US Virgins: schön aber überlaufen

Am Karfreitag machten wir uns startklar für die 100 Seemeilen Überfahrt zu den US Virgin Islands nach St. John. Eigentlich wollten wir so gegen 13 Uhr los, damit wir am nächsten Tag am frühen Vormittag ankommen und genügend Zeit zum Einklarieren haben. Doch unser Wassermacher machte uns einen Strich durch die Rechnung. Urplötzlich gab er komische rasselnde Geräusche von sich und Kai beschloss auf jeden Fall vor unserer Abfahrt aus dem Ersatzteil-Paradies Sint Maarten nach der Ursache zu suchen. Er war sich ziemlich sicher, dass die Pumpe diese Geräusche verursacht und nach dem Ausbau bröselte aus dieser der Rost gerade so heraus. Wir trauten unseren Augen kaum, denn schließlich hatten wir die Pumpe ja erst vor 1 1/2 Jahren neu eingebaut. Da sieht man mal wieder, welch kurze Lebensdauer die Teile auf unserem Boot haben. Glücklicherweise funktionierte sie nach einer gründlichen Reinigung wieder einwandfrei, aber wir werden uns sicherlich demnächst eine Ersatzpumpe zulegen.

Somit segelten wir dann mit zwei Stunden Verzögerung in Richtung St. John. Wir hatten schön viel Wind, so dass wir im Schmetterling gut vorankamen und am nächsten Tag bereits um 8 Uhr in St. John einliefen.

Dort fuhren wir nach einem schnellen Frühstück gleich zum Einklarieren zu Customs und Immigration. Uns war etwas flau, denn im Reiseführer stand, dass man zum Einklarieren auf jeden Fall in der Cruz Bay ankern müsse, wo wir jedoch leider keinen Platz gefunden hatten (war total überfüllt) und deshalb in der benachbarten Caneel Bay ankerten. Wir hatten schon so viele schlimme Geschichten über das Einklarieren in den US Virgins gehört und wir wissen ja auch aus Erfahrung, wie aufwändig die Einreise in die USA immer ist. Wir befürchteten also das Schlimmste: unfreundliche Beamte, stundenlanger Papierkrieg, quälende Fragen, … Doch unsere Furcht war völlig unbegründet. Der Beamte war sehr freundlich, der Papierkram war der gleiche wie auf allen anderen Inseln, es wurden geschwind unsere Fingerabdrücke genommen und das war’s schon! Wow, das war ja mal einfach!

Aber dennoch können wir die US Virgins leider nicht zu unseren Lieblingsinseln erklären. Sie sind total überlaufen, den ganzen Tag zoomen Fähren und Boote durch die Gegend, wir haben noch nie so viele Kreuzfahrtschiffe auf einem Haufen gesehen, alles ist teuer und total touristisch! Die Bucht, in der wir an einer Boje festgemacht hatten, gehört zum Nationalpark von St. John und wir hatten mit einer wunderschönen ruhigen Ankerbucht gerechnet. Tja, da hatten wir uns mal gehörig getäuscht: das war eine der schlimmsten Buchten in der wir seit Beginn unserer Reise waren. Im 20-Minuten-Takt fuhren die Fähren vorbei und machten uns so viel Schwell, dass unser Geschirr durch die Gegend flog und wir dachten, dass unsere Silence umkippt. So schlimme Konditionen haben wir normalerweise nur, wenn wir auf See gegenan gehen und hohe Wellen haben.

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Morgens flüchteten wir von unserem Boot, um eine kleine Rundwanderung auf einen Hügel mit einer wunderschönen Aussicht zu machen und kamen erst am späten Nachmittag zurück. Am nächsten Tag ging ich eine Runde schnorcheln, was zugegebenermaßen wunderschön war. Leider konnte Kai nicht mit, weil er sich am Vorabend durch das blöde Geschaukel auf dem Boot einen großen Schnitt in der Fußsohle zugezogen hatte. Das war sehr schade, denn das Wasser in den US Virgins ist so klar, dass man bestimmt 50 Meter weit sehen kann und es gibt viele große Fische, endlich mal bunte Korallen und Adlerrochen. Die Natur hier ist wunderschön und wir hätten sie gerne noch eine Weile genossen, aber sicher nicht an diesem Ankerplatz! Mal sehen, vielleicht finden wir ja auf unserem Rückweg noch ein paar schöne ruhige Buchten hier.

