Barbuda und St. Barths – Kontrast pur

Nachdem uns das Lagerfeuer anlässlich meines Geburtstags so gut gefallen hatte, machten wir vergangenen Montag nochmals ein spontanes Barbecue am Strand. Mangels Fleisch mussten wir uns hierfür ein paar Langusten besorgen und Kai und ich waren ganz stolz auf unsere zwei Prachtexemplare. Doch als Holger dann mit seiner Languste ankam, fiel uns die Kinnlade herunter. Dagegen sahen unsere wie zwei Babys aus. Aber geschmeckt haben sie alle sehr lecker.

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Am nächsten Morgen fuhren wir zusammen weiter in die Low Bay, um von dort über eine riesige Lagune in die Hauptstadt Codrington zu fahren. Sie ist gleichzeitig auch die einzige Stadt auf der Insel und hat ca. 2.000 Einwohner.

Dort buchten wir für den nächsten Tag einen Ausflug in die Fregattvogel-Kolonie. Morgens um 8:00 Uhr holte unser Guide uns am Strand ab und wir fuhren zuerst nach Codrington, um dort auszuklarieren. Jeder Segler hatte uns davor gewarnt, weil es so furchtbar aufwändig und teilweise sogar unmöglich sei, doch das Glück war uns anscheinend hold. Zuerst sollten wir zur Port Authority, doch als wir dort ankamen, war die Tür verschlossen und kein Mensch zu sehen. Also standen wir etwas verloren vor dem Eingang, bis nach ein paar Minuten unser Guide angerannt kam und uns sagte, dass er den Customs Officer zufällig gerade am Hafen gesehen hätte und wir schnell mitkommen sollen. Also liefen wir die paar Schritte zurück zum Hafen und konnten dort an einem kleinen Picknick-Tisch unsere Zollformulare ausfüllen und ersparten uns somit den Weg einmal quer durch die „Stadt“. Nun hieß es, dass wir wieder zur Port Authority und danach zur Immigration gehen sollten. Leider war die Dame von der Port Authority immer noch nicht da, doch eine Mitarbeitern der Tourist Info (ja, kaum zu glauben, dass es hier sogar so etwas gibt) sagte uns, wir sollten zuerst zur Immigration gehen und dann zurück kommen. Also gingen wir zur Immigration, füllten dort unser Formular aus, bekamen die Ausreise-Stempel in unsere Pässe und wurden gebeten nun zur Port Authority zu gehen. Doch als wir dort wieder ankamen, war die Dame immer noch nicht da und die Kollegin sagte uns, sie käme heute auch nicht ins Büro und sie hätte aber mit ihr geklärt, dass wir einfach so gehen dürften. Somit waren alle Formalitäten nach ca. 40 Minuten erledigt und wir waren uns einig, dass wir da schon wesentlich Schlimmeres erlebt hatten.

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Und dann ging es endlich weiter zur Fregattvogel-Kolonie. Schon von weitem sahen wir unglaublich viele Vögel über den Mangroven in einem Teil der Lagune kreisen. Es soll hier insgesamt ca. 5.000 Vögel geben und die Fregattvogel-Kolonie ist die größte der gesamten Karibik. Und beim Näherkommen sahen wir sie überall in den Bäumen sitzen. Im Herbst und Winter ist Brutzeit und wir waren somit genau zur richtigen Zeit dort, um überall die flauschigen und strubbeligen Jungvögel zu sehen. Während die Männchen beim Nest und bei den Jungen bleiben, sind die Weibchen den ganzen Tag unterwegs, um Fische zu jagen bzw. anderen Vögeln ihre Beute abzujagen. Recht ungewöhnlich, dass die Frauen zur Jagd gehen, während die Männer das Haus in Ordnung halten und auf die Kids aufpassen. Irgendwie verdrehte Rollen, oder? Und wie bei so vielen Tieren, sind auch hier die Männchen die hübscheren: sie haben einen roten Beutel unter dem Schnabel, den sie in der Balzzeit aufblasen können und der aussieht wie ein roter Luftballon. Da die Balzzeit jedoch schon vorbei war, glaubten wir nicht, dass wir dies zu Gesicht bekämen. Doch auch hier hatten wir Glück, denn ein Männchen war mit dem Balzen etwas spät dran, so dass wir ihn in aller Pracht bewundern konnten.

