Wanderung Chapeau Carré

Nach unserer ersten Woche Werftaufenthalt nahmen wir uns sonntags einen halben Tag frei und gingen mit unserer Freundin Conny wandern.

Conny lebt schon seit Jahrzehnten auf Carriacou und kennt hier die schönsten Wanderungen und so freuten wir uns, dass sie uns als Wanderführerin begleitete.

Morgens um 8 Uhr trafen wir uns am Ausgang der Werft und brachen auf zur Wanderung auf den zweithöchsten Berg von Carriacou, den Chapeau Carré. Wir liefen direkt von der Werft aus los. Zuerst ging es durch ein Wohngebiet langsam den Berg hinauf, bevor wir auf einen breiten Schotterweg einbogen. Es ging langsam und gemütlich bergauf und unterwegs begegneten uns mehrere Schafe und sogar einige Schildkröten.

Hier konnten wir uns nochmal kurz ausruhen, bevor es an den anstrengenderen Teil des Aufstiegs ging. Nun ging es auf einem kleinen Pfad zwischen den Bäumen teilweise relativ steil bergan. Ich schnaufte wie eine Dampfwalze und musste des öfteren anhalten, um etwas Wasser zu trinken. Doch nach insgesamt zwei Stunden war es geschafft und wir hatten die Spitze erklommen. Zwar ist der Berg nur 290m hoch, aber die Aussicht war dennoch gigantisch. Wir konnten bis nach Grenada schauen und erblickten sogar unser Boot auf der Werft.

Nach dem Abstieg gab es ein Kirscheis mit rießigen Schokostücken beim lokalen Supermarkt und danach ging es frisch gestärkt nochmal für ein paar Stunden ans Werk an unserer Silence.

Die erste Woche auf der Werft in Carriacou…

…war Kai hauptsächlich mit einem Kratzer oder der Schleifmaschine in der Hand zu sehen, während ich mit Salzsäure und Schleifpapier unterwegs war. Das ganze alte Antifouling musste runter und wir wussten aus Erfahrung, dass man dieses viel besser abschleifen kann, wenn man das gröbste erste einmal mit einem Farbkratzer entfernt. Ansonsten setzen sich die Schleifscheiben in Null Komma Nichts zu und man ist ewig am Schleifen.

So kratzte Kai jeden Tag eine halbe Seite unseres Rumpfes ab und danach machte er sich an andere Arbeiten. Wie z.B. den Saildrive auseinander zu bauen, weil wir hiervon zwei Teile zur Reparatur geben mussten. Die Simmerringe hatten Rillen in die Antriebswellen geschliffen, die jedes Jahr etwas tiefer wurden. Und dadurch wurde alles undicht und Wasser konnte in den Saildrive eindringen und umgekehrt floss auch Öl ins Meer. Eigentlich hatten wir vorgehabt, zwei neue Antriebswellen zu kaufen, aber da hier in Grenada zwei neue Wellen €1.530,- kosten würden, wollten wir nun doch erst einmal probieren, die alten reparieren zu lassen. Nach einiger Recherche entschlossen wir uns, die Teile mit der Fähre zu Grenada Marine zu schicken, um an den eingelaufenen Stellen Metall-Mäntel aufschrumpfen zu lassen. So säuberten wir alles, verpackten es und gaben es einem Mitarbeiter von Grenada Marine mit, der gerade zufällig in Carriacou war.

Außerdem war der Rahmen unserer Notausstiegsluke undicht und ein Bekannter hatte uns einen Tipp gegeben, wie wir diesen wieder dicht bekommen könnten. Wir hatten den Rahmen beim letzten Werftaufenthalt bereits mit Silikon abgedichtet, dieses hing jedoch teilweise weg, weil es auf dem Alu-Rahmen nicht richtig gehalten hatte. Unser Bekannter meinte, wir sollen den Rahmen außen anschleifen und dann mit Epoxy einstreichen. Und erst dann sollten wir das Silikon auftragen. Also nichts wie ran an diese Aufgabe!

