Besuch Fort Shirleys und Wanderung auf die Cabrits

Wir sind mittlerweile in Dominica und da bisher keine Hurrikans oder Stürme in Sicht sind, nutzen wir die Gelegenheit, mal wieder unsere deutschen Freunde (die hier leben) zu besuchen und hier ein bisschen was zu unternehmen.

Unsere Freunde hatten uns erzählt, dass es im Cabrit National Park ein paar schöne Wanderwege gibt. An diesem Nationalpark segeln wir immer mit unserer Silence vorbei, wenn wir in die Prince Rupert Bay fahren. Der Park besteht aus zwei ca. 180m hohen Bergen auf denen im 18. Jahrhundert von den Engländern eine riesige militärische Anlage errichtet wurde. Fort Shirley wurde im Jahr 1985 komplett renoviert und wir hatten dieses im Jahr 2014 auch schon einmal besucht. Damals war uns aber anscheinend nicht bewusst, dass überall im Nationalpark noch Überreste der alten Gebäude stehen und man auch auf beide Berge wandern kann.

Und das wollten wir dieses Mal machen. Morgens um 9:30 Uhr zogen wir unser Dingi an Land und spazierten los. Der Eingang zum Nationalpark liegt nur etwa 15 Minuten von unserem Ankerplatz entfernt und so konnten wir dort bereits kurz vor 10 Uhr unser Ticket für den Eintritt lösen.

Da uns gesagte wurde, dass der östlichere der beiden Cabrits eine schönere Aussicht hat, begannen wir mit diesem Wanderweg. Er führte herrlich im Schatten durch den Urwald, immer wieder vorbei an alten Gemäuern ehemaliger Barracken und Wachhäuschen. Es ging langsam und stetig bergauf und an der ersten Kehre eröffnete sich eine wunderschöne Aussicht auf Les Saintes und Guadeloupe.

Oben am Gipfel war ein großes Pulvermagazin, von wo aus man nicht nur auf die Nordwestküste Dominicas, sondern auch auf die Prince Rupert Bay schauen konnte, in der unsere Silence liegt. Und etwas weiter auf dem Kamm entlang führte der Weg zu einer großen Plattform auf der früher die Kanonen standen. Von hier aus hatte man einen herrlichen Ausblick auf den westlicheren der beiden Cabrits und auf Fort Shirley.

Wir hatten einen perfekten Tag erwischt für unsere Wanderung: der Himmel war strahlend blau, kein Schauer weit und breit und eine sehr gute Sicht. Ab und an zog ein Luftzug durch die Bäume. Besser hätte es nicht sein können.

So wollten wir auch gerne gleich noch den anderen Cabrit erwandern, aber zuerst gingen wir auf dem Pfad wieder hinunter Richtung Fort und nahmen auf halbem Weg einen Abzweig zu den Officers Quarters und den Douglas Bay Kanonen. Wir fühlten uns wie in einem verwunschenen Märchenwald. Überall hingen Lianen, die Bäume hatten sich mit ihren Wurzeln ins Mauerwerk gekrallt, die Natur eroberte sich alles von Menschenhand Gebaute zurück.

Auf einer Bank vor dem Fort machten wir eine kurze Mittagspause, bevor wir den westlichen Cabrit erwanderten. Hier gab es auf dem Weg nicht wirklich viel zu sehen. Es ging etwas steiler als auf dem östlichen Cabrit den Berg hinauf und nach der Hälfte der Strecke stand eine kleine Bank an einem wunderschönen Aussichtspunkt. Wir machten eine kurze Trinkpause und dann ging es weiter. Unser Karte hatte von einer 30minütigen Wanderung gesprochen, das Schild am Beginn des Weges von 40 Minuten. Wir schafften es in 20 Minuten hinauf. Auch hier erwartete uns eine Plattform mit Kanonen und einer herrlichen Aussicht auf Les Saintes und Guadeloupe und die Prince Rupert Bay mit unserer Silence.

Übrigens wurde die Prince Rupert Bay nach dem deutschen Prinzen Rupert von der Pfalz benannt. Sein Name war mir nicht wirklich geläufig, der seines Vaters und der des Bruders aber umso mehr. Denn sein Vater war Kurfürst Friedrich V, der den Lustgarten auf dem Heidelberger Schloss für seine Frau Elisabeth Stuart gestalten ließ. Ruprechts Bruder war Kurfürst Karl Ludwig, der ebenfalls auf dem Heidelberger Schloss residierte und im Jahre 1656 beschloss, das Schwetzinger Schloss wieder aufzubauen und die Anlage zu erweitern. Hätten wir im Fort nicht gelesen, dass die Prince Rupert Bay nach Prince Rupert of the Rhine benannt ist, der ein deutsch-englischer Kavalleriegeneral und Admiral war, hätten wir das niemals recherchiert. Unglaublich, dass der Name dieser Bucht so eng mit der Geschichte der Kurpfalz verbunden ist.

Auf dem Abstieg vom westlichen Cabrit machten wir nochmal Rast an der schönen Bank und genossen die Aussicht, das Zwitschern der Vögel und die hier heimischen Zanndoli, Baum-Eidechsen mit eindrucksvoll aufstellbarem Kehlfächer.

Zu guter letzt schauten wir uns noch das Fort an (leider stehen die Räume innen fast alle leer) und bewunderten die schön renovierten Gebäude.

Und dann ging es auf der Straße entlang zurück zu unserer Silence.

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