Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 4

Da wir an diesem Tag nur eine kleine Etappe von Grande Anse bis nach St. Anne vor uns hatten, konnten wir endlich mal wieder ganz gemütlich frühstücken, bevor wir um 10:40 Uhr Anker auf gingen.

Nun war lediglich noch zu entscheiden, ob wir es sportlich nehmen und segeln oder doch lieber motoren. Denn die Etappe betrug zwar nur 14,5 Seemeilen, doch der Kurs war direkt nach Osten, also genau gegen den Wind. Da es natürlich auch wieder recht viel Wind hatte und wir dann auch unter Motor nur langsam voran kommen, beschlossen wir zu segeln.

Das bedeutet wir müssen die ganze Zeit mit unserem Boot im Zick-Zack-Kurs auf unser Ziel zufahren (am Wind kreuzen). Am Anfang machte es nicht so wirklich Spaß, weil wir unglücklicherweise auch mal wieder Strömung gegen uns hatten und so bei jeder Wende das Gefühl hatten, dass wir fast genau in die Richtung zurück fuhren, aus der wir vorher kamen. Doch als wir am Rocher de Diamant, einem riesigen Felsblock wenige hundert Meter vor der Westküste Martiniques, vorbei waren, wurde es langsam besser.

Manchmal nahm der Wind etwas zu und so sausten wir teilweise mit 9 Knoten dahin, doch im Schnitt waren wir leider eher mit 5-6 Knoten unterwegs. So zog sich die kleine Etappe wie Kaugummi. Ich dachte schon wir würden nie mehr ankommen. 

Zwei Mitstreiter hatten bereits aufgegeben, die Segel eingerollt und die Motoren angeschaltet und hielten nun direkt auf St. Anne zu. Doch uns hatte der Ehrgeiz gepackt und so kreuzten wir munter weiter.

Und um 16 Uhr segelten wir endlich in die Bucht von St. Anne, wo wir 15 Minuten später unseren Anker vor der Anse Caritan versenkten.

Somit hatten wir 5 1/2 Stunden für eine Strecke von noch nicht einmal 30 Kilometern gebraucht und waren am Ende 31 Seemeilen (statt 14,5) gesegelt! Also mit unserem Boot ist Segeln manchmal eine der langsamsten Fortbewegungsarten der Welt. Ich kann nur sagen: Segeln entschleunigt!

Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 3

Eigentlich wollten wir am 3. Tag so gegen 7:30 Uhr von Dominica aufbrechen, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Da wir jedoch lediglich ca. 53 Seemeilen vor uns hatten, waren wir nicht so sehr in Eile. So frühstückten wir noch in Ruhe ein paar Muffins und danach warfen wir die Leinen los. Besser gesagt wir wollten die Leinen loswerfen, doch eine unserer Leinen bekam beim Herausziehen einen Knoten und blieb an der Boje hängen. So mussten wir die andere Leine nochmals durchziehen und festmachen, konnten uns dann vom Knoten befreien und nun ablegen. Also es passieren einem doch immer wieder komische Dinge!

Das Wetter war zwar immer noch nicht optimal und es zogen einige Regenschauer durch den Kanal, doch wir hatten Glück und blieben die meiste Zeit recht trocken. Allerdings hatten wir auch an diesem Tag recht viel Wind. Die angekündigten 15-17 Knoten sahen wir nie, meist waren es über 22 Knoten. Eigentlich hätten wir ganz gut voran kommen müssen, doch teilweise hatten wir eine Gegenströmung von 1,5-2 Knoten, so dass wir nur mit 7 Knoten fuhren (obwohl wir durchs Wasser 9 Knoten machten). Das war echt frustrierend!

Und auch dieses Mal mussten wir manchmal wieder Slalom fahren, um riesigen Feldern von Seegras auszuweichen. Und ab und an gab es auch kein Ausweichen und wir mussten mittendurch. So schlimm wie auf dieser Fahrt nach Süden hatten wir das wahrlich noch nie erlebt.

Doch im Windschatten von Martinique wurde es dann besser und mit dem Wind, der um den Mont Pélé herumpfeift, nahmen wir auf dem glatten Wasser schön Fahrt auf. Dann mussten wir ein kleines Stück motoren, bevor es aus dem Kanal, der nach Fort-de-France führt, wieder mit 25 Knoten herausblies. Und dann hatten wir es auch schon geschafft und durften unseren Anker im weichen Sand der Bucht Grand Anse versenken.