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Mittags machten wir noch einen Spaziergang am Strand, wo wir den gesamten 11 Meilen langen schönen rosa Sandstrand ganz für uns alleine hatten. Und dann hieß es Abschied nehmen von Netti, Holger, Oskar & Willi. Während die beiden noch etwas auf Barbuda und Antigua bleiben, wollten wir am nächsten Morgen weiter nach St. Barths.

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Um 4:00 Uhr standen wir auf, um die 60 Meilen in Angriff zu nehmen. Und zum ersten Mal seit der Atlantik-Überquerung kam auch unser Spi wieder zum Einsatz. Da wir nur leichten Wind hatten (zw. 12-14 Knoten), waren es perfekte Bedingungen für unseren Spi und wir segelten ganz gemütlich mit zwischen 4,5 und 6,3 Knoten nach St. Barths und erreichten die Hauptstadt Gustavia wie geplant am Nachmittag. Schon von weitem sahen wir, dass es hier nicht ganz so leer ist, wie auf Barbuda. Überall liegen Boote und wir fanden nur sehr weit draußen einen Platz. Somit mussten wir dann in Kauf nehmen, dass die Frachter und alle anderen Boote direkt hinter uns vorbei in den Hafen fuhren und wir teilweise so sehr wackelten, dass unser Geschirr durch die Gegend flog. So schlimme Bedingungen hatten wir bisher noch nicht einmal draußen auf See bei 3m-Wellen. Deshalb blieben wir auch nur einen Tag, um uns etwas unter Reich und/oder Schön zu mischen, an den exquisiten Geschäften wie Hermès, Chanel, Rolex, usw. vorbei zu schlendern und die ach so günstigen steuerfreien Preise zu bestaunen. Außerdem genossen wir noch den Ausblick über den Hafen und die Bucht und ließen es uns natürlich nicht nehmen, ein Bad in den Muscheln am bekannten Shell Beach zu nehmen.

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Und am Freitag morgen flüchteten wir noch vor dem Frühstück in eine kleine Bucht nördlich von Gustavia. Die Anse de Colombier ist ein Marinepark mit vielen Schildkröten und Fischen und glücklicherweise nicht ganz so vielen Booten und Menschen. Beim Schnorcheln kam eine Schildkröte direkt auf mich zu, so dass ich ein richtig schönes Foto von ihr machen konnte. Hier gefiel es uns doch entschieden besser als in Gustavia.

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Barbuda: ein Vorgeschmack auf die Südsee

Kaum zu glauben, aber wir haben es endlich geschafft, uns von Antigua loszureißen. Nach wochenlangem intensiven kiten, hat Kai seine Technik auf dem Surfboard perfektioniert und konnte am Ende sogar die Richtung wechseln (für Fachleute: entweder zuerst gybe und dann toeside fahren oder zuerst switch und dann einen gybe). Und bei mir wurden die Sprünge auf dem Twintip von Tag zu Tag höher. Mein höchster Sprung lag dann ca. bei 4 Metern; das war ein Wahnsinnsgefühl.

