Die Hurrikan-Saison naht…

… und deshalb geht’s mal wieder ab in den Süden. Wir haben uns vergangene Woche von unseren Freunden Lise & Johan und Wolfgang & Anke in der Nonsuch Bay verabschiedet und haben in Jolly Harbour ausklariert.

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Da Anfang Juni bereits die Hurrikan-Saison beginnt, wollen wir nach Union Island, um dort noch einige Wochen zu kiten, bevor wir entscheiden, wo wir die weiteren Sommermonate verbringen werden.

So segelten wir am Sonntag zuerst einmal die 55 Seemeilen nach Guadeloupe. Wir hatten recht schönes Wetter, ca. 15 Knoten aus Osten und relativ niedrige Wellen. So kamen wir bereits nach 8 Stunden in Ilet Pigeon an und konnten gleich am Nachmittag noch unser Schiff von der unterwegs aufgesammelten Salzkruste befreien.

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Eigentlich wollten wir am Montag einkaufen gehen und uns erneut einen Termin beim Zahnarzt besorgen (nun ist mir unterhalb der neu ersetzten Füllung ein Stück meines Zahns abgebrochen und Kai verlor kürzlich eine Krone). Doch leider fiel uns erst Sonntag Abend auf, dass Pfingsten ist und somit die Geschäfte am Montag geschlossen haben. Also gingen wir lediglich Wäsche waschen und wollten danach einfach etwas ausspannen.

Doch dazu kamen wir erst einmal nicht. Kai machte mich irgendwann darauf aufmerksam, dass ein Charter-Katamaran, der genau an unserer Steuerbord-Seite geankert hatte, plötzlich schräg hinter uns lag. Es gingen gerade ein paar heftige Böen durch die Bucht und es war ziemlich eindeutig, dass der Anker des Katamarans rutschte. Da wir jedoch sahen, dass zwei Frauen an Bord waren, dachten wir uns erst einmal nichts dabei. Ca. 10 Minuten später war das Boot jedoch bereits ca. 200m von uns entfernt und driftete weiter durch die Gegend. Eine der Damen nahm dann mal ein Bad und legte sich danach in die Sonne und wir sahen uns beide nur noch verdutzt an. Merkten die denn nicht, dass ihr Anker rutschte?

Wir beschlossen erst einmal abzuwarten, denn wir waren sicher, dass den beiden irgendwann auffallen müsse, dass sie nicht mehr an der Stelle waren, wo sie zuvor geankert hatten. Doch das Boot driftete weiter und weiter. Als es dann bereits die halbe Strecke in Richtung Ilet Pigeon zurückgelegt hatte, beschlossen wir hinzufahren und den beiden unsere Hilfe anzubieten. Vielleicht hatten sie ja ein Motorproblem oder die beiden Damen konnten das Boot nicht steuern.

So fuhren wir mit unserem Dingi hinüber und fragten die eine Dame an Deck, ob wir ihnen irgendwie helfen können. Sie schaute uns an wie ein Auto und verneinte. Ich fragte sie, ob sie denn bemerkt hätten, dass ihr Anker rutsche und sie in ca. 10-15 Minuten auf Ilet Pigeon auflaufen würden. Sie sah mich völlig entsetzt an, verneinte nochmals und holte ihre Kollegin. Diese hatte irgendwo unter Deck gewurschtelt und auch ihr war das völlig entgangen.

Leider war der Skipper nicht an Bord, aber die beiden versicherten uns, dass sie das Boot steuern könnten und gleich neu ankern würden. So fuhren wir zurück zu unserem Boot, schauten aber immer mal wieder zurück, um uns zu vergewissern, dass die beiden tatsächlich Anker aufgehen und ihnen die Dringlichkeit der Lage bewusst ist. Aber es passierte nichts. Und irgendwann sahen wir eine der beiden am Bug stehen und winken und so fuhren wir sofort wieder hin. Die beiden bekamen die Motoren nicht an, weil sie mit dem System nicht vertraut waren.

