Esel striegeln

Da wir mal wieder unsere Gasflaschen füllen mussten und dafür ein Auto gemietet hatten, wollten wir das Auto gleich noch nutzen, um zusammen mit ein paar Freunden einen kleinen Ausflug zu machen.

Zuerst ging es zu Betty’s Hope, einer alten Zuckerrohrplantage, bei der wir vor ein paar Jahren schon einmal gewesen waren. Diese wurde 1650 erbaut und bestand aus zwei Windmühlen, dem Kochhaus mit 16 großen Kupfertöpfen, einer Distillerie, einer Zisterne, Unterkünften für die Sklaven und dem Herrschafts-Haus. Betty’s Hope war bis 1944 in Betrieb. 1990 wurden die Ruinen teilweise restauriert und als Open-Air-Museum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Danach ging es zum Highlight des Tages. Wir besuchten das Donkey Sanctuary, eine Auffangstation für verwahrloste oder verletzte Esel. Hier in Antigua & Barbuda gibt es noch zahlreiche wilde Esel. Immer mal wieder sieht man welche an der Straße entlang laufen oder irgendwo im Gebüsch stehen. Doch meist sind sie sehr scheu und rennen weg, sobald man sich ihnen nähert.

Nicht so im Donkey Sanctuary. Hier sind sie mittlerweile an Menschen gewöhnt und kommen einem sogar entgegen, um ein paar Streicheleinheiten zu empfangen. Im Besucherzentrum wurde jeder von uns mit einer Bürste zum Striegeln ausgestattet und dann konnte es los gehen. Die verletzten Esel werden in kleinen abgetrennten Gehegen gehalten, die anderen springen innerhalb eines großen Geheges frei herum. Wir näherten uns vorsichtig und schon kamen die ersten auf uns zugelaufen. Ich war zuerst etwas unsicher, weil ich Angst hatte, dass sie eventuell beißen oder ausschlagen, aber da hätte ich mich nicht sorgen müssen. Selten habe ich so liebe und brave Tiere gesehen. Als ich anfing den ersten Esel zu bürsten und zu streicheln, blieb dieser wie eine Statue stehen und rührte sich nicht mehr vom Fleck. Anscheinend gefiel es ihm. So wurde ich mutiger und kraulte ihm die Ohren, streichelte ihm über den Irokesenschnitt und strich ihm sanft über die Nüstern. Er ließ sich alles gefallen und genoss die Zuneigung. 

Wir arbeiteten uns durch die ganze Herde und striegelten jeden Esel, der gerne gestriegelt werden wollte. Später erklärte uns die Dame im Besucherzentrum, dass die Esel gerade ihren Winterpelz verlieren und das juckt wohl teilweise. Deshalb sind sie so dankbar, wenn man ihnen das Fell bürstet und halten dabei so still.

Bevor wir gingen, warfen wir noch einen Blick in die Auffangstation für Hunde und Katzen. Das hätte ich mal lieber nicht gemacht. Eine Hündin hatte zwei kleine Welpen und in einem anderen Zwinger saßen auch nochmal drei größere Welpen. Kai verliebte sich gleich in ein kleines ganz schwarzes Mädel mit einem weißen Fleck auf der Brust, während ich mich gar nicht entscheiden konnte, welchen Hund ich am tollsten fand. Alle kamen zum Gitter und wollten unbedingt gestreichelt und geknuddelt werden. Wir kamen mit dem Streicheln gar nicht mehr nach.

Und es zerriss mir fast das Herz, als wir wieder gingen und hinter uns ein großes Gejaule und Gewinsel los ging. Am liebsten hätte ich alle Hunde mit nach Hause genommen.

Schweren Herzens machten wir uns auf den Weg zum Auto und gingen über zum nächsten Tagesordnungspunkt: den Fig Tree Drive. Dieser führt hoch in den Regenwald und dann wieder hinunter an die Küste. Hier geht es ein Stück an der Südseite der Insel entlang, bevor es dann an der Westseite bis zur Hauptstadt nach St. John’s ging.

Dort gaben wir in der Raffinerie unsere leeren Gasflaschen ab und fuhren danach in die Stadt, wo wir auf der Marktstraße frisches Obst und Gemüse kauften und durch die Stadt bummelten. Danach holten wir unsere gefüllten Gasflaschen ab und zum Abschluss des Tages gingen wir noch im großen Supermarkt einkaufen, bevor es mit voll beladenem Auto wieder zurück in die Nonsuch Bay ging.

Die Arbeit geht nie aus

Eines ist sicher: als Bootsbesitzer geht einem die Arbeit nie aus. Irgendetwas gibt es immer zu reparieren. Und das ist bei alten Booten genauso wie bei neuen.

