Aufregung am Abend

Vorgestern am späten Abend waren wir gerade so schön am „Fernsehen“ im Bett, die Spannung stieg bei „Prison Break“, als der Wind draußen immer mehr zunahm. Es gingen einige heftige Böen über unser Boot und dann fing es auch schon an zu regnen. Der Wind brauste und pfiff wie wild.

Kai sprintete aus dem Bett und schaltete im Salon unsere Windanzeige an. Wir hatten 32 Knoten, doch das war erst der Anfang. Der Wind pfiff immer mehr und die Anzeige stieg immer weiter. Bei 50 Knoten (ca. 90 km/h) hörte es sich an, als ob es uns draußen unser Bimini abreisst. Wow, solch einen heftigen Regenschauer hatten wir auf unserer Silence bisher nur ein einziges Mal erlebt!

Wir schauten bange nach draußen und sahen plötzlich ein Licht im Wasser, nur ein paar Meter hinter unserem Heck. Ach herrje, war da etwa jemand mit dem Dingi unterwegs? Aber nein, irgendwie war das Licht genau auf der Wasseroberfläche. Was könnte das nur sein? Und auf einmal wusste ich die Antwort. Ein schneller Blick an die Backbordseite unseres Hecks und ja, es war unser Rettungsring inklusive des Markierungslichts. Den hatte es wohl bei dem heftigen Wind weggerissen. So ein Mist!

Leider war der Ring schon zu weit entfernt, um ihn mit unserem Bootshaken zu greifen und bei dem Wind wollte auch keiner von uns ins Dingi, um ihm hinterher zu fahren. 

So schauten wir im Internet aufs Regenradar von Martinique, um zu sehen, ob der Spuk bald vorüber sei. Olala, da zog gerade ganz schön was über uns hinweg. Der Schauer reichte von Martinique bis runter nach St. Lucia und war auch ziemlich breit. Also beschlossen wir erst einmal abzuwarten.

Wir sahen das Licht unserer Boje lustig auf den Wellen tanzen und sich langsam aber sicher immer weiter von unserem Boot entfernen. Wir hätten sie so gerne zurück geholt, aber bei immer weiteren Böen von über 40 Knoten hielten wir das für etwas zu riskant. Aber sie einfach wegtreiben lassen, das wollten wir halt auch nicht. Zum einen war der Ring noch ziemlich neu und zum anderen wollten wir nicht, dass jemand denkt, dass eine Person auf dem Meer in Not ist und eine riskante Rettungsaktion durchführt.

Als der Wind nach ca. 15 Min. endlich nachließ, hüpfte Kai sogleich ins Dingi und raste unserer Boje hinterher, die wir mittlerweile nur noch als kleines Licht am Horizont ausmachen konnten. Irgendwann erlosch das Licht und ich hoffte, dass dies bedeutete, dass Kai sie gefunden hatte. Und tatsächlich kam er kurz darauf zurück und konnte mir freudestrahlend unseren Rettungsring mitsamt Markierungsboje unversehrt wieder an Bord geben!

Der Sturm hatte sich mittlerweile auch gelegt, doch bevor wir wieder ins Bett gingen, hörten wir noch einen Notruf über Funk. Im Kanal zwischen Martinique und St. Lucia war ein 9m langes Segelboot entmastet worden und die beiden Passagiere baten um Hilfe. Meine Güte, wer segelt denn bei solch einem Wetter mitten in der Nacht mit einem kleinen Boot über den Kanal?! Dennoch taten uns die beiden leid und wir waren froh, dass es bei uns lediglich den Rettungsring mit Boje weggeblasen hatte und kein größerer Schaden entstanden war!

Yole-Regatta in Martinique

Am Sonntag früh morgens sahen wir, dass hier am Strand von Ste. Anne ganz schön was los war. Überall waren kleine Pavillons, Sonnenschirme, Stühle und Tische aufgebaut und der Strand wurde immer voller. 

Als wir genauer hinschauten, sahen wir auch einige Yolen im Wasser liegen. Während wir mit dem Wort Jolle (was nachweislich den gleichen Wortstamm hat) eher ein kleines Segelbötchen verbinden, sind das hier auf Martinique ziemlich große stabile Holzboote mit zwei großen Segeln. Ursprünglich waren sie Fischerboote, doch heute werden sie hier auf Martinique nur noch für traditionelle Segelregatten gebaut und das Yole-Segeln ist der größte Nationalsport der Insel.

Die Boote sind ca. 10,5m lang, aus massivem Holz und die beiden Segel haben zusammen eine Fläche von ca. 100qm. Sie werden von einer 15-18 köpfigen Mannschaft gesegelt, wovon 2-3 am Ruder sitzen, mindestens einer permanent Wasser schöpft, einer das Vorsegel beim Wenden bedient, einer das hintere Segel bedient und der Rest der Mannschaft sitzt auf langen Holmen, um das Boot waagerecht zu halten und durch Gewichtsverlagerung am Kentern zu hindern. Das sieht wirklich richtig nach Sport aus!

13 Boote standen mit wunderschönen bunten Segeln am Strand und wir warteten mit Spannung auf das Startsignal. Allerdings waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir uns freuen sollten, dass wir einen Platz in der ersten Reihe hatten oder ob wir eher besorgt sein sollten.

Das Startsignal ertönte und tatsächlich hielten auch schon ein paar Boote direkt auf uns zu. Mir blieb fast das Herz stehen, als sie immer näher kamen und die ein oder andere Bö in die Segel schoss. Einige Boote neigten sich immer mehr und die Mannschaft hatte alle Hände voll zu tun, um nicht zu kentern. Und dann schossen sie auch schon rechts und links wenige Meter von uns entfernt vorbei und ich merkte wie ich erleichtert aufatmete, als uns alle passiert hatten. Wir waren tatsächlich mitten drin statt nur dabei!

