Seekrankheit adieu

Leider gehöre ich ja auch zu der Gattung Mensch, die leicht mal seekrank wird. Als Kind wurde ich im Auto immer reisekrank und bei längeren Fahrten mussten meine Eltern des öfteren mal anhalten. Kein Wunder, dass ich nun also auch seekrank werde. Glücklicherweise sind die Symptome bei mir nicht besonders stark ausgeprägt, will heißen ich musste bisher zumindest nie die Fische füttern und bei längeren Törns verschwindet die Seekrankheit nach ca. 3 Tagen. Aber bei Tagestörns ist lesen, basteln, unter Deck gehen, … für mich leider selten möglich. Und so langweile ich mich meist ziemlich während des Segelns.

Deshalb habe ich natürlich auch schon alles mögliche ausprobiert, um der Seekrankheit Herr zu werden. Zuerst nahm ich vor ein paar Jahren Tabletten (z.B. Vomex) gegen Seekrankheit. Außer, dass diese mich todmüde machten und völlig ausknocken, halfen sie überhaupt nicht. Ich verschlief fast die ganzen Segeltörns, aber das kann ich auch ohne Tabletten.

Dann probierte ich die Akupunktur-Armbänder. Manche schwören drauf, bei mir war der Glaube daran wohl zu schwach. Sie halfen überhaupt nicht!

Als nächstes waren Scopoderm-Pflaster an der Reihe. Hier klebt man sich ein Pflaster hinters Ohr und über die Haut wird der Wirkstoff Scopolamin an den Körper abgegeben. Das Pflaster wirkt 72 Stunden lang und bei mir war die Seekrankheit wie weggeblasen. Allerdings kommt auch dieses nicht ohne Nebenwirkungen. Bei mir setzte immer zum Endes des zweiten Tages eine der häufigsten Nebenwirkungen ein: Mundtrockenheit. Dies äußerte sich so, dass ich die ganze Zeit Durst hatte. Kaum hatte ich ein Glas Wasser getrunken, schon hatte ich wieder die totale Wüste im Hals.
Andere Nachteile des Pflasters waren der Preis (ca. €5,- pro Pflaster) und, dass man es hier in der Karibik nirgends bekommt und auch in Deutschland nur auf Rezept.

Daher war dies auch nicht die ideale Lösung für mich, obwohl ich es bei mehrtägigen Törns immer noch verwende, es aber entferne, sobald die Nebenwirkungen einsetzen.

So hatte ich für unsere eintägigen Segeltörns immer noch keine Lösung, außer aufs Meer zu starren. Das hilft bei mir super, wird dann aber nach ca. 1-2 Stunden auch super langweilig. Zumindest, wenn keine Delphine, Wale, Tölpel oder andere interessante Tiere vorbeischauen. 

Und so habe ich mich mit Begeisterung auf den Artikel zum Thema Reisekrankheit gestürzt, zu dem mir, wie bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt, einer unserer Abonnenten einen Link gesandt hatte. Lieber Dirk, dafür nochmal herzlichen Dank!

Laut diesem Artikel war eine erfolgversprechende Methode histaminhaltige Lebensmittel zu vermeiden und viel Vitamin C zu sich zu nehmen. Das wollte ich auf unserer Rückfahrt nach Antigua gleich mal ausprobieren. Allerdings entpuppte sich dies als etwas schwieriger als gedacht. Ich hatte eigentlich geplant, nochmal lecker Baguette mit Camembert und Salami zu frühstücken. Dazu gibt es bei uns jeden Morgen eine Kanne grünen Tee. Unterwegs essen wir dann ziemlich viel Obst, wie z.B. Bananen, Kiwis, Ananas, Äpfel und Orangen. Und nach der Ankunft ein schönes zünftiges Abendessen. Ich musste ziemlich lachen, als ich die Liste der Lebensmittel las, die ich vermeiden sollte. Grüner Tee, Camembert, Salami, Bananen, Kiwis, Ananas und Orangen waren dort aufgeführt. Und was sollte ich nun essen? Und wie stellten die sich das mit dem Vitamin C vor, wenn man fast kein Obst essen darf? Nächstes Mal muss ich dieses wohl durch rohes Gemüse ersetzen. Aber dieses Mal gab es für mich zum Frühstück dann Hagebuttentee mit Honigbaguette und mittags einen Apfel. 