So gingen wir beide an Bord, Kai schaffte es nach kurzer Zeit die Motoren zu starten und wir halfen den beiden den Anker einzuholen. Wir blieben zur Sicherheit an Bord bis sie neu geankert hatten und wir sicher waren, dass der Anker dieses Mal auch hielt. Die beiden Damen gehörten übrigens zur Crew (die eine war wohl Deckhand und die andere Hostess) dieses 59 Fuß Katamarans und waren sehr dankbar für unsere Hilfe.

Eigentlich hatten wir erwartet, dass der Skipper des Bootes später auch mal noch kurz bei uns vorbeischauen würde, um sich zu bedanken, dass wir sein sicherlich eine Million Euro teures Boot vor dem Auflaufen auf Ilet Pigeon gerettet hatten, aber da warteten wir leider vergebens.

Am Montag holten wir uns dann einen Termin beim Zahnarzt, kauften uns eine neue Gasflasche und stockten unseren Kühlschrank bei Leader Price auf. Leider bekamen wir beim Zahnarzt erst einen Termin für morgen, so dass wir nun ein paar Tage hier festhängen. Doch das ist wahrscheinlich gar nicht so übel, denn Kai hatte sich vor ca. 1,5 Wochen die Fußsohle an einem Stück Koralle aufgerissen und nun hat sich die Wunde anscheinend entzündet. So habe ich ihm absolute Bettruhe verordnet und desinfiziere die Wunde nun ständig. Sollte diese bis morgen nicht besser sein, dann werden wir wohl gleich noch dem Arzt, der sich das Wartezimmer mit dem Zahnarzt teilt, einen Besuch abstatten!

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Wenn der Wurm drin ist, ist er drin!

Leider sollte sich dieses Sprichwort in der vergangenen Woche mal wieder bewahrheiten.

Bereits kurz nach unserer Ankunft in Guadeloupe hatten wir das Gefühl, dass mit unseren Batterien etwas nicht stimmt. Doch zuerst dachten wir, dass hätte mit unserer Überfahrt unter Autopilot und der doch etwas mangelhaften Sonneneinstrahlung im Norden von Guadeloupe zu tun (denn wir laden unsere Batterien ja immer über unsere Solarpanels). Nach ein paar Tagen hatten wir dann endlich mal wieder Sonne, die Spannungsanzeige sank jedoch immer weiter und so öffnete Kai die Abdeckung, um nach unseren Batterien zu schauen. Und das war höchste Eisenbahn, denn eine unserer drei Batterien war unglaublich heiß. So trennte Kai diese Batterie von den beiden anderen und siehe da, schon sah es mit der Spannung wesentlich besser aus. Aber leider halt nur besser und nicht wirklich gut, weil die beiden anderen Batterien wohl auch in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

Somit war klar: es müssen neue Batterien her und zwar nicht noch einmal die gleichen, sondern wenn möglich bessere. Denn diese Batterien hatten wir gerade erst vor 1 1/2 Jahren in Grenada gekauft und normalerweise sollten solche Batterien schon eher 4-5 Jahre halten. Kai wälzte also Kataloge und betrieb Internetrecherche bis er auf Batterien stieß, die er für gut hielt. Nun galt es nur noch hier auf Guadeloupe einen Händler zu finden, der diese Batterien nicht nur verkauft, sondern auch noch auf Lager hat oder kurzfristig bestellen kann. Und siehe da: wir hatten Glück und fanden im Internet einen Händler in der Nähe von Point-à-Pitre. Doch nun ging die Arbeit erst richtig los. Wir schrieben dem Händler eine e-mail (natürlich auf französisch) und fragten nach einem Angebot für vier Batterien. Leider war die Antwort nicht ganz die erwartete, denn man teilte uns erfreut mit, dass die Batterien im Geschäft in Martinique vorrätig seien. So stellten wir in einer erneuten e-mail klar, dass wir die Batterien leider hier auf Guadeloupe bräuchten und glücklicherweise war das überhaupt kein Problem. Für lediglich €40,- mehr, würden diese innerhalb von zwei Tagen in Guadeloupe sein. Wir fielen uns erleichtert in die Arme und riefen gleich beim Mietwagenverleih an, um ein Auto für Freitag zu mieten. Leider war der Autoverleiher überhaupt nicht begeistert, dass wir das Auto nur für einen Tag haben wollten und sagte, da müssten wir am Vorabend nochmals anrufen und wenn er dann zufällig noch ein Auto hat, dann können wir es haben. Na toll. Das ist ja ein schönes Lotteriespiel.

