Von Ste. Anne nach Le Robert

Nachdem wir innerhalb einer Woche endlich alle Reparaturen abgeschlossen und die Einkäufe erledigt hatten, fuhren wir lediglich 2 Seemeilen nach Ste. Anne.

Dort wollten wir zum einen zum Arzt, weil wir bereits beide seit mehr als sechs Wochen Schmerzen in einem Gelenk eines Fingers hatten. Zum anderen wollte ich noch in der Boutique vorbei schauen, die ebenfalls Schmuck von mir verkauft.

Der Arztbesuch war relativ schnell abgehakt. Wir mussten ohne Termin lediglich eine halbe Stunde warten und schon waren wir an der Reihe. Der Arzt war sehr nett, konnte uns aber leider nicht wirklich weiterhelfen. Immerhin konnte er einige Dinge wie Zika, Chikungunya und Rheuma ausschließen und meinte, dass es sich wohl um eine Überlastung handeln müsse. Wir sollten die Hände schonen und schauen, ob es besser wird. Bei Kai ist es nun in der Tat weg, ich wache immer noch morgens auf und kann meinen Mittelfinger nur unter extremen Schmerzen bewegen. Über den Tag hinweg wird es dann zwar besser, aber schön ist das nicht und somit bin ich immer mehr der Überzeugung, dass dies keine Überlastung ist.

Glücklicherweise war der Besuch in der Boutique etwas erfolgreicher. Sylvie hatte unheimlich viel von meinem Schmuck verkauft und wollte gerne von allem Nachschub haben. Dort verkaufte ich bisher Ringe, Ohrringe und Halsketten mit kleinen Seeigeln und Ohrringe mit Muscheln, weil Sylvie in ihrer Boutique hauptsächlich Dinge aus natürlichen Materialien wie Holz, Muscheln, Kokosnüsse, … verkauft. Doch als ich ihr meine neuen „Nespresso-Kreationen“ zeigte, gefielen ihr diese so gut, dass sie auch hiervon einige in Kommission nehmen wollte. Wie das Programm für die nächsten Tage aussah, könnt ihr wahrscheinlich erahnen: ich bastelte 3 Tage lang von morgens bis abends und Kai half mir, indem er die ganzen Löcher in die Muscheln bohrte.

Und dann konnten wir uns endlich wieder von Le Marin und Ste. Anne verabschieden und unseren nächsten Programmpunkt angehen. Ein Freund von uns, mit dem wir immer in Union Island gekitet hatten, war nach längerem Aufenthalt in Europa wieder zurück in Martinique und wir wollten ihm natürlich unbedingt einen Besuch abstatten.

So segelten wir also am 7.12. nach Le Robert, wo Jean-Yves momentan mit seinem Boot vor Anker lag. Leider ist das nicht gerade einer der angenehmsten Segeltörns. Zuerst mussten wir gegen den Wind nach Nordosten kreuzen bevor wir dann in einem Schlag bei Vauclin hinter das schützende Barriereriff einbiegen konnten. Da der Atlantik im gesamten Osten von Martinique nicht sehr tief ist (nur ca. 50m) mussten wir überall nach Fischerbojen Ausschau halten. Diese haben den Namen Fischerbojen eigentlich in keiner Weise verdient. Während es sich z.B. in Marokko um Bojen mit einer ca. 2m hohen Fahne mit einem Blinklicht an der Spitze handelt, sind es hier transparente 0,5l-Wasserflaschen, die direkt an die Leinen zum Netz geknotet werden. Bei 1,5-2m Welle sind diese fast nicht zu sehen. Und so starrten wir beide während des gesamten Segeltörns mit Adleraugen aufs Wasser, um den unzähligen „Bojen“ rechtzeitig ausweichen zu können. Teilweise bestanden diese aus fünf bis sechs in ca. 10m-Abstand aneinander geketteten Flaschen, denen wir manchmal lediglich durch eine Wende ausweichen konnten, weil urplötzlich ein ganzes Feld davon vor uns auftauchte. Nach diesem Törn habe ich geschworen, dass ich nie mehr bei einem Fischer in Martinique einen Fisch kaufen werde. Am liebsten würde ich mir mal ein kleines Motorboot mieten und mit diesem hinaus fahren und die ganzen Bojen abschneiden. Die Bojen sind wirklich eine sehr unschöne Sache und für uns und unser Boot auch sehr gefährlich.

