Im Sommer erledigen wir normalerweise immer verstärkt unsere Wartungs-, Renovierungs- und Reparaturarbeiten. Und so sind wir seit einiger Zeit damit beschäftigt, unsere Deckenverkleidung in einer unserer Gästekabinen zu erneuern. Diese war total porös und in die kleinen Löcher setzte sich immer herrlich der Schimmel. Bei einer weißen Decke fällt natürlich schwarzer Schimmel ziemlich unschön auf und so war ich mehrmals im Jahr damit beschäftigt, die Decke mit einer Zahnbürste abzuschrubben. Dies sollte nun ein Ende haben.
Wir hatten gedacht, das wäre eine Sache von ein paar Tagen die Deckenverkleidung zu erneuern, aber wie immer wurden uns diverse Steine in den Weg gelegt. So zog sich die ganze Sache nun schon über mehrere Wochen hin.
Zuerst musste die ganze Deckenverkleidung runter. Diese besteht zum einen Teil aus Sperrholz, die mit weißem Kunstleder bezogen sind und an den senkrechten Stellen ist das Kunstleder direkt auf die Decke geklebt.
Leider hatte das alte Kunstleder schwarzen Schaum auf der Rückseite, der beim Ablösen des Kunstleders von der Decke teilweise dort haften blieb. Außerdem war es so gut hinter die Seitenverkleidung der Kabine gesteckt, dass wir diese auch noch rausnehmen mussten, um den alten Stoff abzubekommen. Meine Güte, war das eine Drecksarbeit den ganzen Schaum mit der Spachtel von der Decke zu schaben. Während ich schwitzend und verdreckt vor mich hin arbeitete, löste Kai das alte Kunstleder vom Sperrholz ab. Auch ziemlich aufwändig, weil dieses auf der Rückseite fest getackert war und die Tackernadeln saßen im Abstand von wenigen Millimetern nebeneinander. Einen ganzen Tag waren wir damit beschäftigt einfach nur das ganze alte Zeugs weg zu machen.
Dann stellten wir fest, dass eines der Deckenteile auf der Rückseite einen großen nassen Flecken hatte. Da war wohl Wasser drauf getropft. Das Leck war glücklicherweise schnell gefunden: eine der Schrauben, die den Alurahmen unserer Lucke befestigen, war undicht. Kai dichtete sicherheitshalber alle Schrauben ab und legte das Deckenteil zum Trocknen draußen in die Sonne.
Dann machten wir uns ans Ausschneiden der neuen Teile. Was eigentlich ein einfacher und schneller Job ist, gestaltete sich als schwieriger als gedacht. Denn die Teile waren so lang, dass wir sie nirgendwo hinlegen konnten. Nicht das erste Mal, dass uns das passiert, also improvisierten wir etwas. Kai war mit dem einen Ende des Stoffs auf unserem Gästebett, ich hielt das andere Ende fest und immer wenn er ein Stück angezeichnet hatte, wickelten wir den Stoff etwas auf und weiter ging’s.
Am nächsten Tag legte Kai dann wieder das eine Deckenteil zum Trocknen raus und bespannte die anderen zwei Teile mit dem Stoff und tackerte ihn fest, während ich noch einige Klebereste von der Wand entfernte und dann den ganzen Backbord-Rumpf putzte, weil dort überall schwarzer Staub rumlag.
Am Tag darauf mussten noch zwei Teile umgenäht werden. Also Nähmaschine raus und die Nahten umnähen. Und dann war noch die Unterkonstruktion an manchen Stellen von der Decke abgekommen. Kai klebte diese wieder fest und baute mit einer Latte eine Stütze, damit sie nicht wieder runterkommt bevor der Kleber getrocknet ist.
Das alles war noch in Antigua, doch dann wollten wir lossegeln nach Guadeloupe. Also die zwei fertigen Deckenteile hoch geschraubt, damit sie aus dem Weg sind, den Stoff und alles Werkzeug verstaut und das Projekt erst mal auf Eis gelegt.
Und hier in Dominica ging es dann weiter. Obwohl wir das eine Deckenteile immer wieder zum Trocknen in die Sonne legten, war es am nächsten Morgen jedes Mal wieder feucht. Es war zum Mäusemelken! Kai versuchte es mit der Heißluftpistole. Nee, am nächsten Tag wieder nass.
So fragte Kai irgendwann unseren Freund Jan, ob er eine Idee habe und der hatte den Tipp, dass Kai doch mal probieren solle, ob sich das Brett nicht vielleicht mit Salzwasser vollgesogen hatte. Hm, das könnte natürlich sein. Wir waren die ganze Zeit davon ausgegangen, dass es reingeregnet hatte, aber das Wasser könnte durchaus beim Segeln von überkommenden Wellen stammen. Kai leckte mal am Brett und siehe da: salzig!
Jans Tipp war, die Stelle mit Spüli und Wasser abzuwaschen und danach ordentlich Alkohol darauf zu schütten. Das machte Kai mehrmals, ließ es zwischendurch immer wieder trocken und siehe da, endlich wurde es trockener. Halleluja!
Endlich konnte unser Projekt weitergehen. Kai bespannte noch das letzte Deckenteil und dann wollten wir die bespannten Teile wieder hochschrauben und die anderen Deckenteile mit Tikal (eine Art Silikon) hochkleben. Dabei gab es allerdings noch ein Problem zu lösen: die Teile zum Kleben waren zu schwer und wir wussten vom Austausch im Gästebad, dass diese, solange der Kleber noch feucht war (braucht 24 Stunden zum Aushärten) einfach wieder runterrutschen würden. Damals hatten wir uns mit Panzertape beholfen. Das klappte dieses Mal nicht, weil es sich um eine viel größere Fläche handelte. Zwei Tage überlegte Kai immer wieder und probierte verschiedene Dinge aus, bis es endlich klappte. Wir haben für unsere Näharbeiten schmales doppelseitiges Klebeband. Wenn wir den Stofflappen damit an der Decke festklebten und dann das Tikal unten dran schmierten, dann hielt es.
So beklebten wir das größte Stück mit Klebestreifen, klebten es oben an die Decke, machten eine Spur Tikal direkt unten drunter und klebten dieses fest. Leider kann man nicht das ganze Teil komplett verkleben, weil der Untergrund zu uneben ist und man das dann durch das Leder sehen würde. Also unten auch wieder mit dem Klebestreifen festgeklebt und dann wieder unterhalb eine Spur Tikal und festgedrückt. Dann schnell die Deckenverkleidung hoch und hoffen, dass das so hält. Jawohl, am nächsten Morgen klebte es wunderbar fest.
Jetzt mussten wir das gleiche noch mit zwei Stücken an der Wand machen. Kein Problem, wir haben ja Übung. Dachten wir. Klappte alles wunderbar bis wir die obere Hälfte zu 2/3 mit Tikal eingestrichen hatten, dann ging uns das Tikal aus, weil es in der Mitte durchgehärtet war und sich überhaupt nicht mehr verstreichen ließ. So eine Sch…! Irgendwie kratzten wir alles zusammen was ging und schafften es, das eine Teil immerhin oben festzukleben.
Und das ist jetzt der Stand der Dinge, denn hier in Dominica bekommen wir kein Tikal und müssen somit mit dem Abschluss unseres Projekts warten bis wir in Martinique sind. Irgendwie unbefriedigend wenn man so kurz vorm Ende aufgeben muss und jetzt Tage oder Wochen warten muss, bis es weiter gehen kann.

































































