Besuch der Küstenwache auf der Silence

Es hat nicht nur Vorteile, wenn man so spät in der Saison noch in Antigua ist. Wir hatten hier zwar Green Island und auch den Kitespot so gut wie für uns alleine, was bedeutet, keine lauten Nachbarn und kein Shuttle-Verkehr zum Restaurant (weil seit Ostern geschlossen), einfach nur sehr viel Ruhe. Aber es hat auch Nachteile, wenn man hier so ganz alleine liegt. Nämlich wenn die Küstenwache Langeweile hat.

Kai hatte sich vor ein paar Tagen nach dem Kitesurfen eine Runde hingelegt, weil es ihm nicht so richtig gut ging und ich hatte gerade mit einer Freundin telefoniert, als ich draußen sehr nah an unserem Boot Motorengeräusche hörte. Was war denn da los? Wollte da jetzt jemand direkt neben unserem Boot ankern?
Ich flitzte schnell nach oben ins Cockpit und stand Auge in Auge mit vier Offiziellen der Küstenwache in einem großen grauen Tender. Na super!
Der eine Offizier teilte mir sehr höflich mit, dass sie unterwegs seien, um zu überprüfen, ob alle Bürger die Gesetze einhalten und dass sie deshalb gerne an Bord kommen würden.

Tja, solch eine höflich formulierte Bitte lässt sich schlecht ablehnen und so rief ich Kai und wir brachten an unserer Backbordseite Fender aus, damit die Küstenwache längsseits gehen konnte.

Nachdem die Leinen festgezurrt waren, wurden wir von zwei männlichen Offizieren und dem Kapitän der Küstenwache, einer weiblichen Offizierin gebordet. Alle drei trugen schöne schwarze Springerstiefel, mit denen sie natürlich überall Streifen auf unserem weißen Gelcoat hinterließen. Aber lieber mal nichts sagen. Wir machen gute Miene zu bösem Spiel und sind freundlich.

Ein zweiseitiges Formular wurde gezückt und die Kontrolle ging los. Zuerst einmal mussten Fragen wie Bootstyp, Länge, Gewicht, Farbe, Farbe des Unterwasserschiffs, Registrierungsnummer, Rufzeichen, Angaben zur Crew u.v.m. beantwortet werden und dann ging es an den eigentlichen Check. Die drei ließen sich von uns das Funkgerät, die Navigationslichter, unsere Flagge, die Rettungsinsel, Feuerlöscher und die Leuchfackeln zeigen. Unglücklicherweise waren diese abgelaufen und der eine Offizier meinte, dass er uns doch empfehlen würde, mal ein paar neue zu kaufen. Die Frage nach dem Vorhandensein von Rettungswesten bejahten wir. Gut, dass wir sie nicht vorzeigen mussten, denn auch bei den Rettungswesten sind die Gaszylinder zum automatischen Aufblasen der Westen abgelaufen. Wir hatten bisher einfach keine Lust diese alle paar Jahre zu erneuern, zumal wir die Westen hier sowieso nie benutzen und im Notfall kann man diese auch mit dem Mund aufblasen. Aber gut, dass das nicht überprüft wurde.

Wir waren eine gute dreiviertel Stunde beschäftigt, bis alle Fragen auf dem Formular beantwortet und geprüft waren. Es ging alles sehr formell aber dennoch freundlich zu. Zwischendurch scherzten wir auch ein bisschen, so dass am Ende alle guter Laune waren. Sehr gut kam auch Kais T-Shirt an, denn es trägt ein Logo mit dem einheimischen Namen Antiguas: Wadadli. Alle waren begeistert, dass wir das wussten und als wir noch die lokalen Biersorten aufzählten, die wir am liebsten trinken, war das Eis endgültig gebrochen. Und so wurde der Bericht seitens der Küstenwache mit „no violations found“ („keine Gesetzesübertretungen gefunden“, obwohl ja fast unser komplettes Sicherheitsequipment abgelaufen war) unterschrieben und Kai musste noch gegenzeichnen, dass die Küstenwache bei ihrer Prüfung keinen Schaden an unserem Boot angerichtet hatte.

Zum Abschluss gaben wir noch jedem ein Kaltgetränk mit, denn die Ärmsten schwitzten ganz schön in ihrer Armeekleidung und den Rettungswesten und ich fragte ganz unverschämt, ob ich denn ein Foto machen dürfe.
Ja klar, kein Problem. Das hätte ich nicht wirklich erwartet, aber somit gibt es hier immerhin noch ein Foto von Kai mit zwei Offizieren der Küstenwache.

Und wir haben nun nach 12 Jahren auch mal die Erfahrung gemacht, wie es ist, von der antiguanischen Küstenwache überprüft zu werden.

2 Kommentare zu „Besuch der Küstenwache auf der Silence

    • Hi Marco,

      nein, glücklicherweise mussten wir nicht die Küstenwache rufen, weil uns ein Unglück passiert war. Sie kamen also nicht als unser Freund und Helfer, sondern eher in der unangenehmen Art und Weise einer Kontrolle. Ist irgendwie nicht so richtig angenehm, wenn drei Leute vom Militär in Springerstiefeln (aber glücklicherweise ohne Waffen) in unser Zuhause „eindringen“ und wir vorweisen müssen, dass wir brave gesetzestreue Bürger sind. Zumal wir ja wussten, dass wir da in unserer Sicherheitsausrüstung ein paar Schwachstellen hatten. Aber ging ja alles glatt

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