Exchange Island

Hier im North Sound haben selbst die kleinsten Inseln einen Namen, wie z.B. Exchange Island. Auf diese Insel hatten wir schon die ganze Zeit ein Auge geworfen. Mit ihren gelb-weißen Felsen hob sie sich so wunderschön vom türkisfarbenen Wasser ab. Außerdem sah sie sehr schroff aus und wäre damit mal etwas anderes als ein Strandspaziergang.

So verankerten wir an einem schönen sonnigen und relativ windstillen Tag unser Dingi am kleinen Strand von Exchange Island und machten uns auf zur Erkundungstour. Das war in der Tat teilweise eine richtige Kletterpartie und die Aussicht war wunderbar. Doch leider hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Insel bewohnt sein könnte. Und so fiel ich fast von den schroffen Klippen als urplötzlich ca. einen halben Meter von mir entfernt eine Art Alarmanlage in den schrillsten Tönen losging. Mein Herz setzte kurz aus, ich taumelte ein paar Schritte rückwärts und selbst Kai, der ein paar Meter hinter mir war, bekam einen riesigen Schreck. Unter den Felsen hatten sich zwei Tropic Birds eingenistet, die wohl bei meinem plötzlichen Auftauchen einen Schrecken bekamen und wild loskreischten. Ja, da hatten wir uns alle mal schön gegenseitig erschreckt.

Wir umrundeten ihr Nest in etwas größerem Bogen, um sie nicht aufzuscheuchen und setzten unsere Kletterpartie fort. Während die Südseite der Insel mit schroffen und spitzen Felsen überzogen ist, gibt es an der Nordseite ein Plateau, auf dem ein großer Fels völlig einsam und verlassen liegt. Bizarr! Wie der wohl entstanden ist? Egal, er ist auf jeden Fall ein tolles Fotomotiv und wir waren völlig begeistert von unserem kleinen Ausflug.

Wie ein Eremit auf seiner Berghütte…

…komme ich mir manchmal auf unserer Silence vor. Fünf Wochen waren wir im North Sound und in dieser ganzen Zeit trafen wir einmal für ca. 10 Minuten einen anderen Menschen. Ansonsten war da nur das Meer, die Vögel, die Meeresbewohner und wir.

Gut, dass wir einige Reparaturprojekte hatten mit denen wir uns die Zeit vertreiben konnten. Und an Tagen mit Wind kiteten wir, an Tagen ohne Wind schnorchelten wir oder vertraten uns die Beine bei einem kleinen Spaziergang über die winzigen vorgelagerten Inseln. Das war so friedlich!

Aber nach fünf Wochen war es mir dann doch etwas zu friedlich und ich musste unbedingt mal wieder ein paar andere Menschen sehen. Ich freute mich riesig auf unsere Fahrt zum Einkaufen. An frischen Sachen hatten wir nur noch einen kleinen Kopf Rotkohl und vier Kartoffeln. Es war also höchste Zeit mal wieder eine Proviantierungsfahrt zu machen.

Da es mit dem Dingi und Bus fast genauso lange gedauert hätte, beschlossen wir, wieder mit unserer Silence in die Hauptstadt nach St. John’s zu fahren. Wir hatten uns den perfekten Tag hierfür ausgesucht, denn es war bewölkt und ab und an zog ein Schauer an uns vorbei. Bei solch einem Wetter hätten wir weder Bootsreparaturen durchführen, noch kiten, schnorcheln oder spazieren gehen wollen. 

In St. John’s angekommen, kauften wir wieder frisches Obst und Gemüse auf dem Markt und danach gingen wir zu Fuß zum Großeinkauf zum nahegelegenen Supermarkt. Leider stellte sich nach dem Einkauf heraus, dass das Wetter doch nicht so perfekt zum Einkaufen war. Denn als wir mit unseren ganzen Tüten zurück zum Dingi wollten, schüttete es wie aus Eimern. So warteten wir im Supermarkt bis der Regen nachließe. Aber er ließ nicht nach. Zwischenzeitlich kauften wir uns noch ein Schokoladeneis (vielen Dank an Charly für diese Spende!), um die Wartezeit zu überbrücken, aber nach 45 Minuten regnete es immer noch und weit und breit war der Himmel grau in grau.

Da könnten wir wahrscheinlich bis zum Sanktnimmerleinstag warten. Es hilft nichts, wir müssen im Regen zurück. Mittlerweile nieselte es immerhin nur noch, so dass wir und unsere Einkäufe nur mittelmäßig nass wurden. Doch als wir gerade ins Dingi steigen wollten, fing es wieder an zu schütten. Schnell die Einkäufe wieder raus und unterstellen. Es regnete 10 Minuten lang richtig heftig, dann ließ es wieder etwas nach.

Jetzt geschwind zurück zum Boot! Als wir an unserer Silence ankamen, waren wir völlig durchnässt. Aber das wäre ja nicht so schlimm gewesen. Das Doofe war, dass auch unsere ganzen Einkäufe triefend nass waren und so mussten wir alles erst einmal trocknen lassen, bevor wir es wegräumen konnten. Und ihr werdet es nicht glauben, 15 Minuten nachdem wir zurück auf dem Boot waren, hörte der Regen auf und die Sonne kam raus. Typisch!

