Hurrikansaison – was ist das?

Nachdem wir einige Anfragen bekommen haben, doch mal wieder über etwas zu schreiben, was das Segeln betrifft, werden wir Euch heute mal ein wenig über die derzeitige Hurrikansaison in der Karibik berichten. Ansonsten ist hier zum Thema Segeln im Moment nämlich nicht viel los, da im Sommer der Passatwind fast ganz einschläft und zumindest mit unserem Boot bei 5 oder maximal 10kn Wind keine wahre Freude aufkommt. Daher bewegen wir unsere Silence nur sehr selten und wenn, dann nur einige wenige Seemeilen in die nächste Bucht. So tingeln wir zwischen den Buchten im Süden Grenadas hin und her, je nachdem, ob wir gerade Cluburlaub machen wollen, gute Infrastruktur benötigen oder einfach nur in Ruhe unsere Silence auf Vordermann bringen möchten.

Im Gegensatz zu Europa ist hier in den Tropen der Sommer nicht die von fast jedermann präferierte Jahreszeit. Es ist heiß und schwül, der schwache Wind bringt weder Abkühlung noch hält er Moskitos und die tückischen Sandmücken fern und außerdem fängt es alle naselang an zu regnen. Und zu allem Überfluss sind diese Bedingungen auch noch ideal, um einen weiteren ungeliebten Gast auszubrüten: den Hurrikan.Hurricane IsabelEin solcher tropischer Sturm kann nur entstehen, wenn das Wasser warm genug ist (für Zahlenliebhaber: mindestens 26,5°C bis in 50m Tiefe) und das Wettergeschehen insgesamt instabil ist. Dies ist häufig im Spätsommer in der Nähe der vor Afrika gelegenen Kapverdischen Inseln der Fall. Hier werden die meisten tropischen Stürme geboren und ziehen dann mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 35km/h Richtung Westen, wo sie nach einer 4000km weiten Reise über den Atlantik auf die karibischen Inseln treffen. Waren die Wetterbedingungen unterwegs ideal, kommen sie dort als ausgewachsene Hurrikane an, in denen Windgeschwindigkeiten von weit über 200 Stundenkilometern gemessen werden können.

Während ihrer Reise über den Atlantik sorgt allerdings die Erdrotation dafür (Corioliskraft), dass die Stürme etwas nach Norden abgelenkt werden. Die Wahrscheinlichkeit eines Hurrikans ist daher auf der im Süden der kleinen Antillen gelegenen Insel Grenada wesentlich geringer als im nördlichen Teil der Inselkette.

Hurricane HistoryTrotzdem können hier Hurrikane auftreten, wie z.B. 2004 geschehen, als „Ivan“ über Grenada hinwegfegte und die Insel verwüstete. Damals sind auch viele Yachten beschädigt worden, weshalb wir nach Trinidad „fliehen“ würden, falls es der Zeitraum zwischen offizieller Warnung und dem Eintreffen des Hurrikans zulassen würde. Ansonsten würden wir uns in eine „sichere“ Ankerbucht verholen, was allerdings leichter gesagt als getan ist. Der Wind und somit auch die Wellen kommen im Verlaufe eines tropischen Sturms mit unverminderter Stärke aus jeder Himmelsrichtung. Somit muss eine solche Bucht immer gegen alle Seiten geschützt sein. Außerdem darf sie auch nicht zu flach sein, denn der Wasserstand kann während eines Hurrikans schon mal um zwei Meter absinken. Im Idealfall sollten auch nicht zu viele Yachten in der Bucht liegen, denn je größer die Anzahl der Boote ist, desto höher ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich eines losreißt und außer sich selbst auch andere schwer beschädigt. Eine gute Bucht im Süden Grenadas ist Port Egmont, in der es auch „Ivan“ im Jahre 2004 nicht gelungen ist, größeren Schaden anzurichten. Und das obwohl in der Bucht damals sehr viele Yachten und auch Fischer- und Fährboote gelegen haben sollen.