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Weiter ging es dann nach St. Thomas, wozu ich eigentlich nur sagen muss, dass es das steuerfreie Einkaufsparadies der Amerikaner ist, in der Hauptstraße ein Juwelengeschäft neben dem nächsten ist, wir noch nie so viele Verbotsschilder auf einem Fleck gesehen haben, gerade sechs (!!) Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig da waren und ein kleines Bier in einer normalen Kneipe US$ 5,- kostet. Das traf somit auch nicht ganz unseren Geschmack!

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Also nichts wie weg von hier. Wir gingen gleich morgens um 8 Uhr zu Customs, füllten dort wie immer die gleichen Formulare noch mal aus, die wir schon bei der Einreise ausgefüllt hatten (man hat hier in der Karibik immer noch nicht verstanden, welch unglaublichen Dinge man mit diesen Geräten namens Kopierer machen kann!) und erfuhren von der sehr freundlichen Dame, dass wir bei unserer Weiterreise nach Puerto Rico nicht zur Immigration müssten, da unser Visum auch für Puerto Rico gültig ist. Wir sollten dort nur bei Customs vorstellig werden, weil wir aus den zollfreien US Virgins kommen. Na das klingt ja einfach! Also nichts wie zurück zu unserem Dingi und schnell weiter nach Culebra, einer kleinen Insel vor Puerto Rico.

Doch als wir an unserem Dingi ankamen, bekamen wir erst einmal einen riesigen Schreck: schon von weitem sahen wir, dass irgendwas mit unserem Festmacher nicht stimmt und beim Näherkommen entdeckten wir, dass der Ring, der ihn am Dingi befestigt, ausgerissen war. Welch ein Glück, dass wir hier (zum allerersten Mal) einen Heckanker gesetzt hatten, damit das Dingi sich nicht am Steg an den ganzen kleinen spitzen Muscheln aufrubbelt. Ohne den Anker wäre es sicherlich weggetrieben und wir hätten von Glück reden können, wenn wir es überhaupt wiedergefunden hätten. Irgendjemand muss das Unglück gesehen haben und das Dingi wieder am Steg festgemacht haben. Das war wirklich nett, denn stattdessen hätte er es auch einfach einschließlich unseres schönen neuen Außenborders stehlen können. Schön zu wissen, dass es noch so hilfsbereite Menschen gibt!

Trotzdem setzten wir gleich am 8.4. die Segel und kamen nach vier Stunden schönen Segelns mit recht viel Wind von hinten auf der kleinen Insel Culebra an. Und dort hatten wir unsere erste unschöne Erfahrung mit einem Zollbeamten, der uns ganz schön zur Schnecke machte. Aber davon und von unserer Weiterreise nach Vieques erzähle ich Euch dann im nächsten Blogbeitrag!

 

4 Gedanken zu „US Virgins: schön aber überlaufen

  1. Hey … jetzt mach es mal nicht so spannend, Andrea … 😉 … sonst muss ich Euch ja fast zu wenig Wind zum Kiten wünschen, damit der nächste Blog-Beitrag bald kommt 😉
    Aber im Ernst, genießt es … und lasst es Euch gut gehen … ich hoffe, der unfreundliche Beamte ist schon fast vergessen.
    Wenn wir Euch bei den Eratzteilen irgendwie unterstützen können sagt bescheid …

  2. Hi Jochen,
    leider war nicht das Kitesurfen schuld, dass Ihr so lange nichts von uns gehört habt, sondern die quasi nicht vorhandene Internetverbindung auf den US Virgins und den Spanish Virgins. Aber wir hoffen, dass das dann in Puerto Rico wieder besser wird!
    LG
    Andrea

  3. Ich glaube, nur in der Schweiz gibt es noch mehr Verbotsschilder und das Bier ist noch ein bisschen teurer. 😉 Liebe Grüße aus Zürich!

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