Frigate Rock

Die letzten Tage hatten wir hier ziemliches Schietwetter. Der Wind kam aus Süden und teilweise sogar aus Südwesten (normalerweise haben wir Ostwind) und es liefen solche Wellen in die Bucht, dass wir nachts fast nicht schlafen konnten. So verholten wir uns in die Nachbarbucht und „wetterten“ den Südwind dort ab.

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Vorgestern kamen wir dann zurück zum Frigate Rock, doch auch in dieser Nacht sollten wir nicht allzu gut schlafen, denn nun kam der Wind zwar wieder aus Osten, doch es blies die ganze Nacht mit rund 30 Knoten.

Da es morgens zudem immer noch bewölkt war und ab und an nieselte, beschlossen wir, eine schon seit längerem auf unserer Liste stehende „Reparatur“ anzugehen. Da die Verbindung zwischen dem Kühlschrank und dem Kompressor nicht isoliert ist, tropfte uns hier immer Wasser in ein sehr schwer zugängliches Fach unter unserer Eckbank. Seit Jahren hatten wir, damit uns das Wasser nicht durch den ganzen Stauraum unter der Eckbank läuft, eine Windel untergelegt, die wir wöchentlich wechseln mussten. Bereits in Martinique hatten wir uns PU-Schaum gekauft und damit wollten wir die Isolierung des Kühlschranks nun endlich verbessern.

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Doch dazu musste ich erst einmal ein großes Staufach, in dem wir die ganzen Konserven gelagert haben, komplett ausräumen und danach machte Kai sich ganz klein und krabbelte in eben dieses Fach hinein. Der Ärmste passte gerade so hinein und hatte seine wahre Mühe den Bauschaum in die richtigen Ecken zu sprühen. Doch es klappte alles wunderbar und ein paar Stunden später konnten wir auch schon die ganzen Konserven wieder einräumen. Ich glaube, wir müssen keine Angst haben, dass wir jemals Hunger leiden müssen, denn die ganzen Konserven, die ihr auf dem Photo seht, sind nur die Überbleibsel von den Vorräten, die wir vor mehr als fünf Monaten in Martinique gekauft haben 😉

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Da es mittlerweile endlich aufgeklart hatte, beschlossen wir, zur Erholung von dieser vor allem für Kai schweißtreibenden Arbeit noch einen kleinen Spaziergang zum Frigate Rock zu machen. Es ist kaum zu glauben, aber obwohl wir hier mittlerweile insgesamt schon fast ein gesamtes Jahr verbracht haben und schon ganz Union Island zu Fuß erkundet haben, so sind wir doch noch nie auf den Frigate Rock hoch gekraxelt. Leider schafften wir das auch gestern nicht, weil wir zu spät dran waren, aber immerhin kamen wir bis zu einer Stelle mit super Ausblick.

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Und vielleicht schaffen wir es vor unserer Abreise ja mal noch bis ganz auf die Spitze zu klettern. Der Ausblick würde sich sicher lohnen!

Interessante Menschen

Eines der schönen Dinge an unserem Nomadenleben ist, dass wir auf so viele verschiedene und vor allem auch sehr interessante Menschen treffen.

Einige, wie z.B. unsere Freunde Lise & Johan, haben ihr Boot in jahrelanger Arbeit selbst gebaut und es wunderbar wohnlich ausgestattet mit einer richtigen Küche, Waschmaschine, Wohnzimmersessel, Wassermacher…

Dagegen haben Nelli & Jaques, die wir gerade letzte Woche kennenlernten, eine doch sehr spartanische Ausstattung. Auch Jaques hat sein Boot selbst gebaut, lebt mit seiner Frau seit mehr als 30 Jahren auf dem Boot, und die beiden haben keinen Wassermacher, sondern lediglich zehn 5-Liter-Kanister für Wasser, keinen Kühlschrank und nur einen kleinen Gaskocher. Das ist für mich unvorstellbar und im Vergleich hierzu kommt mir unser Boot wie ein Luxusschiff vor.

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Auch Bernadette & Pascal sind schon seit ca. 20 Jahren mit ihrem Eigenbau unterwegs. Ihr Sohn Gaston hat bis letzten Monat sein ganzes 15 jähriges Leben auf dem Boot verbracht und ist jetzt zum ersten Mal in Frankreich in der Schule. Die drei haben schon Unglaubliches erlebt, wie z.B. die zigfache Umrundung von Kap Horn. Sie waren mit ihrem Boot mehrere Jahre in Patagonien und sind schon mehrfach in der Antarktis durchs Eis gepflügt. Auch das ist für mich unvorstellbar und wäre mit unserem Boot auch nicht machbar. Doch nun haben Bernadette & Pascal Gefallen an der Karibik gefunden und möchten ihren „Eisbrecher“ gerne gegen einen kleinen Katamaran eintauschen. Rechts auf unserer Internetseite findet ihr ein Foto mit einem Link auf die englische Internetseite der Valhalla, die nun zum Verkauf steht. Also, wer ein stabiles Boot zum Segeln in etwas kühleren Gewässern sucht, der liegt damit sicherlich richtig.