Und da ich auch gerade etwas Probleme mit einer Allergie hatte, warf ich zur Sicherheit noch eine Allergietablette ein, die ja auch Antihistamine enthält.

Ich war ganz schön gespannt, ob dies etwas nützen würde. Und was soll ich sagen: es half tatsächlich! Es war nicht so, dass ich nun ohne Probleme den ganzen Tag hätte lesen oder unter Deck rumwurschteln können. Aber mir ging es verhältnismäßig gut und ich saß tatsächlich sogar mal ca. eine halbe Stunde im Cockpit und las in einem Magazin. Und das bei dieser unruhigen See. Das war unglaublich!

Und im Nachhinein erklärte das auch, warum es mir manchmal bei kurzen Segeltörns ziemlich gut ging und manchmal doch eher ziemlich miserabel. Ich hatte bisher keine Ahnung wieso das so unterschiedlich war, aber im Nachhinein vermute ich, dass es mir immer genau dann gut ging, wenn meine Allergie gerade schlimm war und ich Allergietabletten nahm. Diese erzielten dann wohl eine doppelte Wirkung, weil das Antihistamin auch gegen die Seekrankheit half.

Ich werde das mit der histaminarmen Ernährung auf jeden Fall bei unseren nächsten Segeltörns wieder probieren und schauen, ob ich ein paar Vitamin-C-reiche aber histaminarme Lebensmittel finde, die ich während der Fahrt verspeisen kann. Und falls nicht, werde ich auf Vitamin C- Brausetabletten zurückgreifen. Also ich kann jedem, der ebenfalls Probleme mit diesem Thema hat, nur empfehlen, dies auch mal auszuprobieren. Bei mir wirkt es auf jeden Fall und ich hoffe, dass es vielleicht auch ein paar von Euch von dieser leidigen Seekrankheit befreit!

Zurück in Antigua

Da wir uns bezüglich Kais Finger so unsicher waren, beschlossen wir Montag vor einer Woche doch lieber nochmal zum Arzt zu gehen.

Dieser meinte die Infektion sei weg und das mit der Schwellung könne noch eine ganze Weile dauern. Kai solle weitere zwei Wochen nicht ins Salzwasser und somit auch nicht kiten, aber er denke, dass wir beruhigt nach Antigua zurück segeln könnten.

Na bitte, das war doch genau was wir hören wollten. Und so gingen wir noch schnell zum Bäcker, um ein letztes knuspriges Weißbrot zu kaufen und danach hissten wir gleich die Segel und machten uns auf die Fahrt.

Leider war das Wetter mal wieder nicht so wie angekündigt (wäre ja auch mal was neues, wenn der Wetterbericht stimmen würde), wir hatten anstatt schönen Ostwind leichten Nordost, dafür aber glücklicherweise ein paar Knoten mehr als angekündigt. So mussten wir ziemlich hoch am Wind segeln, kamen aber durch den stärkeren Wind dennoch ganz gut voran. Allerdings waren auch die Wellen etwas höher und unangenehmer als vorhergesagt. Im Wetterbericht hieß es, dass es ca. 1m bis 1,5m hohe Wellen aus Osten gäbe, aber in Wirklichkeit waren es dann eher 2m hohe und ziemliche steile Wellen aus Nordosten. Also kein wirklich schöner Törn.

Doch Dank des Tipps von Dirk, einem unserer Blog-Abonnenten, hielt sich meine Seekrankheit in Grenzen. Er hatte mir einen tollen Link zu einem Artikel geschickt, in dem verschiedene Maßnahmen gegen die Seekrankheit erörtert werden. Da ich finde, dass dies ein wichtiges und sehr interessantes Thema ist, werde ich das nochmal in einem gesonderten Beitrag aufgreifen.

Und so kamen wir abends kurz vor Sonnenuntergang recht gut gelaunt in Falmouth an und schafften es noch zu ankern und zu duschen, bevor die Sonne hinter den schönen grünen Hügeln versank!

Immer noch in Deshaies

Es ist eine Never-ending-Story. Wir sitzen immer noch hier fest, weil Kais Finger einfach nicht richtig verheilt ist. Am Montag, den 25.3. waren wir erneut beim Arzt. Kai hatte ja Freitags ein anderes Antibiotikum verschrieben bekommen. Am Wochenende konnten wir mit ansehen, wie sein Finger immer dicker wurde und er bekam als Nebenwirkung des Antibiotikums Nesselsucht zwischen den Beinen. Also stoppte er sofort die Einnahme, warf Antihistamin-Tabletten ein und wir cremten die Stellen mit Kortisonsalbe ein. Montags also wieder zum Arzt. Fazit: zurück auf die vorherigen Antibiotika und diese nochmals 6 Tage nehmen. 

