Ab in die Mangroven

Wir haben ein paar ereignisreiche Wochen hinter uns. Anfang Juli verabschiedeten wir uns mal wieder von Antigua und traten, wie jedes Jahr, die Reise nach Süden an. Diese Hurrikan-Saison verspricht eine ziemlich aktive Saison zu werden. Bereits im Juni folgte eine Tropical Wave der nächsten und so sah auch der Wetterbericht für unsere Segeltörns in den Süden aus.

So segelten wir am frühen Morgen des 2. Juli los nach Basseterre in Guadeloupe, bevor es am nächsten Morgen weiterging nach Roseau in Dominica. Ursprünglich wollten wir hier nur eine Nacht verbringen, doch da bereits die nächste Tropical Wave heranmarschierte, blieben wir zwei Nächte an unserer Boje und ließen diese passieren. Dann ging es weiter nach Grande Anse in Martinique und am nächsten Tag nach St. Anne, wo mal wieder ein Einkaufstrip anstand.

Nicht nur mussten wir unsere Lebensmittelvorräte für die nächsten 4 1/2 Monate auffüllen, sondern es galt auch mal wieder einige Ersatzteile zu besorgen. So war uns kürzlich bereits das zweite Display zur Anzeige der Geschwindigkeit, Tiefe usw. ausgefallen, so dass wir nur noch ein Display und die Anzeige unseres Autopilots besaßen. Glücklicherweise gibt es jetzt verschiedene Kombigeräte, so dass wir lediglich ein Display ersetzen mussten. Darüber waren wir recht froh und außerdem hatten wir noch das Glück, dass ein Geschäft in Le Marin es zu einem sehr erschwinglichen Preis anbot (sofern man €510,- für ein solches Gerät als erschwinglich bezeichnen kann 😉

Außerdem hatten wir bei unserem Festmach-Manöver in den Mangroven bei Hurrikan Matthew im vergangenen Jahr festgestellt, dass unsere Festmacher-Leinen nicht mehr die besten sind. So kauften wir zwei mal 15m-Leine und zwei mal 25m-Leine. Außerdem benötigte unsere Silence noch eine neue Genua-Reffleine, ein 3-Wege-Ventil (Wassermacher), einen Ersatz-Dingistopfen, neue Duschschläuche, Dieselvorfilter, ein Wellen-Kit für die Seewasserpumpe (Motor), Scharniere für den WC-Sitz, eine Sicherung für die Ankerwinsch, einen neuen Spritschlauch für den Außenborder und noch viele andere Kleinteile.

Und da auch wir noch ein paar Dinge bei Decathlon kaufen wollten, mieteten wir uns ein Auto um einen Tag durch Baumärkte, Einkaufszentrum und Decathlon zu bummeln. Auf den letzten Drücker kam dann auch noch ein Bummel durch Elektrofachgeschäfte dazu, weil ein Tag zuvor, unser Staubsauger den Geist aufgab. Das war wirklich Glück im Unglück, denn Martinique ist sicherlich mit der beste Ort der Karibik, um einen neuen Staubsauger zu kaufen. Und last but not least verkauften wir auch gleich noch unseren alten Wassermacher.

Nachdem unsere Silence nun vollbeladen wieder ein paar Zentimeter tiefer im Wasser lag und wir in Le Marin eine weitere größere Tropical Wave abgewettert hatten, konnte die Reise weitergehen. So segelten wir am 15.7. nach St. Lucia und übernachteten dort in der schönen Marigot-Bay, bevor es am nächsten Tag bei Sonnenaufgang vorbei an St. Vincent nach Bequia ging, wo wir am späten Nachmittag nach einem 11-stündigen Törn mit teilweise starken Gegenströmungen ankamen.

Eigentlich sollte es am nächsten Tag nach dem Einklarieren weiter nach Union Island gehen, wo wir einige Wochen bleiben wollten, bevor es weitergehen sollte nach Grenada. Ich hatte mir leider auch noch eine Kieferhöhlenentzündung zugezogen und freute mich bereits auf ein paar erholsame Tage.

Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Seit mehreren Tagen zeigte der Wetterbericht bereits eine nahende Tropical Wave, die sich eventuell zu einem Sturm entwickeln könnte und nun wurde die Wahrscheinlichkeit eines Sturms immer größer. So entschieden wir sehr widerwillig nicht nach Union Island, sondern noch ein Stück weiter nach Carriacou zu segeln, weil wir notfalls dort in den Mangroven Schutz suchen könnten.

Wir kamen am späten Nachmittag des 17. Juli in der Tyrell Bay in Carriacou an und warteten mit Spannung auf den abendlichen Wetterbericht. Es sah nicht gut aus! Die USA hatten mittlerweile ein Flugzeug zur Erforschung der Wetterlage losgeschickt und sprachen nun von Tropical Storm Don, der am nächsten Abend mit ca. 50 Knoten über uns hinwegfegen sollte. Der Wetterbericht um 3:00 Uhr nachts sagte dann sogar 50-60 Knoten voraus und der Wetterbericht um 6:00 Uhr morgens bestätigte dies. Die ersten Locals fingen schon an, Boote in die Mangroven zu fahren, als wir unsere Genua herunternahmen und unser Groß mit einer Leine umwickelten. Um 7:30 Uhr ging dann der Ansturm auf die Mangroven los. So gingen auch wir Anker auf und fuhren in die hinterste Ecke der Mangroven. Wir machten bis um 10 Uhr Leinen fest und brachten zwei Anker aus, doch dann mussten wir erst einmal frühstücken. Bei Bullenhitze und fast keinem Wind wurschtelten wir danach noch etwas weiter, bis wir mit unserer Arbeit zufrieden waren. Es kamen immer mehr Boote in die Mangroven und wir sahen auch ein paar bekannte Gesichter. Ein befreundetes Schweizer Pärchen war gleich mit uns reingefahren und nun legte sich noch ein weiterer Bekannter neben uns. Wir halfen ihm beim Festmachen und danach hieß es abwarten.

Der Wetterbericht um 13:00 Uhr kündigte nun nur noch 35 Knoten an und wir atmeten etwas auf. Mittlerweile regnete es immer mal wieder in Strömen und es kamen immer noch mehr Boote in die Mangroven.

Um 18:45 Uhr nahm der Wind zu, aber wir waren super windgeschützt in unserer Ecke. Wenn wir keinen Windmesser auf dem Mast hätten, hätten wir gedacht, dass überhaupt kein Lüftchen wehte. Aber auch auf unserer Anzeige sahen wir lediglich 32,6 Knoten, also nur halb so viel wie ursprünglich vorhergesagt war und so konnten wir ganz beruhigt zu Bett gehen.

Am nächsten Morgen sahen wir im Wetterbericht, dass sich Tropical Storm Don am Vorabend über Grenada aufgelöst hatte und zerfallen war. Hätte er sich nicht schon einen hallben Tag vorher auflösen können, dann wäre uns der ganze Aufwand erspart geblieben?!

So hatten wir nochmal einen halben Tag Arbeit damit alle Leinen wieder abzubauen, unseren Zweitanker einzuholen, der uns dabei wieder das ganze Deck vermatschte, unsere Genua wieder anzuschlagen und zu putzen. Meine Kieferhöhlenentzündung war die letzten Tage natürlich nicht besser geworden und so war ich, als wir um 16:00 Uhr endlich aufhörten zu arbeiten, körperlich fix und fertig.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag gleich aufbrechen nach Union Island, doch als Kai unsere Wifi-Antenne wieder anschloss, funktionierte sie nicht mehr. Glücklicherweise konnten wir beim Anbieter des lokalen Wifi-Netztes eine gebrauchte kaufen, die aber erst von Grenada mit der Fähre nach Carriacou geschickt werden musste. So segelten wir dann erst sonntags nach Union Island.

Und nun sind wir schon fast wieder eine Woche in unserer zweiten Heimat am Frigate Rock und erholen uns von den Strapazen der letzten Wochen!

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