Also beschlossen wir auf jeden Fall schon einmal von Ilets Pigeon, wo wir unsere ganzen Einkäufe bei Leader Price und Carrefour getätigt, mal wieder Wäsche gewaschen und ich einem Zahnarzt einen Besuch abgestattet hatte (ein Teil einer Zahnfüllung war herausgebrochen), nach Deshaies zu segeln, weil dort der Mietwagenverleih ist.

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So gingen wir also am Donnerstag Vormittag Anker auf, setzten das Großsegel ins erste Reff, setzten die Genua und los ging’s. Wir segelten im, wie immer sehr böigen, Lee von Guadeloupe und kamen ganz gut voran, als es nach ca. 15 Minuten einen lauten Schlag gab und wir uns beide entsetzt ansahen. Es klang, als hätte ich eine Patenthalse gemacht, doch laut meiner Windanzeige war alles in Ordnung. So schaute Kai in unser Großsegel und sah sofort was passiert war: das Auge vom ersten Reff war ausgerissen und unser Segel an der Stelle komplett zerrissen. So rollten wir schnell die Genua ein und nahmen das Segel herunter und motorten die restlichen 1 1/2 Stunden nach Deshaies. Musste das denn wirklich sein? Wir kämpften doch gerade mit unserem Batterie-Problem. Warum musste jetzt gleich noch ein Problem dazu kommen?

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Wir beschlossen, dieses Problem erst einmal zurück zu stellen, denn wir können ja immerhin noch im zweiten und dritten Reff segeln, und die Sache mit den Batterien geregelt zu bekommen. Denn gleich nach unserer Ankunft in Deshaies hatten wir gesehen, dass uns der Batterie-Verkäufer erneut eine e-mail geschickt hatte. Er hatte einen Interessenten, der ihm gerne acht Batterien abkaufen würde, wovon er jedoch bereits vier für uns zurückgelegt hatte. Er fragte uns, ob wir nicht auch ein anderes Modell kaufen könnten, welches sogar besser sei als die uns angebotenen Batterien und normalerweise auch teurer, doch er würde sie uns zum gleichen Preis geben. Er hatte ein paar Datenblätter angehängt und gerade als Kai diese öffnen wollte, funktionierte unser Internet plötzlich nicht mehr und es hieß, wir hätten unseren Datenplan aufgebraucht. Kai checkte den Verbrauch auf seinem iPhone und sah, dass wir lediglich 300MB von den insgesamt gekauften 500MB aufgebraucht hatten. Auf der Webseite des Betreibers (Digicel) wurde jedoch angezeigt, dass wir die kompletten 500MB aufgebraucht hätten. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Hier lag eindeutig ein Fehler vor. Aber was sollten wir jetzt tun? Wir beschlossen für €2,- einen neuen 100MB-Plan zu kaufen. Gesagt getan, das Guthaben erschien auf der Digicel-Seite, Kai öffnete kurz die Wettervorhersage und was glaubt ihr, was passierte? Wir bekamen wieder eine Meldung, dass unser Datenvolumen aufgebraucht sei. Unser iPhone sagte uns, dass wir genau 2KB verbraucht hätten und Digicel behauptete, wir hätten 100MB verbraucht. Das machte uns nun doch ganz schön sauer und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und rief bei der Digicel-Hotline an, um das Problem zu klären. Ich hasse es, hier in der Karibik auf französisch zu telefonieren, denn ähnlich wie auf den englischen Inseln, wo viele eher Pigeon-English sprechen, sprechen auch die Locals auf Martinique und Guadaloupe kein richtiges Hoch-Französisch. Und selbst wenn sie reines Französisch sprechen, dann in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, so dass ich schon große Mühe habe sie zu verstehen, wenn ich ihnen gegenüber stehe. Aber was sollte ich tun, da musste ich nun durch und erklärte der Dame an der Hotline unser Problem. Diese ließ sich unser Dossier am Bildschirm anzeigen und erklärte mir dann, dass hier kein Problem vorliege, sondern wir die Daten tatsächlich verbraucht hätten. Ich versuchte ihr klar zu machen, dass dies unmöglich sei, aber sie beharrte darauf und redete in einer Geschwindigkeit auf mich ein, dass mir hören und sehen verging. Nach 10 Minuten gab ich dann auf. In den wenigen Worten, die ich überhaupt verstand, beharrte die Hotline-Tante darauf, dass mit ihrem System alles in Ordnung sei und sie da gar nichts für uns tun könnte. So legte ich stinksauer auf und wir beschlossen nochmals €2,- zu investieren. Und drei mal dürft ihr raten was passierte? Natürlich das gleiche wie zuvor: puff, lösten sich unsere €2,- in Luft auf.

