Kai und die Bursitis

Kurz nach dem Besuch von Kais Mutti, klagte Kai plötzlich, dass sein Knie geschwollen sei. Normalerweise heißt es ja: „Sport ist Mord!“, doch das konnten wir nun wirklich nicht unserem Kitesurfen zuschreiben, denn die Tage davor waren wir eher weniger gesurft als normalerweise. Doch obwohl wir weiterhin recht wenig Wind hatten und so gut wie gar nicht surften, wurde Kais Knie von Tag zu Tag dicker. Da es allerdings überhaupt nicht schmerzte, machte Kai dann dummerweise den Fehler sich zu allem Übel auch noch drauf zu knien. Und anscheinend ist ihm dabei der Schleimbeutel geplatzt. Wir konnten dabei zusehen, wie sein Knie innerhalb weniger Minuten anschwoll wie ein Luftballon. Das sah ja mal wirklich eklig aus! Egal wem er sein angeschwollenes Knie zeigte, jeder sagte nur „Ihhh“ und schaute schnell weg.

Wir recherchierten im Internet was zu tun sei, doch außer kühlen, eincremen und Ibuprofen-Tabletten schlucken, konnte man nicht viel machen. Ansonsten hieß es abwarten und zwar bis zu mehreren Wochen. Ihr könnt Euch vorstellen, dass Kai das überhaupt nicht gefiel, denn schließlich wollte er ja kitesurfen und nicht irgendwo rumsitzen. Doch als wir dann lasen, dass man sich diese Entzündung oft zuzieht, wenn man zu lange mit gebeugtem Knie irgendwo sitzt, ging es ihm gleich wieder besser, denn somit musste er ja nicht zwangsläufig bis zur Heilung aufs Kitesurfen verzichten.

Glücklicherweise hatte es jedoch für einige Tage keinen Wind und wir wollten sowieso mit unserer Silence zu einem kleinen Einkaufstrip nach Jolly Harbour. Denn danach sollte es endlich zu unserer Lieblingsinsel Barbuda gehen. So konnte Kai sein Knie also eine Woche schonen und bis wir in Barbuda ankamen, war die Schwellung schon wieder um einiges zurückgegangen. Doch es ist tatsächlich eine ganz schön langwierige Sache, denn man sieht immer noch eine kleine Beule und das nach nunmehr drei Wochen!

Mama bekommt Seebeine

Ende Februar erhielten wir eine nette Überraschungs-email: Kais Mutti Frieda schrieb, dass sie sich überlegt hat, dass sie uns im März hier in Antigua besuchen könne. Wir waren völlig baff, da dies ihr erster Besuch bei uns auf dem Boot werden sollte und sie ganz alleine mit Condor nach Antigua kommen wollte.

Ich glaube, wir waren mindestens so aufgeregt wie sie. Würde es ihr hier auf dem Boot gefallen? Wie würde sie die Fahrt mit dem Dingi meistern? Würde sie nachts bei Wind und Wellen gut schlafen können? Fragen über Fragen! Wir machten uns Gedanken, wie wir ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten und was wir mit ihr alles unternehmen könnten.

Doch erst einmal galt es ganz geschwind noch ein paar Kleinigkeiten, die wir dringend benötigten, zu ihr nach Hause zu bestellen und einen Mietwagen für die Abholung am Flughafen zu organisieren. Mietwagen sind hier auf Antigua furchtbar teuer: ca. US$60,- pro Tag plus eine 3-monatige Fahrerlaubnis für US$20,-! Aber kürzlich hatten uns Freunde erzählt, dass ihr Nachbar Appartements und auch ein paar Autos recht günstig vermietet und so fragten wir, ob sie uns für Montag den 19.3. ein Auto organisieren könnten. Wie hier in der Karibik üblich bedurfte es diverser WhatsApp-Nachrichten, Anrufe und viel Geduld bis wir Samstags abends erfuhren, dass das mit dem Mietwagen für Montag klappt.

