Ankerkette und Ausklarieren

Vor unserer Abreise von Antigua, hatten wir leider noch ein kleines Projekt zu erledigen. Wir hatten vergangenes Jahr im August eine neue Ankerkette gekauft, die bereits zwei Monate später anfing ihre Feuerverzinkung zu verlieren. Und mittlerweile waren die Kettenglieder so verrostet und abgewetzt, dass beim Ankeraufgehen in Barbuda die Kette nicht mehr über die Nuss der Ankerwinsch lief und ständig runtersprang. Wir hatten unsere liebe Mühe und Not den Anker überhaupt hoch zu bekommen und danach war unsere ganze Silence voll mit Rost- und Dreckspritzern. Das war nicht nur eine riesige Sauerei, sondern es ist auch ganz schön gefährlich, wenn man im Notfall seinen Anker nicht hoch bekommt. Und so beschlossen wir, dass wir uns von dem verrosteten Teil der Kette trennen müssen. Das waren immerhin 17m, die Kai mit der Handsäge abtrennte und dann in einem Eimer verstaute, den wir als Beweis und zur Reklamation mit nach Martinique nehmen werden. Denn es kann wahrlich nicht sein, dass die Kette nach einem Jahr schon völlig unbrauchbar ist. Die letzten beiden Ketten, die wir gekauft hatten, hatten jeweils 4 Jahre gehalten! Man bekommt einfach keine Qualität mehr, zahlt aber den gleichen Preis wie zuvor!

Dann ging es zum Ausklarieren. Mittlerweile war es schon 13:30 Uhr und Kai drängelte etwas. Obwohl uns ja zwei Tage zuvor vom Zollbeamten gesagt wurde, dass sie jeden Tag von 8-16 Uhr geöffnet haben, wollte Kai lieber nicht allzu spät dort aufschlagen. Und er hatte das richtige Gespür. Normalerweise muss man immer zuerst zum Zoll, dann zur Einwanderungsbehörde, dann zur Hafenbehörde und zum Abschluss nochmal zum Zoll. Doch dieses Mal hieß es wir sollten zuerst zur Hafenbehörde. Komisch, warum das denn? Schon beim Betreten des Büros meinte der Angestellte: „Na, da haben Sie mich ja gerade noch so erwischt!“ Kai schaute ihn erstaunt an und fragte wie er das denn meine und er antwortete, dass er ja sonntags um 14 Uhr schließe. Nee, oder? Da hatte uns der Zollbeamte also nur die Öffnungszeiten für Zoll und Einwanderung gesagt, nicht aber für die Hafenbehörde. Aber da man sowohl zum Ein- wie auch zum Ausklarieren alle drei Behörden benötigt, macht es ja auch überhaupt keinen Sinn, dass sie unterschiedliche Öffnungszeiten haben. Das ist halt mal wieder typisch Karibik!

Gut, dass Kai das irgendwie geahnt hatte, denn sonst hätten wir am nächsten Morgen nicht wie geplant um 7 Uhr los segeln können. Puh, welch ein Glück!

Lebensmittelpreise

Am nächsten Tag schaffen wir es zu tanken und auch unsere Dinge im Budget Marine zu kaufen. Danach geht es noch zum Supermarkt und da erwartet uns die nächste Überraschung. Waren die Preise bei unserem letzten Einkauf vor etwas mehr als 6 Wochen schon ganz schön angestiegen, so fielen wir jetzt beim Anblick mancher Preisschilder fast in Ohnmacht. 

Ich weiß, dass in Deutschland die Preise auch ganz schön gestiegen sind, aber glaubt mir, im Vergleich zu hier sind die Lebensmittel bei euch immer noch günstig. Ich muss euch mal ein paar Preise auflisten und zum Vergleich habe ich euch die Preise von Rewe in Deutschland in Klammern geschrieben:

1kg Kartoffeln €3,67 (€1,45)
1kg Orangen €8,- (€1,59)
1kg Äpfel €5,24 (€2,99)
1kg lokale Paprika €4,03 (€2,98)
1kg Brokkoli €8,02 (€3,18)
1kg Karotten €3,83 (€0,99)
1kg Weißkohl €3,83 (€1,49)
1 kleiner lokaler Salat €2,20 (€0,89)
1 Eisbergsalat €3,63 (€0,66)
1l natives Olivenöl €12,83,- (€7,99)
10 lokale Eier €3,65 (€2,59)
1 Toastbrot €2,28 (€1,59)

Aber der absolute Wahnsinn war der Preis für Grapefruits. Eine (also eine einzige Grapefruit!) kostet €3,12!

Und die sonst so unglaublich günstige Hähnchenbrust ist auch um fast 60% im Preis gestiegen! An der Supermarktkasse stiegen mir die Tränen in die Augen, als wir für das bisschen Obst, Gemüse und Brot, das da auf dem Förderband lag, mal locker €40,- hinlegten.

Immerhin ist der Preis für unser Lieblingseis gleich geblieben. Dieses ist immer noch spottbillig und kostet nur €2,18 für einen großen Becher! Da gab es gleich mal ein Schokoladeneis zur Aufmunterung.

