Füße vertreten in Fort-de-France

Wo wir schon mal hier in der Hauptstadt Martiniques waren, wollten wir das Flair der Stadt auch wieder etwas genießen. Hier gibt es eine kleine Fußgängerzone, etliche Museen, viele alte tolle Häuser, Parks,…

Wir starteten in einem schönen Park direkt gegenüber des Stadtstrands und am Fuße des großen Forts, das über der Stadt thront. Es wird auch heute noch vom französischen Militär genutzt und ist deshalb nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Dazu hatten wir heute keine Lust, deshalb liefen wir nur kurz am Fort entlang, bewunderten einen Teil der alten Stadtmauer und gingen dann durch den Park weiter in die Stadtmitte.

Einfach nur durch die Gassen zu schlendern macht hier richtig Spaß. Denn in jeder Straße stößt man entweder auf ein schönes altes Gebäude oder ein herrliches Mural. Wir ließen uns treiben und sahen uns viele Dinge, die wir teilweise auch schon kannten, einfach noch einmal an.

Wie z.B. die Bibliothek Schoelcher. Diese entstand 1886/87 in den Tuilerien in Paris und wurde später, in Einzelteilen zerlegt, nach Fort-de-France (FdF) verschifft. Victor Schoelcher, ein Abgeordneter der Nationalversammlung, hatte seine umfangreiche Büchersammlung dem Conseil Général de la Martinique vermacht und dieser beauftragte den Bau der neuen aus einer Metallkonstruktion hergestellten Bibliothek. Bis dahin gab es in Martinique fast nur Holzgebäude, die des öfteren Bränden zum Opfer fielen. Da man um die Sicherheit der Büchersammlung fürchtete, gab Martinique den Bau dieser Bibliothek aus Metall in Auftrag, doch leider konnte man damit das Schicksal nicht abwenden. Bevor die Bibliothek in Fort-de-France eröffnet werden konnte, fiel der Großteil der Büchersammlung einem Großbrand im Jahre 1890 zum Opfer. Dennoch findet man im großen Saal noch unzählige alte Bücher. Diese sind natürlich unter Verschluss und dürfen nur von weitem bewundert und leider auch nicht fotografiert werden. Jedes Mal wenn wir in FdF sind, zieht mich diese Bibliothek magisch an. Ich kann mich einfach nicht sattsehen an ihrer Fassade und innen bekomme ich jedes Mal eine Gänsehaut beim Anblick der tollen alten Bücher.

Die Bibliothek ist übrigens heute noch in Betrieb und für jedermann frei zugänglich. So erholten wir uns im schönen klimatisierten Leseraum etwas von der Sommerhitze und blätterten in einer alten Ausgabe der Encyclopaedia Britannica und in diversen anderen Büchern.

Danach waren wir gut erholt und erklommen über einen kleinen Kreuzweg einen Hügel mit einer Kapelle, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht über FdF hat.

Dann ging es durch einen Park zurück in die Stadtmitte, wo wir uns vorbei an mehreren Museen, der Post und einigen tollen Wandgemälden auf den Weg zu unserer Silence machten.

Martinique versus Dominica

Leider konnten wir in St. Pierre gar nicht gemütlich mit unserem Dingi an Land fahren, weil wir ein Problem mit unserem Außenborder haben. Seit ein paar Tagen machte dieser beim Fahren komisch scheppernde Geräusche und uns war mittlerweile Angst und Bange, dass uns demnächst der Motor um die Ohren fliegt. So war erst einmal rudern angesagt.

Kai ruderte in St. Pierre einmal kurz an Land, um sich etwas die Beine zu vertreten und dann beschlossen wir, weiter nach Fort-de-France, der Hauptstadt Martiniques, zu fahren. Denn dort kann man direkt vor der Stadt ankern und einigermaßen bequem mit dem Dingi zu einem großen Steg rudern.

Das taten wir dann auch und machten mit dem Bus einen Ausflug zum örtlichen Yamaha-Händler. Zum einen wollten wir fragen, ob sich für unseren Motor die Reparatur lohnen würde und falls nicht, ob er einen Yamaha Enduro 15PS auf Lager hat. Wir vermuteten, dass es sich um einen Kurbelwellenschaden handelt, wollten aber vorher selbst noch ein paar andere Möglichkeiten ausschließen. Leider war der Leiter der Reparaturwerkstatt nicht da und den Motor, den wir gerne hätten, hatten sie momentan auch nicht auf Lager. Sie bekommen erst wieder Ende Oktober einen. Na super!

