Wieder unterwegs!

Ihr werdet wahrscheinlich alle froh sein, dass wir endlich mal wieder unterwegs sind und nicht nur vom Kitesurfen auf Union Island berichten. Die Tage vergehen momentan unglaublich schnell, weil wir gerade so viel erleben. In Carriacou gab es im Rahmen der Regatta noch einige Partys und auch eine Auktion. Hier hatten lokale Unternehmen und auch andere Segler Dinge gespendet, die dann versteigert wurden. Auch wir hatten Glück und erwarben einen Gutschein für eine Pizzaria (für €20,-, aber im Wert von €27,50), ein T-Shirt (€1,25) und ein Handtuch (€2,50). Das hat richtig Spaß gemacht!

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In Carriacou lernten wir endlich auch mal ein paar Deutsche kennen, die sogar in unserem Alter sind. Annett und Holger sind mit ihren beiden Kindern auf einem Katamaran unterwegs und Katja und Andreas haben ein Stahlboot. Ach, war das schön endlich mal wieder in deutsch zu quatschen!

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Am Dienstag sind wir jedoch weitergesegelt nach Grenada. Hier hatte uns Lionel die Bucht von Grenville an der Ostküste empfohlen, in die sich nicht sehr viele Segler verirren. Die Einfahrt ist etwas schwierig, weil die ganze Bucht von einem Riff umgeben ist, aber alles ist mit Bojen gut markiert und wir konnten sehr ruhig vor der Stadt ankern. Grenville ist übrigens die zweitgrößte Stadt von Grenada mit ca. 20.000 Einwohnern (da hat sogar Hockenheim noch mehr Einwohner!).

Die Stadt ist ziemlich lebendig: es gibt einen Fischmarkt, einen Obst- und Gemüsemarkt, viele Supermärkte, Klamottenläden und Imbissbuden. Und von hier aus fahren Busse in alle Richtungen, so dass wir einige schöne Ausflüge machen konnten.

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Doch für unsere erste Tour benötigten wir noch nicht einmal einen Bus. Mitten in der Stadt gibt es eine alte Muskatnuss-Fabrik, die immer noch in Betrieb ist. Vor dem Hurrikan Ivan (im Jahr 2004) wurden hier pro Jahr 6 Mio. Pfund Muskatnüsse verarbeitet, jetzt sind es nur noch 600.000, weil damals so viele Bäume entwurzelt wurden. Dennoch ist Grenada immer noch der zweitgrößte Muskatnusslieferant der Welt, nach Indonesien und vor Indien. Die Fabrik hat 118 Angestellte und es werden fast alle Arbeiten von Hand erledigt. Irgendwie kamen wir uns vor, als ob wir zeitlich 100 Jahre zurückversetzt worden wären.

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Am Mittwoch fuhren wir dann mit einem der lokalen Busse zu einer Kakao-Plantage mit angeschlossener Schokoladenfabrik. Dort wird zum einen die berühmte Grenada-Schokolade hergestellt, zum anderen werden die getrockneten Kakao-Bohnen in die ganze Welt verschifft, z.B. auch in die Schweiz zu Nestlé. Nachdem wir den aufwändigen Prozess von der Kakaofrucht bis zur fertigen Kakaobohne erklärt bekommen hatten, war uns klar, warum richtig gute Schokolade so teuer ist. Leider war momentan gerade keine Saison für Kakao (diese ist von Oktober bis Mai), so dass keine Weiterverarbeitung stattfand. Aber wir durften zwei verschiedene Sorten Schokolade probieren und bekamen dazu einen leckeren Kakao mit Zimt und Lorbeer. Außerdem werden auf der Plantage auch noch einige Obstsorten angepflanzt und Ziegenkäse erzeugt. Deshalb gab es hier einen ganzen Stall voll lustiger langohriger Ziegen und auch einen sprechenden Papagei, mit denen wir uns amüsierten.

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Am Donnerstag vormittag machten wir uns zusammen mit Katja und Andreas auf, um den Grand Etang, einen Kratersee in den Bergen, zu umrunden. Am Beginn des Trails strahlte noch die Sonne, doch ca. 20 Minuten nach dem Start fing es an zu regnen, nein eigentlich eher zu schütten. Und es wollte nicht mehr aufhören. Nachdem der ganze Weg immer matschiger wurde, beschlossen wir aufzugeben und umzukehren. Wir waren völlig klatschnass (Kai sagt dann immer: wir sind halt auch im Regenwald!) und liefen zur Straße, um mit dem Bus zurück nach Grenville zu fahren. Doch leider waren alle Busse, die vorbei kamen voll und nach ca. 20 Minuten versuchten wir es per Anhalter. Wir hatten ziemlich schnell Glück: ein Pickup hielt an und ließ uns auf die Ladefläche steigen. Wenn wir geahnt hätten, was das für eine Höllenfahrt wird, wären wir wohl nicht so leichtsinnig eingestiegen. Mit ca. 80 km/h ging es die kurvige Straße runter. Wir krallten uns fest, wo wir nur konnten und wurden trotzdem ziemlich wild durchgeschleudert. Eine Achterbahnfahrt ist gar nichts dagegen. Und zu unserer großen Freude fing es unterwegs auch wieder richtig an zu schütten. Ihr glaubt nicht, wie froh wir waren, als wir lebend in Grenville ankamen und nass und verdreckt vom Pickup springen konnten.

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Gestern vormittag wollten wir eigentlich weitersegeln, doch da wir so früh wach waren, beschlossen wir noch schnell einen Ausflug zu den Mount Carmel Wasserfällen zu machen. Wir fuhren mit dem Bus zum Beginn des Trails und wollten loslaufen. Doch irgendwie fanden wir den Anfang nicht. Wer hätte auch gedacht, dass man durch ein Gartentor gehen muss, vorbei an einem angeketteten Hund und neben dem Haus eine Treppe hinuntersteigen. Das war wahrlich die größte Herausforderung des Trails, denn als wir nach ca. 10 Minuten um eine Ecke bogen, waren wir bereits da. Ein wunderschöner 23m hoher Wasserfall ergoss sich vor unseren Augen. Kai zog gleich seine Badehose an, stürzte sich unter den Wasserfall und gönnte sich eine schöne Rückenmassage. Ich jedoch wollte mir anstatt der Dusche lieber ein schönes Bad gönnen und deshalb liefen wir noch zu den kleineren Wasserfällen, die in einem wunderschönen Pool enden. Dort genoss ich ca. 10 Minuten das zur Abwechslung kühle frische Wasser, denn das Meer hat hier ja immer ca. 28°C.

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Zurück an unserem Boot gingen wir Anker auf und segelten 12 Meilen in eine kleine südliche Bucht. Hier angekommen fühlten wir uns wie auf dem Baggersee. Rund um uns herum sind Mangroven, man ist total geschützt und das Wasser kräuselt sich nur ab und an etwas. So ruhig haben wir seit Monaten nicht mehr geschlafen! Laut unserem Revierführer sollte es hier auch ein schönes kleines Restaurant (Mangrove Hideaway) mit Poolbillard und Tischtennis geben, doch bereits als wir am Steg ankamen, schwante uns, dass dieses eventuell nicht mehr existiert. Der Steg war halb zerfallen und das Gebäude sah nicht viel besser aus. Schade, das wäre wirklich ein sehr schöner Ort für ein Restaurant, doch vielleicht ist es hier einfach etwas zu sehr versteckt. Denn außer uns liegen nur noch vier andere Boote in der Bucht, von denen jedoch nur zwei bewohnt sind. Die Ruhe hier ist einfach himmlisch!

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