Wir kommen hier nie mehr weg

Eigentlich hatten wir uns ganz fest vorgenommen in der letzten August-Woche hier in Hyères die Zelte abzubrechen und an der französischen Mittelmeerküste entlang nach Marseille zu segeln, um dort etwas in den Calanques zu verweilen. Aber daraus sollte leider nichts werden.

Schon einige Tage bevor ich Kai wegen dem geplanten Austausch unseres Ankerlichts in unseren Mast hochgewinscht hatte, war ihm zufällig aufgefallen, dass der eine Endbeschlag unserer Saling etwas komisch aussah. Tatsächlich war dieser an einer Seite abgebrochen. Die Want war zwar noch fest, aber wir waren uns doch sehr unsicher, wie belastbar das ganze ist. Also gingen wir zum Lagoon-Händler und fragten, ob er uns hierfür ein Ersatzteil besorgen könnte. Der Lagoon-Händler verwies uns jedoch direkt an den Hersteller des Masts, sagte aber gleich dazu, dass dieser vermutlich im August geschlossen hat. Wir versuchten trotzdem unser Glück und schrieben eine e-mail mit unserem Anliegen. Als nach drei Tagen noch keine Antwort gekommen war, recherchierten wir im Internet und fanden glücklicherweise einen Rigg-Ausstatter in Deutschland, der auch unsere Masten führt. Also telefonierten wir mit diesem, schickten ihm ein Foto unseres kaputten Beschlags und hofften, dass er das Ersatzteil vorrätig hat. Dies war glücklicherweise der Fall und er versprach auch, es sofort per Express nach Frankreich zu schicken. Allerdings hatte er auch eine schlechte Nachricht für uns parat, nämlich dass wir mit dem kaputten Beschlag auf keinen Fall segeln sollten. Puh, somit hingen wir also hier fest, bis wir das irgendwie repariert bekommen. Also telefonierten wir durch die Gegend, um jemanden zu finden, der uns den Beschlag montiert. Aber das war gar nicht so einfach. Entweder hatte derjenige keine Zeit oder es hieß sicherheitsrelevante Reperaturen am Rigg führe man nicht durch oder man sagte uns, dass die Arbeit nur im Hafen durchgeführt werden könne. Da es hier in Hyères im August mit einem Katamaran nahezu unmöglich ist, einen Hafenplatz zu bekommen, wurde uns recht mulmig zumute. Was, wenn wir hier ein paar Wochen warten müssen, bis das mit der Reparatur endlich klappt? Doch dann hatten wir Glück im Unglück: ein Techniker hatte Mitleid mit uns und versprach gleich am nächsten Morgen zwei Kollegen vorbeizuschicken, die die Reparatur am Ankerplatz durchführen können. Wir waren in Feierlaune! Ein Riesenproblem hatte sich relativ schnell in Wohlgefallen aufgelöst und wir konnten aufatmen. Tatsächlich kamen die Techniker am Freitag pünktlich zur angegebenen Uhrzeit und tauschten unsere beiden Salingsendbeschläge in nicht einmal zwei Stunden. Lediglich die Rechnung hierfür trübte etwas unsere Freude.

Salingsendbeschlag kaputtneuer Beschlag

Nun hatten wir nur noch ein Problem zu lösen. Bereits ein paar Tagen vorher war Kai aufgefallen, dass bei unserem Dingi-Motor an einer Schraube Öl herauslief. Komischerweise war das eine Schraube, an der normalerweise überhaupt kein Öl vorbeikommt. Aber wir haben ja hier die Fachleute vor Ort, also fuhren wir mittags mit den Fahrrädern zum Yamaha-Händler und berichteten ihm von unserem Problem. Wie wir schon geahnt hatten, hieß es dort, das müsse man sich anschauen und das klinge überhaupt nicht gut. Wir sahen es den lieben Menschen an: am liebsten hätten sie uns gleich an Ort und Stelle einen neuen Motor verkauft. Nach etwas Hin und Her versprachen sie uns jedoch gleich am nächsten Morgen sehr früh in den Hafen zu kommen, um sich dort mit uns zu treffen und unser Problem in Augenschein zu nehmen. Sie wollten sich telefonisch melden, sobald sie losfahren. Wir nahmen also unser Handy mit ins Bett, damit wir den Anruf auf keinen Fall verpassen und bereiteten uns auf ein frühes Aufstehen vor. Tja, was soll ich sagen, es wurde 8 Uhr, 9 Uhr, 10 Uhr, aber es kam kein Anruf. Natürlich hatten wir uns auch keine Nummer vom Yamaha-Händler aufgeschrieben, so dass wir auch nicht dort anrufen konnten. Aber wir werteten das dann einfach mal als Zeichen, dass wir das wohl selbst in die Hand nehmen müssen und nahmen uns vor, uns in den nächsten Tagen damit auseinanderzusetzen, bevor eventuell der ganze Motor kaputt geht.