So beschlossen wir, das Problem zu vertagen und es mit dem Internet am nächsten Tag nochmal zu probieren. Doch natürlich passierte am nächsten Tag genau das gleiche: puff, und schon hatten wir wieder €2,- zum Fenster rausgeworfen. Und ein paar Stunden später nochmal puff. Nein klar, das liegt natürlich an uns, nicht an Digicel. Logisch!

Glücklicherweise fiel uns ein, dass eine der Bars im Ort Wifi hat und als Kai nachschaute funktionierte dieses sogar auf unserem Boot. So las Kai schnell die Datenblätter aus der e-mail durch und wir schrieben eine Antwort an den Verkäufer unserer Batterien. Und als ich diese e-mail gerade versenden wollte: puff, und das Wifi funktionierte plötzlich nicht mehr. Ich muss zugeben, nun hatten sie mich soweit. Ich tobte! Wie kann man denn nur so viel Pech haben?

Was blieb mir also anderes übrig, als mal wieder mein Telefon in die Hand zu nehmen und zu hoffen und zu bangen, dass ich den Verkäufer der Batterien am Telefon besser verstehe als die Digicel-Hotline-Tante. Und glücklicherweise war das der Fall. Der Herr war total nett, sprach extra schön langsam und verständlich und ich konnte alles telefonisch mit ihm klären. Jetzt mussten wir also nur noch einen Mietwagen bekommen, aber das konnten wir ja erst abends klären.

So wurschteln wir unter Tag etwas am Boot und Kai überprüfte unter anderem den Ölstand an unseren Saildrives. Tja, aller guten Dinge sind drei und aller schlechten Dinge anscheinend auch: im Steuerbord-Saildrive hatte sich eine Emulsion gebildet, was bedeutet, dass der Saildrive undicht ist und Salzwasser hinein läuft. Jetzt hatte uns unsere Silence mal wieder so weit, dass wir am liebsten ein Loch in den Rumpf gebohrt hätten, um sie komplett zu versenken! Warum müssen die schlimmen Dinge immer so geballt auftreten? Warum darf man nicht erst einmal ein Problem lösen, bevor man vor dem nächsten steht?

Noch vor drei Wochen lagen wir völlig unbeschwert vor Anker in Barbuda und fühlten uns wie im Paradies. Warum muss auf Sonnenschein immer Regen folgen und auf das Paradies das Fegefeuer? Denn so fühlten wir uns hier gerade in Deshaies. Draußen peitschte der Wind, alle paar Minuten fuhren 30-Knoten-Böen über unser Boot, ab und an prasselte ein Regenschauer herunter, dass man die Hand nicht mehr vor Augen sah und dazu noch alle unsere Probleme. Da passte das Wetter zu der Stimmung.

Doch glücklicherweise klappte dann gestern alles mit dem Kauf der Batterien. Wir bekamen morgens um 8:00 Uhr einen Mietwagen, fuhren nach Point-à-Pitre, kauften die Batterien, fuhren dann noch zu einigen Schiffszubehörläden bis wir auch das ganze zusätzlich benötigte Material zusammen hatten und waren um 14:00 Uhr one problem down!

