Von Antigua nach Martinique mit kleinen Zwischenfällen – Teil 3

Wir haben die ganzen Kanäle hinter uns und alles wäre so schön, wäre da nicht die merkwürdige Vibration an unserem Steuerbord-Motor. Irgend etwas stimmt da nicht. Da wir sowieso gerade im Windschatten des höchsten Bergs von Martinique, dem Mont Pelé, sind und nur noch knapp über 2 Knoten laufen, setzt Kai die Taucherbrille auf und steckt den Kopf am Heck ins Wasser. Tatsächlich, da hat sich eine Leine um unseren Propeller gewickelt. Ich drehe bei (das heißt ich fahre mit dem Boot durch den Wind bis die Genua auf die gegenüberliegende Seite kommt, ohne die Schot auf die andere Seite zu holen) und unsere Silence kommt zum Stillstand. Kai springt ins Wasser und entfernt die Leine und danach holen wir die Genua ein und starten die Motoren. Denn auch in Martinique können wir „Motor an – Genua rein“ und umgekehrt erneut üben. Immer wieder haben wir Flaute hinter hohen saftigen grünen Bergen und dann schießt der Wind plötzlich wieder mit mehr als 20 Knoten durch ein Tal.

So geht es 30 Seemeilen lang bis zum Rocher du Diamant. Von dort aus wären es nochmal 9,5 Seemeilen bis nach St. Anne, unserem Etappenziel. Doch leider liegt St. Anne genau da, wo der Wind herkommt und so haben wir die Auswahl zwischen ein paar Stunden gegen Wind und Wellen motoren oder segelnderweise aufzukreuzen. Da es erst 11 Uhr ist, entscheiden wir uns für letzteres und schlagen ein paar Haken vor der Küste bis wir endlich am Ziel sind. Nach 31 Stunden sind wir angekommen. Jetzt eine schöne kühle Dusche und danach ein Mittagsschläfchen. Wir sind beide todmüde!

Von Antigua nach Martinique mit kleinen Zwischenfällen – Teil 2

Hinter Les Saintes wird es Nacht. Es fühlt sich immer noch an wie in der Waschmaschine im Schleudergang. Ich bereite, wie jeden Abend, unseren Kefir für den nächsten Tag vor. Beim Abfüllen muss ich warten bis wir kurz mal nicht so sehr wackeln, dann schnell von der Schüssel ins Glas gegossen. Dabei nichts daneben zu schütten ist fast unmöglich!

Danach gibt es unser neues Lieblingsabendessen für unterwegs: Hot Dogs. Würstchen heiß gemacht, Brötchen aufgeschnitten, Ketchup und Senf drauf und schon ist das Abendessen fertig. Und auch der Abwasch ist schnell erledigt.

Ich übernehme die erste Wache, Kai haut sich aufs Ohr. Mal sehen, ob er bei dem Geboller schlafen kann.

Draußen ist es stockdunkel. Der Mond ist noch nicht aufgegangen (aber der wäre sowieso nur eine winzig kleine Sichel), der Himmel bewölkt und somit ohne Sterne. Lediglich von Guadeloupe schimmern ein paar kleine Lichter in der Dunkelheit und weit vor uns sehe ich einen großen hellen Fleck. Das muss wohl Dominika sein. Ich setzte mich kurz etwas hinter den Steuerstand, aber irgendwie ist mir diese absolute Schwärze fast schon etwas unheimlich. Ich sehe die Hand vor Augen nicht, geschweige denn die Wellen, die da angerauscht kommen. Ich setze mich lieber in den Salon, wo ich ab und an einen Blick auf unser AIS (Automatic Identification System, mit dem wir die Daten von vorbeifahrenden Schiffen empfangen) werfen kann und das Gefühl habe, dass ich trotz stockfinsterer Nacht sehe, was draußen vor sich geht.

Bei meinem nächsten Kontrollgang sind die Wolken größtenteils weiter gezogen und über mir erstrahlt der Sternenhimmel. Jupiter leuchtet orange ganz tief am Horizont und über mir ist eine Art Nebel, der sich über den ganzen Himmel zieht: Wow, das ist die Milchstraße! Da der Mond immer noch nicht aufgegangen ist, leuchtet sie wie ein helles Band in der Nacht. Gleich erscheint die Welt um mich herum nicht mehr unheimlich, sondern einfach nur magisch! Ich schaue in den Sternenhimmel und suche nach ein paar bekannten Sternbildern. Aber bei der großen Menge an Sternen, kann ich keines erkennen. Doch, nach einiger Suche sehe ich hinter uns den großen Wagen. Er steht ganz tief und ist nur von wenigen anderen Sternen umgeben. So schön!

