt. Ganz gespannt folgten wir dem Leiter im Gänsemarsch zu den Unterkünften, denn wir hatten bis dahin beide noch nie eine Kaserne von innen gesehen. Die Stuben waren aber deutlich sauberer und besser als die Absteige, die Kai vor einem Monat in Hamburg gebucht hatte (siehe Beitrag hier). Unsere Befürchtungen waren also unbegründet.

Nach einer kurzen Theorieeinheit konnte der Spaß nun endlich beginnen. Dafür wurden wir in zwei Gruppen zu je 18 Personen eingeteilt, um die Wartezeiten an den einzelnen Ausbildungsstationen nicht zu groß werden zu lassen. Dabei wurden wir genau wie alle anderen als Paar angereisten Teilnehmer voneinander getrennt. Begründung: Vermeiden, dass die Männer den Frauen während der Übungen ständig sagen, was sie besser oder anders machen sollen. Das war sicherlich schon mal die Basis für die durchwegs gute Stimmung, die zwischen allen Beteiligten während des gesamten Seminars herrschte.

Nacheinander durchliefen wir an diesem ersten Seminartag die beiden Stationen Brandabwehr und Leckabwehr. In der Brandhalle galt es mittels verschiedener Feuerlöscher Brände der Klasse A (Feststoffbrände) und B (Flüssigkeitsbrände) mit verschiedenen Löschmitteln zu bekämpfen. Jeder(!) Teilnehmer durfte jeweils mit einem Pulverlöscher, einem CO2 Löscher und mit einem Feuerwehrschlauch gegen die verschiedenen kleinen oder auch schönen großen Feuer antreten. Wenn Andrea vorher gewusst hätte welch Riesenspaß das macht, hätte sie als Kind sicherlich auch Feuerwehrfrau werden wollen.

Außerdem wurde eindrucksvoll vorgeführt, wie man es nicht macht: mit einem Wasserstrahl in einen Flüssigkeitsbrand zu spritzen mag zwar wegen der anschließenden explosionsartigen Ausbreitung des Feuers spektakulär sein, aber im Notfall ist es dann doch eher kontraproduktiv…

Danach ging es weiter mit der Leckabwehr. Dafür wurden wir in Gruppen zu 6 Personen unterteilt und in einen Tank gesteckt, der dem Inneren eines Schiffes glich. Dort waren einige „Löcher“ und „Risse“ vorbereitet, die von außen durch Öffnen von Ventilen mit Wasser versorgt werden konnten. Wer davon ausging, dass nun für jedes Team nur an einer Stelle ein Leck entstehen würde, der hatte sich gründlich getäuscht. Kaum hatte man das erste Leck halbwegs im Griff, fing das Wasser urplötzlich an anderen Stellen an zu sprudeln und zu spritzen, so dass man in kürzester Zeit klatschnass war. Das Ganze war zwar im Vergleich zu einer kleinen Segelyacht deutlich überdimensioniert, aber es war trotzdem interessant zu sehen, was man mit ein paar Brettern, Balken, Sitzkissen und Leckstopfen ausrichten kann. Immerhin war es auf diese Weise möglich, mehrere große Lecks soweit abzudichten, dass die Bilgenpumpen die so reduzierte Wassermenge im Griff hatten. Von der Vorstellung, dass man ein Leck auf See wieder vollständig dicht bekommt, sollte man sich aber lieber trennen, denn sonst gerät man zu leicht in Versuchung, eine eigentlich bereits perfekte Abdichtung wieder zu demontieren…

Nach einem leckeren Abendessen in der Offiziersmesse ließen wir den ersten Seminartag gemütlich in der Bar bei „ein paar Tassen Bier“ ausklingen. Trotz des anstrengenden Tages übermannte (bzw. überfraute) uns die Müdigkeit erst kurz nach Mitternacht (die Geschichten am Offizierstisch waren einfach zu spannend), was wir  am nächsten Morgen bereuten, da am Vorabend „Frühstück um 7:15“ befohlen worden war. Tja, wir waren halt doch in einer Kaserne.