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Da blieb uns ja noch genug Zeit, um noch zu Digicel zu fahren und dort mal auf den Tisch zu hauen. Und diese Story muss ich Euch unbedingt noch erzählen, damit ihr seht, mit was wir uns hier ständig rumzuschlagen haben. Wir schilderten der Mitarbeiterin unser Problem und wir sahen bereits an ihrem Gesichtsausdruck, dass sie uns für dumme Ausländer hielt, die einfach null Ahnung von der Materie haben. So sagte sie uns natürlich, dass das alles so nicht sein könne und sie mal einen Einzelverbindungsnachweis ausdruckt, um diesen mit uns durchzugehen. Wir waren hoch erfreut, denn wir wussten ja, dass dort die Wahrheit endlich zu Tage kommen würde. So kam sie also mit einem Stapel Blätter wieder und fing an die einzelnen Verbindungen mit uns durchzugehen und uns zu zeigen, wie die KB’S und MB’s und die korrespondieren Euro-Beträge heruntergezählt wurden. Nach der ersten Seite beschleunigten wir den Prozess etwas und blätterten bis auf die Seite auf der lediglich noch ein Betrag von €4,- angezeigt wurde, weil wir ja wussten, dass bei diesem Betrag plötzlich unser Guthaben weg war. Und siehe da, da war es schwarz auf weiß. In der Guthabenspalte stand €4,-, in der Spalte der als nächstes genutzten MB’s stand 2 und in der nächsten Spalte stand ein Guthaben von €0,-. Freudestrahlend zeigten wir auf diesen Beweis und die Dame sah uns nur verständnislos an und sagte: „Ja, genau. Hier war ihr Guthaben dann aufgebraucht. Passt alles!“ Ne, da passte gar nichts und das erklärten wir ihr dann auch. Wir hatten für €10,- einen Datenplan für 500MB gekauft. Nach Adam Riese sind ein Guthaben von €4,- also noch verbleibende 200MB! Und dann nutzen wir laut Ausdruck 2MB und die 200MB sind weg? Zugegeben da fehlen nur zwei Nullen, aber die sind in diesem Zusammenhang doch recht wesentlich. Und was bekamen wir als Antwort: „Also nein, so können Sie das ja nicht rechnen. Die €-Beträge kann man nicht einfach in MB umrechnen und aufaddieren.“

Da fiel uns doch glatt die Kinnlade runter. Gerade hatte sie uns noch selbst gezeigt, wie die €-Beträge und die MB’s simultan runtergezählt wurden und jetzt konnte man das plötzlich nicht aufaddieren. Das korreliert also alles gar nicht, oder was? Heißt das, für die ersten 100MB werden einem €5,- berechnet, für die nächsten dann €1,-, für die nächsten 100MB dann vielleicht €2,-, oder wie? Natürlich nicht. Denn jedes MB kostet einfach €0,02 und fertig! Aber das wollte uns die gute Dame einfach nicht glauben, obwohl das sogar so im Prospekt steht, das wir ihr vor die Nase hielten. Könnt ihr euch das vorstellen?

Erst als wir ihr den etwas einfacheren Fall mit unseren auf wundersame Weise verschwindenden €2,- auf ihrer Liste zeigten, wurde sie auf einmal ziemlich still. Auf ein Eingeständnis, dass wir recht hatten, warten wir heute noch und auch eine Entschuldigung bekamen wir nicht zu hören. Dafür buchte die Dame uns aber (ihrem Gesicht war anzusehen, dass sie das nur kulanterweise tat und immer noch der Meinung war, dass wir hier irgendeinen unglaublichen Unsinn gebaut haben) kostenlos einen neuen Plan über 500MB. Welch unglaubliche Großzügigkeit, nachdem wir aus unserem alten Plan ja eigentlich noch 200MB übrig hatten und mittlerweile vier mal probiert hatten jeweils 100MB für €2,- zu kaufen (wären nach Adam Riese ja 600MB). Nee, das ist ja mal großzügig, dass wir so ohne weitere Worte zu verlieren, dann mal geschwind 500 MB gutgeschrieben bekommen! Da blieb uns einfach die Luft weg, aber wir beschlossen, uns damit zufrieden zu geben, denn wir schienen ja weiterhin die Schuldigen an der ganzen Misere zu sein. Wie sagt Kai immer so schön: „Des hot ken Sinn do zu diskutiere. Des isch, wie wenn em Ochs ins Horn pfetsch!“