Selbst im Kanal, der mit roten und grünen Fahrwasserbojen gekennzeichnet ist, befanden sich überall Fischerbojen. Unglaublich! Links und rechts von uns Riffe und mittendrin die Fischerbojen. Na, da macht Segeln doch so richtig Spaß! Doch glücklicherweise schafften wir es, diese Bojen alle zu umfahren und kamen um 16:30 Uhr ziemlich geschlaucht in Le Robert an.

Jean-Yves freute sich riesig uns zu sehen und kam gleich mit dem Dinghi rüber. Er hatte für diesen Nachmittag bereits für 17 Uhr ein befreundetes Pärchen zum Mexican-Train Spielen eingeladen und natürlich sollten wir auch kommen. Wir waren zwar etwas k.o. von dem anstrengenden Segeltag, aber natürlich wollten wir nicht absagen und so duschten wir ganz schnell und fuhren dann mit dem Dinghi rüber zu Jean-Yves. Es war ein richtig schöner Abend und wir hatten sehr viel Spaß!

Da es uns hier sehr gut gefiel (die Bucht ist quasi von allen Seiten geschützt und nachts schliefen wir wie die Babys) und Jean-Yves sich auch so sehr über unseren Besuch freute, beschlossen wir ein paar Tage hier zu bleiben. Und auch diese Tage waren wieder sehr ausgefüllt. Zum einen war ich schon wieder am Basteln, weil ich noch einige Dinge für den Shop in Antigua fertig stellen wollte, zum anderen gab es fast immer ein straffes Programm. Jeden zweiten Tag wurde nachmittags um 17 Uhr Mexican Train gespielt und meist beendeten wir die Spiele erst so gegen 22 Uhr. Da wir normalerweise lediglich etwas Obst und Kefir zu Mittag essen, musste dann bereits spätestens um 16:30 Uhr unser Abendessen auf dem Tisch stehen. Das brachte unsere Essgewohnheiten ganz schön durcheinander.

An einem Nachmittag waren auch wir Gastgeber eines Mexican-Train-Abends und da gerade noch andere Freunde von Jean-Yves in der Bucht angekommen waren, quetschten wir uns insgesamt zu acht an unseren Salon-Tisch. Jeder hatte ein paar Leckereien und Getränke mitgebracht und so wurden immer wieder kurze Essenspausen eingelegt, bevor es dann voll Eifer mit dem Spiel weiterging. Die Franzosen sind einfach so nett und herzlich und man fühlt sich nach zwei Tagen, als ob man sich schon ewig kennen würde!

An einem Vormittag brachte mir eine Freundin von Jean-Yves bei, wie man kleine Körbchen aus Palmblättern flechtet. Diese werden hier auf allen Inseln verkauft und es machte riesig Spaß das zu lernen!

Und an einem anderen Vormittag nahmen uns die Freunde von Jean-Yves mit zum Einkaufen, damit wir vor allem unsere Obst- und Gemüsevorräte vor der Abfahrt nach Antigua nochmals auffrischen konnten.

Uns fiel der Abschied ziemlich schwer, aber da sich gerade ein gutes Wetterfenster auftat, beschlossen wir, am 14.12. weiter zu segeln nach Antigua. Wir hatten 5 wunderschöne Tage verbracht und hoffen, dass wir die ganzen neuen Bekanntschaften vielleicht in diesem Jahr irgendwo wieder sehen werden.

Und was auf der Reise von Martinique nach Antigua passierte, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag.

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