So packten wir am Montag Vormittag gleich unsere Gasflaschen ins Auto, um diese in der Fabrik füllen zu lassen, danach machten wir einen schnellen Abstecher zu Zemi (dem Shop in St. Johns, in dem ich meinen Schmuck und Drahtfiguren verkaufe), dann ging es auf den Markt, um frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Danach gab es einen kleinen Zwischenstopp im Supermarkt, um Brot, Fleisch und Getränke zu kaufen und dann fuhren wir zurück zur Gasfabrik, um unsere gefüllten Flaschen abzuholen. Leider ging dieser Teil des Plans nicht auf, denn unsere Flaschen standen noch genau da, wo wir sie abgegeben hatten. So warteten wir dort eine Stunde, doch es passierte nichts und schließlich packten wir unsere Gasflasche unverrichteter Dinge wieder ein, um Frieda vom Flughafen abzuholen.

Ihr Flug hatte etwas Verspätung und so warteten wir im schönen kühlen Flughafen auf sie. Und wenige Minuten nach der Landung kam sie auch schon in die Ankunftshalle, wo Kai sie freudestrahlend in die Arme schloss!

Die erste Hürde war genommen und der Langstreckenflug wohlbehalten überstanden. Mal sehen wie es nun mit der ersten Dingifahrt aussehen sollte. Doch auch das war kein Problem für sie. Bei glücklicherweise wenig Wind und somit auch wenig Wellen ging es vom Nonsuch Bay Resort die ca. 2km nach Green Island, wo sie zum ersten Mal ihren Fuß auf unsere Silence setzten konnte. Das erste „Entern“ gestaltete sich noch etwas schwierig, doch von da an sollte es von Tag zu Tag besser werden. Wie sagt man so schön: Übung macht den Meister!

Die nächsten Tage verbrachten wir ganz geruhsam mit kleinen Dingiausflügen zum Strand in Rickets Harbour und auch zu unserem Kitestrand, wo Frieda uns etwas beim Kiten zuschauen konnte. Ansonsten erzählten wir viel, denn nachdem wir uns 2 1/2 Jahre nicht gesehen hatten, gab es jede Menge zu berichten. Und nachmittags spielten wir des öfteren ein Kartenspiel (Bohnanza), das Kai mir zum Geburtstag geschenkt hatte.

Freitags mieteten wir dann ein Auto, damit wir ihr noch ein paar Sehenswürdigkeiten auf Antigua zeigen konnten. So fuhren wir nach Shirley Heights, um von dort den Ausblick zu genießen, bevor es weiterging nach English Harbour. Dort schlenderten wir einmal durch den Dockyard und besuchten das kleine Museum. Dann ging es geschwind zum Segelmacher, um unsere „reparierte“ Genua abzuholen. Ein Freund von uns war früher Rigger und hatte eine Woche zuvor unser gesamtes Rigg gecheckt. Dabei hatte er festgestellt, dass unsere Genua zu lang ist und uns empfohlen, diese umgehend kürzen zu lassen.

Nach diesem anstrengenden Vormittag waren wir alle ziemlich hungrig und fuhren zu unserer Lieblings-Burger-Snackbar Sweet T’s. Dort aßen wir Burger und Wraps und genossen die schöne Aussicht auf Falmouth Harbour, bevor wir zu unserem nächsten Tagesordnungspunkt übergingen. Dieser sollte auch uns einen mit dem Auto bisher noch nicht besuchten Teil der Insel zeigen. Die Straße führte durch den „Regenwald“, doch wie wir bereits vorher vermutet hatten, war da kein Regenwald! Wenn man schon einmal auf Inseln wie Dominica, Grenada, St. Vincent, … war, dann weiß man, wie ein Regenwald aussieht und davon war hier weit und breit nichts zu sehen. Aber dafür führte die Straße etwas später an der Westküste entlang, wo wir einen tollen Ausblick auf wunderschöne Sandstrände und türkisfarbenes Wasser hatten. Das war einfach atemberaubend!

