Wir werden verwöhnt

Vor einigen Wochen musste ein Bekannter von uns sehr kurzfristig zu einer Beerdigung nach Europa fliegen. Da sein Boot an der Boje neben der unseren liegt, fragte er uns, ob wir nicht für eine Woche darauf aufpassen könnten. 

Natürlich machten wir das gerne. Und eigentlich hatten wir so gut wie keine Arbeit damit. Lediglich einmal mussten wir recht früh morgens rüber fahren, um die Festmachleinen an der Boje zu entwirren, weil sich in einem Regenschauer unsere Boote einmal komplett um die Boje gedreht hatten. Da wir das Leinengewurschtel vom Dingi aus nicht entwirren konnten, schnorchelte Kai nochmal hin und sortierte alles aus. 

Für diese wenige Arbeit bekamen wir eine fürstliche Belohnung. Da wir auf die Frage, ob wir rauchen oder gerne Wein trinken leider mit Nein antworten mussten, aber bereitwillig Auskunft gaben, dass Schokolade eine unserer großen Leidenschaften ist, bekamen wir eine ganze Tüte voll leckerer Schokolade mitgebracht.

Uns liefen fast die Augen über, als wir all die Köstlichkeiten sahen, die wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen hatten. Und zusätzlich wurden wir auch noch zum Abendessen eingeladen. Für solch eine Bezahlung passen wir doch liebend gerne mal für eine Woche auf ein Boot auf!  

Aller Anfang ist schwer

Das musste ich letzte Woche mal wieder am eigenen Leib erfahren. Wir hatten sehr wenig Wind, so dass ich nicht kiten gehen konnte und deshalb beschlossen wir, dass ich auch endlich lernen sollte, mit dem Hydrofoil Board zu fahren.

Kai hatte dieses neue Hobby bereits Ende letzter Saison in Angriff genommen und seine Technik mittlerweile sehr verbessert. Also war es nun an ihm, mir Unterricht zu erteilen.

Kai montierte unseren kleinen Übungsmast (60cm) und schon konnte es los gehen. Meine Güte war ich aufgeregt! Der Mast hat unzählige spitze Ecken und scharfe Kanten und ich hatte ziemlich Angst, dass ich mir am Schienbein und an den Füßen weh machen würde. Auch schießt das Board, wenn man herunterfällt, manchmal steil aus dem Wasser und man bekommt es an den Kopf, die Schultern, die Hüfte, … Deshalb sollte jeder (nicht nur Anfänger) unbedingt einen Helm tragen!

Als erstes gab Kai mir eine Sicherheitseinweisung am Strand und zeigte mir, wie man den Wasserstart mit dem Board hinbekommt. Da der Mast aus Aluminium und daher sehr schwer ist, liegt das Board automatisch immer glatt auf der Wasseroberfläche und der Mast zeigt senkrecht nach unten. Doch so kann man (zumindest als Anfänger) nicht starten. Hierzu muss man das Board mit der Hand etwas kippen, den vorderen Fuß unter einen Haken auf dem Board klemmen, hinten mit dem Knie etwas drücken, dann den zweiten Fuß auf das Board und schnell den Kite mit einer Hand nach unten lenken, um Schwung zu bekommen. Ach herrje, wie sollte das denn gehen? Ich probierte und probierte, doch es gelang mir einfach nicht, das alles auf einmal zu bewerkstelligen.

Und wenn ich es dann doch endlich schaffte auf das Board zu kommen, dann verlor ich meist nach ein paar Metern das Gleichgewicht und es haute mich zurück ins Wasser. Ich kam mir vor wie beim Rodeo. Also alles wieder von vorne. Es war zum wahnsinnig werden!

Am Ende meiner ersten Unterrichtsstunde hatte ich mir beide Knie und einen Ellbogen aufgeschürft, weil die Oberfläche des Boards so rau ist und ich beim Start immer so wild gegendrücken musste. Also Spaß machte das nicht wirklich!

Aber aufgeben war ja auch nicht drin, und so gab es am nächsten Tag die zweite Unterrichtsstunde. Dieses Mal hatte ich mein langarmiges Schnorchelshirt angezogen und somit einen guten Ellbogenschutz. Nur leider hatte ich keine langen Hosen, die ich benutzen konnte. Und so rubbelte ich mir meine Knie noch mehr auf. Irgendwann tat es so weh, dass ich aufhören musste.

Als ich meiner Freundin Susan meine aufgeschürften Beine zeigte, schaute sie gleich, ob sie vielleicht noch ein paar Leggings für mich hat. Und siehe da, sie hatte ein Paar alte zwar etwas verlöcherte, aber besser als gar keine!

Und so konnte ich am nächsten Tag mit neuem Elan und guter „Schutzkleidung“ erneut an die Sache rangehen. Und tatsächlich klappte es beim dritten Anlauf deutlich besser und ich schaffte es einige Male, eine ganze Bahn auf dem Board zu bleiben und sogar teilweise über dem Wasser zu schweben. Welch Wahnsinnsgefühl!

