Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 1

Am Montag traten wir von der Nonsuch Bay in Antigua um 5 Uhr morgens unseren alljährlichen Weg Richtung Süden an. Zuerst hatten wir geplant, direkt von hier nach Martinique zu segeln, und zwar an der Ostseite der ganzen Inseln entlang. Doch leider ließ das Wetter dies nicht zu und so segelten wir, wie immer, nach Basseterre in Guadeloupe. Eigentlich sollte es ein recht angenehmer Törn werden, weil wir dieses Mal einen besseren Winkel hatten, doch leider hatten wir mit enorm viel Seetang zu kämpfen. Ständig mussten wir größeren Feldern ausweichen und sammelten dennoch so viel Sargassum Weed auf, dass mehrmals unser Ruder blockierte und wir in den Wind schießen mussten, um den ganzen Seetang wieder los zu werden. 

Und auf halbem Weg durch den Kanal spielte uns der Seetang dann noch einen anderen Streich. Wir kamen auf ein riesiges Feld zu, dem wir unmöglich ausweichen konnten, und so hieß es „Augen zu und durch“. Doch so einfach sollte es uns nicht gemacht werden. Kaum waren wir durch das Sargassum durch, als wir auch schon langsamer wurden. Zuerst dachten wir, wir hätten uns wieder jede Menge Seetang eingefangen, doch dann entdeckten wir, dass es diesmal schlimmer war. Mitten in dem Seetang-Feld musste wohl eine Leine einer Fischerboje geschwommen sein, die sich nun um unser Ruder gelegt hatte. Wir wurden immer langsamer und unsere Ruder ließen sich nicht mehr bewegen. Ach herrje, was nun? Da wir auf keinen Fall den Motor anschalten wollten, damit wir die Leine nicht auch noch in einen unserer Propeller bekommen, blieb nur eine Möglichkeit: Kai musste ins Wasser und sich die Sache von dort ansehen. Also zog er sich schnell aus, machte eine unserer Dingi-Leinen los, band sich diese um den Bauch, zog die Schnorchelbrille an und ging auf Tauchstation. Unter Wasser sah er, dass die Leine nicht nur um unser Backbord-Ruder, sondern auch um unser Steuerbord-Ruder ging, aber es sah so aus, als ob sie sich nirgendwo verwickelt hatte, sondern nur einmal vorne an unseren Rudern vorbei ging. Also versuchten wir nochmals die Ruder zu bewegen, was bei der geringeren Geschwindigkeit nun ging. Jetzt konnten wir in den Wind drehen, um zum Stillstand zu kommen. Sogleich löste sich die Leine von unserem Steuerbord-Ruder und dann auch von unserem Backbord-Ruder. Dann konnten wir wieder zurück auf Kurs gehen und erneut Fahrt aufnehmen. Puh, welche Aufregung!

Glücklicherweise brachten wir den Rest des Kanals ohne weitere negative Ereignisse hinter uns und kurz vor Guadeloupe war urplötzlich auch überhaupt kein Seetang mehr zu sehen. Da dies ein gutes Gebiet zum Fischen ist, warfen wir sofort unsere Angelleine aus und mussten keine fünf Minuten warten, bis einen Fisch anbiss. Es war eine wunderschöne ca. 75 cm lange Dorade, die Kai nach einem längeren Kampf an Bord zog. Welch tolles Abendessen!

Gegen 17 Uhr kamen wir nach 72 Seemeilen in Basseterre an und nachdem wir geankert hatten, schaute sich Kai dann nochmal genauer unsere Ruder an. Leider hatte die Leine im Backbord-Ruder eine tiefe Kerbe hinterlassen, die wir wohl bei unserem nächsten Werft-Aufenthalt reparieren müssen. Doch es hätte schlimmer kommen können und so waren wir froh, dass dies so glimpflich ausgegangen ist.

Und zum Abendessen gab es dann Doradenfilets an einer Butter-Zitronen-Petersilien-Soße mit Salzkartoffeln und Zuckerschoten. Welch ein Festschmaus! 

Kai lernt foilen

Bereits im März hatten wir von Lise & Johan deren altes Foilboard inklusive mehrerer verschieden hoher Masten gekauft und Kai war schon die ganze Zeit heiß darauf, dieses endlich auszuprobieren. Da es jedoch eher ein Board für leichte Windverhältnisse ist und wir in Barbuda die ganze Zeit ziemlich viel Wind hatten, war er bis jetzt noch nicht dazu gekommen.

Doch hier in der Nonsuch Bay hatten wir die letzten Tage nicht sonderlich viel Wind und so konnte Kai endlich den ersten Versuch starten. Johan hatte ihm im März noch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben und da Kai ja auch ziemlich gut Surfboard fährt, erwartete ich, dass er das Foilen ziemlich schnell lernen wird. Kai war nicht ganz so zuversichtlich wie ich, doch schließlich sollte ich Recht behalten. 

Am Donnerstag unternahm er den ersten Versuch und schaffte es gleich auf Anhieb aufs Board zu kommen. Zwar warf es ihn fast jedes Mal ab, sobald er mit dem Mast aus dem Wasser kam, doch das Rodeoreiten wurde zunehmend besser. Gestern schaffte er es dann bereits über lange Zeiträume richtig zu foilen und heute schmiss es ihn nur noch ab, wenn sich Seetang im Mast verfing und ihn abrupt bremste. Ich muss schon sagen, die Stürze mit diesem Board sehen wirklich spektakulär aus und es ist in der Tat nicht ungefährlich. Deshalb trägt Kai auch einen Helm und er sagte mehrfach, er hätte am liebsten die Schutzkleidung eines Football-Spielers!

Aber sobald man es einigermaßen beherrscht, macht es wohl ziemlich Spaß und man schwebt völlig geräuschlos übers Wasser ! 

Die Gefahren des Spithead-Channels

Als wir von Barbuda zurück kamen, segelten wir zuerst noch in den Northsound von Antigua und ein paar Tage später an der Ostseite der Küste entlang zurück nach Green Island.

Dort kann man eine Abkürzung nehmen und durch den Spithead-Channel in die Bucht fahren. Dieser birgt allerdings ein paar Gefahren, weil er von beiden Seiten von Riffen gesäumt wird und auch lange Zeit die Seekarte nicht wirklich stimmte. Daher sollte man diesen Kanal nur bei gutem Wetter und somit auch guter Sicht befahren. Obwohl wir schon mehrmals durch diesen Kanal gefahren sind und somit auch einen Track haben, würden wir ihn dennoch niemals bei schlechter Sicht oder gar bei Nacht befahren. 

Doch das scheint nicht jeder so zu handhaben, denn vergangenes Jahr bekamen wir von unseren Freunden erzählt, dass ein Katamaran bei Nacht durch den Kanal hinausfahren wollte und dabei aufs Riff lief. Und er war wohl nicht der erste dem das passierte und leider auch nicht der letzte. Denn als wir uns Green Island näherten, sahen wir, dass ein Schiff leider im Spithead-Channel aufs Riff aufgelaufen war. 

Es handelte sich um ein Charterboot der Dream Yacht Charter-Flotte und Freunde erzählten uns, dass das Boot schon mehrere Tage dort auf dem Riff hing. Wie es dazu kam, wusste aber leider niemand.

Am nächsten Tag (Samstag) gegen Mittag kam dann ein Motorboot und versuchte das Schiff vom Riff zu ziehen. Leider erfolglos! Am Sonntag Nachmittag versuchten sie es mit einem stärkeren Motorboot erneut, mussten jedoch wieder bei Sonnenuntergang aufgeben (vielleicht hätte man auch einfach mal morgens damit anfangen sollen…) und am Montag (natürlich wieder am späten Nachmittag) startete der dritte Versuch mit einem großen Schlepper. Und siehe da, bei Einbruch der Dunkelheit hatten sie es endlich geschafft und konnten das Schiff vom Riff bergen und in den nächsten Hafen schleppen.

Warum man das Schiff mehrere Tage dort auf dem Riff inmitten der brechenden Wellen sitzen ließ, ist uns ein Rätsel, aber es scheint ja alles nochmal einigermaßen glimpflich ausgegangen zu sein!