Bergsteigen in der Karibik

Nachdem wir das letzte Mal, als wir mit dem Boot in der Karibik waren, nur an den Pitons  (zwei steile Berge, die direkt nebeneinander aus dem Meer ragen) von St. Lucia vorbeigefahren waren, wollten wir diese nun doch etwas näher betrachten.

Gleich beim Festmachen an der Boje in Soufrière (man darf dort leider nirgends ankern) bot uns einer der Boatboys an, dass wir mit ihm zusammen auf den Gros Piton wandern könnten. Allerdings startete seine Tour vom Strand, so dass man die gesamten 798 Meter hätte erklimmen müssen. Die ganze Sache sollte EC 200,- pro Person kosten (ca. €55,-), was auch nicht gerade ein Schnäppchen war. Also fragten wir in der Stadt in der Touristeninfo, wie wir zum Eingang des Nationalparks kommen könnten und was der Spaß auf die offizielle Art und Weise kosten würde.

Die Touristeninfo buchte uns ein Taxi und am nächsten morgen um 7:00 Uhr wurden wir am Steg abgeholt, was uns inkl. Eintritt lediglich EC 138,- pro Person kostete. Um 7:30 Uhr standen wir am Trailhead und die Wanderung konnte beginnen. Wir waren ganz erstaunt, als uns eine Dame begrüßte, die sich als unsere Führerin vorstellte, denn wir dachten eigentlich, dass wir auf dem offiziellen Weg keinen Führer bräuchten. Tatsächlich wäre dies auch der Fall gewesen, denn der Weg war sehr gut erhalten und gekennzeichnet und wir hätten uns bestimmt nicht verlaufen können. Aber so war es auch ganz nett, denn Mirle lief flotten Schrittes voran und erklärte uns immer mal wieder ein paar Dinge zur Pflanzenwelt. Nach insgesamt drei Stopps kamen wir völlig verschwitzt um ca. 10:15 Uhr auf dem Gipfel an. Von dort hatten wir einen wunderschönen Ausblick über die Südseite der Insel, doch leider konnten wir von hier den Petit Piton nicht sehen. Also liefen wir auf dem Rückweg noch in eine kleine Abzweigung und an deren Ende war die Aussicht toller als oben auf dem Gipfel. Dieser Umweg hatte sich auf jeden Fall gelohnt!

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Insgesamt benötigten wir für den Hin-und Rückweg mit einigen Pausen somit ca. 5 Stunden und waren noch so fit, dass wir auf der Rückfahrt nach Soufrière noch zu den Sulphur Springs fuhren. Diese waren aber sehr enttäuschend für uns. Nach dem Valley of Desolation auf Dominica, war dies hier nur ein müder Abklatsch. Man konnte nicht einmal durchlaufen, sondern nur auf einem geteerten Weg einmal kurz drumrum laufen und ein paar Fotos schießen. Auch das hochangepriesene Matschbad lachte uns nicht wirklich an und so beendeten wir unseren Ausflug und ließen den Nachmittag gemütlich auf dem Boot ausklingen.

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Am nächsten Tag besuchten wir den Botanischen Garten mit seinen Mineralbädern und verbrachten dort einen schönen entspannten Nachmittag.

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Vorgestern Nacht brachen wir dann auf nach Bequia. Ursprünglich wollten wir so gegen 5 Uhr losfahren, doch dann wurde es früher als erwartet. Bereits in der Nacht zuvor waren wir aufgewacht, weil wir mitten in der Nacht mit dem vor uns liegenden Boot unfreiwilligen Kontakt hatten. Wir erwachten durch ein quietschendes Geräusch, ich schaute aus dem Fenster und sah dort direkt vor meinen Augen das Heck des anderen Bootes. Wir stürzten hinaus und sahen gerade noch, wie unsere beiden Boote wieder auseinanderdrifteten. Glücklicherweise hatten wir auf dieser Seite Fender für die Boatboys angebracht, so dass nichts passierte und das andere Boot fuhr morgens weg. Als wir diesen Vorfall den Rangern vom Marinepark (die für diese Bojen zuständig sind) mitteilten, bekamen wir nur zu hören, dass dies bisher noch nie vorgekommen und sicherlich ein Einzelfall sei. Wir baten darum, in dieser Nacht niemanden an die Boje vor uns zu legen, aber man winkte nur ab und meinte, wir müssten uns keine Sorgen machen. Natürlich lag dann am Abend erneut ein Boot an der Boje und wir fuhren vorbei und baten die Segler am Heck Fender auszubringen, falls wir in der Nacht erneut Heck an Heck landen sollten. So gegen 3 Uhr nachts war es dann soweit. Doch dieses Mal erwachten wir durch einen Knall, der von unserem Bug kam. Nun waren wir doch tatsächlich mit unserem Bug in die Seite unseres Vormanns gekracht. Soviel zum Thema, das sei noch nie passiert. Und dafür zahlt man dann auch noch US$20,- pro Nacht! Da sich beide Boote immer wieder zueinander drehten, beschlossen wir, einfach aufzubrechen.

Ein Gutes hatte es: wir kamen schön früh in Bequia an und konnten dort ganz gemütlich einklarieren. Dies klappte problemlos, war nur etwas teuer. Wie wir vorher schon wussten, war unser Timing nicht ganz optimal, denn wenn man Samstags nach 12 Uhr ankommt, muss man „overtime“ bezahlen. Normalerweise hätte das Einklarieren EC70,- gekostet, so mussten wir jedoch EC151,- zahlen. Ganz schön happig!