Aber zuerst galt es noch eine kleine logistische Herausforderung zu lösen. Henry hatte uns in Deutschland eine Halterung für unsere neuen Solarpanels angefertigt und berichtet, dass diese fertig seien. Auch der bestellte Laderegler sollte am nächsten Tag bei Kais Mutter eintreffen. Doch wie bekommen wir die ganzen Teile zu uns nach Frankreich? Da fiel uns Jochen ein, der sein Boot hier ganz in der Nähe hat und des öfteren selbst hierher fährt oder das Boot zu Ausbildungstörns benutzt. Also riefen wir ihn an und wie es der Zufall wollte, sagte er uns, dass am nächsten Abend ein paar Leute zu einem Ausbildungstörn von Mannheim nach St. Mandrier fahren. Ich glaube, wir haben einen Tag lang nur telefoniert, um die verstreut liegenden Teile irgendwie in Jochens Bus zu bekommen.

An dieser Stelle ein ganz dickes Dankeschön an:

  • Kais Mutter, weil sie immer unsere ganzen Pakete entgegennimmt und sich um unsere Post kümmert
  • Helga & Jürgen, weil sie das Päckchen von Kais Mama nach Karlsruhe zu Henry gebracht haben
  • Henry, weil er uns solch eine tolle Halterung für die Solarpanels gebaut hat
  • Jochen, weil er solch einen riesigen logistischen Aufwand hatte, um unsere Pakete in das Auto, das nach St. Mandrier fuhr, zu bekommen
  • Martin, weil er uns die Pakete bei einem sehr netten Umtrunk mit Wein und Käse direkt in Hyères von Boot zu Boot übergeben hat

Nach diesen ganzen Herausforderungen waren wir beide ziemlich gestresst und beschlossen einfach mal alles „liegen und stehen“ zu lassen und uns zwei freie Tage zu gönnen.

Da für die Nacht und den Folgetag ziemlich starker Wind angekündigt war, beschlossen wir, in eine schöne Bucht auf Porquerolles zu fahren, die vor dem Sturm weitestgehend geschützt ist. Also segelten wir dorthin und machten mittags einen schönen Landausflug. Wir schwammen mit unserem wasserdichten Fass an Land, zogen uns dort um und spazierten etwas über die Insel. Bei einem alten Semaphore fanden wir einen Geocache  und danach besichtigten wir noch ein altes Fort, welches heute ein orthodoxes Kloster beherbergt.

KanisterAnse de GalereSemaphore Semaphore1 Fort_Kloster Ausblick Semaphore

Samstag Nacht kam dann tatsächlich der angekündigte Sturm, der sich Sonntag Morgen immer weiter steigerte. Teilweise hatten wir Böen von mehr als 35 Knoten (Windstärke 7-8) und dummerweise war der Untergrund in der Bucht recht steinig, so dass unser Anker nicht richtig gut hielt. Und in der Tat, bei einer heftigen Böe slippte der Anker, wir rutschen mal geschwind mehr als 10 Meter nach hinten und lagen dann sehr dicht vor einem anderen Boot. Also ließen wir die Motoren an, gingen Anker auf und ankerten noch mal neu an einer anderen Stelle. Und da wir die Motoren schon mal an hatten, konnten wir ja gleich noch unseren Wassermacher anschalten, um unseren Tank wieder etwas aufzufüllen. Aber das hätten wir mal lieber nicht getan! Nach ca. 15 Minuten machte der Wassermacher komische Geräusche und wir  schalteten ihn schnell ab. Nachdem wir etwas abgewartet hatten, probierten wir es noch einmal, aber er klang immer noch nicht besser und Wasser machte er auch keines mehr. Nun war also auch noch unser Wassermacher kaputt gegangen! Wie viel Pech kann man eigentlich haben?

