Middle Ground Trail

Nachdem wir die Arbeiten an unserem Rigg am Sonntag Mittag beendet hatten, belohnten wir uns mit einem kleinen Sonntagsspaziergang.

Wir machten unser Dinghi in Falmouth fest und schlenderten zum Pigeon Point Beach. Dies ist ein kleiner Strand ganz am Eingang der Bucht. Eigentlich hatten wir vor, dort kurz unsere Füße ins Wasser zu tauchen und dann auf dem gleichen Weg zurück zu gehen. Doch dann entdeckten wir das Schild zum „Middle Ground Trail“ einem kleinen Wanderweg, der über einen Hügel nach English Harbour führt.

 

Der Weg ist nur 1,5km lang und so entschieden wir uns diesen zu nehmen, anstatt an der Straße entlang zurück zu laufen. Je höher wir kamen desto toller wurde die Aussicht und umso mehr schoss mir der Schweiß aus allen Poren. Es war höllisch heiß und ich war heilfroh, dass ich uns eine Flasche Wasser eingepackt hatte.

Ganz oben angekommen wurden wir mit einer frischen Brise Wind und einem schönen Blick auf Montserrat, Redonda und English Harbour belohnt. Wir legten auf einem Felsen eine kleine Verschnaufpause ein und genossen die Stille und die heute sehr gute Sicht.

Danach ging es an den Abstieg, der sich etwas steiler gestaltete als der Aufstieg. An ein paar Stellen waren als Handlauf Seile befestigt, an denen man sich über den felsigen Untergrund nach unten hangeln konnte. Und so wurde aus einem kurzen Sonntagsspaziergang dann noch eine richtig schöne kleine Wanderung.

Kai geht unter die Rigger

Vergangenen Donnerstag war der Sturm überstanden und wir konnten um die Mittagszeit wieder zurück an unseren alten Ankerplatz hinter Green Island. Das Bimini hatten wir bereits morgens wieder befestigt und nun mussten wir nur noch die ganzen Leinen verstauen und unsere Ankerkette vom Matsch befreien. Das war alles relativ schnell erledigt und so überlegten wir uns, dass wir gleich am Nachmittag noch nach Falmouth motoren könnten, um endlich die Sache mit unserem kaputten Rigg anzugehen.

Wir schickten dem Rigger eine Nachricht und fragten, ob wir am nächsten Tag vorbei kommen könnten, um die neuen Wanten anfertigen zu lassen. Doch weder antwortete er auf die Nachricht, noch auf unseren Telefonanruf. So fuhren wir einfach los und beschlossen am nächsten Tag bei ihm aufzuschlagen, denn sonst wird das ja nie was.

Freitag morgen legten wir unseren Baum aufs Salondach, um den Mast etwas zu entlasten. Danach sicherte Kai den Mast an der Steuerbord-Seite mit unserem Spifall und unserem Gennackerfall. Dann nahm er noch etwas Spannung aus dem Genuafall und nun konnte es losgehen. Er drehte die Steuerbord-Want auf bis diese richtig durchhing und dann ging es ab in den Mast. Dort oben sicherte er den oberen Teil der Want mit unserer Dirk und danach löste er den Bolzen der Want. Nachdem Kai wieder an Deck war, löste er den unteren Bolzen der Want und ich ließ diese langsam herunter, während Kai sie auf unserem Trampolin „zusammenlegte“. Wir schnauften beide auf, als die Want unten war, wir nichts beschädigt hatten und auch unser Mast noch stand.

Mittlerweile war es bereits kurz vor Mittag und so sprangen wir gleich ins Dingi und nichts wie schnell zum Rigger. Die Jungs in der Werkstatt sahen sich die alte Want an und fragten, bis wann wir die beiden neuen denn haben wollen. Wir trauten uns fast nicht zu sagen, dass wir sie am liebsten heute noch hätten. Doch das war überhaupt kein Problem. Der Werkstattleiter meinte, wir könnten um 16 Uhr kommen und dann wären beide fertig. Wow, das hätten wir ja nicht zu träumen gewagt! Es ist zwar nicht wirklich ein riesiger Aufwand, weil eigentlich nur zwei Drahtseile zugeschnitten werden müssen und dann muss an den jeweiligen Enden ein Walz-Terminal aufgepresst werden. Aber hier in der Karibik können die kleinsten Dinge ja oft Ewigkeiten dauern. 