Langsam werde auch ich etwas müde und beschließe im Salon ein bisschen Powernapping zu machen. Wir kommen bei 24 Knoten Wind mit 7,5 Knoten gut voran und es wird noch etwas mehr als eine Stunde dauern, bis wir in den Windschatten von Dominika kommen werden und eventuell die Besegelung ändern müssen. Schiffe sind auch keine in der Nähe und so kann ich ein paar 15-Minuten-Schläfchen wagen.

Doch so richtig klappt es nicht. Der Wind geht ständig hoch und runter, mal sind es 19 Knoten, dann wieder 27 und die Wellen rumsen ordentlich ans Boot. Und um 22 Uhr ist es mit dem Wind vorbei. Wir sind in der Abdeckung von Dominika und in wenigen Sekunden geht der Wind von 24 auf 5 Knoten. Ich wecke Kai und schalte die Motoren an und zusammen holen wir die Genua ein.

Ich motore eine Stunde hinter Dominika währen Kai sich nochmal hinlegt. Dann ist auf einen Schlag der Wind wieder da. Also drehen wir zusammen die Genua wieder raus und schalten die Motoren aus. Kai schickt mich ins Bett und eine Stunde später ist der Wind wieder weg: Motoren wieder an! Das finde ich gar nicht so schlecht, denn mit dem schönen gleichmäßigen Motorengeräusch schlafe ich wunderbar.

Um kurz vor 2 Uhr nachts fährt Kai in den Kanal zwischen Dominika und Martinique. Und dort hat es wieder mächtig Wind. Es bläst mit 25-28 Knoten (6-7 Beaufort), es herrscht sehr kabbelige See und die Wellen rumsen und knallen ans Boot. Ich versuche mir im Bett die Ohren zu zu halten und mich in die stabile Seitenlage zu bringen. Funktioniert nicht! Ständig hebt mein Körper kurz ab, wenn wir mal wieder in ein Wellental krachen und der Lärm ist auch nicht schlaffördernd. Zu allem Unglück werde ich jetzt auch noch seekrank, mir ist sooo schlecht!

So stehe ich auf, setzte mich in den Salon und biete Kai an ihn wieder abzulösen. Doch da Kai nicht sicher ist, ob wir die Besegelung so lassen können, möchte er lieber noch eine Weile wach bleiben. Gut so, denn auf einmal fängt draußen etwas an zu blinken. Was ist denn das jetzt? In das Licht unserer Rettungsboje ist anscheinend Wasser gekommen und jetzt schaltet sie sich ständig an und aus. Eigentlich sollte sie sich nur einschalten, wenn sie ins Wasser fällt und mit dem Licht nach oben auf den Wellen treibt. Jetzt macht sie das am Heck unseres Schiffs. So zieht Kai sein Gurtzeug an, lascht sich an der Reling fest und holt die Boje bei ständig ans Boot schlagenden und spritzenden Wellen ins Cockpit. 

Das Gute daran, meine Seekrankheit ist durch die kleine Aufregung wie weggeblasen und ich lege mich im Salon etwas hin. Letztendlich segelt Kai uns dann durch den ganzen Kanal, während ich im Salon immer mal wieder kurz einschlafe.

Um kurz nach 6 Uhr kommen wir in die Abdeckung von Martinique und die grässlichen Wellen lassen endlich nach. Hinter dem Mont Pelée, dem höchsten Berg Martiniques geht die Sonne auf und die Welt sieht wieder friedlich und schön aus. Als ob es nie anders gewesen wäre.

Fortsetzung folgt.

Von Antigua nach Martinique mit kleinen Zwischenfällen

Am Donnerstag um 5:45 Uhr klingelt unser Wecker. Kai ruft den neuesten Wetterbericht ab und schaut sich die momentane Wetterlage auf dem Regenradar im Internet an. Sieht nicht super aus, aber die nächsten 7-8 Tage wird es nur noch schlechteres Wetter geben. Auf dem Regenradar sehen wir ein paar Schauer an Antigua vorbei ziehen; die warten wir noch ab, dann geht es los. Um 6:30 Uhr setzen wir die Segel und starten in Richtung Guadeloupe. Es hat nur wenig Wellen und auch nicht allzu viel Wind. Dieser kommt wie angekündigt mit einer Stärke von etwa 10-15 Knoten leicht aus Nordost. Perfekt! Wir segeln mit 6-7 Knoten ganz friedlich dahin, werfen unsere Angel aus und entspannen.