Zu guter Letzt wollten wir mit Frieda noch schnell unsere Gasflaschen abholen, einmal die Füße ins Meer tauchen und einen kurzen Abstecher auf den Markt und in den lokalen Supermarkt in St. Johns machen, bevor es zurück aufs Boot gehen sollte. Doch Freitag Nachmittag war nicht die beste Zeit für solch eine Unternehmung. Wir stauten uns ewig lang durch St. Johns, bis es plötzlich, ca. 500m von der Gasfabrik entfernt, überhaupt nicht mehr weiterging. Die Straße war wegen Bauarbeiten kurzzeitig komplett gesperrt und es gab kein Vor oder Zurück. So schnappte ich mir den Geldbeutel, sprang aus dem Auto und sprintete einmal quer über die Baustelle zur Gasfabrik, bevor diese in wenigen Minuten schließen würde. Wow, das war knapp und wir waren sehr erleichtert, dass wir unsere Gasflaschen (dieses Mal sogar gefüllt) noch rechtzeitig abholen konnten.

So erholten wir uns kurz an einem völlig menschenleeren Strand, bevor wir uns in die Stadtmitte von St. Johns hinein stauten. Es herrschte ein unglaublicher Trubel und wir waren froh, als wir die paar benötigten Dinge eingekauft hatten und St. Johns wieder verlassen konnten.

Ziemlich erschöpft kamen wir abends um 19:30 Uhr wieder auf unserer Silence an und Frieda durfte somit auch gleich noch ihre erste Nachtfahrt mit dem Dingi hinter sich bringen 😉

Die restlichen Tage vergingen wie im Flug. Wir machten noch ein paar kleine Dingiausflüge, waren zu einer echten britischen Tea Time mit Ginger Cake und Scones bei englischen Freunden von uns eingeladen und spielten noch das eine oder andere Kartenspiel. Blitzschnell war die Woche vorbei und Montag Nachmittag kam bereits das Taxi, das Frieda zurück an den Flughafen brachte. Der Taxifahrer war so unkaribisch pünktlich, dass uns noch nicht einmal mehr richtig Zeit zum Verabschieden blieb. Schwupp die wupp saß Frieda im Taxi und weg war sie. Doch wir hoffen, dass es nicht ihr letzter Besuch bei uns war und wir sie bald mal wieder bei uns an Bord begrüßen dürfen!

 

 

Einkaufstrip nach Baie Mahault

Nachdem am 24. Februar unser 90tägiges Visum in Antigua auslief, beschlossen wir, zu einem Einkaufstrip nach Guadeloupe zu segeln.

Leider hatten wir immer noch die ganze Zeit mächtig Wind und laut Wetterbericht sollte dieser erst am 24. und 25. Februar schwächer werden. So fuhren wir also am Nachmittag des 24. aus der Nonsuch Bay und kaum verließen wir den Schutz der Insel, als uns auch schon mehr als 3m hohe, sehr steile Wellen entgegenkamen. Wir waren ganz schön erleichtert, als wir abbiegen konnten und für unsere weitere Fahrt Richtung Falmouth, wo wir ausklarieren mussten, die Wellen von hinten kamen. Doch es war dennoch unser unangenehmster Trip nach Falmouth, denn der Wind nahm oft auf über 30 Knoten zu und die Wellen wurden teilweise von der Küste reflektiert, so dass sie aus allen Richtungen kamen.

Und natürlich hatte sich abends der Wetterbericht für den nächsten Tag verändert und es sollte wesentlich mehr Wind und Wellen haben, als ursprünglich angekündigt. So warteten wir also lieber noch einen Tag und liefen Sonntags bei angenehmen 18 Knoten Wind von der Seite und 2m Welle morgens um 6:30 Uhr aus Falmouth aus. Es war ein wunderschöner Segeltrip und wir kamen mit einem Schnitt von 7,2 Knoten Fahrt gut voran, so dass wir bereits um 12 Uhr die große Riffeinfahrt im Norden von Guadeloupe passierten und eine Stunde später den Anker in Baie Mahault warfen. Hier war es genauso wie wir es in Erinnerung hatten: lediglich zwei andere Segler ankerten in der großen Bucht und das Wasser war spiegelglatt. Das erste Mal seit Wochen schliefen wir wieder die komplette Nacht durch. Himmlisch!

Für Montag und Dienstag hatten wir ein Auto gemietet, mit dem wir zuerst zum Einklarieren nach Point-à-Pitre und danach zum Großeinkauf bei Leader Price fuhren. Wir mussten sogar die komplettte Rückbank unseres kleinen Toyota beladen, um alle unsere Einkäufe für die nächsten drei Monate unterzubringen.

