Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 3

Eigentlich wollten wir am 3. Tag so gegen 7:30 Uhr von Dominica aufbrechen, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Da wir jedoch lediglich ca. 53 Seemeilen vor uns hatten, waren wir nicht so sehr in Eile. So frühstückten wir noch in Ruhe ein paar Muffins und danach warfen wir die Leinen los. Besser gesagt wir wollten die Leinen loswerfen, doch eine unserer Leinen bekam beim Herausziehen einen Knoten und blieb an der Boje hängen. So mussten wir die andere Leine nochmals durchziehen und festmachen, konnten uns dann vom Knoten befreien und nun ablegen. Also es passieren einem doch immer wieder komische Dinge!

Das Wetter war zwar immer noch nicht optimal und es zogen einige Regenschauer durch den Kanal, doch wir hatten Glück und blieben die meiste Zeit recht trocken. Allerdings hatten wir auch an diesem Tag recht viel Wind. Die angekündigten 15-17 Knoten sahen wir nie, meist waren es über 22 Knoten. Eigentlich hätten wir ganz gut voran kommen müssen, doch teilweise hatten wir eine Gegenströmung von 1,5-2 Knoten, so dass wir nur mit 7 Knoten fuhren (obwohl wir durchs Wasser 9 Knoten machten). Das war echt frustrierend!

Und auch dieses Mal mussten wir manchmal wieder Slalom fahren, um riesigen Feldern von Seegras auszuweichen. Und ab und an gab es auch kein Ausweichen und wir mussten mittendurch. So schlimm wie auf dieser Fahrt nach Süden hatten wir das wahrlich noch nie erlebt.

Doch im Windschatten von Martinique wurde es dann besser und mit dem Wind, der um den Mont Pélé herumpfeift, nahmen wir auf dem glatten Wasser schön Fahrt auf. Dann mussten wir ein kleines Stück motoren, bevor es aus dem Kanal, der nach Fort-de-France führt, wieder mit 25 Knoten herausblies. Und dann hatten wir es auch schon geschafft und durften unseren Anker im weichen Sand der Bucht Grand Anse versenken.

Zum Abendessen gab es nochmals leckere Dorade, dieses Mal à la Bordelaise. Und dann fielen wir auch schon todmüde ins Bett und freuten uns darauf, dass wir am nächsten Tag nur noch eine kleine Etappe nach St. Anne vor uns hatten und somit ausschlafen konnten.

Doch da hatten wir uns zu früh gefreut, denn ca. um 1 Uhr nachts wachten wir durch ein lautes schleifendes Geräusch auf. Es klang als ob unsere Ankerkette über Felsen gezogen würde, doch da wo wir geankert hatten, gab es überhaupt keine Felsen. Was war denn da los? Wir gingen nach draußen, doch leider war es stockdunkel und wir konnten überhaupt nichts sehen. So legten wir uns wieder ins Bett und hofften, dass das Geräusch nicht wieder auftauchen würde. Doch natürlich schleifte es munter weiter und bei dem Krach konnten wir unmöglich schlafen.

Also holte Kai unseren großen Scheinwerfer und damit entdeckten wir, dass ein ganzes Stück unter Wasser etwas schwamm, das aussah wie eine Boje. Das konnte doch nicht wahr sein, da hatte sich unsere Ankerkette doch tatsächlich als der Wind drehte um die Kette einer Boje verhakt und nun schabten die beiden Ketten aneinander. Das konnten wir so natürlich nicht lassen und so warfen wir unsere Motoren an und fuhren nach vorne, um unsere Ankerkette zu befreien. Das war leichter gesagt als getan, doch nach etwas hin- und herfahren, schafften wir es irgendwann und holten dann etwas Kette hoch, damit uns das nicht noch einmal passierte.

An Schlaf war jetzt erst einmal nicht mehr zu denken und so lasen wir beide ein Stündchen, bis wir endlich wieder müde genug waren, um einzuschlafen.

Am nächsten Morgen schnorchelte Kai, um sich anzuschauen, was da im Wasser war und tatsächlich war es ein Betonblock mit einer Boje dran, die ca. 2,5m unter Wasser schwamm. Was sollte denn das bitte schön sein? Eine Boje für U-Boote?

Aber es war natürlich auch typisch, dass uns das ausgerechnet dann passierte, wenn wir ausnahmsweise mal nach dem Ankermanöver nicht unseren Anker abgeschnorchelt hatten. Normalerweise macht Kai das immer, doch dieses Mal waren wir beide schon zum „Duschen“ im Wasser, als Kai einfiel, dass er seine Schnorchelmaske vergessen hatte. Und da keiner von uns beiden Lust hatte, so nass an Bord zu gehen und diese rauszukramen, beschlossen wir, dass das alles schon passt. Denn wir hatten hier ja schon des öfteren geankert und wussten, dass der Untergrund gut ist. Für nachts war nicht viel Wind vorhergesagt und wir wollten ja ohnehin nur eine Nacht bleiben. Aber diese Nachlässigkeit wurde dann natürlich gleich bestraft!

Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 2

Am zweiten Tag ging es weiter von Basseterre in Guadeloupe an Les Saintes vorbei nach Roseau in Dominika. Dieses Mal mussten wir nicht ganz so früh aufbrechen, weil wir lediglich eine Strecke von 48 Seemeilen vor uns hatten. Doch diese Strecke hat es meistens in sich, weil es in den Kanälen zwischen Guadeloupe, Les Saintes und Dominica oft bläst wie verrückt.

Und auch dieses Mal sollte dies keine gemütliche Überfahrt werden. Bereits von unserem Ankerplatz aus sahen wir, dass ein Regenschauer nach dem nächsten durch den Kanal zog. Deshalb warteten wir noch etwas ab, doch es wurde einfach nicht besser. Da der Wetterbericht vorhergesagt hatte, dass sich das schlechte Wetter so ziemlich auf diesen ersten Kanal nach Les Saintes begrenzte, gingen wir gegen 8:15 Uhr Anker auf und fuhren mit beiden Segeln im ersten Reff los.

Zuerst sah alles noch ganz gut aus, doch je näher wir der Mitte des Kanals kamen, umso näher rückte auch ein Regenschauer aus Osten und ein Frachtschiff aus Westen. Dass der Schauer uns trifft war sicher und auch das Frachtschiff hielt munter auf uns zu. So schaute ich im AIS (ein System, das in unser Funkgerät integriert ist und uns Daten von anderen Schiffen anzeigt) nach, welchen Kurs der Frachter fährt, wie der CPA (closest point of approach) und TCPA (time to closest point of approach) ist. Och nein, das sah nicht gut aus: der CPA war 0,1 Seemeilen und TCPA ca. 10 Minuten. Das bedeutete, der Frachter würde, wenn wir beide weiterhin unseren Kurs beibehalten würden, in 10 Minuten ca. 180m vor oder hinter uns passieren. Das wäre verdammt nahe, zumal ja von der anderen Seite auch noch der Regenschauer auf uns zukam. Wir beschlossen, erst mal abzuwarten und zu schauen, wie alles auskommt. 

Und da kam auch schon der Schauer und traf uns mit voller Wucht. Es fing an zu regnen und der Wind ging immer weiter hoch: 24 Knoten, 26, 27, 28, 30 und schließlich 32,5 Knoten. Kai fiel ab (steuerte vom Wind weg), während ich unsere Segel etwas fierte und wir rauschten mit fast 9 Knoten dahin. Der Frachter war erstmal vergessen, weil wir mit unserem Boot und den Segeln genug beschäftigt waren. Als der Spuk vorbei war, hielt ich sofort wieder nach dem Frachter Ausschau, doch dieser war inmitten des Regenschauers verschwunden. Da waren wir ganz schön froh um unser AIS, auf dem wir weiterhin sehen konnten, wo er sich befand und wie weit er noch von uns entfernt war. Der CPA war nun bei 0,2 Sm (auch nicht wirklich toll) und TCPA bei 5 Minuten. Doch glücklicherweise sah ich, dass er mittlerweile leicht seinen Kurs geändert hatte und wenn wir auch nochmal etwas anluven (dichter an den Wind fahren) würden, sollte er hinter uns vorbei kommen. Und so war es dann auch. Fünf Minuten später passierte er uns in ca. 800m Entfernung! So etwas ist wirklich typisch: wir und der Frachter waren die einzigen Schiffe, die im Kanal unterwegs waren und mussten natürlich mitten im Regenschauer fast auf Kollisionskurs sein!

Der Rest der Fahrt war zwar weiterhin ziemlich durchwachsen, weil uns noch zwei Regenschauer trafen, aber diese waren glücklicherweise nicht ganz so heftig wie der erste und hinter Dominika lachte uns dann auch wieder die Sonne.

So kamen wir um 16:30 Uhr in Roseau an, wo wir von einem der Boatboys an einer Boje festgemacht wurden. Hier konnten wir uns zum ersten Mal einen Eindruck von der Zerstörung von Hurrikan Maria im vergangenen September machen. Die Aufbauarbeiten scheinen ganz gut voran zu gehen und ziemlich viele Gebäude haben neue Dächer bekommen. Aber man sieht auch noch einige fast vollkommen eingestürzte Häuser, die ganzen Bootsstege hier in der Bucht fehlen und es gibt noch einiges zu tun. Die Natur hat sich wohl am besten erholt, denn was wohl vor einigen Monaten noch kahl und braun war, ist jetzt schon wieder saftig grün und sprießt. Wenn wir Menschen uns nur auch so schnell von solchen Naturgewalten erholen könnten!

Wenn der Wetterbericht nur mal stimmen würde

Nachdem wir gestern unseren Zahnarzttermin gut hinter uns gebracht hatten und Kais Fuß von der Apothekerin begutachtet worden war (der Arzt hatte leider ausgerechnet gestern einen Tag frei) machten wir uns auf den Weg nach Basseterre. Basseterre ist ca. 2 Stunden von Ilet Pigeon entfernt und wir freuten uns sehr auf die ruhige Ankerbucht dort.

