Werft und weg

Das mit der Werft hatte natürlich nicht so hingehauen, wie wir es gehofft hatten. Da die Werft so viel zu tun hatte und sich bei einigen Booten der Aufenthalt verlängert hat, wurden wir mit unserem Termin immer wieder vertröstet.

Mittlerweile hatten sich dann meine Tante und mein Onkel für einen 10-tägigen Besuch angemeldet. Ihr Hinflug ging am 22.11. und wie soll es auch anders sein, genau an diesem Tag hätten wir dann auf die Werft gekonnt. Das wollten wir unseren Gästen aber doch nicht zumuten und außerdem hatten wir uns vorgenommen, auch mal ein paar Tage frei zu nehmen. Somit haben wir mit der Werft fest vereinbart, dass wir am 29.11. aus dem Wasser kommen. Das hieß für uns eine Woche Urlaub mit Tante und Onkel und diese mussten dann mit uns gemeinsam lediglich vier Tage auf dem Trockenen verbringen.

In unserem Urlaub haben wir einige Ausflüge unternommen und kennen nun wahrscheinlich fast jede Straße auf Lanzarote. Außerdem gibt es direkt bei uns im Hafen ein U-Boot und wir hatten schon seit einiger Zeit damit geliebäugelt mit diesem mitzufahren. Es ist natürlich kein Kriegs-U-Boot, sondern eher eine Art Ausflugsdampfer, mit dem man die Unterwasserwelt anschauen kann. Nachdem wir nachgefragt hatten, ob das U-Boot denn auch tatsächlich taucht (man weiß ja nie, am Ende geht es nur 2-3 Meter unter Wasser) und wir die Auskunft bekamen, dass bis auf 30 Meter getaucht wird, war klar, da wollen wir mit! Helga und Jürgen waren dann nicht nur sofort dabei, sondern haben uns den Ausflug sogar als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk geschenkt und nun sind wir stolzer Besitzer eines U-Boot-Zertifikats. Es ging tatsächlich bis auf fast 30 Meter hinunter und wir sahen einige Wracks, einen großen Schwarm Barracudas, viele Papageifische und ganz viele Fische, von denen wir uns aber leider die Namen nicht merken konnten. Es war wirklich ein tolles Erlebnis.

 El Golfo Colorado1 Colorado Submarine0 Submarine1 SubmarineFermata Abendessen

Seit Freitag sind wir nun auf der Werft und natürlich ging dies auch nicht ohne einen kleinen Zwischenfall vor sich. Kai fuhr bravourös in das 7,60m breite Becken für den Travellift (unser Boot ist 6,55m breit, d.h. wir hatten auf jeder Seite knapp 50cm Platz) und schon wurden wir aus dem Wasser gehoben. Ein Standplatz war bereits für uns leer geräumt, doch auf dem Weg dahin tat es auf einmal einen lauten Knall. Wir erschraken heftig, denn wir dachten, man wäre mit unserem Boot irgendwo dagegen gekracht. Aber als dann alle Mechaniker aufgeregt auf eine Seite des Travellifts zurannten, waren wir erst einmal erleichtert. Unserem Boot war nichts passiert, aber der Hydraulikzylinder für die Lenkung des Travellifts war kaputt. So hingen wir also mitten in der Werft am Lift und es ging nicht mehr vorwärts und nicht mehr rückwärts. Die Mechaniker versuchten den Zylinder zu reparieren, aber am Ende gaben sie auf und brachten ihn nach Arrecife in eine Werkstatt. Zuerst hieß es, dass sie in ein paar Stunden zurück wären und wir dann an unseren Standplatz kämen, aber mittags erfuhren wir, dass das Teil erst am Montag kommt und man uns nun einfach hier mitten in der Werft absetzen wird. Gesagt, getan und schon standen wir quer mitten in der Werft und versperrten alles. Es war ein Bild für Götter!

Travellift1Quer

Am Montag war der Zylinder dann repariert und wir wurden von unserem schönen Plätzchen zu unserem ursprünglichen Standplatz transportiert.

Tja, und die ganze Zeit sind wir nun mal wieder schwer am Schuften. Eigentlich hatten wir folgende Dinge geplant:

ein neues Antifouling aufbringen
das Boot polieren lassen
außen die alten „Rallystreifen“ entfernen und neue anbringen
Ruderspiel überprüfen und beseitigen lassen
Ölwechsel des Saildrive
an Backbord neue Abdeckung für Saildrive anfertigen lassen
Seeventile überprüfen
neuen Anker und Ankerkette montieren
Gelcoatrisse ausbessern lassen
Bugspriet abbauen
Dingi reinigen
Außenborder mit Süßwasser spülen
Cockpittisch abschleifen und neu lackieren

Und so ist der momentane Stand:

Um das neue Antifouling aufzubringen, mussten wir erst einmal das alte Antifouling mit der Spachtel glätten und an der Wasserlinie entlang plan schleifen. Somit haben wir mit dem Anstrich erst gestern begonnen und es mittlerweile geschafft, beide Rümpfe mit Primer einzustreichen (dieser muss aufgetragen werden, damit das neue Antifouling auf dem alten Antifouling hält).