So mussten wir dringend mal unseren Cockpit-Tisch neu lackieren. Auf der Unterseite war der Lack teilweise abgekommen und Feuchtigkeit in den Tisch gezogen. Dadurch hatte auch ein Teil der Oberseite Schaden genommen. Und so beschlossen wir, dass eine Rundum-Erneuerung der Unterseite und eine Teilerneuerung der Oberseite fällig ist. Glücklicherweise sprachen wir vor Beginn der Aktion mit einem Bekannten und dieser empfahl uns den alten Lack mit einer Heißluftpistole abzulösen. Eine Heißluftpistole hatten wir zwar nicht, aber mit einem Fön müsste das doch auch gehen. Und tatsächlich ging der Lack mit Spachtel und Fön super ab. Danach schliff Kai die Unterseite einmal kurz mit der Maschine ab und dann mussten wir noch an den schwer zugänglichen Stellen mit der Hand drüber. Puh, ganz schön viel Arbeit!

Aber der langwierigste Teil kam erst noch. Denn jede Schicht Lack muss einen Tag trocknen. Und da wir auf der Unterseite 5 Schichten aufbringen wollten und auf der Oberseite 4 Schichten an der Ecke, die wir ausgebessert hatten, und dann nochmal 2 Schichten auf der ganzen Oberseite, zog sich das Projekt ganz schön in die Länge. Zu allem Unglück bekam der Lack in der Dose jeden Tag eine dicke Haut, die wir abschöpfen mussten, bevor es mit dem Streichen weiter gehen konnte. Und so reichte uns am Ende der Lack leider nicht, um noch die beiden letzten Lagen auf der Oberseite aufzutragen. Jetzt müssen wir also warten bis wir wieder zu einem Schiffszubehörladen kommen, um neuen Lack zu kaufen und das Projekt zu Ende zu bringen.

Doch wir hatten ja noch andere Projekte, die wir in Angriff nehmen konnten. So war z.B. unser Hahnepot auf der einen Seite fast durchgescheuert. Der Hahnepot besteht aus zwei Leinen, die am Backbord- und am Steuerbord-Bug befestigt und mit einem Schäkel verbunden sind. An diesem Schäkel hängt eine Vorrichtung, die man in die Ankerkette einhängen kann, damit die Kraft umverteilt und die Ankerwinsch entlastet wird. Bevor uns der Hahnepot nun gänzlich abriss, suchte Kai sich aus unserem Leinenvorrat eine passende Leine, kürzte diese auf die korrekten Längen und spleißte einen neuen Hahnepot. Glücklicherweise findet man ja im Internet für fast alles eine Anleitung, denn Kai hatte bisher noch nie solch eine Leine gespleißt (Beim Spleißen schafft man eine feste Verbindung von Tauwerk durch das Verflechten der einzelnen Fasern des Taus). Mit Hilfe der Anleitung klappte das super und zwei Tage später war unser Hahnepot erneuert.

Und so konnten wir uns der nächsten Reparatur widmen. Schon seit Jahren haben wir Probleme mit unseren Teak-Einsätzen in den Böden der Badezimmer bzw. Toiletten. Hier hatten die schlauen Schreiner keine rostfreien Schrauben verwendet und nach ein paar Jahren waren die meisten Schraubenköpfe so verrostet, dass man sie nicht mehr rausschrauben konnte. So hatte der Voreigner auf alle Schrauben etwas Silikonmasse gegeben, damit er nicht immer überall Rostbrösel rumliegen hat. Das hielt auch ein paar Jahre, aber dann arbeitete der Rost sich durchs Silikon hindurch. Wir hatten das Silikon in den letzten Jahren bereits zwei Mal erneuert, aber jetzt war es schon wieder durchgerostet. Das war total nervig und da musste eine neue Lösung her. Und so probierten wir es jetzt mal mit Epoxy. Wir schabten und schliffen das ganze Silikon ab, dann legte Kai eine kleine Glasfasermatte auf jede Schraube und bestrich diese mit Epoxy. Einen Tag später schliff er alles noch etwas glatt, während ich die vielen Rostflecken im Gästebad mit Salzsäure beseitigte. Das ganze werden wir uns in einiger Zeit nochmal anschauen und wenn wir es für gut befinden, werden wir das bei allen Teak-Einsätzen so machen. Da haben wir also einen Riesenspaß, nur weil jemand ein paar Cent gespart und keine rostfreien Schrauben verwendet hat. Echt toll!

Alltag in der Nonsuch Bay

Nach den letzten doch etwas ereignisreicheren Wochen, ist momentan Alltag auf der Silence eingekehrt.

Die eine Hälfte des Tages kitesurfen wir und die andere Hälfte reparieren und warten wir Dinge am Boot. 