So nutzten wir den Rest des Tages mit unserem Mietwagen lieber, um noch etwas die schöne Landschaft Guadeloupes zu genießen. Mittlerweile haben wir es so oft gesehen, aber für uns ist es immer noch skurril: grüne Wiesen, weidende Kühe und im Hintergrund das Meer, Strand und Palmen! Diese Anblicke entschädigen uns dann zumindest wieder ein kleines bisschen für die nicht so schönen vergangenen Tage.

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Kühe unter Palmen

Wir segelten dann doch erst am Montag weiter nach Guadeloupe, weil wir zum einen nachts fast kein Auge zugetan hatten, da am späten Abend der Wind drehte und plötzlich Schwell in die Bucht lief. Da unser Boot die ganze Zeit quer zu den Wellen lag, ergab dies ein unangenehmes Geschaukel, das uns einfach nicht in den Schlaf wiegen wollte. So waren wir, als am nächsten Morgen der Wecker um 6:00 Uhr klingelte, fix und fertig. Zum anderen hatte sich aber die Wettervorhersage geändert und der Wind sollte nun anstatt aus Ost aus Ost-Süd-Ost kommen, also fast aus der Richtung in die wir eigentlich wollten. Somit beschlossen wir, uns wieder ins Bett zu legen und nochmal ein paar Stunden zu schlafen und nicht loszusegeln.

Am nächsten Morgen sagte der Wetterbericht dann zwar plötzlich wesentlich weniger Wind an, als am Abend zuvor angekündigt, aber da wir schon wieder um 6:00 Uhr aufgestanden waren, beschlossen wir nun, einfach trotzdem zu fahren. Und das war genau die richtige Entscheidung, denn wann hat der Wetterbericht denn schon mal recht?! Angekündigt waren 8-10 Knoten und wir hatten die ersten drei Stunden ca. 12-14 Knoten und dann legte der Wind nochmals kräftig zu und wir hatten sogar 18-20 Knoten. So kamen wir recht schnell voran und hatten dennoch fast keine Wellen; alles in allem also eine recht angenehme Überfahrt.

Doch leider war der Himmel den ganzen Tag bedeckt, so dass wir immer wieder überlegten, ob wir denn tatsächlich durch die Riffe in den Norden von Guadeloupe fahren sollten oder ob wir das Vorhaben doch lieber abbrechen. Da unser Revierführer jedoch eine tolle Skizze beinhaltete, in der auch Wegpunkte für die Navigation angegeben waren und wir ja mittlerweile doch etwas Erfahrung in der Riffnavigation haben, beschlossen wir, die Durchfahrt zu wagen. Glücklicherweise ist der Anfang des Kanals auch mit roten und grünen Tonnen ausgestattet, so dass wir uns erst einmal an diesen entlang hangeln konnten. Danach fuhr Kai die einzelnen Wegpunkte an, während ich Ausschau hielt und jeweils die Riffe lokalisierte. So kamen wir trotz schlechter Sicht nach ca. einer weiteren Stunde ohne Probleme am Ende der 5 Seemeilen langen Durchfahrt an und warfen unseren Anker vor dem kleinen Hafen von Baie Mahault.

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Unglaublich wie idyllisch es hier war. Wir hörten einen Hahn krähen, Kühe muhen und jede halbe Stunde die Glocke des Kirchturms schlagen. Ansonsten herrschte eine himmlische Ruhe, die nur ab und an von einem tosenden Lärm unterbrochen wurde, wenn nämlich gerade eine Boeing 747 zur Landung auf dem Flughafen von Point-à-Pitre ansetzte und direkt über unsere Köpfe brauste. Doch dieser Lärm war jeweils innerhalb von Sekunden wieder vorbei und nachts kamen glücklicherweise keine Flieger rein. So schliefen wir wie die Babys auf dem spiegelglatten Wasser vor Baie Mahault.