So nahmen wir uns vor, erst mal noch abzuwarten bis wir in Ste. Anne auf unseren Freund Chris stoßen würden. Christ hatte früher eine Motorradwerkstatt in Deutschland und kennt sich sehr gut mit Motoren aller Art aus. Lassen wir ihn am besten Mal eine Diagnose stellen.

Da wir aber nun schon ein Tagesticket für den Bus hatten, nutzten wir die Gelegenheit und fuhren noch zu Decathlon und ins große Einkaufszentrum.

Wir sind immer wieder von neuem erstaunt, welche Welten hier in der Karibik aufeinanderprallen.
Dominica ist wirklich wunderschön, aber man wird dort in der Zeit zurückversetzt. Die zweitgrößte Stadt der Insel hat noch nicht einmal einen vernünftigen Supermarkt. Das Vollweizenmehl, das wir dort gekauft hatten, war nach einer Woche so von Motten durchzogen, dass ich es sofort über Bord schmiss. Die Hühnchenteile waren voller Knochensplitter und Knorpel, so dass uns beim Essen fast der Appetit verging und das Brot ist so trocken, dass man es nur mit viel Belag essen kann. Die Auswahl an Käse war auch nicht gerade hervorragend: es gab eine Sorte Cheddar, der von einem großen Käse abgeschnitten und in Plastikfolie gewickelt war.
Die Straßen in Dominica sind zwar sehr gut, aber alle nur einspurig und die meisten Autos, die dort fahren, würden bei uns in Deutschland auf dem Schrottplatz landen. Nach einem Baumarkt muss man lange suchen und ein Möbelgeschäft gibt es überhaupt nicht. Die Möbel muss man sich in einer Schreinerei anfertigen lassen.

Und dann kommt man nach Martinique. Der kleinste Ort hat einen vernünftigen Supermarkt. Es gibt McDonalds, Eisdielen, Restaurants,… Es gibt Ampeln, Kreisverkehre und Schnellstraßen mit bis zu 6 Spuren plus extra Busspur. Man findet hier Decathlon, Baumärkte, Möbelhäuser, Elektrofachgeschäfte und ein großes Einkaufszentrum mit Modegeschäften, Apotheke, Supermarkt und allem was das Herz begehrt.

Einfach unglaublich wie unterschiedlich zwei Inseln sein können, die noch nicht einmal 100 Kilometer auseinander liegen. Und nach so langer Zeit in Antigua und Dominica kosteten wir diese Vielfalt natürlich in vollen Zügen aus!

 

 

August 2025 – Typischer Sommer

Nach den schönen Tagen in St. Pierre ging für uns dann erst einmal der typische Sommer-Einkaufs- und Reparatur-Marathon los.

In Le Marin durchkämmten wir mal wieder alle Schiffszubehörläden, Baumärkte, Haushaltswarengeschäfte, Supermärkte und Bioläden, um die Dinge auf unserer gefühlt meterlangen Einkaufsliste zu bekommen. Mehrere Tage rannten wir den lieben langen Tag durch die Geschäfte und waren abends komplett erschlagen.

Doch immerhin waren wir recht erfolgreich. Ich würde schätzen wir bekamen ca. 2/3 der Sachen auf unserer Liste. Nicht schlecht!

Und nachdem wir nun einiges an Ersatzteilen und Werkzeugen bekommen hatten, machten wir uns gleich an die Reparatur- bzw. Ausbesserungarbeiten.

Unsere Schlingerleisten mussten dringend von einer alten Lackschicht befreit werden. Lack war uns von anderen Seglern als das non plus ultra für die Schlingerleisten angepriesen worden, leider stellte sich das als ziemlich blöde Idee heraus, weil dieser nach noch nicht einmal einem Jahr anfing abzubröseln. Somit wollten wir es nun mit Teaköl probieren. Aber hierzu musste erst einmal die alte Lackschicht runter. Glücklicherweise hatten wir im Baumarkt eine Heißluftpistole bekommen und mit dieser ließ sich der Lack recht gut lösen. Dann mussten die insgesamt 22m langen Leisten noch von beiden Seiten mit Lauge abgeschrubbt werden, dann noch einmal das selbe mit Oxalsäure und danach mussten noch die Furchen rausgeschliffen werden. Eine Heidenarbeit, die sich insgesamt über eine ganze Woche hinzog. Aber ich glaube das Ergebnis kann sich sehen lassen. Jetzt sind wir gespannt, ob es mit dem Teaköl länger schön bleibt.