Wenn der Wetterbericht - 1

Doch dieses Mal hatten wir etwas Pech. Nachdem wir bereits einige sehr unruhige Nächte in Ilet Pigeon verbracht hatten, weil dort zwei Tage lang der Wind in Böen von über 30 Knoten durch die Bucht fegte, erhofften wir uns von Basse Terre eine ruhige Nacht. Da hatten wir unsere Rechnung aber nicht mit einem der Locals gemacht. Denn ca. um 19:30 Uhr beschloss jemand am nahegelegenen Ufer eine kleine Disco zu starten. Wir vermuten, dass dieser nette Mensch uns an seiner neu gekauften Auto-Stereoanlage teilhaben lassen wollte und diese auf volle Pulle aufdrehte. So dröhnte eine ohrenbetäubende Tschaka-tschaka Musik auf unser Boot und uns standen die Haare zu Berge. Als wir um 22 Uhr schlafen wollten, dröhnte es draußen immer noch in voller Lautstärke und so blieb uns nichts anderes übrig, als alle Luken zu schließen und uns in der Hitze in den Schlaf zu schwitzen.

Da wir beide total fertig und müde waren, schliefen wir glücklicherweise recht schnell ein. Doch leider wachten wir auch sehr oft plötzlich wieder auf (vielleicht immer wenn ein neues Lied anfing) und erst spät in der Nacht hörte die Musik endlich auf.

Wenn der Wetterbericht - 2

So waren wir heute morgen beide ziemlich gerädert, als wir um kurz nach 7 Uhr aufstanden, um uns auf die Fahrt nach Dominica zu machen. Zuerst mussten wir den von uns stets gefürchteten Kanal zwischen Guadeloupe und Les Saintes überqueren und uns war recht Bange davor, wie viel Wind uns dort wieder erwarten würde.

Angekündigt waren für den Vormittag 12-15 Knoten, aber wir waren uns sicher, dass da auch locker mal das doppelte daraus werden kann. Und so kam es dann auch. Wir lugten mit dem Bug unseres Bootes um das Kap und krawumms, schon traf uns der Wind ungebremst. Gerade hatten wir noch 10 Knoten auf der Anzeige gehabt und auf einen Schlag waren es dann 31!

Die Wellen wurden immer steiler und der Wind ließ höchstens mal auf ca. 26 Knoten nach, bevor er erneut mit mehr als 30 Knoten blies. Aber wie gesagt, das hatten wir ja fast schon geahnt. Wie glücklich waren wir, als wir in den Windschatten von Les Saintes eintauchten und eine kleine Verschnaufpause vor uns lag . Das schlimmste hatten wir geschafft, so dachten wir zumindest.

Aber das entpuppte sich als Irrtum, denn im Kanal zwischen Les Saintes und Dominica ging es dann erst richtig rund. Die Wellen waren doppelt so hoch wie vorher und der Wind blies fast die ganze Zeit mit rund 30 Knoten (angekündigt waren für diese Uhrzeit 15 Knoten). Kai war klatschnass, weil er unzählige Wellen abbekommen hatte.

Wenn der Wetterbericht - 3 Wenn der Wetterbericht - 4 Wenn der Wetterbericht - 5

Wie erleichtert waren wir, als wir nach vier Stunden segeln in den Windschatten von Dominica eintauchten. Wir jubelten erleichtert auf, denn der Wind ging runter auf 18 Knoten, die Wellen nahmen beträchtlich ab und unsere Silence segelte endlich sanft dahin. So kannten wir das von Dominica und wir waren uns sicher, dass der Wind bald ganz nachlassen würde und wir den Rest der Strecke motoren müssten.

Doch wir hatten uns zu früh gefreut. Denn von einer Sekunde auf die andere frischte der Wind wieder auf. Es ging von 18 auf 25 und dann auf 34 Knoten. Unsere Silence beschleunigte innerhalb von Sekunden von ca. 5,7 auf mehr als 8 Knoten und wir sausten erneut dahin. Der Wind peitschte über das Meer, holte ab und an mal kurz Luft, nur um dann erneut wie wild in unsere Segel zu fahren. Also das hatten wir hier noch nie erlebt. Da wir bei den heftigen Böen immer etwas abfallen mussten, kamen wir immer mehr von unserem Kurs ab und beschlossen irgendwann, dass dies keinen Sinn mehr macht und wir besser die Genua einholen.

So fuhren wir dann die letzten 8 Meilen zur Ankerbucht in Rosseau mit Großsegel und Motor und waren heilfroh, als wir dort ankamen. Und nun liegen wir hier, das Wasser ist flach wie auf einem See, es geht fast kein Lüftchen und wir können gar nicht glauben, dass es uns vorher da draußen so gebeutelt hatte. So macht Segeln wirklich keinen Spaß, denn es fühlt sich eher so an, wie wenn man in eine überdimensionale Waschmaschine geraten wäre!

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