Hurricane Port EgmontHurricane Silence in Port Egmont

Port Egmont ist völlig von Mangroven umgeben, die ein unglaublich verzweigtes und fest im Grund verankertes Wurzelwerk besitzen. Die hier übliche Methode eine Yacht auf einen drohenden Hurrikan vorzubereiten ist, einen oder besser zwei Anker übers Heck auszubringen, mit dem Bug bis fast in die Mangroven zu fahren und am besten alle zur Verfügung stehenden Leinen dazu zu benutzen, das Boot in diesem dichten Buschwerk zu vertäuen. Anschließend muß man sich eine der unter uns Seglern am meisten diskutierten Fragen stellen: bleiben wir an Bord, um notfalls Leinen nachjustieren oder mit dem Motor entlasten zu können, oder lassen wir unsere Silence im Stich und retten uns in ein hoffentlich sicheres Hotel oder Haus im Landesinneren? Im Moment wissen wir darauf selbst noch keine Antwort.

Um rechtzeitig von einem bevorstehenden Hurrikan zu erfahren, rufen wir normalerweise zweimal täglich die Internetseite des amerikanischen National Hurricane Centers (NHC) ab. Hier gibt es alle Informationen, die wir benötigen, wie z.B. eine Karte, in der die Gebiete markiert sind, in denen in den nächsten 5 Tagen ein tropischer Sturm entstehen könnte.

Hurricane - NHC - 20140816 Hurricane - NHC - 20140818 Hurricane - NHC - 20140821

Hat sich schließlich ein Sturm formiert, wird ihm ein Name gegeben. Diese Namen sind in alphabetischer Reihenfolge sortiert und abwechselnd männlich bzw. weiblich (also z.B. Tropical Storm „Kai“ oder Hurricane „Andrea“). Unter diesem Namen werden dann auf der Webseite des NHC unter anderem die aktuelle Position, die vorhergesagte Zugbahn und auch die jeweiligen Windgeschwindigkeiten des Sturms veröffentlicht. Außerdem werden dort für gefährdete Küstenregionen normalerweise frühzeitig Warnungen herausgegeben.

Hurricane Bertha Cone Hurricane Bertha 34kt Hurricane Bertha 50kt

Das Jahr 2014 verläuft bisher vergleichsweise ruhig. Obwohl es schon Mitte September ist, normalerweise der Höhepunkt der von Juni bis November dauernden Hurrikansaison, gab es im gesamten Atlantik erst fünf tropische Stürme zu verzeichnen. In der Rekordsaison 2005 waren es zu dieser Zeit bereits 18!

Um eine ungefähre Vorstellung von der Naturgewalt zu bekommen, die in einem Hurrikan steckt, kann man sich diesen als riesiges Elektrizitätswerk vorstellen. Laut NHC erzeugt ein durchschnittlicher Hurrikan 600.000.000.000.000 Watt (600 Terawatt), was der 200-fachen Leistung aller Elektrizitätswerke der Welt zusammengenommen entspricht! Hurricane KatrinaFür die Zahlenjongleure unter Euch habe ich zu guter Letzt noch einige Rekordhalter unter den Hurrikanen zusammengetragen:

  • 1899 Hurricane „San Ciriaco“: längste Dauer: 28 Tage
  • 1966 Hurricane „Faith“: längste Zugbahn: 11024km
  • 1980 Hurricane „Allen“: höchste Windgeschwindigkeit: 305km/h
  • 2005 Hurricane „Katrina“: größter Schaden: 105 Milliarden US-Dollar
  • 2012 Hurricane „Sandy“: größter Durchmesser: 1520km

Abschließend bleibt noch zu hoffen, dass wir auf unserer Reise niemals einem Hurrikan begegnen werden. Denn auch wenn man sich über vermeintlich alle Details im Vorfeld Gedanken gemacht hat, wird es wie immer am Ende doch anders kommen, als man denkt!

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