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Außerdem steht auch noch das kleinere und etwas handlichere Einrumpfboot unserer Bekannten Vera & Erich zum Verkauf. Den Link hierzu findet ihr ebenfalls rechts auf unserer Internetseite.

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Obwohl wir nicht zu dem Typ Segler gehören, der sich jeden Abend zum Sundowner mit anderen Langfahrtseglern in einem der unzähligen Treffs zusammenfindet, so lernen wir doch auch durchs Kitesurfen immer wieder neue Leute kennen. Wenn kein Wind zum Kiten ist, arbeiten wir manchmal die ganze Woche nur an unserem Boot und reden mit keiner anderen Menschenseele und dann gibt es Tage, wie vergangenen Montag, wo wir fast schon zu viele Bekannte auf einmal treffen.

Eigentlich hatten wir am Montag nur geplant morgens vom Frigate Rock eine halbe Stunde nach Clifton zu motoren, um uns dort mit Sarah & Luc zu treffen. Sie haben ebenfalls eine Lagoon, mit 62 Fuß allerdings deutlich größer als unsere. Luc war General Manager einer bekannten Computerspiele-Firma und wir wollten von ihm ein paar Tips einholen, da wir gerade dabei sind, ein Spiel fürs iPad zu entwickeln (dazu dann mehr im nächsten Blogbeitrag).

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Doch bevor wir Anker auf gingen, kamen noch Jaques & Nelli vorbei, um sich zu verabschieden und bei uns nochmal geschwind den Wetterbericht anzuschauen, da sie kein Internet haben. So fuhren wir dann erst etwas später nach Clifton und trafen uns dort um 13 Uhr zum Kaffee mit Sarah & Luc. Als wir dann um ca. 16:30 Uhr zurück zu unserem Boot wollten, sahen wir, dass andere Bekannte gerade angekommen waren.

So fuhren wir zu einem kleinen Plausch bei Ann & Umberto vorbei. Die beiden haben einen 57 Fuß langen holländischen Eigenbau (den sie allerdings gekauft haben) und Umberto hat auch einen etwas außergewöhnlichen Beruf: er ist Komponist.

Um 17 Uhr waren wir wieder zurück an unserem Boot, genau rechtzeitig um Agnes & Thierry mit dem Dingi vorbei fahren zu sehen. Die beiden hatten wir vor ein paar Monaten am Frigate Rock kennengelernt, wo wir zusammen mit Jean-Yves (der übrigens Fallschirmjäger beim französischen Militär war), einen tollen Domino-Abend verbrachten. So luden wir die beiden spontan für abends zum Domino ein, da sie bereits am nächsten Tag weiter auf die Tobago Cays wollten.

Nach einem lustigen Domino-Abend, an dem wir mal wieder unsere französischen Sprachkenntnisse auffrischen konnten, fielen wir dann um Mitternacht völlig fertig ins Bett!

Beim Baden in der Tyrell Bay sahen wir nicht nur Fische

Vergangene Woche klarierten wir in Union Island aus, da eine Wetterstörung (die zu einem Hurrican hätte führen können) vorhergesagt war, die uns für einige Tage Südwind und für einen Tag sogar Westwind bescheren sollte. Da unser Visum für St. Vincent & die Grenadinen sowieso fast ausgelaufen war (nach 90 Tagen muss man mindestens für einen Tag ausreisen), beschlossen wir, diese Wettersituation in Carriacou auszusitzen, dort für ein paar Tage einzuklarieren und dann nach Union Island zurückzukehren.

So füllten wir also in Union Island bei einem netten Zollbeamten, der auf seinem Handy die ganze Zeit Rap-Musik hörte, das Formular mit vier Durchschlägen aus, bezahlten bei einem anderen Beamten unsere Cruising Permit und gingen danach noch mit einem der Durchschläge zum Immigration-Beamten und „schon“ war es geschafft.

Zwar hatte sich die Wettervorhersage am Montag geändert, es sollte kein Hurrican entstehen und es war fast kein Süd- und Westwind mehr angekündigt, so dass wir auch in Union Island hätten bleiben können, aber da wir nun schon ausklariert hatten, segelten wir dennoch nach Carriacou. Mit angenehmen 13 Knoten Wind und so gut wie keinen Wellen wurde es ein angenehmer Törn und wir klarierten gleich Nachmittags noch in Carriacou in der Tyrell Bay ein.

Die Bucht ist riesig, es läuft überhaupt kein Schwell herein und nachts schliefen wir wie die Babys. Das Wasser ist trotz der vielen Boote wunderbar klar und wir beschlossen, ein paar Tage zu bleiben, etwas am Boot zu arbeiten und wenn es wieder Wind hat, zurück nach Union Island zu fahren.