Beim ersten Rennen kamen sie drei Mal ganz nah bei uns vorbei und wir hatten wahrhaft einen Logenplatz. Meine Güte muss das anstrengend sein, die ganze Zeit auf den Holmen rumzuturnen, teilweise mit den Füßen im Wasser baumelnd und nur noch mit dem Oberkörper und den Armen auf dem Holm. Dann schnell hochziehen, wieder nach innen rutschen, bei der Wende geschwind auf die andere Seite, dort wieder raus auf den Holm, … Wahnsinn! Das nenne ich mal Sport!

Da war so richtig Action angesagt, zumal wir heute auch viel Wind hatten. Teilweise blies der Wind mit ca. 25 Knoten durch die Bucht und traf die großen Segel mit voller Wucht. Nicht nur eines der Segel zerriss bei einer der vielen Böen. Wir sahen bei der zweiten Runde bereits ca. 1/3 der Boote mit mindestens einem kaputten Segel an uns vorbei ziehen. Einige waren auch gekentert, Masten waren gebrochen und sie hatten das Boot nicht mehr hochbekommen und mussten somit zurück an den Strand geschleppt werden. Das ist ja eine ganz schöne Materialschlacht!

Insgesamt fanden drei Rennen statt und beim letzten Rennen hatten bereits alle ihre Segel repariert bzw. ausgetauscht, so dass nochmal das komplette Startfeld an uns vorbeizog. Welch ein tolles Spektakel und wir durften es so hautnah miterleben! So macht segeln sicherlich etwas mehr Spaß als mit unserem „Wohnmobil“ 😉

Was wird aus unserem alten MacBook?

Kai hatte mittlerweile im Internet in Deutschland gebrauchte Displays für unser altes MacBook gefunden oder auch einen Händler der die Grafikplatte reparieren könnte. Doch um uns für eine der beiden Optionen entscheiden zu können, mussten wir erst einmal sicher wissen, was denn nun kaputt ist. 

Kai tippte immer mehr auf die Grafikkarte, obwohl diese bereits vor 3 Jahren einmal von Apple nach einer Rücknahmeaktion getauscht worden war. Doch bevor wir das MacBook zur Reparatur nach Deutschland schicken würden, hätten wir das doch gerne sicher gewusst.

Also fuhren wir montags mal wieder mit dem Dingi von Ste. Anne nach Le Marin und machten uns dort auf die Suche nach einem Computerladen, den Kai ebenfalls im Internet entdeckt hatte (was würden wir nur ohne Internet machen?!) 

Glücklicherweise war der Computerladen nicht allzu weit entfernt und so standen wir ca. 45 Minuten später schon im Geschäft. Wir erklärten dem jungen Mann unser Problem und er erbot sich sofort unser MacBook mal an einen seiner Monitore anzuschließen. Doch leider hatte er nicht das richtige Kabel. So musste er also erst einmal etwas „rumkruschteln“ bis er irgendwo noch ein altes DVI-Kabel fand und es einstöpseln konnte. Und wie sie sehen, können sie nichts sehen! Der Bildschirm war und blieb schwarz und somit konnten wir uns nun doch sehr sicher sein, dass unsere Grafikkarte kaputt war. Der nette junge Mann wollte seine Dienste noch nicht einmal bezahlt haben und meinte nur, das wäre schon okay! Ach wie nett!

So, jetzt muss also ein Karton her, in dem wir unser MacBook versenden können. Glücklicherweise gibt es hier mittlerweile auch Mülltrennung und so konnten wir uns aus den Müllcontainern in der Marina ein Prachtstück von Karton heraus angeln.

Wir wickelten unser MacBook in Knallfolie und stopften den Karton mit Zeitungspapier aus. So, jetzt war er bereit zum Versand, doch leider standen wir schon wieder vor dem nächsten Problem. Wir haben hier ja gar keine Adresse, müssen auf dem Aufkleber aber eine Absender-Adresse eintragen, falls das Paket aus irgendwelchen Gründen zurück käme. Da musste nun Sylvie nochmal herhalten. 

Also fuhren wir am nächsten Tag wieder zu ihrer Boutique in Ste. Anne und fragten sie, ob wir ihre Anschrift als Absender-Adresse verwenden dürften. Ja, klar, das dürfen wir! Super, die nächste Hürde genommen. Leider hatte die Post mittlerweile zu, weil sie immer nur vormittags geöffnet hat und so mussten wir uns mit dem Versand bis zum nächsten Tag gedulden.

Der Versand klappte dann besser als erwartet. Die Dame auf der Post war superfreundlich (das hatten wir bisher weder auf der deutschen noch auf der französischen Post erlebt) und half uns sogar beim Ausfüllen des Formulars. Und nachdem wir €56,- berappt hatten, war unser Paket auf dem Weg. Nun müssen wir nur noch hoffen, dass es unversehrt in Deutschland ankommt und die Reparatur klappen wird. 

Denn auch wenn wir nun ein anderes gebrauchtes MacBook haben, so hätten wir unseres doch auch gerne wieder. Zum einen, weil es einen 17 Zoll-Bildschirm hat, auf dem es sich etwas besser fernsehen lässt und zum anderen, weil wir dann somit auch ein Ersatz-MacBook hätten, denn nochmal wollen wir ungern so ganz ohne Computer sein.

Doch momentan sind wir erst einmal froh, das Thema MacBook nach fast zweiwöchigem Aufwand vorerst ad acta zu legen, bis unser altes MacBook in Deutschland angekommen ist.