Zum Abendessen gab es nochmals leckere Dorade, dieses Mal à la Bordelaise. Und dann fielen wir auch schon todmüde ins Bett und freuten uns darauf, dass wir am nächsten Tag nur noch eine kleine Etappe nach St. Anne vor uns hatten und somit ausschlafen konnten.

Doch da hatten wir uns zu früh gefreut, denn ca. um 1 Uhr nachts wachten wir durch ein lautes schleifendes Geräusch auf. Es klang als ob unsere Ankerkette über Felsen gezogen würde, doch da wo wir geankert hatten, gab es überhaupt keine Felsen. Was war denn da los? Wir gingen nach draußen, doch leider war es stockdunkel und wir konnten überhaupt nichts sehen. So legten wir uns wieder ins Bett und hofften, dass das Geräusch nicht wieder auftauchen würde. Doch natürlich schleifte es munter weiter und bei dem Krach konnten wir unmöglich schlafen.

Also holte Kai unseren großen Scheinwerfer und damit entdeckten wir, dass ein ganzes Stück unter Wasser etwas schwamm, das aussah wie eine Boje. Das konnte doch nicht wahr sein, da hatte sich unsere Ankerkette doch tatsächlich als der Wind drehte um die Kette einer Boje verhakt und nun schabten die beiden Ketten aneinander. Das konnten wir so natürlich nicht lassen und so warfen wir unsere Motoren an und fuhren nach vorne, um unsere Ankerkette zu befreien. Das war leichter gesagt als getan, doch nach etwas hin- und herfahren, schafften wir es irgendwann und holten dann etwas Kette hoch, damit uns das nicht noch einmal passierte.

An Schlaf war jetzt erst einmal nicht mehr zu denken und so lasen wir beide ein Stündchen, bis wir endlich wieder müde genug waren, um einzuschlafen.

Am nächsten Morgen schnorchelte Kai, um sich anzuschauen, was da im Wasser war und tatsächlich war es ein Betonblock mit einer Boje dran, die ca. 2,5m unter Wasser schwamm. Was sollte denn das bitte schön sein? Eine Boje für U-Boote?

Aber es war natürlich auch typisch, dass uns das ausgerechnet dann passierte, wenn wir ausnahmsweise mal nach dem Ankermanöver nicht unseren Anker abgeschnorchelt hatten. Normalerweise macht Kai das immer, doch dieses Mal waren wir beide schon zum „Duschen“ im Wasser, als Kai einfiel, dass er seine Schnorchelmaske vergessen hatte. Und da keiner von uns beiden Lust hatte, so nass an Bord zu gehen und diese rauszukramen, beschlossen wir, dass das alles schon passt. Denn wir hatten hier ja schon des öfteren geankert und wussten, dass der Untergrund gut ist. Für nachts war nicht viel Wind vorhergesagt und wir wollten ja ohnehin nur eine Nacht bleiben. Aber diese Nachlässigkeit wurde dann natürlich gleich bestraft!

Ohne Computer ist man aufgeschmissen

Eigentlich sollten meine Berichte über die Fahrt nach Süden ja noch weitergehen, doch leider ging uns, als wir wieder Internet hatten, unser MacBook kaputt. Also kramten wir gleich mal unseren uralten EeePC (ein kleines Laptop) heraus, den wir seit Jahren nicht mehr benutzt hatten. Tja, das war ein großer Fehler, denn als Kai ihn einschaltete sah er gleich, dass der Bildschirm etwas kaputt war und außerdem ging die Taste „w“ nicht mehr. Das Betriebssystem war auch ziemlich veraltet und als Kai unsere Festplatte anschloss, auf der wir Sicherungskopien von vielen Daten haben, konnte er diese nicht lesen. So konnten wir mit diesem Laptop erst einmal auch nicht wirklich etwas anfangen.

Also behalfen wir uns mit unseren iPads. Man sollte meinen, dass das kein Problem sei, aber leider merkt man immer erst wie oft man etwas benutzt, wenn es nicht mehr funktioniert. So konnten wir nun abends keine Filme schauen, keine eBooks auf unsere eBook-Reader laden (glücklicherweise hatten wir beide gerade kurz vorher einige Bücher darauf geladen), keine Fotos anschauen, auf keine Daten zugreifen und auch keine Blogbeiträge schreiben. So ein Mist! Nun mussten wir zu unserer riesige Einkaufsliste auch noch ein MacBook hinzufügen. Als ob die Liste nicht schon lang genug gewesen wäre.

Wie es hier weiterging, erzähle ich euch dann nach den Segelberichten. Doch wie ihr schon erahnen könnt, haben wir mittlerweile, nach einigen nervenaufreibenden Tagen, eine funktionierende Lösung. Juhu!