Ich muss aber natürlich zugeben, dass uns auch der schlechte €-Kurs zu schaffen macht (da wurde für uns mal geschwind alles 10% teurer) und bei den importierten Lebensmitteln kann ich ja einen gewissen Preisanstieg verstehen. Aber bei den meisten Dingen reden wir nicht von kleinen Preisanstiegen. Und dass die lokalen Sachen dann auch so im Preis mitziehen ist für mich nicht verständlich! Das ist doch der helle Wahnsinn! 

Welch ein Glück, dass wir kein Gas zum Heizen, sondern nur zum Kochen benötigen und dass wir als Segelboot nicht viel Benzin und Diesel verbrauchen. Somit knabbern wir immerhin nur an den immensen Preisen für Lebensmittel und Bootsersatzteile!

Zurück in der Zivilisation

Wir segeln von Barbuda zurück nach Antigua. Es ist ein wunderschöner Segeltörn bei bestem Wetter und unterwegs fangen wir noch einen schönen Fisch!

Doch kaum zurück in Antigua, geht uns die „Zivilisation“ auch schon wieder auf die Nerven.
Gleich am Nachmittag fahren wir mit dem Dingi zur Bootstankstelle, um dort zwei Kanister Diesel und Benzin aufzufüllen. Doch bereits als wir am Dock anlegen, kommt der Eigentümer auf uns zu und fährt uns an „If you want to get fuel you need to come way before 4pm!“ (Wenn ihr Sprit wollt, müsst ihr deutlich vor 16 Uhr kommen!). Wir schauen ihn erstaunt an, denn wir wussten nicht, dass er um 16 Uhr schließt. Ansonsten hätten wir es natürlich nie gewagt um 15:50 Uhr hier aufzuschlagen, denn wir wissen ja mittlerweile, dass so etwas in der Karibik gar nicht geht! Aber da nirgendwo an der Tankstelle Öffnungszeiten stehen, ist es schwer zu wissen wann sie geöffnet haben. Na ja, egal, wir sind ja tiefenentspannt, entschuldigen uns und sagen ihm, dass wir gerne am nächsten Tag nochmal kommen.

Also fahren wir weiter zu Budget Marine (dem Schiffszubehörladen). Dieser schließt normal um 16:30 Uhr, da sollten wir also noch in Ruhe unsere benötigten Dinge kaufen können. Im Geschäft müssen wir erst einmal unsere Masken aufsetzten, die Temperatur messen und unsere Hände desinfizieren. Eigentlich ist die Pflicht hierzu in Antigua aufgehoben, aber die Geschäfte können entscheiden es trotzdem noch weiter zu verlangen. Welch ein Unfug!

So, endlich können wir unseren Einkauf beginnen. Doch als wir gerade das erste Ding auf unserer Liste gefunden haben, geht plötzlich das Licht aus. Alle Mitarbeiter sind verschwunden und die Kasse ist geschlossen. Hm, anscheinend wird hier in der Nebensaison früher geschlossen. Hätte man uns ja vielleicht beim Reinkommen mal sagen können, dann hätten wir uns entweder beeilt oder gleich entschieden am nächsten Tag nochmal zu kommen. So fühlen wir uns ganz schön unsanft rausgeschmissen.

Auf dem Rückweg fahren wir noch schnell beim Zoll und der Einwanderungsbehörde vorbei. Wir planen demnächst auszuklarieren und somit frage ich den Beamten vom Zoll höflich, ob sie denn auch über Karneval geöffnet haben. Er schaut mich nur grimmig an und antwortet „Every day from 8 to 4 (Jeden Tag von 8 bis 4).“ Okay, hätte man jetzt auch etwas höflicher sagen können, aber immerhin ist es gut, dass sie nicht geschlossen haben. Aber was ist denn nur los mit den Menschen? Wäre es nicht schön, wenn zur Abwechslung einfach mal alle nett zueinander wären?

Zurück am Boot haben wir mittlerweile etwas mehr Wind und hinter uns liegt ein anderes Boot, dessen Eigentümer anscheinend nicht weiß, wie man sein Großfall wegbindet. Die ganze Zeit schlägt es im Wind an den Mast und macht „klong, klong, klong,…“ Wie kann der Eigner des Bootes das die ganze Zeit aushalten? Uns stört es bereits nach wenigen Minuten.

Später ankert noch ein neues Boot direkt hinter uns. Sie haben zwei Kinder an Bord, die die ganze Zeit schreien, quietschen und heulen und als endlich Stille herrscht, machen die Eltern Musik an. Und das schön laut und schön grässlich. Ja, geht’s noch? So langsam aber sicher sind wir doch ganz schön genervt.

Und als dann noch ein paar Jetskis anfangen um unser Boot herum zu fahren, wünschen wir uns einfach nur sehnlichst zurück nach Barbuda. Was hatten wir in der Low Bay eine herrliche Ruhe. Warum nur müssen andere Menschen immer nur Ärger und einen Höllenlärm machen. Was ist denn los mit unserer Welt?