Unser Dingi musste dringend mal wieder mit Sonnenschutz eingerieben werden und unser Bimini benötigte einen „Wasserschutz“. Es war schon seit langem undicht und der Regen tropfte an immer mehr Stellen durch. Zuerst hatten wir versucht es mit Imprägnierspray aus dem Baumarkt wieder dicht zu bekommen, doch da war nichts mehr zu machen. Wir befürchteten schon wir müssten uns ein neues Bimini nähen, als ich Fotos von Freunden sah, die ihr Bimini mit Waterproofing von StarBrite behandelten. Das Zeug ist recht teuer (3,8l kosten €80,-) und so fragte ich unsere Freunde erst einmal, ob das auch wirklich funktioniert. Wir bekamen eine sehr positive Auskunft (Kari-Anne, vielen Dank für die detaillierten Infos!) und besorgten uns das Zeug bei unserem nächsten Einkauf im Schiffszubehörladen. Kai trug es mit dem Pinsel schön dick auf, bis unser Bimini komplett nass aussah. Dann ließen wir es trocknen und warteten mit Spannung auf den nächsten Regen. Es funktioniert super! Die Regentropfen perlen wieder ab und es tropft nirgends mehr durch. Können wir also nur empfehlen und da wir nur etwa 2l benötigten, war das ja dann auch nicht wirklich teuer.

Des weiteren konnten wir endlich unser MacBook reparieren. Hier hatte sich ja auf der Werft in Carriacou im Oktober vergangenen Jahres durch die Hitze die Batterie sowohl von unseren beiden Handys wie auch vom MacBook aufgebläht. Kais Handy hatten wir noch in Carriacou repariert bekommen, meines dann Anfang November hier in Antigua. Und der Herr, der mir mein Handy repariert hatte, bestellte uns dann auch gleich eine Batterie für unser MacBook. Ich will hier nicht die ganzen Strapazen der Bestellung schildern, denn das würde mal wieder mehrere Seiten füllen, aber ein paar Details muss ich kurz erwähnen. Wir hätten die Batterie auch gemeinsam mit unseren anderen Bestellungen aus USA liefern lassen können, aber wir hatten gelesen, dass Lithium Ionen Akkus (die nicht in einem Gerät verbaut sind) nur unter erschwerten Bedingungen per Luftpost versandt werden können. Und so waren wir recht froh, als der „Experte“ uns anbot den Akku für uns zu bestellen. Wir sprachen noch mit ihm darüber, dass es wohl etwas kompliziert ist, den Akku im Flieger nach Antigua zu bekommen, aber er versicherte uns, dass er ständig Akkus bestelle und das für ihn überhaupt kein Problem sei.

Der neue Akku sollte innerhalb von 10 Tagen hier sein und als wir nach 14 Tagen mal vorsichtig nachfragten war er natürlich noch nicht da. Nach vier Wochen erfuhren wir dann bei unserer erneuten Nachfrage, dass ihm dieser Akku erhebliche Kopfschmerzen bereiten würde. Es wäre für ihn einfach nicht möglich diesen auf gewöhnlichem Weg per Flieger nach Antigua zu bekommen. Ach nee, wirklich?! 

Ich mache es kurz: nach etlichem Hin und Her, unzähligen Telefonaten, WhatsApp-Nachrichten und Besuchen in seinem Shop, hielten wir unseren neuen Akku am 18. März endlich in den Händen. 5 1/2 Monate nachdem er kaputt gegangen war und 4 1/2 Monate nachdem wir ihn bestellt hatten. Gut Ding will hier in der Karibik Weile haben! 

Seit Wochen hatten wir befürchtet, dass unser alter Akku uns demnächst um die Ohren fliegt und ihn deshalb nicht mehr geladen, sondern das MacBook nur noch mit Kabel betrieben. Und jetzt konnte Kai endlich die alte Batterie aus- und die neue einbauen. Jetzt funktioniert unser MacBook wieder perfekt!

Doch mittlerweile hatten wir ein anderes Problem. Auf der Werft montierten wir im Oktober 2020 neue Anoden zwischen unseren Saildrives und den Propellern. Und diese hatten sich etwas gelockert und erzeugten Vibrationen. Also mussten wir sie festschrauben. Dummerweise geht das nur, wenn man vorher die Propeller entfernt, was wir somit unter Wasser tun mussten. Und so ankerten wir extra in flachem Wasser mit guter Sicht, so dass wir Teile hochtauchen könnten, sollten uns diese bei der Aktion herunter fallen. Aber glücklicherweise ging alles glatt. Kai entfernte die Propeller auf beiden Seiten und säuberte diese gleich noch ein bisschen, während ich die Schrauben säuberte. Dann die Anoden wieder festgeschraubt und danach die Propeller wieder drauf. Das hatte ja mal gut geklappt! Übrigens sind wir sehr zufrieden mit unserem neuen SeaJet PellerClean. Das funktioniert richtig gut und wir haben nur ganz wenig Bewuchs auf unseren Propellern, der sich einfach mit der Hand abstreichen lässt. Eine Investition, die sich (bis jetzt zumindest) gelohnt hat.

Und damit es uns auf gar keinen Fall langweilig wird, dürfen wir momentan ca. jeden dritten Tag Sargassum-Seegras aus der Toilette entfernen, weil es den Zulauf verstopft. Tolle Sache!