Und während dessen befreite ich unser Boot von Kalk, Salz und Gilb. An der Wasserlinie war unser Boot nicht mehr weiß, sondern gelb und unsere blauen Zierstreifen hatten lauter weiße Flecken. Zuerst versuchte ich das alles mit Oxalsäure zu reinigen, doch die Verschmutzung war zu stark und Oxalsäure bewirkte rein gar nichts. Also mussten stärkere Geschütze aufgefahren werden: Salzsäure war gefragt. Mit Handschuhen und teilweise auch mit Mundschutz bewaffnet, rückte ich der Sache zu Leibe und glücklicherweise gingen die Verschmutzungen damit weg. Allerdings musste ich sogar die Salzsäure mehrfach auftragen, bis endlich alles wieder sauber war. Und wehe, wenn mir die Salzsäure dann auch mal am Arm runterlief. Das prickelte ganz schön. Aber das Ergebnis war umwerfend. Unsere Silence erstrahlte wieder ganz in weiß!

Das war eigentlich eine recht schöne Arbeit im Gegensatz zu den ganzen Schleifarbeiten. Denn nach vier Tagen war Kai mit dem Abkratzen des Antifoulings fertig und schliff nun Seite für Seite mit der Schleifmaschine ab. Hierzu musste er sich komplett in Schutzkleidung hüllen, weil er auf den Antifouling-Staub extrem allergisch reagiert. Und so trug er einen Schutzanzug, Kopfschutz, Schutzbrille, Mundschutz und Handschuhe. Und das alles bei ca. 35˚C im Schatten. Da kam Freude auf!

Und die Stellen, die er mit der Schleifmaschine nicht erreichen konnte, durfte ich dann mit der Hand abschleifen. Und das waren ganz schön viele Stellen!

Nachts lagen wir im Bett, schwitzten und es juckte Kai am Hals und an den Armen. Lediglich Aloe Vera Gel verschaffte ihm etwas Erleichterung, sonst half nichts! Es war eine Tortur!

Und dann kam auch noch dazu, dass es nachts allerlei Störungen gab. Mal kamen irgendwelche Nachbarn laut singend vom Bar-Besuch zurück, mal jaulte und bellte der Werfthund die halbe Nacht, mal ließ jemand seinen Generator die ganze Nacht laufen, … Teilweise schliefen wir erst zwischen 11 und 12 Uhr ein, wachten nachts mehrfach auf und morgens um 6:30 Uhr fing immer irgendeiner unserer Nachbarn an zu arbeiten.

Und als ob das alles nicht schon genug wäre, gab es auch noch Sandflies und Schnaken. Ca. um 16 Uhr starteten die Sandflies ihren Großangriff. Sie fielen in Schwärmen über uns her und wir mussten entweder die Arbeit einstellen oder uns mit 30% DEET einsprühen. Um 16:30 Uhr übernahmen die Schnaken und fraßen uns bei lebendigem Leib auf. Bis tief in die Nacht quälten uns diese Viecher, bis wir im Supermarkt ein Giftspray kauften, mit dem wir ab dann jeden Abend unser Schlafzimmer einsprühten. Sicherlich auch nicht gerade gesund, aber irgendwann mussten wir ja auch mal schlafen!

CopperCoat – die Erste

Für die Nicht-Segler hier erst einmal eine kurze Erklärung, was das eigentlich ist. 

Um unseren Rumpf frei von Algen- und Muschelbewuchs zu halten, gibt es Farben, die Giftstoffe und oft Kupfer enthalten, die man sich auf den Rumpf streichen kann. Diese Farben nennt man Antifoulings. Es gibt von vielen Herstellern die unterschiedlichsten Antifoulings mit mehr oder weniger verschiedenen Giftstoffen zu den unterschiedlichsten Preisen. Egal welches Antifouling wir bisher probiert hatten, nach spätestens einem Jahr war es wirkungslos und Kai musste den ganzen Bewuchs unter Wasser immer mal wieder mit einer Spachtel von Hand entfernen. Wir hatten immer teures Antifouling namhafter Hersteller gekauft und somit ca. alle zwei Jahre rund US$1.400,- auf unsere Rümpfe gestrichen. Ganz schön viel Geld für den wenigen Nutzen!