Doch ein paar Tage später fanden wir es schon nicht mehr ganz so toll, denn hier ist Windgeneratorhausen. Wir hatten uns ja beim Bootskauf gegen einen Windgenerator entschieden, weil diese fast alle einen ziemlichen Lärm machen (falls einer von Euch schon mal mitten in einem Windpark an Land stand, dann weiß er, wovon ich rede). Doch was nutzt es einem, wenn man selbst keinen Windgenerator hat, leider aber alle Boote um einen herum. Fast täglich kam ein neuer Segler an und jeder hatte noch einen lauteren Windgenerator als sein Vorgänger. Teilweise hatten diese auch noch ausgeschlagene Lager, so dass sie richtig viel Lärm machten.

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Aber wenn ich schon dachte, dass dies ein Höllenlärm sei, dann sollte ich Freitag Nacht eines besseren belehrt werden. Um 21:15 Uhr ertönte urplötzlich aus einer Bar am Strand ohrenbetäubende „Musik“ (wir würden es eher als ein lautes Bassgestampfe mit gebrüllten unzusammenhängenden Urlauten nennen), die uns bis um kurz nach 4:00 Uhr morgens beglückte. Ich lag irgendwann völlig verzweifelt im Bett, weil ich hundemüde war, aber leider aufgrund dieses Lärms nicht einschlafen konnte. Wir waren am nächsten Tag ganz schön gerädert.

Doch es sollte noch besser kommen. Denn als einen Tag später, kurz bevor ich mein tägliches Bad nehmen wollte, ca. 10m von unserem Boot entfernt eine tote Ziege durchs Wasser trieb, hatte ich endgültig die Schnauze voll.

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So fuhren wir gestern zu einer kleinen Nachbarinsel, von der uns schon mehrere Bekannte berichtet hatten, dass man dort kitesurfen könne. Und das konnten wir dann tatsächlich auch. Um 10:00 Uhr warfen wir unseren Anker vor White Island und 15 Minuten später waren wir an Land und bauten unseren Kite auf. Leider hatten wir jedoch nicht allzu viel Wind und die See war hier recht kabbelig, so dass dies sicherlich nicht unser neuer Lieblingskitespot wird. Aber dafür waren wir ganz alleine auf der Insel, es gab einen schönen Sandstrand und überall um die Insel herum sind Riffe, an denen man toll schnorcheln kann. So verbrachten wir einen wunderschönen Nachmittag auf White Island. Doch leider konnten wir hier nicht über Nacht bleiben, denn es lief ein riesiger Schwell um die Insel herum, so dass unsere Silence wie wild auf den Wellen schaukelte.

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Wir entschieden uns, noch eine halbe Meile nach Osten zu Saline Island zu motoren. Dort lagen bereits zwei Boote in der kleinen Bucht und wir warfen unseren Anker genau zwischen den beiden. Aber dieser wollte und wollte nicht halten. Erst beim dritten Versuch schafften wir es und lagen friedlich zwischen den beiden Booten (ohne Windgeneratoren) im türkisfarbenen 2m tiefen Wasser. Die Wellen rauschten an den Strand und es war alles total friedlich. Doch leider konnten wir auch hier nicht über Nacht bleiben. Denn als Kai nach unserem Anker schnorchelte, sah er, dass dieser sich überhaupt nicht eingegraben, sondern lediglich hinter einem kleinen Stein verhakt hatte. Der Grund in der ganzen Bucht war übersät mit Steinen und Korallen und lediglich an einer kleinen Stelle gab es schönen Sand und an dieser Stelle lag der Anker eines unserer Nachbarn. Somit legten wir uns noch für zwei Stunde vorne aufs Deck und genossen die himmlische Stille bevor wir wohl oder übel wieder zurück nach Windgeneratorhausen fuhren.

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Normalerweise hätten wir uns jetzt auf den Rückweg nach Union Island gemacht, doch wie es ein toller Zufall will, musste unser neuer Hockenheimer Freund Mathias, geschäftlich nach USA fliegen und hat uns angeboten, dass er uns gerne Ersatzteile oder ähnliches mitbringen kann, falls wir dringend etwas benötigen. Da schauten wir natürlich gleich mal unsere lange Liste an Dingen durch, die hier in der Karibik entweder gar nicht oder nur für horrende Preise zu bekommen sind und wählten das am dringendsten und am leichtesten transportierbare aus: ein iPad. Da meines vor ca. einem halben Jahr den Geist aufgegeben hatte und man hier nur neue kaufen kann, bestellten wir gleich über ebay ein gebrauchtes. Das wird dann mein diesjähriges Geburtstagsgeschenk sein, anstatt eines neuen Kiteboards.

So werden wir uns vermutlich morgen auf den Weg nach Grenada machen, um Mathias dort am Samstag zu treffen und unser „neues“ iPad in Empfang zu nehmen :-).