Dieses Mal übernachteten wir in St. John’s, weil wir am nächsten Tag noch einiges zu erledigen hatten. Wir mussten unseren großen Müllsack mit dem Müll der letzten fünf Wochen wegbringen, unsere Cruising Permit verlängern, am Geldautomat Geld abheben und noch zu zwei anderen Supermärkten in den Außenbezirken von St. John’s.

Gleich morgens um 7:45 Uhr gingen wir los, weil es da noch nicht ganz so heiß war. Es würde zwar auch ein Bus zu den Supermärkten fahren, aber zur Busstation müssten wir ca. 10 Minuten gehen und der Bus fährt nur alle halbe Stunde. Da es lediglich ein Fußmarsch von ca. 35 Minuten war, machten wir etwas Frühsport und gingen zu Fuß. 

Wir hatten bei dem Supermarkt in der Stadt ein paar Dinge nicht bekommen, die wir nun gerne in den anderen Supermärkten noch kaufen wollten. Doch wie immer hatten wir nicht mit allem Glück. Unsere Lieblings-Rosinen-Zimt-Brötchen gab es glücklicherweise und auch Salat, Zucchini, Spinat, Müsli und Haferflocken bekamen wir. Aber dafür gab es leider keine Würstchen oder Chicken McNuggets, 250ml Sahnepackungen, Fetakäse und vernünftige Tampons. Na ja, das war zwar enttäuschend, aber wir sind es ja mittlerweile gewöhnt, dass es jedes Mal etwas anderes nicht gibt.

Dennoch war der Einkauf erfolgreich und wir hatten unsere Vorräte für die nächsten vier Wochen aufgefüllt. Jetzt konnte es zurück gehen in den North Sound.

Vulkanausbruch in St. Vincent

Schon seit drei Monaten hatte der Vulkan La Soufrière (1.220m hoch) im Norden St. Vincents verstärkte Aktivitäten gezeigt. Vergangene Woche wurden die Anzeichen für einen nahenden Ausbruch deutlicher und so begann die Regierung am Donnerstag die Evakuierung von 16.000 Menschen aus den extrem gefährdeten Gebieten. 

Die Leute fanden fürs erste Unterschlupf bei Bekannten und in Notunterkünften der Regierung im Süden der Insel. Später sollen sie auf Kreuzfahrtschiffen und benachbarten Inseln aufgenommen werden. Auch Antigua wird 400 Flüchtlinge aufnehmen.

Und die Evakuierung war keinesfalls verfrüht. Denn am Freitag vormittag gegen 8:40 Uhr brach der Vulkan aus und schoss eine fast 10km hohe Aschewolke in den Himmel. Es folgten zwei weitere Eruptionen an diesem Tag. Seitdem gab es im Abstand von 2-3 Stunden immer wieder Erschütterungen, die jeweils ca. 20 Minuten dauerten und weitere Asche in den Himmel schossen.

Am Samstag war ganz St. Vincent mit Asche bedeckt. Die Wasserversorgung war unterbrochen und in einigen Teilen der Insel wurde der Tag durch die dicken Aschewolken zur Nacht. Tausende von Menschen verloren ihre Häuser und werden sich woanders ansiedeln müssen. 

Die Asche zog in den höheren Luftschichten nach Osten und erreichte am Samstag die Insel Barbados, die daraufhin ihren kompletten Flugverkehr einstellen musste. In den niedrigeren Luftschichten breitete sich die Asche im Norden bis St. Lucia und im Süden bis nach Grenada aus. Eine Freundin von uns musste gestern zentimeterhohe Ascheberge von ihrer Terasse in Carriacou kehren. Welch ein Glück, dass wir gerade so weit im Norden sind. 

Heute Morgen um 4:15 Uhr gab es einen erneuten Ausbruch. Dieser Ausbruch war extrem stark und es schoss wieder Asche und Geröll an den Hängen hinunter. Der vorherige Dom brach ein und es entstand ein neuer Schlot. 

Bei La Soufrière handelt es sich um einen Schichtvulkan. Bei dieser Art von Vulkanen fließt nicht viel Lava an den Hängen hinunter, weil die Lava im Innern nicht so heiß ist. Es gibt nur einen sehr zähen Strom, der meist schnell abkühlt. Das gefährliche an den Schichtvulkanen ist, dass sie sehr viel Gase ausstoßen, die heftige Explosionen erzeugen. Bei diesen Explosionen werden Asche und Geröll herausgeschleudert, was z.B. in St. Vincent mit einer Geschwindigkeit von rund 190 km/h die Hänge hinunter schießt. Durch den Ausbruch solch eines Schichtvulkans wurde damals auch die Stadt Pompeji zerstört.

Wie lange die Ausbrüche andauern werden ist momentan ungewiss. Zuletzt war La Soufrière im Jahr 1979 ausgebrochen. Davor in den Jahren 1902, 1814, 1812 und 1718.