10 Stunden für etwas mehr als 100 Kilometer

Es ist mal wieder an der Zeit die Zelte in Antigua abzubrechen und für die Hurrikan-Saison gegen Süden zu ziehen.

Nach dem Ausklarieren genossen wir noch ein letztes Eis im lokalen Eiscafé in Willikies. Das ist eine kleine Ortschaft im Osten Antiguas, in deren Nähe wir vor Anker lagen. Hier am A… der Welt ist die Welt gemessen an den Eispreisen quasi noch in Ordnung. Eine Kugel in einer herrlich knusprigen Waffel kostet XCD7, umgerechnet ca. €2,30 (zwei Kugeln in einer Waffel würden XCD12, also €3,90 kosten). Ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal als günstig erachten würde. Denn ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie ich meine Eltern früher immer um 20 Pfennige anbettelte, als ich den Eismann mit seinem Auto draußen bimmeln hörte.

 

Vielen Dank Daniel! Wir haben beim Schlecken unseres leckeren Karamell-Eises an Dich gedacht 😋

Am nächsten Tag ging es dann auf die größte Etappe unserer Migration nach Süden: 58 Seemeilen hatten wir vor uns und wir mussten uns etwas sputen, weil eine tropische Welle mit mächtig viel Regen auf uns zukam.

Vom Fischereihafen in der Nonsuch Bay ging es morgens um 6 Uhr an Green Island vorbei hinaus auf den Atlantik. Bereits nach zwei Stunden verschwand Antigua in der Ferne und wir kamen ziemlich gut voran. Doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis wir endlich Guadeloupe sehen würden, weil mal wieder extrem viel Sahara-Sand in der Luft für schlechte Sicht sorgte. Gut für uns, denn dann regnet es normalerweise nicht.

Wir hatten zwar unterwegs auch mal wieder ziemlich viel Sargassum, aber der Himmel war blau und wolkenlos, der Wind blies mit ca. 15 Knoten und die Wellen waren lediglich etwas weniger als 2m hoch. Also ein sehr angenehmer Trip.

Doch je näher wir an Guadeloupe kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Über Guadeloupe hingen fette Regenwolken und natürlich kamen wir in zwei ordentliche Schauer. Na ja, auch gut, wird unsere Silence gleich wieder vom ganzen übergekommenen Salzwasser befreit.

Im Westen Guadeloupes wurde der Wind dann von der Insel geblockt und wir kamen teilweise nur noch mit 3 Knoten (nicht mal 6 km/h) voran. Irgendwann wurde es uns zu doof und so motorten wir noch die letzte Stunde bis zum Ziel. Um kurz nach 16 Uhr kamen wir in Bouillante an und waren heilfroh, als wir unseren Anker im tiefschwarzen Sand versenken konnten. 10 Stunden auf dem Meer mit Gewackel und Geschaukel schlauchen einfach ungemein. Wir waren beide total k.o. und freuten uns darauf, nachdem wir die Segel weggepackt und unseren Außenborder wieder ans Dingi gemacht hatten, ein schönes Bad zu nehmen und danach einfach nur noch den Sonnenuntergang zu genießen.

 

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