Union Island – Bürokratie at its best

Wer glaubt, dass Deutschland bürokratiemäßig in der ersten Liga spielt, der irrt sich gewaltig. Was wir gerade hier auf Union Island erlebt haben, hat unsere bisherigen Erfahrungen bei weitem übertroffen.

Aber ich beginne mal von vorne. Nach dem Besuch der Tobago Cays und von Mayreau sind wir am 22.5. in Union Island angekommen. Ursprünglich wollten wir hier nur ein paar Tage bleiben und dann weiterziehen in Richtung Grenada. Aber wie schon so oft, haben sich unsere Pläne mal wieder ganz schnell geändert. Wir haben hier nämlich einen super Kitesurf-Spot endeckt. Vor einem kleinen Örtchen namens Ashton sollte ursprünglich eine Marina gebaut werden. Doch nachdem ein Mafiosi mit dem ganzen Geld abgehauen ist, wurde das Projekt stillgelegt. Und dadurch entstand eine wunderschöne Lagune, in der man herrlich Kitesurfen kann.

Kai übt sich mittlerweile in Toeside-Transitions, während ich endlich Upwind fahren kann und normale Transitions übe. Es ist hier zwar sehr böig, aber dafür hat es fast keine Wellen und so gut wie immer zwischen 16-23 Knoten Wind. Einfach perfekt!

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Da es uns hier so gut gefällt, unser Visum für die Grenadinen jedoch am 9. Juni (Pfingstmontag) auslief, beschlossen wir rechtzeitig mit dem Bus nach Clifton zu fahren, um dieses für einen weiteren Monat zu verlängern. Somit setzten wir uns am 6.6. in den Bus und gingen in Clifton ins Büro der Customs. Dort durften wir jeder EC$ 35,- (ca. €9,-) berappen und bekamen in schöner Handschrift eine Quittung ausgestellt. Mit dieser Quittung sollten wir an den Flughafen zur Immigration gehen und dort unser Visum verlängern. Also liefen wir in der Mittagshitze ca. 1km zum Flughafen. Dort sagten wir wieder unser Sprüchlein auf, dass wir unser Visum verlängern möchten und zeigten unsere Quittung vor. Daraufhin verschwand die nette Dame für ca. 10 Minuten in einem Büro und kam dann mit einem Immigration-Officer wieder zum Vorschein. Dieser reichte für jeden von uns drei Formulare über den Tisch und bat uns diese auszufüllen. Als wir gerade damit beginnen wollten, fiel ihm jedoch noch ein, uns zu fragen, ob wir denn die benötigten Briefmarken dabei hätten. Wir haben ihn ziemlich ratlos angeschaut und mit dem Kopf geschüttelt. Tja, dann müssten wir zuerst ins Postamt und für jeden von uns Briefmarken im Wert von EC$25,- kaufen. Allerdings würde dies bereits um 15 Uhr schließen und da es mittlerweile bereits 14:50 Uhr war, würden wir das wohl nicht mehr schaffen. Aber wir könnten es versuchen, manchmal wären die Angestellten etwas länger da und dann könnten wir mit den Briefmarken noch am gleichen Tag wiederkommen. Sollten wir es nicht mehr schaffen, so sollten wir dann eben am Dienstag erneut vorstellig werden. Warum hatte uns das die Dame bei den Customs denn nicht gesagt, dann hätten wir uns diesen Weg sparen können?!

