Im Paradies stinkt’s

Barbuda ist unser kleines Paradies. Hier ist es so friedlich. Teilweise liegen wir ganz alleine in der Bucht und müssen uns das Wasser nur mit Fischen, Rochen und jeder Menge Schildkröten teilen. Und lediglich abends, wenn wir schon lange wieder zurück am Boot sind, nehmen ein paar wilde Pferde den Strand für sich in Anspruch.

Beim Abendessen hören wir wie die Lachmöwen ihr schrilles Gekicher ausstoßen und danach herrscht wieder absolute Stille, bis ein paar Esel an Land in wildes I-A ausbrechen. Was ihnen so viel Unmut macht, konnten wir noch nicht herausfinden, vielleicht mögen sie einfach nicht, wenn die Nacht hereinbricht? Wer weiß, was in solch einem Esel vor sich geht!

Morgens beim Frühstück blicken wir aufs türkisfarbene Wasser und den endlos erscheinenden Strand und freuen uns einfach nur, dass wir hier sein dürfen.

Doch seit ein paar Tagen wird uns dieser paradiesische Flecken etwas verleidet. Denn es stinkt! Und zwar gewaltig!

Inmitten einer unserer Kitesessions wurde urplötzlich ein riesiger Teppich von Sargassum Seetang in die Bucht gespült. Dies passiert zwar immer mal wieder, aber in solchen Ausmaßen hatten wir es selten erlebt. Der Teppich wurde immer größer, bis wir irgendwann direkt am Cocoa Point gar nicht mehr kiten konnten. Und es wollte und wollte nicht aufhören.

Als wir um die Ecke schauten, sahen wir, dass mittlerweile vom Strand und den Riffen an der Ostseite des Cocoa Points nichts mehr zu sehen war. Alles war bedeckt von braunen Sargassum Teppichen.

Aber nicht nur, dass dies nicht sehr schön anzuschauen ist und auch beim Kiten stört, nein, es stinkt auch entsetzlich. Denn wenn es verrottet, setzt es Schwefelgase frei und somit stinkt es hier nun in der ganzen Bucht nach faulen Eiern!

Einziger Lichtblick ist, dass mittlerweile kein neues Sargassum mehr angeschwemmt wird und sich dieser grauenhafte Gestank somit hoffentlich in ein paar Tagen wieder legen wird!

Kite Marathon in Barbuda

Bereits vor vier Wochen kamen wir hier am Cocoa Point an und bis jetzt gab es lediglich zwei Tage an denen wir nicht kiten konnten. An einem einzigen Tag war zu wenig Wind und an einem anderen Tag zogen die ganze Zeit Regenschauer über uns hinweg. Und sonst kiteten wir jeden Tag mehrere Stunden. So langsam aber sicher tut uns alles weh. Wir beide haben an den Füßen mehrere kleine Schürfwunden von Muscheln und kleinen Korallenstücken, Schmerzen im Arm von den vielen einhändigen Tricks und einfach nur eine allgemeine Erschöpfung aller Knochen und Muskeln. Nach solch einem Kite-Marathon wird uns immer wieder aufs Schmerzlichste bewusst, dass wir auch nicht mehr die Jüngsten sind.

Aber so lange das Wetter gut ist und es Wind gibt, können wir einfach nicht anders: wir müssen hinaus aufs Wasser! Zumal dies auch unser beider Lieblings-Kitespot ist. Das Wasser ist glatt wie Butter und leuchtet türkisfarben und der kilometerlange Sandstrand ist einfach atemberaubend. Wir können uns nicht daran sattsehen und würden am liebsten das ganze Jahr hier verbringen! Doch bald beginnt wieder die Hurrikan-Saison und wir müssen uns erneut aufmachen in Richtung Süden und unserem geliebten Barbuda für mehr als ein halbes Jahr Adieu sagen. Ach, wenn es nur diese blöden Hurrikans nicht gäbe!

Barbuda – ein Bild der Verwüstung

Schon aus der Ferne konnten wir sehen, dass Barbuda nicht mehr so aussah wie früher. Während in den vergangenen Jahren zuerst die ganzen Palmen am Cocoa Point in Sicht kamen, so sahen wir dieses Jahr als erstes ein paar weiße Häuser bzw. die Überbleibsel selbiger. Die Palmen, die früher vor diesen Häusern standen, sind weitestgehend „verschwunden“.

Als wir in die Ankerbucht des Cocoa Point fuhren, bot sich uns ein Bild der Verwüstung. Das teure von Palmen umsäumte Coco Point Resort direkt am schönen weißen Sandstrand liegt in Trümmern. Zumindest größtenteils, denn während manche Gebäude noch völlig intakt aussehen, sind andere dem Erdboden gleich gemacht. Uns standen die Tränen in den Augen als wir näher kamen. Überall umgeknickte oder entwurzelte Palmen, braune Sträucher und jede Menge Schutt. Hier sahen wir zum ersten Mal mit eigenen Augen, welche Verwüstung ein Hurrikan anrichtet. Irma war im vergangen mit fast 300 km/h über Barbuda gefegt und was der Wind nicht mit sich riss, das erledigten später die riesigen Wellen, die in die Häuser hinein krachten.

Bei einem Spaziergang am Strand schauten wir uns die gesamte Hotelanlage sowohl von außen als auch von innen an. In vielen Häusern bot sich uns das gleiche Bild: die Möbel waren wie mit einem Schaufelbagger alle an die hintere Wand geschoben und lagen dort auf einem großen Haufen zusammen mit Teilen von Dächern, Wänden, … Stellt Euch vor, man wäre während des Hurrikans in einem dieser Häuser gewesen. Nicht auszudenken!

Während manche Häusern von der Ostseite her noch völlig intakt aussehen, sah man von der Westseite, dass der Anblick täuschte. Teilweise steht nur noch die Rückwand mancher Gebäude, alles andere ist zusammengestürzt.  Andere Häuser sind jedoch in der Tat noch völlig intakt und es ist uns unbegreiflich, wie diese direkt neben einem gänzlich zerstörten Gebäude stehen können.

Für uns war es erschreckend den Vorher-Nachher-Vergleich mit eigenen Augen zu sehen. Die schöne Coco Point Lodge, die vor 57 Jahren erbaut und bereits einige Hurrikane überstanden hatte, liegt nun in Trümmern und es ist fraglich, ob sie jemals wieder eröffnet wird.

Wenn Ihr gerne wissen möchtet, wie das Hotel vorher aussah, könnt Ihr Euch die Fotos auf der Website der Coco Point Lodge anschauen.