So waren wir absolut positiv überrascht, als wir um 16 Uhr zurück kamen und beide Wanten inklusive Rechnung auf uns warteten. Wahnsinn!

Da könnten wir doch eigentlich gleich noch die neue Steuerbord-Want installieren, denn die beiden Sicherheitsleinen erzeugten eine ziemlich große Resonanz und brummten laut, wenn der Wind hindurchpfiff. Da diese direkt über unserem Schlafzimmer fest gemacht waren, war das nicht so angenehm.

Und so machten wir uns tatsächlich gleich noch daran, die neue Want zu installieren und eine Stunde später war es geschafft. Alles passte und unser Rigg war wieder stabil! So konnten wir beruhigt schlafen.

Am nächsten Tag gab es dann nochmal den gleichen Prozess mit der Backbord-Want. Auch hier klappte alles reibungslos und wir freuten uns riesig, als alles wieder an Ort und Stelle war. 

Der einzige Wermutstropfen waren die Kosten. Solch zwei Metallseile mit 4 Terminals hatten uns geschwind einmal US$1.400,- gekostet. Und das ärgerlichste an der ganzen Sache war, dass die alten Wanten ja gerade mal 6 1/2 Jahre alt gewesen waren und wir nicht damit gerechnet hatten, dass wir diese jemals erneut tauschen müssten. Aber welch Glück, dass Kai nun auch noch unter die Rigger gegangen ist, sonst wäre es sicherlich noch erheblich teurer geworden.

Am Sonntag musste dann noch eine letzte wichtige Sache durchgeführt werden: das Spannen der Wanten. Wir haben eine kleine Broschüre von einem bekannten Mast- und Rigghersteller (Selden), in dem genau erklärt wird, wie man die Wanten korrekt spannt. Das dauerte auch nochmal ca. 1 1/2 Stunden und dann war es endlich vollbracht und unsere Silence war wieder segeltauglich. Da fiel uns ein großer Stein vom Herzen! 

Es stürmt und stürmt und stürmt

Leider hatten wir es gestern Abend nicht mehr geschafft unser Bimini herunter zu nehmen, weil es immer wieder regnete. Und so ließen wir es an Ort und Stelle, in der Hoffnung, dass wir auf Höhe des Biminis sowieso nicht so viel Wind abbekommen und wir es vielleicht gar nicht abnehmen müssen.

Doch da hatten wir natürlich falsch gehofft. Vor Anker kommt der Wind ja immer direkt von vorne, doch da wir nun in den Mangroven vertäut waren, kam der Wind teilweise auch etwas von der Seite. So fuhr er des Nachts ständig in unser Bimini und es klang, als ob es jeden Moment zerreißt. Um 4 Uhr morgens entschieden wir, dass uns das zu riskant ist. Also nichts wie raus und das gute Ding runternehmen. Wir waren fast fertig, als es wieder anfing zu regnen. Jetzt aber schnell! 20 Minuten später saßen wir wieder im Trockenen und der Regen prasselte wie verrückt auf unsere Silence.

So waren wir dann einige Zeit wach, bis der Regen endlich etwas nachließ und wir wieder einschlafen konnten. Zwei Stunden später fingen dann zwei unserer Leinen am Mast an zu schlagen. Also stand Kai wieder auf und befestigte diese an einer anderen Stelle. 

Immer wieder wurden wir durch trommelnden Regen geweckt, schliefen aber glücklicherweise auch immer wieder ein, sobald dieser nachließ.

Am späten Morgen zog der Sturm dann direkt über uns hinweg und der Wind drehte sich in Richtung Südost und nahm nochmals etwas an Stärke zu. Wir schätzen, dass wir nachts ca. 30-35 Knoten Wind hatten, und nun waren es eher 35-45 Knoten. Immer wieder hörten wir Böenwalzen über die Mangroven ziehen und die Büsche, Bäume und Palmen wackelten wie verrückt. Glücklicherweise waren wir in den Mangroven tatsächlich recht gut geschützt und hatten hier an Deck kaum Wind. Wie gut, dass wir uns mit unserer Silence hierher verkrochen hatten. 

Es regnete heute den ganzen Tag immer wieder mehr oder weniger heftig und der Wind blies und blies und blies. Auf dem Regenradar sieht es so aus, dass jetzt gerade (20 Uhr) noch die letzten Ausläufer über uns hinwegziehen und dann haben wir es hoffentlich überstanden. Und vielleicht bekommen wir diese Nacht dann auch etwas mehr Schlaf ab.