Da wir natürlich keine Lust hatten am Dienstag nochmals nach Clifton zu fahren, spurteten wir los und kamen um kurz nach 15 Uhr am Postamt, das natürlich 1,5 km entfernt am entgegengesetzten Ende von Clifton liegt, an. Die Dame dort war dann sogar so nett und verkaufte uns noch die Briefmarken, obwohl sie eigentlich schon Feierabend gehabt hätte. Wir freuten uns riesig! Wir liefen somit gleich wieder zurück zum Flughafen, präsentierten stolz unsere Briefmarken und fingen an den Papierwust auszufüllen. Doch da wurden wir von dem Immigration-Officer gestoppt. Urplötzlich meinte er, er könne unsere Visa ja heute gar nicht verlängern, weil sie erst am Montag ablaufen und wir dann ein paar Tage verlieren würden, wenn er sie jetzt gleich um einen Monat verlängert. Kai beteuerte ihm, dass dies nicht weiter schlimm sei, da wir sowieso nur noch ca. 2 Wochen hier bleiben möchten. Da meinte der Officer auf einmal, das würde so nicht gehen,  er könne zwar jetzt alles eintragen, aber dann müsse er unsere Pässe bis Montag behalten und dann könnten wir sie wieder abholen. Ja, ist der gute Mensch denn noch zu retten? Das sagte er uns jetzt, nachdem er uns zum Postamt und wieder zurück hat laufen lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt fanden wir das alles ja noch ganz spaßig, aber nun platzte Kai dann doch der Kragen. Er machte dem Immigration-Officer klar, dass er nun doch sehr verärgert sei, packte mit hochrotem Kopf die ganzen Unterlagen in den Rucksack und stürmte aus dem Gebäude.

Es ist wirklich unglaublich, wie unterschiedlich diese Dinge auf den verschiedenen Inseln gehandhabt werden. In Antigua mussten wir zur Verlängerung lediglich zur Port Authority, bezahlten dort schnell US$ 16,-, gingen danach einen Schalter weiter zur Immigration, (ebenfalls ein paar Tage bevor unsere Visa abliefen) bekamen einen neuen Stempel und innerhalb von zehn Minuten war alles erledigt. Und hier auf Union Island schickt man uns von Pontius zu Pilatus, beschäftigt uns mehr als eine Stunde, nur um uns am Ende zu sagen, dass wir nochmals wiederkommen und somit nochmals einen halben Tag opfern müssen. In Sachen Bürokratie macht denen hier keiner so schnell etwas vor 😉

Glücklicherweise konnten wir bereits am Abend über die ganze Sache schon wieder lachen. Wir haben hier in der Bucht einige nette Segler kennengelernt und treffen uns immer mal auf einem anderen Boot zum Sundowner. So konnten wir dann die Besatzung der Ocean Rainbow, der Kyory (Franz) und der Sybo mit unserer Geschichte  amüsieren. Überhaupt war dies ein sehr lustiger Abend, an dem uns James (man sollte es nicht glauben, dass er tatsächlich ein britischer Army-General ist) sein gesamtes Hauspersonal vorstellte, wie zum Beispiel seinen Wischmopp, den er Henrietta getauft hat!

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Inzwischen ist es uns übrigens gelungen unsere Visa zu verlängern, so dass wir nun wieder unbeschwert den ganzen Tag Kite-Surfen können.

2 Gedanken zu „Union Island – Bürokratie at its best

  1. Hi ihr Lieben, fantastische Anekdoten und voller Neid lese ich, dass ihr Kitesurfen zu Eurer neuen Lieblingssportart erkoren habt. Iiiiiiiiich will auch 😉 Einfach gigantisch. Viele liebe Grüße und dass die Haie im Becken bleiben. Jens

  2. … es hst wohl auch vuel mit Sympathie zu tun. Wir fanden Antigua katastrophal, weil man alle Formulare incl. Crewliste, Adressen und Ausweisnummer 4 mal handschriftlich ausfüllen musste und weder unsere Ausdrucke noch der Kopierer in der Raumecke akzeptiert wurde.
    Union Island machte der Officer zwar seinen Frauenwitz (wie … der 1. Offizier ist ein Frau) … hieß mich dann aber sehr schnell im Kreis der Ehemänner willkommen 🙂

    Trotzdem viel Spaß Euch … insbesondere auch bei Eurem neuen Hobby 🙂

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