Das hatten wir satt und somit sahen wir uns nach Alternativen um. Wir trafen immer mehr Leute, die eine Kupferbeschichtung auf ihr Boot aufgetragen hatten und damit sehr zufrieden waren. Das Kupfer hindert zwar nicht die Algen am Wachsen, dafür heften sich aber keine Muscheln an. Die Algen kann man angeblich mit einem „Glitzi“ ganz leicht entfernen und so muss man nur ca. alle 6 Wochen einmal rund ums Boot und diese abwischen. Die Kupferbeschichtung, Handelsname CopperCoat, soll für 10 Jahre gut sein und kostet nur wenig mehr als ein teures Antifouling. In unserem Fall US$1.800,-.

Das klang doch gut! Somit wäre CopperCoat nicht nur viel billiger als normale Antifoulings, es würde uns in Zukunft auch weniger Zeit auf der Werft bescheren und es ist auch umweltverträglicher, da es keine Giftstoffe wie andere Antifoulings enthält. 

Und so bestellten wir im Juli bei Grenada Marine, einem offiziellen Händler von CopperCoat in Grenada, 12 Kits für unsere Silence.

Und da begann unsere aufwändige CopperCoat Geschichte.

Wir teilten Grenada Marine mit, dass wir das CopperCoat im August abholen würden und schrieben nochmals eine e-mail, als wir in der Quarantäne in Grenada waren, dass wir dann demnächst vorbei kommen würden. Da Grenada Marine sowieso auf unserer Segelroute nach Carriacou lag, planten wir dort einfach einen Übernachtungssstopp ein, um unser CopperCoat abzuholen.

So segelten wir Ende August nach St. David’s Harbor, warfen unseren Anker und fuhren mit dem Dingi zu Grenada Marine. Die Dame im Büro wusste gleich Bescheid und bat einen ihrer Kollegen unser CopperCoat zu holen, während sie die Rechnung vorbereitete. Der Kollege zog ein Gesicht, murmelte etwas von wegen „Muss mal schauen, ob wir überhaupt noch so viel haben“ und verschwand. Was sollte das denn heißen? Er war eine ganze Weile verschwunden und als er zurück kam, erklärte er uns, dass sie gerade diese Woche angefangen hätten auf zwei Boote CopperCoat aufzutragen und deshalb nicht mehr genügend Kits für uns hätten. Ja konnte das denn wahr sein? Wir hatten doch zig Mal Bescheid gegeben, dass wir kommen und sogar schon angezahlt. Warum hatte man die Kits denn nicht für uns zur Seite gelegt? Typisch Karibik! Wir waren ganz schön sauer, konnten es aber nicht ändern. Und da dies der einzige CopperCoat-Händler weit und breit war, mussten wir uns irgendwie mit ihm arrangieren.

Der Kollege erklärte uns, dass man das CopperCoat gleich für uns bestellen könne und es dann in ca. zwei Wochen da wäre. Nachdem ich zum Ausdruck brachte, wie sauer ich war, versprach er uns, dass sie es dann sofort auf die Fähre nach Carriacou schaffen würden, wo es am 14. September ankommen sollte und der Transport für uns natürlich kostenlos sei. Was blieb uns anderes übrig als diesen Vorschlag anzunehmen.

Doch nun stellte sich uns die Frage, ob wir unseren Termin auf der Werft verschieben sollten. Wir hatten geplant am 31. August an Land zu gehen, unser CopperCoat würde ja aber erst am 14. September ankommen. Da wir jedoch ziemlich viele Arbeiten auf unserer Werft-Liste stehen hatten und auch für das CopperCoat einiges vorbereitet werden musste, beschlossen wir, den Termin zu halten. Zumal wir auch gehört hatten, dass die Werft mittlerweile sehr ausgebucht war und wir Angst hatten, dass wir dann gar nicht so schnell einen neuen Termin bekommen würden.

Und so hievten wir, wie ihr ja schon wisst, unsere Silence am 31. August an Land.