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Während der Tage, an denen wir mangels Wind nicht kiten konnten, führten wir mal wieder einige Reparaturen bzw. Verbesserungen am Boot durch. So haben wir nun endlich einen Sonnenschutz für die Steuerbordseite genäht und unsere Sprayhood verlängert.  Außerdem haben wir alle Winschen gereinigt und geölt und Kai hat ein paar Dynemaleinen gespleißt. Unser Dingi bekam einen neuen Unterbodenschutz aus Epoxy-Farbe und Kai reparierte am gleichen Tag zum zweiten Mal unseren kleinen Kite (glücklicherweise scheint die Reparatur dieses Mal länger zu halten). Aber natürlich gingen nicht nur solche Kleinigkeiten kaputt. Nein, unsere Silence bleibt ihren Gewohnheiten treu und lässt sich ca. einmal pro Monat eine etwas größere Anschaffung einfallen. Im Januar ging ein Teil unseres Backofens kaputt, so dass wir nun unbedingt einen neuen kaufen müssen, im Februar gab unsere Starterbatterie den Geist auf und im März wollte unsere Wasserpumpe dann nicht mehr. Die Wasserpumpe ist bereits durch eine neue ersetzt und die anderen beiden Neuanschaffungen werden wir dann in St. Maarten tätigen. Also wenn ich hier auf dem Boot eines gelernt habe, dann ist es Gelassenheit. Noch vor einem Jahr schossen mir immer die Tränen in die Augen, wenn wieder eine teure Reparatur oder Neuanschaffung anstand; mittlerweile gibt es da von mir nur noch ein Schulterzucken. Das gehört einfach zum Bordalltag und man kann’s ja nicht ändern.

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Nachdem dann der Wind vergangenen Montag wieder nachließ, packten wir die Gelegenheit beim Schopf, verabschiedeten uns von Lise & Johan und segelten nach Barbuda.

Nach 6 Stunden schönem Segeln kamen wir am frühen Nachmittag am Südzipfel der Insel an und trauten unseren Augen kaum: so weit man blicken kann türkisfarbenes Wasser, durchzogen mit ein paar kleinen Korallenriffen. Es ist einfach nur traumhaft schön.

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Und auf dieser tollen Insel durfte ich dann am nächsten Tag meinen Geburtstag feiern. Mittags gingen wir etwas schnorcheln und sahen dabei nicht nur ein paar schöne Fische und Langusten, sondern auch einen Stachelrochen und mehrere Adlerrochen. Unglaublich, wie majestätisch diese durchs Wasser schwimmen. Wir hätten ihnen stundenlang zuschauen können.

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Abends gab es dann eine kleine Geburtstagsparty am Strand. Wir machten zusammen mit unseren deutschen Seglerfreunden Netti, Holger, Oskar und Willi ein Lagerfeuer am Strand und hatten ein leckeres Barbecue. Und was man sonst immer nur in lustigen Hollywood-Filmen sieht, gibt es hier in Barbuda auch: nämlich einen Partycrasher. Einer der Locals lebt in einer kleinen Hütte am Strand und lädt sich anscheinend immer gerne zu solchen Feiern ein, wo er etwas Essen und Trinken abstaubt (das hat er uns auch ganz stolz so berichtet). Da kam ihm unsere kleine Party natürlich sehr gelegen. Ja, so lässt es sich hier anscheinend auch ganz gut leben 😉

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Nach einem nicht sehr erfolgreichen Kiteversuch am Mittwoch (mal wieder zu wenig Wind) haben wir am Donnerstag einen kleinen Spaziergang über die Insel gemacht. Jeder hatte uns berichtet, dass es auf Barbuda noch wilde Esel und Pferde gibt, aber bisher hatten wir überall nur deren Hinterlassenschaften gefunden. Und bei unserer Erkundung der Ostküste sahen wir sie dann endlich. Ich hätte nie gedacht, dass wild lebende Esel und Pferde so gepflegt aussehen können. Barbuda hat schon einiges zu bieten.

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Nachmittags ging Kai noch in den Mast hoch, weil unser Windrädchen sich nicht mehr richtig drehte. Glücklicherweise lechzte es einfach nur nach einem Tropfen Öl und danach lief es wieder wie geschmiert. Aber die „Reparatur“ hatte auch etwas Gutes: Kai hat ein paar wunderschöne Fotos von unserer Ankerbucht gemacht. Sagt selbst: ist das nicht traumhaft hier?

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