Da saßen wir also in dieser wunderschönen Bucht und nahmen bei stürmischen Winden unseren Wassermacher einmal komplett auseinander. Unsere Vermutung ist nun, dass die Pumpe aus welchen Gründen auch immer den Geist aufgegeben hat. Also riefen wir am Montag direkt beim Hersteller der Pumpe in Irland an und bestellten eine neue. Da man glücklicherweise die Dringlichkeit erkannte, versprach man uns die Pumpe sofort zu produzieren (wird wohl auf Bestellung gefertigt) und dann per Express an uns zu versenden.

Wassermacher

Nicht nur, dass aus unseren freien Tagen nichts wurde, sondern wir hingen schon wieder hier fest! Eigentlich wollten wir nur noch so lange hier bleiben, bis uns Martin unsere Halterung für die Solarpanels mitgebracht hat und dann spätestens heute in Richtung Menorca aufbrechen. Aber jetzt müssen wir noch abwarten, bis unsere neue Wasserpumpe hier ankommt und hoffen, dass unser Wassermacher nach Einbau der neuen Pumpe wieder funktioniert.

Aber glücklichweise geht uns die Arbeit bis dahin ja nicht aus. Am Montag hat Kai unser neues Funkgerät installiert und wir haben den ganzen Wassermacher gereinigt. Am Dienstag haben wir unsere neue Solarpanel-Halterung  angeschaut und waren beim Baumarkt, um noch einige Schrauben und Bohrer zu kaufen. Gestern hat Kai etwas am Yamaha-Dingi-Motor rumgeschraubt und zwei neue Nieten in unser Ankerblech gemacht. Und heute hat Kai die Arretierungen für unsere Motorraumdeckel getauscht und wir haben gemeinsam unsere Bordapotheke sortiert. An dieser Stelle auch noch ein ganz dickes Dankeschön an Lars, der uns diese zusammengestellt, mehr als zwei Drittel der Medikamente besorgt und unglaublich toll sortiert hat. Ich glaube in Afrika könnten wir damit ein Hospital eröffnen. Wir haben von verschiedenen Antibiotika, über Spritzen, Material zum Nähen von Wunden, Verbänden und Infusionslösungen alles an Bord!

Funkgerät Solarpanel Abendessen Nieten Motorraumdeckel Bordapotheke

Bitte drückt uns alle die Daumen, dass die Wasserpumpe in den nächsten Tagen eintrifft, unser Wassermacher dann wieder funktioniert und wir uns auf den Weg nach Menorca machen können!

 

 

5 Gedanken zu „Wir kommen hier nie mehr weg

  1. Hallo ihr
    ich wünsche euch, dass jetzt alle Schwierigkeiten und Fehler gefunden sind und ihr euch bald auf den weiteren Weg machen könnt. Andererseits ist Porquerolles nicht der schlechteste Platz zum verweilen (ich finde das ist einer schönsten Orte an der Küste) und sicherlich besser als eine Reparatur mitten im Teich.
    Grüße
    Stefan (kleiner Stefan)

  2. Na das ist doch alles riesiges Glück. Stellt Euch vor Ihr hättet das Rigg erst auf dem Atlantik bemerkt oder der Mast wäre nachts gebrochen. Stellt Euch vor Euer Wassermacher wäre 6 Tage nach der Abreise in die Karibik außer Dienst getreten 🙂

    Vielleicht kann Andrea unsere paar Tage Verzug auf den Kanaren auch im Rückblick jetzt anders belächeln 🙂

    Wünsch Euch gute Reparaturen und vielleicht sieht man sich noch *breitgrins* … ich komme am 15.09. nach Hyeres 🙂 … falls Ihr noch ein Teil transportieren musst 🙂 … nur zu.

  3. Liebe Andrea, Lieber Kai,

    mann oh mann!!! Euer „Alltag“ ist ja der helle Wahnsinn! Manchmal weiß ich dann doch nicht, ob ich mit Euch tauschen wollte! Aber bisher klingt das alles sehr durchdacht und versiert! Ich trau Euch alles zu!
    Weiterhin gutes Gelingen! Und Eure Beiträge sind der Hit und so wunderbar geschrieben. Ich bin beim Lesen immer ein Stückchen bei Euch!!!

  4. Jochens Gedanken hatte ich auch. Besser hier repariert als auf hoher See davon überrascht. Und ihr meistert das doch bravorös, wie man sieht.

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