Jungfräuliche Spanish Virgins

Nach dem was uns die Dame vom Zoll auf den US Virgins gesagt hatte, klang das Einklarieren auf den Spanish Virgins/Puerto Rico wie ein Kinderspiel.

Wir fuhren mit dem Dingi in die „Stadt“, machten am Dock fest und liefen zu Fuß ca. 20 Minuten zum Flughafen, wo sich das Zollbüro befindet. Dort angekommen, grüßten wir den Beamten recht freundlich, nahmen uns ein Formular vom Stapel und wollten mit dem Ausfüllen beginnen. Da rief uns der Beamte an seinen Schreibtisch und fragte, zu welchem Zweck wir denn hier wären. Wir sagten ihm, dass wir gerne einklarieren möchten und er fragte in ziemlich barschem Ton, ob wir unsere Ankunft denn angekündigt hätten. Wir sahen ihn fragend an, verneinten und erklärten ihm, dass wir von den US Virgins kommen, somit quasi ja schon in den USA einklariert hatten und die Dame vom Zoll in St. Thomas uns gesagt hätte, wir müssten hier nur nochmals kurz beim Zoll in Puerto Rico vorstellig werden. Er sagte, das sei auch richtig so, aber vor der Einreise nach Puerto Rico hätten wir unsere Ankunft auf jeden Fall telefonisch anzukündigen und ob wir denn beim Ausklarieren in St. Thomas kein Formular bekommen hätten. Uff, damit konnten wir etwas anfangen. Natürlich hatten wir ein Formular bekommen und schnell holten wir unsere Ausreisepapiere heraus. In wütendem Ton fuhr uns der Beamte an, dass dies das falsche Formular sei, er meine das Papier mit den Telefonnummern. Kai und ich sahen uns fragend an. Wir verstanden nur noch Bahnhof und Abfahrt. Wir entschuldigten uns und wiederholten nochmals, was die Dame in St. Thomas uns gesagt hatte und sagten ihm, dass von Telefonnummern und Ankündigungen leider nie die Rede war. Er fuhr uns an, dass wir da ja wohl so ziemlich alles falsch gemacht hätten, was man nur falsch machen kann und wir unsere Ankunft jetzt sofort telefonisch anzumelden hätten. Mit diesen Worten schob er uns einen Zettel mit einer Telefonnummer zu.

Wir schauten uns völlig bedröppelt an, denn natürlich hatten wir unsere Handys nicht dabei. Als wir dem Zollbeamten also sagten, dass wir leider kein Handy dabei haben, hob das seine Stimmung nicht wirklich. Er tippte wütend eine Nummer auf seinem Handy ein, hielt mir ganz unvermittelt das Handy hin und sagte: „And now announce yourself correctly!“ Und schon hatte ich irgendeinen Herrn am Telefon, der nach meinem Anliegen fragte. Ich war so überrascht, dass ich ziemlich zusammenhanglos ins Handy stotterte, dass wir zwar schon im Zollbüro stünden, nun aber gerne noch unsere Ankunft ankündigen würden (ist das nicht total schwachsinnig?!). Der Herr am Telefon war sehr freundlich, bat mich aber in 20 Minuten nochmals anzurufen, weil er gerade bei einer Inspektion sei und unsere Daten jetzt nicht aufnehmen könne. Ich legte also auf und teilte dem Zollbeamten mit, was sein Kollege mir gesagt hatte. Er fuhr mich wütend an: „And how are you going to call him again if you have no phone?“ Ich wusste nicht, was ich antworten sollte und schaute ihn nur hilflos an. Dann drückte er uns unser Ausklarierungsformular von St. Thomas wieder in die Hand und sagte nur in schroffem Tonfall: „Leave the office and wait outside!“ Hier in seinem klimatisierten Büro wäre zwar auch ein kleiner Wartebereich mit ziemlich vielen Stühlen gewesen, aber wir verließen nur zu gerne auf schnellstem Weg dieses Büro.

So saßen wir dann draußen in der Wartehalle des Flughafens und die Zeit verstrich. 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten… und ich kochte vor Wut! Wieso hatte uns die Zollbeamtin in St. Thomas das nicht gesagt? Wohl hatte Kai in unserem Führer etwas davon gelesen, dass man seine Ankunft ankündigen müsse, aber dort stand leider nicht beschrieben wie dies zu tun sei und einen Absatz später wurde dann erwähnt, man würde mit Setzen der gelben Flagge seine Ankunft ankündigen und Kai dachte, damit wäre es getan. Ich hätte dem Beamten am liebsten gehörig die Meinung gesagt, denn es war einfach nur unverschämt, wie er uns behandelt hatte. Wir fühlten uns wie Verbrecher und hatten das Gefühl, dass es ihm nur noch darum ging uns zu schikanieren, weil wir gegen die Regeln verstoßen hatten. Ich sah den Zoll schon unser ganzes Boot auseinander nehmen … Au weia, wie wird das wohl weitergehen? Ich hätte vor lauter Wut, Frust und Ohnmacht fast geheult.