Der zweite Tag startete nach einer theoretischen Einführung mit Übungen mit Rettungsmitteln in der Schwimmhalle. Zuerst bekam jeder wunderschöne Einheits-Armeekleidung. Dann wurde eine Schwimmweste des gleichen Modells angelegt, das auch von der Bundesmarine verwendet wird. Danach wurden eine kleine und  große Rettungsinsel ausgelöst. Anschließend stiegen wir direkt vom Beckenrand in die Inseln, was trotz der eingeschalteten Wellenanlage problemlos möglich war. Aber dann wurde es richtig ungemütlich: eng, duster, stickig, nass, alles schwankt, waren die Eindrücke, die wir aus der Rettungsinsel mitgenommen haben. Und wir müssen unbedingt die Kenntnisse verschiedener Seemannslieder auffrischen, damit wir uns im Notfall gut ablenken können. Zu unserem großen Glück wurden wir bald gerettet und durften eine 4,5m hohe Mauer erklimmen, die die Bordwand eines größeren Schiffes simulierte. Also: alles raus aus den Inseln und die Netze hoch, die von oben herunterhingen.

Beim Hochsteigen ist Kai schlagartig klar geworden, wie clever es eigentlich wirklich war, nicht zur Bundeswehr zu gehen :-). Oben angekommen wurde uns gesagt, dass auch dieses „Schiff“ in Seenot geraten und im Begriff zu sinken sei. Also ging es mit einem gewagten Sprung ins Wasser weiter, bei dem dann endlich die Rettungsweste ausgelöst wurde. Die nächste Aufgabe war es, wieder in die Rettungsinseln einzusteigen. Dies war aber aufgrund der voluminös aufgeblasenen Rettungswesten nur mit äußerster Kraftanstrengung und fremder Hilfe möglich. Daher merke: wenn irgend möglich immer direkt vom Schiff in die Rettungsinsel steigen!

Jetzt wurde es noch mal richtig interessant: das nächste Kommando lautete: eigenes Ölzeug und eigene Rettungswesten anlegen und zur Simulation der Bewusstlosigkeit mit dem Gesicht nach vorne ins Becken springen. Dann Abwarten, ob die Weste es schafft, einem automatisch wieder umzudrehen. Dabei wurde klar, dass Rettungsweste nicht gleich Rettungsweste ist. Rund ein Drittel der Mitstreiter wäre im Ernstfall wohl ertrunken und wir wissen nun ziemlich genau welche Art von Rettungsweste wir uns zulegen werden (da wir beide keine eigenen hatten, durften wir die von den Ausbildungsleitern benutzen, die wir am liebsten klammheimlich mitgenommen hätten).

Zum Showdown im Schwimmbad wurde Andrea aus allen Teilnehmern ausgewählt (vielleicht war sie am Vorabend am Offizierstisch doch etwas zu vorlaut ;-)), um uns die Rettung eines Schiffbrüchigen durch einen Helikopter vorzuführen. Das war auch einmal eine schöne Erfahrung.

Nach dem Mittagessen und einem weiteren Theorieblock ging es raus auf die Pier zum Verschießen der Signalmittel. Es wehte bei -5°C ein frischer Wind aus Nordost, so dass es leider zu gefährlich war, jeden Teilnehmer eine Fallschirmrakete abschießen zu lassen. Die Raketen fliegen bis zu 400m hoch und können brennend am Boden ankommen, wenn sie nicht genau senkrecht abgefeuert werden und genau in Windrichtung lag der Yachthafen, den wir natürlich unter keinen Umständen abfackeln wollten, obwohl wir dann gleich mal unser neu erworbenes Wissen bezüglich der Brandbekämpfung hätten erproben können. Aber somit mussten wir uns mit einer Demonstration durch einen Ausbilder begnügen.

Allerdings durfte jeder von uns eine Handfackel abbrennen und eine Leuchtkugel schießen, was die Handhabung solcher Signalmittel ausreichend verdeutlichte. Und danach war es uns allen so kalt, dass wir einfach nur wieder auf schnellstem Weg ins Warme wollten.

Wir haben an den beiden Tagen sehr viel gelernt und sind froh, das mal mitgemacht zu haben. Da kann man noch so viel in Büchern lesen, es geht einfach nichts über die praktische Erfahrung und Erprobung. Der anfängliche „Befehlston“ war im übrigen direkt nach dem Beziehen der Stuben in ein „freundliches aber nachdrückliches Bitten“ übergegangen, so dass während des gesamten Seminars eine sehr angenehme Atmosphäre herrschte und alle Ausbilder waren immer für ein Späßchen zu haben. Wir fühlen uns nun viel besser auf einen Notfall vorbereitet und können dieses Seminar allen Seglern wärmstens empfehlen.

¡Für ihr Alter gut erhalten!

Dieser Satz und ein paar schöne Fotos lockten uns am Wochenende nach Valencia (Spanien), um eine Yacht anzuschauen. Die Ausstattung des Schiffes klang recht gut, der Kontakt mit der Maklerin war nett, das Alter des Bootes passte und auch der Preis lag in der Region, die wir bereit sind auszugeben. Also nichts wie hin nach Valencia, bevor uns jemand das tolle Boot vor der Nase wegschnappt!
Nach einem überpünktlichen Flug mit Ryanair (Fanfare!) kamen wir in unserer Unterkunft im Herzen Valencias an. Nach dem Fehlgriff in Hamburg hatte Kai sich sehr bemüht dies wieder auszubügeln und uns dieses Mal eine wunderschöne Bleibe gesucht. Wir wurden herzlich in Empfang genommen und bekamen sofort gezeigt in welche Straßen wir gehen sollten, um die schönsten „Beleuchtungen“ zu sehen. Leider war uns überhaupt nicht klar, von was der gute Mensch da sprach. Beleuchtung? Fallas? Festivitäten? Wir verstanden nur Bahnhof und das hat man uns wohl auch angesehen. Uns wurde ein englischer Stadtführer in die Hand gedrückt, an der entsprechenden Stelle aufgeschlagen und dann lernten wir, dass wir pünktlich zum größten Fest von Valencia gekommen waren: las Fallas, am besten zu beschreiben als Mischung zwischen Fasching und Silvester. Es werden riesige Pappfiguren gebaut, ganze Straßenzüge sind toll beleuchtet, jeden Tag gibt es um 14 Uhr eine große Silvesterknallerei und am Ende der zweiwöchigen Feier wird alles in einem großen Spektakel verbrannt.

Ein besseres Timing hätten wir für unseren Besuch fast nicht haben können. Wir zogen natürlich gleich los und waren absolut begeistert von der kunstvollen Illumination. Jede Straße hatte ein anderes Motiv, aber am meisten beeindruckt hat uns die Nachbildung der Tower Bridge von London. Mehr als 350.000 Lichter schmückten eine 100m lange Straße und die Türme ragten 27m in die Höhe! Unglaublich!

Nach solch einem tollen Abend waren wir voll freudiger Erwartung, was der nächste Tag, nämlich unsere Bootsbesichtigung bringen würde. Nach einem fantastischen Frühstück machten wir uns um 9:30 Uhr auf zum Hafen.

Da Kai am Vortag mal wieder fast die Nerven verlor, weil wir erst so furchtbar spät am Gate zum Abflug waren (wir dort aber natürlich noch 20 Minuten warten mussten), waren wir nun extrem früh, denn unser Termin zur Bootsbesichtigung war erst um 11 Uhr. Das war aber auch gut so, denn leider wissen die Valencier anscheinend selbst nicht, wo sich ihr Yachthafen befindet, denn er war auf dem Stadtplan völlig falsch eingezeichnet. Auch zwei Polizisten, die wir in unserer Not nach dem Weg fragten, waren sich erst uneins, ob sie uns eher nach rechts oder links schicken sollten. Aber dank Kais Intuition fanden wir dann doch noch hin und waren immer noch mehr als pünktlich. Wir wurden immer aufgeregter, holten schon mal unsere Checkliste heraus und waren total gespannt auf Dani, so der Name der Yacht, die wir uns gleich anschauen wollten. Und da kam auch schon die Maklerin mit ihrem Chef und die Besichtigung konnte beginnen. Wir enterten Dani am Heck und unser erster Blick fiel auf die Badeleiter.

Hm, was ist denn mit der passiert? So wie die aussah, hätte man vermuten können, sie hätte ihre gesamte Lebensdauer im Salzwasser verbracht. Na ja, von solch einer Kleinigkeit lässt man sich ja nicht entmutigen, wir werden uns einfach mal von vorne nach hinten durcharbeiten. Also gingen wir zum Bug und bewunderten dort die herrlich verbogene Relingstütze, die wohl mal irgendwann beim Einparken im Weg war.

Am Vorabend, als wir gesehen hatten, wie die Spanier mit ihren Autos umgehen, hatten wir noch gewitzelt, dass sie ihre Boote hoffentlich etwas pfleglicher behandeln! Aber wer hätte denn ahnen können, dass die Einparkkünste sich tatsächlich eins zu eins von der Straße aufs Wasser übertragen lassen?!

Na ja, was soll’s, eine Relingstütze lässt sich ja ersetzen. Werfen wir doch mal einen Blick auf den Anker. Ups, da ist jemandem wohl mal der Anker aus der Führung gesprungen und hat ein paar kleinere und ganz viele größere Kratzer hinterlassen.

Sieht irgendwie nicht so schön aus, passt aber immerhin optisch recht gut zur eingeknickten Relingstütze. Auch die Risse und Löcher im Lazy Bag und das völlig zerrupfte Bimini fügen sich sehr gut in diese Komposition ein.

Wir schauten uns fragend an. Macht es Sinn überhaupt noch weiter hier zu bleiben oder sollten wir lieber fluchtartig das Weite suchen? Aber da wir nun schon mal die weite Anreise auf uns genommen hatten, wollten wir uns so schnell nicht abschrecken lassen. Während Kai sich den Motorraum und das darin befindliche Salzwasser anschaute (welches dort nebenbei bemerkt überhaupt nichts zu suchen hatte), schaute Andrea sich mal etwas im Inneren des Bootes um.

Und, wer hätte es gedacht, von innen war das Boot genauso wenig gepflegt wie von außen. Alle Beschläge waren, falls überhaupt vorhanden, völlig korrodiert. Uns tat das arme Boot so langsam aber sicher richtig leid. Selbst der Makler meinte irgendwann: „I think what it really needs is a new owner!“ Die Frage ist nur, ob tatsächlich wir diese neuen Eigner sein wollen. Also ganz sicher nicht für den Preis, den der jetzige Eigner sich vorstellt. Völlig enttäuscht packten wir unsere Checkliste ein und verließen den Tatort.

Welch ein Glück, dass in Valencia gerade Fallas waren und wir somit unseren Bootskauf-Trip in einen gewöhnlichen Touristentrip ummünzen konnten. Also rein in die nächste U-Bahn und auf schnellstem Weg dahin wo der Bär tanzt, nämlich zu einem großen Platz mitten in der Stadt, auf dem bald das große Spektakel starten sollte. Wir erkämpften uns einen tollen Platz mitten im Geschehen und feierten unsere erste Bootsbesichtigung mit der größten Böllerei, die wir jemals erlebt haben.

Am nächsten Tag ließen wir uns von unserem Hausherrn die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erklären und waren die restliche Zeit in Valencia gut beschäftigt. Hier noch ein paar Eindrücke unserer Besichtigungstour:

Abends, oder besser gesagt nachts, waren wir dann noch auf einem Open-Air Konzert, auf dem einige in Spanien wohl sehr bekannte Sänger und Sängerinnen Lieder von Queen gesungen haben. Wir haben zwar keine dieser Berühmtheiten gekannt, aber die wohl über 5.000 anderen Leute waren zeitweise ziemlich aus dem Häuschen.

Im Endeffekt war’s eine sehr schöne und entspannte Städtereise, die wir ohne die Bootsbesichtigung sicher nicht gemacht hätten. Insofern stiegen wir dann am Montag Abend in Begleitung von Herrn Hahn völlig relaxt in unseren Flieger nach Hause ein.