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In unserem Revierführer hatten wir gelesen, dass man von hier aus eine schöne Flussfahrt auf dem Grand Rivière à Goyave machen kann und gleich am nächsten Morgen fuhren wir zur Flusseinfahrt in den Mangroven.

Der Fluss war wesentlich breiter als wir erwartet hatten, floss jedoch sehr langsam, so dass wir je nach Lust und Laune entweder ganz gemütlich mit ca. 5 Knoten oder auch mal recht flott mit ca. 25 Knoten darüber heizen konnten. Welch ein Kontrast zu unserem Aufenthalt auf Barbuda. Während wir gerade wochenlang nur Strand, Palmen und türkisfarbenes Meer gesehen hatten, gab es hier Bambus, Dschungel und saftig grüne Wiesen auf denen unzählige Kühe grasten. Leider durften wir jedoch mehrfach am eigenen Leib spüren, warum hier alles so grün ist, denn drei Mal kamen wir in einen ordentlichen Regenschauer. Die ersten beiden Male stellten wir uns mit unserem Dingi jeweils unter großen Bambushainen unter, doch da auch dort irgendwann der Regen durchkam, waren wir so nass, dass wir beim dritten Schauer einfach weiterfuhren. Aber dieser Schauer hatte es ganz schön in sich und so waren wir ziemlich schnell bis auf die Unterhosen durchnässt. So toll der Ausflug war, waren wir dann doch recht froh, als wir wieder bei unserer Silence ankamen und uns bei Kaffee und Kuchen etwas aufwärmen konnten.

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Gestern war dann unser erster großer Einkaufstag. Wir hatten auf der Landkarte gesehen, dass das größte Einkaufszentrum von Guadeloupe nur ca. 25 Minuten zu Fuß von unserem Ankerplatz entfernt ist und so schnappten wir uns gestern morgen unsere Sackkarre und schlappten los.

Wir hatten eine ziemlich umfassende Liste, die einen Besuch bei Decathlon, beim Baumarkt und beim Supermarkt Carrefour beinhaltete. Außerdem mussten wir noch einen Geldautomaten auftreiben, beim lokalen Handybetreiber herausfinden warum unsere Sim-Karte nicht mehr funktioniert und eine neue Festplatte kaufen. Nach mehr als sieben Stunden hatten wir es geschafft. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hatten wir alle Dinge auf unserer Liste abgehakt und kamen zufrieden aber auch hundemüde wieder bei unserer Silence an.

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Heute wollten wir dann innerhalb der Rifflandschaft weitersegeln zum Ankerplatz vor der Îlet à Fajou. Auch hier gab unser Revierführer wieder Wegpunkte an, doch so ganz ohne Sonne wollten wir die Weiterfahrt dann doch nicht wagen. Und der Himmel wollte heute einfach nicht aufklaren. Es zog ein Schauer nach dem nächsten heran und irgendwann sahen wir überall um uns herum nur noch schwarze Wolkenwände. Doch so gegen 13 Uhr ließ sich die Sonne dann endlich mal ein kleines bisschen hinter den Wolken erahnen und wir beschlossen, dass dies heute wohl unsere einzige Chance ist. So gingen wir schnell Anker auf und fuhren zuerst ein Stück des Weges zurück, den wir auch in die Bucht hineingefahren waren. Doch ab dem Zeitpunkt, zu dem wir unseren Track verließen, hieß es dann Augen auf und hoffen, dass die Wegpunkte stimmen. Die Sicht war mal wieder alles andere als optimal, aber mit Hilfe der Seekarte, die erstaunlich genau war, der Wegpunkte und unseren polarisierten Sonnenbrillen (Modell: Joo Janta 200 Super-Chromatic Peril Sensitive Sunglasses 😎), bewältigten wir auch diese Durchfahrt problemlos. Und nun liegen wir hier schön geschützt hinter der Ilet à Fajou und hoffen, dass das Wetter morgen endlich Erbarmen mit uns hat und wir mal wieder eine große Portion Sonnenschein abbekommen.

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