Sardinien und die Küstenwache – Staffel 1, Episode 2

Wir hatten gedacht unsere Episode mit der Küstenwache wäre nun vorüber und wir könnten wieder unseren schönen „Alltag“ aufnehmen, aber da hatten wir uns leider geirrt.

Da wir die Strafe nicht direkt bei der Küstenwache bezahlen konnten, mussten wir am nächsten Tag mit unseren ganzen Formularen zur Post gehen, um dort die beiden Strafen auf zwei verschiedenen Konten einzuzahlen. Bei der Post angekommen, erwartete uns eine Riesenschlange an Menschen. Nahezu alle älteren Herrschaften von Arbatax hatten sich hier versammelt. Wir sahen uns fragend an. Gab es hier heute irgendwas umsonst? Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen (schließlich hatte ich ja mal bei einer Bank gearbeitet): es war der 1. Juli und alle Rentner holten sich ihre Pensionen ab.

Wir zählten durch: 20 Leute vor uns und genau ein Schalter geöffnet. Wir stoppten die Zeit, die der Postbeamte zur Bearbeitung eines Klienten benötigte und kamen beim ersten auf 15 Minuten. Der Horror stand uns in den Augen! Also gut, vielleicht war das ein außergewöhnlich schwieriger Fall, wir stoppten nochmal. Der zweite kam zwar nur auf 8 Minuten, aber nun waren ja immer noch 18 Personen vor uns. Wir rechneten schnell hoch und kamen auf eine Wartezeit von läppischen 3 Stunden! Ungläubig sahen wir uns an und beschlossen, dass dies erst einmal keinen Sinn hat. Wir gaben auf und gingen zurück zu unserem Boot, um die kostbare Zeit lieber mit Wasser auffüllen, Geschirr spülen, u.ä. Dingen zu verbringen. Ein paar Stunden später nahmen wir einen zweiten Anlauf, aber leider vergebens. Die Schlange war unverändert lang.

Somit beschlossen wir, unser Glück tags darauf im nächsten Hafen (Cala Gonone) erneut zu versuchen. Dort sah die Situation schon wesentlich besser aus: lediglich 9 Personen vor uns und zwei Schalter geöffnet. Juhu, nach Adam Riese also nur ein viertel der Schlange von gestern. Noch dazu ging es hier wesentlich schneller voran und so mussten wir nur ca. eine halbe Stunde anstehen. Der Postbeamte bearbeitete ohne Probleme unsere erste Strafe und wir atmeten auf. Endlich können wir dieses unleidige Kapitel abschließen. Doch dann kam er zur zweiten Strafe, schaute etwas komisch und holte seinen Kollegen zu Hilfe. Der starrte auch kurz auf den Bildschirm, ging mit unserem Formular zurück zu seinem Rechner, schüttelte nach kurzer Zeit den Kopf und teilte uns in Italienisch mit, dass es leider nicht möglich sei, das Geld einzuzahlen, weil das Konto geschlossen sei. Wir starrten ihn ungläubig an. Er wiederholte für uns in gebrochenem Englisch „account closed“. Und nun? Wir baten ihn, dies in Italienisch aufzuschreiben und mit einem Stempel und Unterschrift zu versehen. Danach verließen wir ziemlich wütend die Post. Kann das wahr sein, da ist man schon gewillt alle Strafen zu zahlen und dann schafft es die Küstenwache nicht einmal, einem die korrekte Kontonummer zu geben?!

Glücklicherweise hatte Kai die rettende Idee: er hatte am Vorabend das Büro der Küstenwache von Gonone gesehen und wir gingen schnurstracks dorthin. Dort erklärten wir mit Händen und Füßen (natürlich sprach mal wieder niemand englisch), dass wir die Strafe nicht bezahlen können und drückten ihnen unsere Papiere inklusive der Notiz des Postbeamten in die Hand. Nachdem drei Personen sich ca. 10 Minuten lang unsere Unterlagen angeschaut hatten, kam man auf die Idee in Arbatax anzurufen. In lautem Italienisch wurde heftig diskutiert und eine Kontonummer durchgegeben. Leider war es jedoch die gleiche, die bereits auf unserem Formular stand. Also hieß es, wir sollten in ca. einer Stunde noch einmal vorbeikommen, Arbatax würde die korrekte Kontonummer bis dahin raussuchen. Gesagt, getan, eine Stunde später standen wir wieder im Büro und tatsächlich erhielten wir eine andere Kontonummer.

Also ging es nun wieder mit dieser Kontonummer zur Post, wir standen erneut ca. 20 Minuten lang an, gaben dem Postbeamten die neue Kontonummer, hofften und bangten und welch Wunder, es funktionierte! Wir waren noch nie so froh, 372 Euro ärmer zu sein!

Strafe Post

Nun müssen wir lediglich noch die Zahlungsbelege einscannen und diese per e-mail an die Küstenwache von Arbatax schicken. Dann können wir dieses leidige Kapitel hoffentlich endlich ad acta legen.

 

4 Gedanken zu „Sardinien und die Küstenwache – Staffel 1, Episode 2

  1. Und da denkt man Deutschland sei bürokratisch….
    Endlich ist mir klar, warum ihr für die Weltreise so viel zeit veranschlagt habt 😉

  2. Da müsst ihr euch wenigstens keine Sorgen machen, dass es euch langweilig wird. Eine Alternative zum Warten im Postamt wäre vielleicht Volleyball spielen mit der Warteschlange als Netzersatz :-). Ich bin schon gespannt auf den nächsten Beitrag.

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