Zurück am Boot verstauten wir die ganzen kühl zu lagernden Lebensmittel im Kühlschrank und die restlichen Taschen verteilten wir erst einmal im Salon.

Dann ging es mit zwei riesigen Taschen voll Handtüchern und Bettwäsche zum Waschsalon. Ach, ist das angenehm, wenn man die Wäsche einfach in ein paar Waschmaschinen stopfen kann und dann in Ruhe ein Buch liest, während die Maschine die Arbeit macht. Die letzten drei Monate hatte ich alle sonstige Wäsche per Hand gewaschen und zum Trocknen aufgehängt und ich genoss diesen kleinen Luxus des Waschsalons sehr!

Dienstags fuhren wir noch zu einem anderen Leader Price, um dort ein paar Sachen zu kaufen, die wir am Vortag nicht bekommen hatten und danach ging es ins Einkaufszentrum. Dort gibt es einen Decathlon, in dem wir uns mit ein paar neuen Kite-Shirts, Badehosen, Bikinihosen, Sonnenbrille u.ä. eindecken konnten. Danach ging es zum Baumarkt, dann zum lokalen Telefonanbieter und last but not least noch zu Carrefour, wo wir uns eine neue Tefal-Pfanne, Geschirrhandtücher und einige andere dringend benötigte Sachen kauften.

Abends kamen wir ziemlich erschöpft, aber auch glücklich zurück zu unserer Silence und räumten noch ein paar Sachen weg, bevor wir nach dem Abendessen (leckeres Cordon Bleu mit Salzkartoffeln und Salat) todmüde ins Bett fielen.

Am Mittwoch morgen gaben wir den Mietwagen zurück und da gerade so schön die Sonne strahlte, machten wir noch einen kleinen Dingi-Ausflug. Früher konnte man durch einen Kanal vom Norden Guadeloupes mit dem Segelboot bis nach Point-à-Pitre fahren, doch leider geht dies seit 2013 nicht mehr. Über den Kanal führen zwei Autobrücken und eine Fußgängerbrücke, die für die Durchfahrt geöffnet werden müssen. Zwar werden diese Brücken seit 2013 renoviert, aber wie so üblich in der Karibik, gehen die Arbeiten nur sehr schleppend voran. Angeblich ist die erste Brücke mittlerweile wieder bereit zur Öffnung, aber das bringt natürlich nichts, so lange die anderen nicht auch wieder geöffnet werden können.

Aber mit dem Dingi kann man durch den Kanal fahren und auch in einige kleine „Mangroven-Seen“ abbiegen. In einem See schalteten wir unseren Motor aus und ließen uns in himmlischer Ruhe und Abgeschiedenheit für einige Zeit übers Wasser treiben. Welch schönes Plätzchen! Danach fuhren wir einmal bis zum anderen Ende des Kanals, bevor wir uns wieder durch die Rifflandschaft im Norden auf den Rückweg zu unserer Silence machten.

Da der Wetterbericht für den nächsten Tag ganz guten Segelwind und nicht allzu viel Wellen angekündigt hatte und danach für fast eine Woche sehr wenig Wind und auch eine Kaltfront vorausgesagt war, war klar, dass wir am nächsten Tag wieder zurück segeln müssen, wenn wir nicht eine Woche hier „festhängen“ wollen.

So gingen wir gleich Anker auf, um bereits ein kleines Stückchen der Strecke innerhalb der Riffe zurückzulegen und vor einer der Inseln am Ausgang der Rifflandschaft zu ankern. Somit wurde unser Trip für den nächsten Tag um eine Stunde kürzer. Während Kai uns sicher durch die Riffe navigierte, verstaute ich noch unsere restlichen Einkäufe und als wir den Anker geworfen hatten, konnten wir sogar noch einmal kurz in der Nachmittagssonne um unser Boot schnorcheln und die vielen tollen Seesterne und Seegurken bestaunen.

Bisher hatte alles geklappt wie am Schnürchen und wir waren guter Laune. Doch wie das immer so ist, sollte die Rückfahrt dann natürlich eine kleine Überraschung bereithalten. Was sich unsere Silence für uns ausgedacht hatte, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag!