Wetterkapriolen

Von St. Pierre aus ging es weiter nach Dominika, wo wir deutsche Freunde besuchten. Doch bevor ich euch von unserem Aufenthalt in Dominika erzähle, muss ich erst einmal einen aktuellen Beitrag zwischenschalten.

Wir kamen am 22.12. in Antigua an und waren pünktlich zu Heilig Abend in unserer geliebten Nonsuch Bay. Seit Wochen freuten wir uns aufs Kitesurfen hier, doch leider spielte das Wetter nicht mit. Zwei Wochen lang hatten wir so wenig Wind, dass wir noch nicht einmal mit dem Hydrofoil kiten konnten. 

Doch das änderte sich schlagartig. Lediglich einen Tag lang hatten wir normalen Wind (ca. 15 Knoten) und dann ging es hoch auf 25-32 Knoten (ca. 60 km/h). Und diesen „Sturm“ hatten wir eine komplette Woche. Ständig zogen Regenschauer durch, die uns um die 45 Knoten (fast 90 km/h) Wind bescherten. Die Wellen peitschten um unsere Silence, der Wind pfiff übers Boot, riss an unserem Bimini, der Regen prasselte aufs Deck und wir bekamen nachts teilweise kein Auge zu. Drei Tage lang war der Wind sogar so stark, dass wir nicht einmal kiten konnten, dann wurde er ein kleines bisschen schwächer und wir konnten mit unserem kleinsten Kite (einem 8qm Ozone Reo) rausgehen. Wir sprangen fast bis zum Mond!

Aber leider gab es auch nachts immer noch jede Menge heftige Regenschauer, die es uns unmöglich machten durchzuschlafen. 4-5 Mal wurden wir pro Nacht geweckt und teilweise prasselte und pfiff es mehr als 1/2 Stunde lang. Wir waren morgens total gerädert und es wurde von Tag zu Tag schlimmer.

Wenn wir unsere Freunde am Strand trafen, blickten wir überall in müde Gesichter und alle bestätigten, dass man bei diesem Lärm einfach kein Auge zubekommt.

Glücklicherweise ließ der Wind gestern wieder etwas nach und wir wurden heute Nacht nur ein einziges Mal von einem Regenschauer geweckt. Wie herrlich, wenn man endlich mal wieder (fast) durchschlafen darf! Wir hoffen, dass es nun erst einmal so bleibt und das Wetter nicht bald wieder so verrückt spielt!  

Martinique – alles wie immer

Der Törn nach Martinique war relativ unspektakulär und wir erreichten St. Anne am frühen Nachmittag.

Dort starteten wir unser übliches Programm: einklarieren, Wäsche waschen und im „L’Atelier“ (die Boutique, die meinen Schmuck verkauft) neue Bastelarbeiten abliefern.

Bevor es in den Waschsalon ging, mussten wir jedoch noch die hoffentlich letzte Nachwirkung unseres Deutschland-Aufenthalts in Ordnung bringen. Alle vier Bezüge der Matrazen in den Gästekabinen waren schrecklich verschimmelt und wir reinigten diese (mit Mundschutz ausgestattet) mit Chlorbleiche und Zahnbürsten. Das war eine Heidenarbeit, doch es hat sich gelohnt. Nachdem wir die Bezüge dann noch gewaschen hatten, sahen sie wieder aus wie neu.

Danach ging es direkt weiter nach Le Marin, wo wir Leader Price, Carrefour, diversen Bioläden, Caraibe Marine und Polymar (beides Schiffszubehörläden), Akwaba (einem Angelzubehörladen), dem Baumarkt und meinem Lieblingsgeschäft Domia einen Besuch abstatteten. Domia hatte bei unserem letzten Besuch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und tatsächlich war es nun noch größer und schöner wieder eröffnet. Ich freute mich riesig!

Es dauerte eine ganze Woche und unzählige Fahrten zu Leader Price bis wir Käse, Wurst, Milch, Mehl, Konserven, Müsli, Schokolade, Reis, Nudeln und vieles mehr für die nächsten drei Monate eingekauft hatten.

Bei den Schiffszubehörläden gab es einen neuen Wasserhahn und Lichtschalter für unsere Gäste-Toilette, Wasserfilter, eine neue Sicherheitsleine für die Außenseite des Salons, Schrauben inkl. Abdeckungen für unsere Deckenverkleidungen, einen neuen Schäkel für unseren Hahnepot, Winschfett, … Man sollte nicht glauben welch lange Liste sich jedes Mal in nur 6 Monaten ansammelt.

Auch ein neuer Feuerlöscher musste her, denn unsere alten waren bereits seit Ewigkeiten abgelaufen. Doch wir hatten den ältesten von 2002 mal ausprobiert und er funktionierte noch einwandfrei. Und so ersetzten wir nur diesen einen und vertrauen darauf, dass die anderen auch noch genauso gut funktionieren.

Und irgendwann hatten wir alles beisammen und fuhren für eine letzte Übernachtung nach St. Anne, bevor es am folgenden Tag weiterging nach St. Pierre.

Dies war wieder ein Segeltag, der es in sich hatte. Zuerst hatten wir wunderschönen Rückenwind. Ich wusste gar nicht mehr, wie angenehm es sich so segelt. Der Wind pustet ein kleines bisschen, die Wellen schieben einem vorwärts, es herrscht eine himmlische Stille. Ach, wäre Segeln doch nur immer so!

Doch nach ca. 2 Stunden mussten wir auf einen anderen Kurs gehen und hatten nun Wind direkt von der Seite, während wir in die Rade de Fort de France hinein fuhren. Hier blies es wie immer ordentlich! Wir waren froh, dass wir im ersten Reff waren und uns somit die Böen von 30 Knoten nichts anhaben konnten. Doch leider zog auch ein Schauer nach dem anderen aus der Bucht heraus und diese waren ganz schön schwarz und bedrohlich. Doch wir hatten Glück, denn lediglich einer streifte uns noch ganz am Rande und drückte uns mit Wind von hinten aus der Rade hinaus. Na, das war ja nochmal gut gegangen und wir konnten den Rest der Strecke bis kurz vor St. Pierre bei schönstem Sonnenschein gemütlich segeln.

In St. Pierre ankerten wir vor der schönen Altstadt mit dem Mount Pélé, dem höchsten Berg Martiniques, im Hintergrund und genossen die Abendstimmung.

Eine Granate schlägt ein

Der Segeltörn von St. Vincent nach St. Lucia sollte leider nicht so angenehm werden wie der Törn am Vortag.

Wir hatten mal wieder mehr Wind als angekündigt und vor allem aber auch höhere Wellen. Der Wetterbericht hatte leichten Nordschwell vorausgesagt und dieser entpuppte sich als ziemlich ungemütlich, weil er die ganze See durcheinander brachte und die Wellen sich extrem steil aufbauten.

Als wir in den Kanal hinein segelten, waren wir noch bei bester Laune. Unsere Angel sirrte und schon hatten wir wieder einen Barrakuda am Haken. Verhungern müssen wir die nächsten Tage nicht!

Doch danach wurde es ganz schön ruppig. Ständig kamen Wellen über und Kai bekam immer mal wieder eine Salzwasserdusche. Da wir wieder recht hoch am Wind fuhren, musste Kai nochmal unseren Achterliekstrecker (eine Leine, die den hinteren Teil der Genua spannt) fester zurren und „hing“ gerade Mitschiffs an der Genua, als plötzlich ein Kanonenschlag unser Schiff erschütterte. Es klang, als wären wir von einer Granate getroffen worden. Kai hing kurz in der Luft, unser Stuhl im Cockpit fiel um und schlitterte über den Boden, in den Schränken klirrte das Geschirr, mein Handy stürzte vom Navigationstisch bis hinunter in unseren Backbord-Rumpf (Kompliment an Apple, es hat keinen einzigen Kratzer), im Steuerbord-Rumpf rutschten alle möglichen Gegenstände durch die Gegend. Es sah wirklich aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen!

Das war kein angenehmes Segeln und wir waren beide sehr froh, als wir die beiden Pitons von St. Lucia auftauchen sahen und wussten, dass wir es bald durch den Kanal geschafft haben. Dann surrte unsere Angel nochmal und wir sahen eine wunderschöne Dorade an unserem Haken. Doch leider waren wir mit fast 8 Knoten etwas zu schnell unterwegs und ganz knapp bevor wir sie an Bord holen konnten, riss sie sich los. Na ja, nicht so schlimm, wir hatten ja bereits genügend Fisch für die nächsten Tage.

Hinter St. Lucia war die Welt wieder in Ordnung und wir segelten fast an der ganzen Küste entlang bis in die Rodney Bay. Dort gab es zum Sundowner einen leckeren Fischtatar und wir konnten uns etwas von dem anstrengenden Segeltörn erholen. Zum Abendessen gab es dann Fischfilets mit Zitronen-Kapern-Sauce auf Salzkartoffeln. Der eigene Fang schmeckt halt einfach fantastisch!