Und ca. eine Stunde später sirrt unsere Angelleine. Kai macht langsam die Bremse rein, doch der Fisch zieht immer noch Leine raus. Das muss ja ein ganz schöner Brocken sein. Wir drosseln die Geschwindigkeit von ca. 7,5 auf 5 Knoten und Kai versucht langsam den Fisch einzuholen. Keine Chance! Wir müssen ihn wohl erst etwas müde machen. Kai probiert es immer wieder bis es plötzlich kinderleicht geht. Och nö, der Fisch hat sich wohl losgerissen. Aber nein, als wir die Leine einholen hängt nur noch ein kleiner Zipfel unseres Vorfachs an der Leine. Da ist doch tatsächlich das Vorfach aus Draht gerissen! Das ist uns auch noch nicht passiert.

Schade, das wäre bestimmt ein Abendessen für mehrere Tage gewesen. Aber glücklicherweise hat Kai gerade vor ein paar Wochen ein Ersatz-Vorfach vorbereitet und auch jede Menge Köder. Also das neue Vorfach inklusive Köder an die Leine und schon können wir wieder fischen. Doch jetzt fangen wir nur noch Seegras.

Wir lassen die Leine draußen und setzen uns vorne neben unseren Mast und genießen den schönen Segeltrip. Und da hört Kai, dass unsere Angel wieder sirrt. Schnell nach hinten zur Angel! Aber leider ist er nicht schnell genug: als er bei der Angel ankommt, sieht er gerade noch wie sich die letzten Umdrehungen unserer nagelneuen Angelleine von der Spule rollen, der Knoten mit der die Leine an der Angel fest gemacht ist reißt unter der ruckartigen Last und ca. 200m Angelleine, neues Vorfach und neuer Köder verschwinden im Meer! Ach wie ärgerlich und wie blöd auch für den armen Fisch, der jetzt mit diesem ganzen Zeug durch die Gegend schwimmt! Wir schimpfen wie die Rohrspatzen auf unsere Dummheit.

Und so verbringen wir die nächste Stunde damit, wieder Angelleine auf die Spule zu rollen, ein neues Vorfach zu bauen und einen neuen Köder vorzubereiten. Dieses Mal werden wir uns nicht mehr weit von der Angel entfernen. Bringt aber nichts, denn den Rest des Törns beißt kein Fisch mehr an.

Ansonsten ist der Segeltörn bis nach Guadeloupe wunderschön. Selten sind wir hier so entspannt gesegelt. Hinter Guadeloupe schwächt sich der Wind ab und wir müssen eine Weile die Motoren anschalten. Wir empfangen über Funk den aktuellen französischen Wetterbericht für Guadeloupe. Für die Nacht werden 3-4 Beaufort (7-15 Knoten) und wenig aufgewühlte See vorhergesagt, für den nächsten Tag lautet die Prognose: kleine Schauer, wenig aufgewühlte See und ebenfalls 3-4 Beaufort. Das klingt doch nach einem schönen ruhigen Törn!

Dennoch möchte Kai für die Einfahrt in den Kanal zwischen Guadeloupe und Les Saintes gerne ins zweite Reff gehen, da es dort immer deutlich mehr Wind hat, als vorhergesagt. Ich mosere etwas, weil ich das bei dem Wetterbericht nicht unbedingt für nötig halte, aber wir hatten uns mal geeinigt, dass wir immer das machen, was der jeweils Vorsichtigere für richtig erachtet und so setzen wir Groß und Genua ins 2. Reff.

Und wieder einmal bin ich Kai dankbar für seine Voraussicht. Von wegen 3-4 Beaufort, im Kanal bläst es mit über 25 Knoten, also 6 Beaufort! Und von wenig aufgewühlter See würden wir auch nicht unbedingt sprechen. Na ja, normalerweise geht der Wind hinter den Saintes etwas runter und wir hoffen, dass wir für den Rest des Törns wieder bessere Bedingungen haben werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Fortsetzung folgt.