Nach ca. 35-40 Minuten beorderte uns der Beamte wieder in sein Büro und dann kam die große Überraschung: er bat einen von uns das Einreiseformular auszufüllen, während der andere ihm die ganzen benötigten Daten für die „Ankündigung“ diktieren sollte, so dass er sie gleich in seinen Computer eintragen könne. Er wurde zunehmend freundlicher und erzählte uns plötzlich, dass er 15 Jahre in Deutschland gelebt hat und größtenteils in Heidelberg stationiert war. Er erklärte uns ganz sachlich, wie das mit dem Ankündigen in Puerto Rico funktioniert (das muss man nämlich auch dann wieder tun, wenn man einen der vier Marine-Verwaltungsbezirke verlässt) und gab uns die benötigten Telefonnummern. Außerdem zog er dann noch eine Landkarte von Culebra aus einer Schublade und fing an, uns zu erklären, wo wir Supermärkte, Restaurants, und anderes finden. Wir wussten gar nicht wie uns geschah; träumten wir das jetzt oder was?

Am Ende sagte er uns noch, dass wir jederzeit gerne vorbeikommen dürften, wenn wir irgendwelche Fragen hätten und verabschiedete uns superfreundlich. Als wir aus dem Gebäude gingen, fragten wir uns, ob der Beamte einen Zwillingsbruder oder eine gespaltene Persönlichkeit hat. So etwas war uns noch nie passiert! Aber wir waren überglücklich, dass unsere Gesetzesverstöße nun doch so harmlos ausgingen!

Ansonsten machten wir dann glücklicherweise nur noch positive Erfahrungen auf Culebra. Die Menschen sind total freundlich und hilfsbereit und es sprechen auch fast alle englisch. Es gibt wunderschöne Strände, aber ansonsten ist die Insel touristisch noch ziemlich unerschlossen. Die USA benutzte die beiden Inseln Culebra und Vieques bis vor einigen Jahren als Übungsgelände und bis zu diesem Zeitpunkt waren diese größtenteils Sperrgebiet. Auch heute sieht man noch die Überbleibsel aus diesen Zeiten. Auf Culebra stehen zum Beispiel am Flamenco Beach, einem kilometerlangen breiten schönen Strand, mitten auf dem Sand noch zwei alte Panzer, die man aber, wie alles hier, bunt bemalt hat.

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Auf Vieques sahen wir die Überbleibsel noch drastischer. In der ersten Bucht, in der wir ankerten, waren am Strand überall Schilder, dass man nicht weiter ins Inland darf, weil noch alte Granaten im Gebüsch liegen können. Im Wasser sahen wir beim Schnorcheln überall Schiffwracks, Granaten, u.ä. Das war schon etwas gruselig und wir schauten gleich mal etwas genauer unter unserem Boot, ob da auch noch irgendwo eine alte Granate liegt.

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In den nächsten Buchten war es dann etwas angenehmer. Dort war nur manchmal eine kleine Halbinsel gesperrt, aber ansonsten konnte man alles frei erkunden. Vieques hat wunderschöne Ankerbuchten mit tollen Stränden und das beste daran ist, dass man überall nur mit ein oder zwei anderen Booten liegt. Somit hat man den ganzen Strand quasi fast für sich alleine und das war für uns eine angenehme Ruhe gegenüber den so überlaufenen US Virgin Islands. Und dabei liegen die Inseln nur 20 Meilen von diesen entfernt.

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Eine Nacht verbrachten wir in einer Biolumineszenz-Bucht. Kai wischte nachts mit der Hand durchs Wasser und es leuchtete überall. Er fühlte sich, als ob er gerade einen Star Wars Kampf mit Lichtschwert führt. Wir hatten schon des öfteren Biolumineszenz gesehen, aber noch nie so beeindruckend! Hier war wirklich eine Bucht schöner als die andere.

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2 Gedanken zu „Jungfräuliche Spanish Virgins

  1. Liebe Andrea! Lieber Kai!
    Was für eine spannende Geschichte! Echt klasse, dass Ihr selbst für uns alte Karibik-Liebhaber neue Welten entdeckt. Ich habe noch nie ein Bild von bunt angemalten Panzern an „jungfräulichen“ Stränden gesehen! Und die Baracuda’s werden auch immer größer.
    Beamte sind wohl in jedem Land immer die große Unbekannte.
    Wir wünschen Euch weiter neue Entdeckungen und freuen uns über jeden Bericht.
    Eure Claudia& Jolanda (Jochen weilt bei Korsika)

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