Nachdem alles so gut funktionierte, montierte Kai den nächst längeren Mast (75cm) und ich bekam meine vierte Unterrichtsstunde. Und auf einmal klappte alles super. Ich kam oft aus dem Wasser heraus und foilte über längere Strecken auf dem Mast. Aber leider haute es mich auch ein paar Mal mächtig vom Board. Einmal schlug ich mit der Seite des Kopfes aufs Wasser, so dass es mir ordentlich im Genick krachte und außerdem holte ich mir einige blaue Flecken an Hüften und Oberschenkel bei unfreiwilligen Zusammenstößen mit dem Board. Am nächsten Morgen krabbelte ich aus dem Bett und mir tat alles weh. Doch da das Foilen trotz allem unglaublich viel Spaß macht, galt es die Schmerzen zu ignorieren und einfach weiterzumachen. Und nun wird es von Tag zu Tag besser und es haut mich so gut wie gar nicht mehr plötzlich runter. Kai meinte sogar, dass ich schon bereit für den höchsten Mast (90cm) sei! 

Man kann das tolle Gefühl kaum in Worte fassen, wenn sich plötzlich das Board aus dem Wasser hebt und man in ca. 70cm Höhe fast geräuschlos über die Wellen schwebt. Gigantisch!

Großer Erledigungstag

Da unsere Cruising Permit abgelaufen war, unser Gas langsam zur Neige ging und auch unser Obst- und Gemüsevorrat sehr übersichtlich wurde, mieteten wir uns vergangenen Donnerstag ein Auto, um auf große Erledigungstour zu gehen.

Morgens um 8:30 Uhr fuhren wir mit dem Dingi zu Susan & Lee und holten eine leere Gasflasche ab. Danach ging es ins Nonsuch Bay Resort, wo wir unser Dingi am Steg vertäuten. Dort schauten wir noch schnell bei der Kiteschule 40 Knots vorbei, um dem Team eine Großpackung Gummibärchen zu geben, die wir ihnen aus Guadeloupe mitgebracht hatten.

Dann ging es mit dem Mietwagen nach English Harbour, wo wir unsere Cruising Permit für zwei Monate verlängerten. An der Tankstelle füllten wir gleich noch einen Kanister mit Diesel, bevor es einmal quer über die Insel nach St. John’s ging. 

Dort gaben wir die Gasflaschen in der Gasfabrik ab und danach ging es in die Stadt. Hier schauten wir bei der Boutique vorbei, in der ich Schmuck und andere Souvenirs verkaufe und ich füllte die Bestände wieder auf. Stephen, der Besitzer, arbeitete gerade an einem tollen Bild. Wenn ich doch nur etwas mehr Platz auf dem Boot hätte, dann würde ich sofort eines seiner Bilder kaufen.

Im Anschluss gingen wir zur Bank und hoben etwas Bargeld ab und danach kauften wir bei den Straßenhändlern frisches Obst und Gemüse.

Daraufhin ging es weiter zur Apotheke und eigentlich hatten wir geplant nun wieder unsere Gasflaschen abzuholen. Doch leider war es hierzu noch zu früh und so mussten wir etwas Zeit totschlagen. So gingen wir zu dem Supermarkt neben der Apotheke und kauften dort einen Großteil der Dinge auf unserer Einkaufsliste. Leider hatten sie kein leckeres Fleisch und auch keinen Salat, Äpfel, Orangen, Toastbrot, …

So fuhren wir im Anschluss zur Gasfabrik und holten unsere gefüllten Flaschen ab, bevor wir noch zu Epicurean fuhren, dem größten Supermarkt der Insel. Dort hatten wir enormes Glück, denn wir bekamen alle restlichen Dinge auf unserer Liste. Normalerweise ist das hier ja oft eher so, wie in der ehemaligen DDR. Circa die Hälfte der Sachen, die man aufgeschrieben hat gibt es nicht und man muss halt nehmen was man bekommt. Doch dieses Mal war es wie im Schlaraffenland und wir verließen den Supermarkt mit vollen Taschen.

Puh, alles geschafft und wir können uns auf den Rückweg machen! Wir riefen unseren Autovermieter an und sagten ihm Bescheid, dass wir in ca. 45 Minuten zurück wären. Unterwegs fuhren wir noch kurz zur Tankstelle und tankten den Mietwagen wieder voll und danach trafen wir den Vermieter, der uns zurück ins Nonsuch Bay Resort fuhr.

Dort verstauten wir alle unsere Einkäufe und die gefüllten Gasflaschen ins Dingi. Meine Güte, mehr hätten wir wirklich nicht kaufen dürfen, sonst hätten wir selbst nicht mehr ins Dingi gepasst. Dann ging es mit dem Dingi zurück zu unserer Silence, auf der wir um 17 Uhr eintrafen. Dort hatten wir die anspruchsvolle Aufgabe, all das Obst und Gemüse für die nächsten sechs Wochen irgendwie in unseren Kühlschrank und unseren Obst- und Gemüse-Körbchen zu verteilen. Dann duschten wir noch und um 18 Uhr saßen wir völlig geschafft in unserem Salon und freuten uns, dass der Tag so erfolgreich war und wir beim Einkaufen nur eine einzige Sache vergessen hatten: Knoblauch! Na ja, nun gibt es, wenn unser Knoblauch leer ist, halt mal für ein paar Wochen keinen Knoblauch. Das werden wir überleben!