HosenanzugSChleifen1 Schleifen2

Die Rümpfe des Bootes wurden komplett neu poliert und glänzen so sauber, dass man sich drin spiegeln kann (aber leider brauchte man etwas mehr dazu als nur Meister Proper).

Die alten Rallystreifen sind entfernt und nach zweitägiger Wartezeit kam heute der gute Mensch, der uns die neuen anbringen soll. Dies wird jedoch erst am Montag passieren.

Bei Überprüfung des Ruderspiels haben wir festgestellt, dass auf beiden Seiten die Lager ausgeschlagen sind und wir neue brauchen. Außerdem hat sich bei der Demontage des Backbord-Ruders ein Teil des Schafts delaminiert, so dass wir diesen mehrmals mit Epoxy-Primer streichen mussten.

 Ruder1 RuderRuderschaft

Beim Ölwechsel des Saildrive kam aus dem Backbord-Saildrive eine wunderschöne milchige Soße heraus. Oh weia, das ist gar nicht gut, denn das bedeutet, dass irgendwo Wasser ins Öl gekommen ist. Also mussten hier neue Simmerringe eingebaut werden. An Steuerbord sah das Öl noch gut aus, aber sicherheitshalber haben wir auch dort alles auseinander geschraubt und siehe da, zwischen den beiden Simmeringen stand auch schon eine milchige Brühe. Die mussten somit auch getauscht werden. Und da wir nun schon alles demontiert hatten, haben wir es auch gleich schön geputzt.

Die neue Abdeckung für den Backbord Saildrive bekommen wir hoffentlich morgen. Ein Teil der alten Abdeckung hatten wir irgendwo unterwegs verloren und deshalb haben wir beschlossen, für Steuerbord auch gleich eine neue anfertigen zu lassen.

Bei Überprüfung der Seeventile haben wir eines entdeckt, das defekt ist und getauscht werden muss. Außerdem sind einige Rohrbögen ziemlich stark verkalkt. Das wollen wir morgen von unserem Fachmann Henning, der uns hier rundum betreut, checken lassen. Und da wir ihn dann schon auf das Thema Seeventile angesprochen hatten, schaute er sich mal geschwind die Ausgänge der Seeventile an der Bordwand an und meinte, dass er uns empfehlen würde 5 von 8 zu erneuern.

Unser neuer Anker ist gestern angekommen (für alle Segler: wir haben uns für einen 25kg Rocna entschieden und freuen uns schon riesig darauf ihn auszuprobieren). Wir haben den alten demontiert und weil er ziemlich verrostet war, haben wir ihn abgeschliffen und komplett mit Epoxy-Primer gestrichen. Wir werden ihn behalten und in Zukunft eventuell als Zweitanker benutzen. Die Ankerkette kam heute endlich an. Diese sollte schon seit Montag immer „morgen“ geliefert werden. Glücklicherweise war dann heute endlich „morgen“ 😉

SchäkelvonAnkerabgetrennt

Die Gelcoatrisse und einige Löcher, die wir beim Abschleifen noch gefunden haben, wurden von der Werft schön ausgebessert.

Den Bugspriet haben wir noch nicht abgebaut. Wir wollen erst testen, ob er auch mit dem neuen Anker noch passt, falls wir ihn jemals wieder montieren möchten (wir brauchen ihn momentan nicht mehr, weil wir ja keinen Gennaker mehr haben und er da vorne nur unnötiges Gewicht ist).

Als wir unser Dingi mal von unten angeschaut haben, sahen wir, dass dort der Gelcoat rausschaut und somit haben wir auch hier gestern neuen Epoxy-Primer aufgebracht. Geputzt ist es aber leider noch nicht.

Mit dem Außenborder haben wir noch gar nicht angefangen und unseren Cockpittisch haben wir immerhin auf der Oberseite schon einmal abgeschliffen.

Tisch

So haben wir also die letzten Tage schon ordentlich geschuftet, aber leider wurde unsere Liste noch nicht viel kürzer. Hoffentlich ändert sich das in den nächsten Tagen. Ich möchte so schnell es geht wieder ins Wasser, denn auf der Werft zu leben ist wirklich nicht angenehm. Wir können über Tag überhaupt keine Fenster aufmachen, weil sonst alles schrecklich einstaubt. Wir duschen somit immer mit feuchten Handtüchern, weil diese überhaupt nicht trocknen. Obwohl wir keine Fenster aufmachen, ist hier alles schon mächtig verstaubt und verdreckt und das Deck ist fast nicht mehr weiß, sondern nur noch eine einzige Schmutzschicht. Wir können zwar ohne Probleme kochen, aber mit dem Abwasch ist das so eine Sache. Alle unsere Abflüsse gehen ja normalerweise direkt ins Meer und das bedeutet, wenn wir hier Hände waschen oder Geschirr spülen, würde das alles in einer riesigen Wasserlache unter dem Boot stehen, wo wir den ganzen Tag arbeiten. Außerdem würde es am Rumpf entlang laufen, auf den wir ja gerade den Primer aufgetragen haben. Also sammeln wir alles in einem kleinen Plastikbecken und leeren dies mehrmals am Tag aus. Um auf die Toilette zu gehen, müssen wir aus der Werft raus (immerhin hat es hier für die Männer ein Pissoir) und einige hundert Meter laufen. Ich versuche, nun immer am Abend möglichst wenig zu trinken, damit ich nicht mitten in der Nacht auf die Toilette muss. Außerdem stehen wir hier auf Böcken und der ganze Boden um uns herum ist total schmutzig. D.h. man muss immer mit allen möglichen Dingen in der Hand auf der Badeleiter hoch und runter klettern und dabei auch noch aufpassen, dass man das Boot nicht dreckig macht, denn wir wollen nicht unbedingt Antifouling überall an Deck haben.

Aber was für mich noch mit das Schlimmste ist (neben dem ganzen Dreck natürlich), dass man mich nachts einfach nicht schlafen lassen will. Vor drei Tagen lief die ganze Zeit ein Kompressor, den jemand vergessen hatte auszuschalten. Alle 20 Minuten ging er wieder an und als ich bis um 2:30 Uhr nachts noch kein Auge zugetan hatte, beschloss ich, dieses blöde Ding zu suchen und auszuschalten. Kai meinte, dass er ganz hinten an der Wand stehen würde und somit machte ich mich mit der Taschenlampe auf die Suche. Ich fand ihn auch auf Anhieb, suchte dann etwas länger nach dem Schalter, fand ihn schließlich und guckte blöd aus der Wäsche, denn dieser stand auf „aus“. Das Geräusch kam aber eindeutig immer aus dieser Richtung, aber wie soll ein Kompressor Lärm machen, der gar nicht an ist? Also wartete ich. Bisher war er ja alle 20 Minuten angesprungen, also hieß es etwas Geduld haben. Nach ca. 10 Minuten kam dann Kai, weil er sich Sorgen gemacht hatte, weil ich nicht zurückgekommen war. Somit gingen wir dann nochmal gemeinsam auf die Suche. Kai fand dann in einem versteckten Eck eine Druckluftpistole, aus der ständig etwas Luft entwich. Wir verfolgten den Schlauch und sahen, dass er einen Stock höher hinter einer Tür verschwand. Also die Außentreppe hoch, Klinke gedrückt und …abgeschlossen. Ich dachte das darf nicht wahr sein. So kurz vorm Ziel und nun das. Um aber sicher zu sein, dass der Kompressor wirklich hinter dieser Tür steht, ging Kai nochmal runter, betätigte die Druckluftpistole und der Kompressor sprang an. Er war allerdings gar nicht hinter der vermuteten Tür, sondern auf einem kleinen Podest, das man wohl normalerweise über eine Treppe hinter der verschlossenen Tür erreichen konnte. Aber so leicht wollte ich nicht aufgeben. Denn ich sah, dass ich mich eventuell auf den Handlauf einer Treppe stellen konnte, mich dann an einer Balustrade hochziehen und à la Lara Croft auf das Podest hochangeln könnte. Gesagt, getan und schon stand ich vor dem lärmenden Monster, hieb einmal auf den Aus-Schalter und endlich war Ruhe. Nur leider war ich nach dieser Aktion dann so hellwach, dass ich noch bis ca. 4 Uhr gebraucht habe, bis ich endlich einschlafen konnte. Und um 7 Uhr kommen hier die ersten Handwerker und fangen an zu schleifen und zu klopfen, so dass an Schlafen nicht mehr zu denken ist.

Ihr seht wir haben hier gerade mächtig Spaß und müssen uns vor Langeweile nicht fürchten!

Ein Gedanke zu „Werft und weg

  1. Hallo Andrea und Kai,
    euer Arbeitslagerbericht ist ja echt krass, aber wenn ihr dann auf dem Atlantik shippert, werdet ihr froh sein wenn alles funktoniert. Daher drücke ich euch die Daumen, dass ihr die Werft bald wieder verlassen dürft und dann wieder die Nase in den Wind heben könnt. Liebe Grüße aus dem sonnigen Heidelberg
    Stefan

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