Entspannung am Sonntag

Nachdem wir nun mehr als 5 Wochen auf unserer Silence gewurschtelt hatten, brauchten wir mal einen kleinen Tapetenwechsel.

Unsere Nachbarn gingen mit ihrem Hund auf eine Wanderung und nahmen uns netterweise mit. Wir hatten uns ab und an nachmittags etwas in Ste. Anne die Beine vertreten und waren dort gefühlt schon alle Straßen abgelaufen. Und so freuten wir uns, dass es dieses Mal zur Abwechslung nach Le Marin ging. Wäre zwar eigentlich nicht erlaubt gewesen, weil man sich ja erst ab Montag mehr als 1km vom Boot entfernen durfte, aber wir hofften, dass man das nun nicht mehr so eng sehen würde.

In Le Marin ließen wir unsere Dingis an einem Steg und gingen zuerst auf der Straße ziemlich steil den Berg hinauf. Irgendwann hörte die Bebauung auf und ein kleiner Pfad führte in den Wald. Da wir hier gerade Hochsommer und jeden Tag mehr als 30ºC haben, waren wir recht froh, dass der Weg nun im Schatten weiter den Berg hoch führte. Hier war es wunderschön kühl und bald ging es auch recht eben weiter bis wir aus dem Wald heraus auf eine Lichtung kamen.

Wow, welch ein toller Ausblick von hier oben auf die Bucht von Le Marin mit ihren ungefähr 1.000 Booten. Und im Hintergrund erblickten wir sogar St. Lucia. 

Dann ging es noch einen kleinen Kreuzweg hinauf zu einem Kapellchen, bevor wir uns wieder auf den Weg zurück nach Le Marin machten. 

Am Wegesrand blüht es momentan in allen Farben und überall tragen die Bäume reichlich Früchte. Wo wir hinschauten sahen wir Mangos, Zitronen, Orangen, Papaya, Guyaven, Sauersack, Avocados, … 

Und da wir so viele reife Mangos fanden und wir mittlerweile Agar Agar hatten (anstatt Gelierzucker), kochte ich gestern gleich mal ein paar Gläser Mango-Marmelade ein. Lecker!

Lockdown erst einmal zu Ende

Nachdem der Lockdown natürlich nach den ersten drei Wochen in die Verlängerung ging, ist er nun endlich seit gestern teilweise aufgehoben.

Die Strände sind wieder geöffnet, allerdings nur dynamisch. Wir hatten die wildesten Vermutungen, was das heißen könnte, bis unsere Nachbarn uns aufklärten: man darf nicht auf dem Handtuch am Strand liegen oder sitzen, sondern man muss die ganze Zeit in Bewegung sein. Damit haben wir kein Problem, da wir sowieso nicht gerne am Strand liegen, sondern lieber schwimmen, Wasserball spielen, kiten, … Klingt also super!

Ab Mittwoch sollen auch wieder alle Geschäfte geöffnet werden, wobei das mit den Geschäften ja am Ende alles gar nicht so war, wie ursprünglich angekündigt. Die Supermärkte und Baumärkte hatten sowieso geöffnet und die Schiffszubehörläden waren dann doch alle am Vormittag geöffnet. So mussten wir dann eben immer vormittags auf Ersatzteiljagd gehen, was uns eigentlich nur beim Beschaffen von Ersatzteilen für unser Rigg ziemlich aufhielt. Ansonsten war es kein großes Problem für uns.

Bars und Restaurants dürfen ab Mittwoch auch wieder öffnen, allerdings benötigt man einen „pass sanitaire“. Und da haben wir leider einen typischen Catch-22. Diesen Pass bekommen die Leute in Frankreich nach der Impfung oder können ihn, falls sie im Ausland geimpft wurden, im Internet beantragen. Das gilt jedoch nur für Franzosen, alle anderen Nationalitäten müssen diesen Pass in ihrem Heimatland ausstellen lassen. Wir könnten das in einer deutschen Apotheke tun. Dort müssten wir mit unserer Impfbescheinigung aus dem Ausland aufschlagen und uns würde dann ein QR-Code ausgedruckt. Hm, technisch etwas schwierig, weil wir ja hier in Martinique sitzen. Also gibt es für uns erst einmal keinen „pass sanitaire“, was aber nicht so schlimm ist, weil wir sowieso nicht oft in Bars und Restaurants gehen. Wir hoffen aber, dass das mit diesem Ausweis nicht auf andere Bereiche ausgeweitet wird.