Unser Dingi verlor ein kleines bisschen Luft, aber es war nicht einfach zu finden, wo die Luft entwich. Letztendlich entdeckte Kai ganz vorne am Bug ein kleines Loch und vorsichtshalber klebte er über die ganze Breite ein paar Hypalon-Flicken.
Eigentlich müsste da bald mal ein neues Dingi her, aber als wir uns nach den Preisen erkundigten, bekamen wir fast einen Herzinfarkt. Wir hatten vor 9 Jahren etwas mehr als €3.000 für unser Dingi bezahlt, jetzt kostet es über €5.000. Das entspricht einer jährlichen Inflation von 5,8%. Ich habe mal nachgeschaut und gefunden, dass die Inflation in Deutschland im gleichen Zeitraum bei durchschnittlich 2,6% lag. Da haben wir hier also mehr als die doppelte Inflation. Kein Wunder, dass ich das Gefühl habe, dass unser Geld überhaupt nichts mehr wert ist!
Und somit muss unser Dingi wohl dann doch noch eine Weile am Leben erhalten werden.

Des weiteren war an unserem Trampolin bereits vor einigen Monaten eine Halterung abgerissen, die wir leider in Antigua nicht bekamen. Glücklicherweise gab es sie hier in Le Marin.
Außerdem testeten wir mal unsere Sicherheitsboje. Oh weia, die ist komplett kaputt. Da muss wohl auch mal eine neue Lösung her.

Dann gab bzw. gibt es noch ein größeres Projekt. Wir brauchen unbedingt ein neues Bimini (das Dach über unserem Cockpit ist komplett undicht). Nachdem es letztes Jahr nicht geklappt hatte, dieses in Trinidad nähen zu lassen, haben wir uns nun vorgenommen es selbst zu machen. Doch dafür wollten wir erst einmal das Gestänge des Biminis in Ordnung bringen. Früher gab es einen Teil im Dach, den man öffnen konnte, um beim Segeln das Großsegel besser zu sehen. Diese Öffnung hatte der Voreigner jedoch bereits zugenäht und damit das alles nicht so sehr im Wind flappt, hatte er ein paar kleine Segelstangen angebracht. Nicht schön, aber zweckmäßig. Und diese Konstruktion wollten wir bei dieser Gelegenheit endlich loswerden und uns einen Bogen Edelstahl anschweißen lassen. Auch das konnten wir hier in Le Marin erledigen.

Und einige Näharbeiten gab es natürlich auch: an einem Sonnenschutz war der Reißverschluss abgegangen, wir brauchten dringend mal neue Kissenbezüge im Salon und unsere Vorhänge waren komplett ausgebleicht.

Ab und an zog die ein oder andere tropische Welle über uns, aber glücklicherweise gab es jedes Mal nur etwas Wind und Regen und wir vertrieben uns dann mal einen Tag mit einem Spielenachmittag. Denn bei geschlossenen Fenstern ließ es sich absolut nicht arbeiten. Wir hatten teilweise morgens um 7 Uhr schon fast 29 Grad Celcius. Da wird der kleinste Job zur schweißtreibenden Aufgabe. Aber ich will nicht meckern, mir ist es lieber ich schwitze, wie dass ich friere, Kai stimmt mir da aber nicht zu. Der Arme stand aber auch teilweise in seinem eigenen Saft und tropfte bei jeder kleinen Bewegung.

Als Bezahlung für Näharbeiten für einen Bekannten bekamen wir von ihm ein paar frisch gefangene Feuerfische. Unsere ersten Feuerfische und wir waren beide begeistert. Das Fleisch ist zwar fest aber trotzdem sehr saftig. Absolut lecker!

Und wir selbst belohnten uns auch einmal: Donnerstags ist in einer von Deutschen geführten Bar Wurstabend. Da gibt es alle Würste zum halben Preis. Und da aßen wir beide eine echte deutsche Currywurst mit Wedges. Ein Genuss!

Gerne wären wir den kompletten Sommer hier geblieben und hätten eifrig an unserer Silence weiter gearbeitet, aber leider mussten wir noch nach Carriacou, um dort kurz auf die Werft zu gehen. Davon im nächsten Beitrag mehr.