Wir vertrieben uns die Zeit mit kleinen Spaziergängen, suchten einen Geocache, reparierten das Display eines Kartenplotters, versuchten etwas Marketing für unser Spiel zu betreiben, Kai programmierte ein paar zusätzliche Features für seine Anker-App, ich sortierte Unterlagen und machte Ablage, wir nähten nochmal ein paar kleine und größere Taschen und Geldbeutel, …

Sonntag vor einer Woche war die letzte Einnahme der Antibiotika. Der Finger war zwar deutlich abgeschwollen, aber immer noch dick und stellenweise rot. Wir warteten zwei Tage ab und als der Finger ohne Antibiotika nicht schlimmer wurde,  fuhren wir mit unserer Silence erneut nach Bouillante, um unsere Einkäufe nochmals aufzustocken, bevor wir zurück nach Antigua segeln. Auch hatte sich nach zwei Wochen schon wieder einiges an Wäsche angesammelt und so gingen wir auch gleich nochmal in den Waschsalon.

Dienstag waren wir zurück in Deshaies und wollten ursprünglich ausklarieren. Doch Kai war sich nicht wirklich sicher, ob sein Finger nicht wieder schlimmer wurde. Wenn ich die ganzen Stunden zusammenzählen würde, in denen wir schon auf Kais Finger gestarrt und ihn von allen Seiten begutachtet haben, wären wir wahrscheinlich schon bei mehr als einem vollen Tag. Mal fühlte der Finger sich besser an, mal kribbelte und schmerzte er wieder und wir waren der Meinung er wird wieder dicker. Jeden Morgen stehen wir auf, diskutieren unsere Meinung, schauen uns Vergleichsfotos von den Vortagen an und sind uns absolut unsicher. Mit diesem schlechten Gefühl wollte Kai einfach nicht hier wegfahren und da sowieso gerade nicht das schönste Wetter herrschte, beschlossen wir nochmal ein paar Tage zu warten.

Als am Donnerstag alles unverändert war, beschlossen wir, es einfach zu wagen und am Nachmittag auszuklarieren, damit wir Freitags nach Antigua segeln können.

In der Nacht auf Freitag wachte Kai irgendwann auf und sein Finger kribbelte und tat weh. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Am liebsten hätte ich ein Beil genommen und das Miststück abgehackt! Morgens um 7 Uhr schauten wir uns den Finger an und waren uns total unsicher. War er wirklich wieder ganz leicht angeschwollen oder bildeten wir uns das nur ein? Sollten wir nochmal zum Arzt? Aber gegenüber unserem vorherigen Arztbesuch war der Finger ja besser und wahrscheinlich würde der Arzt uns sagen, dass Kai jetzt halt mal abwarten muss. Und das hat er ja im Grunde sowieso vor.

Kai würde am liebsten hier in Dehaies bleiben bis sein Finger wieder richtig in Ordnung ist, weil er momentan sowieso nichts riskieren und somit auf keinen Fall kitesurfen möchte. Aber mir fällt mittlerweile total die Decke auf den Kopf. Wir haben oft recht viel Wind, der uns hier in der Ankerbucht wieder die schrecklichen 30 Knoten-Böen beschert, ich könnte so schön kitesurfen und statt dessen sitzen wir hier fest. Ich bin total frustriert, will ja aber auch nicht riskieren nach Antigua zu segeln. Wenn Kais Finger dann tatsächlich wieder schlimmer wird, dann müssen wir erneut mit dem Bus über die halbe Insel fahren und haben einen Riesenstress. 

Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite würde ich so gerne kitesurfen und auch endlich wegkommen aus dieser schrecklichen Ankerbucht mit ihrem böigen Wind. Heute Nacht haben wir wieder so schlecht geschlafen, weil es draußen klang, als ob ein Hurrikan um unser Boot toben würde. Auf der anderen Seite habe ich Angst, dass die Infektion doch noch nicht ganz beseitigt ist und nochmal wiederkommt. Dann wären wir hier so viel besser aufgehoben. Es ist zum Mäuse melken!