Die Ausgangssperre von 19-5 Uhr gilt weiterhin, jetzt darf man sich aber in einem Radius von 10km von seinem Haus bewegen. 

Und ehrlich gesagt finden wir die Ausgangssperre momentan eher angenehm. Ab 19 Uhr herrscht hier himmlische Ruhe: es zoomen keine Dingis oder sonstigen Boote durch die Ankerbucht, es fahren keine lauten Motorräder auf den Straßen, niemand spielt am Strand ohrenbetäubend laute Musik. Es herrscht Silence! Die letzten Wochen haben wir so gut geschlafen wie schon seit Monaten oder Jahren nicht mehr. 

Aber dennoch schauen wir etwas mit weinenden Augen nach Europa. Während bei euch endlich immer mehr Maßnahmen aufgehoben werden, geht es hier in der Karibik wieder so richtig rund.

Grenada z.B. hat einen partiellen Lockdown (nennt es aber nicht so, damit die Leute sich nicht so aufregen), bei dem man an Wochenenden ab Freitag Nachmittag 17 Uhr bis Montag 5 Uhr sein Haus nicht verlassen darf. Man darf nicht von Bucht zu Bucht segeln und der Fährverkehr zwischen Grenada und Carriacou wurde eingestellt, Öffnungszeiten von Geschäften verkürzt, …

Antigua hat seine Einreisebestimmungen geändert und lässt ab 1. Oktober nur noch geimpfte Personen ins Land. Die Strände sind am Wochenende vormittags nur von 5-12 Uhr geöffnet, Ausflugsboote dürfen nicht um die Insel fahren, …

Da somit auf den anderen Inseln die Maßnahmen nun auch wieder verschärft werden, haben wir beschlossen, dass wir für die Hurrikan-Saison einfach hier in Martinique bleiben werden. Hier können wir lange liegengebliebene Bootsprojekte abarbeiten und bekommen fast alle Ersatzteile. Unsere Silence liegt total ruhig vor einem wunderschönen Strand, wir können jeden Morgen frisches Baguette essen und haben mehrere Supermärkte mit leckerem Essen gleich um die Ecke. Das Leben könnte wesentlich unangenehmer sein 😉

Die Welt funktioniert nicht mehr richtig

Da wir bei unseren ganzen Besorgungsgängen auch in der Nähe des Marina-Büros vorbei kamen, fragten wir dort gleich mal, wo man hier in Le Marin einen PCR-Test machen kann. Diesen werden wir benötigen, wenn wir von Martinique wieder weg und auf eine andere Insel wollen.

Die Dame im Marina-Büro erklärte uns, wo wir das Testzentrum finden und wir gingen gleich dort vorbei, damit wir sicher sind, dass wir die Wegbeschreibung richtig verstanden haben.

Wir fanden es auf Anhieb, doch uns verwirrte etwas, dass auf mehreren Zetteln an der Tür stand, dass sie hier Antigen-Tests durchführen. Von PCR-Tests war keine Rede. Leider hatte das Testzentrum nur vormittags geöffnet und war nun geschlossen. Glücklicherweise war eine e-mail-Adresse angegeben, bei der wir nun anfragten, ob sie denn auch PCR-Tests durchführen.

Wir bekamen eine automatische Antwort, in der stand, dass sie sowohl Antigen- wie auch PCR-Tests durchführen und welche Angaben sie für eine Terminvereinbarung benötigen. Wow, das war ja mal super! Hätten wir also geklärt.

Am nächsten Tag bekamen wir dann allerdings nochmal eine Antwort von einem Mitarbeiter, der uns mitteilte, dass sie nur PCR-Tests durchführen. Für uns immer noch alles gut, aber irgendwie schon ziemlich verwirrend.

Ich fasse nochmal zusammen:

  • laut Zettel an der Tür werden nur Antigen-Tests durchgeführt
  • laut automatischer Antwort werden Antigen- und PCR-Tests durchgeführt
  • laut Antwort des Mitarbeiters werden nur PCR-Tests durchgeführt.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Welt komplett verrückt geworden ist!