Aber dafür liegen wir nun endlich mal wieder in einer schönen türkisfarbenen Bucht vor einem palmenbestandenen Sandstrand und relaxen 🙂

 

Martinique und St. Lucia

Unser Schothorn ist repariert und es ging wesentlich schneller als wir erhofft hatten. Wir konnten es morgens mit dem Dhingi hinbringen und am gleichen Tag abends wieder abholen. Dafür waren wir dann aber am nächsten Tag gut beschäftigt. Den Vormittag verbrachten wir damit das Groß wieder anzuschlagen und am Nachmittag flickten wir ein Loch in unserm Lazy Bag, das wir beim Anschlagen entdeckt hatten.

Dann gingen wir beim Leader Price nochmals Vorräte bunkern. Da die folgenden Inseln alle sehr englisch geprägt sind, kauften wir nochmals Bier, Käse, Yoghurt und ähnliche Leckereien. Unser Boot ist nun so voll wie zu unserer Atlantiküberquerung. Also verhungern können wir in den nächsten Wochen nicht 😉

Schothorn kaputtSchothorn Dingi Schothorn ganz Lazy Bag nähen1 Lazy Bag nähen2Einkäufe Martinique

Ansonsten hatten wir auf Martinique auch eine tolle Wanderung gemacht. Auf den Mont Pelée sind wir nicht gestiegen, weil wir uns noch etwas von der Wanderung zum Boiling Lake erholen mussten und nicht gleich noch einmal solch eine anstrengende Wanderung machen wollten. Deshalb hatten wir uns in unserem Revierführer etwas ausgesucht, das nach einem ca. zweistündigen Spaziergang klang. Doch wir hatten mal wieder nicht einkalkuliert, dass Herr Doyle manchmal Dinge etwas anders beschreibt, als sie wirklich sind (ich erinnere nur an die tolle Bäckerei in English Harbour). Der gemütliche Spaziergang zum Canal de Beauregard entpuppte sich als 6,5 Stunden Rundweg, der teilweise auch recht steil bergan ging und am Ende hatten wir ca. 20 Kilometer bewältigt. Aber immerhin hatte es sich gelohnt, denn der Weg, bei dem man direkt auf der Kanalmauer entlang lief, war wirklich wunderschön.

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Mittlerweile sind wir bereits auf St. Lucia und liegen in der Rodney Bay vor Anker. Die Bucht ist riesengroß und man hat schön viel Platz. Jeden Tag kommt der Obst- und Gemüsehändler am Boot vorbei und versorgt einem mit wundervollen Früchten u.ä. Vorgestern haben wir einen kleinen Spaziergang durch die Stadt gemacht und gestern sind wir im Pigeon Island Nationalparc auf das Fort und den gegenüberliegenden Hügel gestiegen, um von dort die Aussicht über St. Lucia zu genießen. Und bei der Gelegenheit haben wir auch endlich mal wieder einen Geocache gehoben.

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Der Boiling Lake hält, was sein Name verspricht

Unglaublich, welch tolle Wanderungen man auf Dominica machen kann. Die Auswahl fiel wirklich schwer. Aber nachdem unser Revierführer eine Wanderung zum Boiling Lake als eine der schwierigsten und tollsten Wanderungen angepriesen hatte und uns dies auch von mehreren Seglern empfohlen worden war, entschieden wir uns für diesen Trip.

Wir buchten einen Guide namens SeaCat, der uns ebenfalls wärmstens ans Herz gelegt worden war und wir sollten nicht enttäuscht werden.

Morgens um 7:15 Uhr wurden wir zusammen mit Franz an unseren Booten abgeholt und in einen kleinen Bus gepackt, in dem schon ein weiteres Pärchen wartete. Dann ging es los. Wir waren zuerst skeptisch, ob wir die Wanderung überhaupt machen können, da es die ganze Nacht geregnet hatte, aber SeaCat war optimistisch und so fuhren wir ca. 45 Minuten ins Landesinnere.

Auf einem kleinen Parkplatz neben einem Fluss parkte SeaCat das Auto, wir schnürten unsere Wanderschuhe, packten die Regenjacken aus, weil es etwas nieselte und marschierten los.

Zuerst ging es durch ziemlich dichten Urwald immer schön bergan. SeaCat erzählte uns einiges über die Pflanzenwelt, spielte an Lianen Tarzan mit uns und schritt ansonsten strammen Schrittes voran. Nach einiger Zeit ging es wieder bergab, wir überquerten einen kleinen Fluss und schon ging es wieder bergauf. Nach ca. 1 1/2 Stunden machten wir eine kurze Pause auf einem Berg und ich war sicher: nun ist es nicht mehr weit. Wir konnten die Dampfwolken des Boiling Lake bereits sehen, doch in Wahrheit hatten wir gerade mal die Hälfte des Weges geschafft.

BL Beginn Trail BL Trail2 BL Trail Fluss BL Trail6  BL Trail3BL Aussicht

Leider hatte der Regen den Weg etwas beschwerlich gemacht. Es ging wieder steil bergab, teilweise durch 10cm hohen Matsch und wir mussten ständig aufpassen, dass wir nicht ausrutschten. Ich war bereits jetzt ziemlich fertig und fragte mich, wie ich diesen ganzen Weg jemals wieder zurückkommen sollte. Wobei das Wort „Weg“ manchmal auch nicht wirklich passend war. Denn z.B. kamen wir plötzlich an einer Felswand an, die wir hinunterklettern mussten, ins Valley of Desolation. Der Anblick, der sich uns hier bot, war atemberaubend. Zu unseren Füßen floss ein heißer Fluss, überall brodelte und kochte es und die Schwefeldämpfe waren teilweise so heiß, dass wir das Gefühl hatten uns die Haut zu verbrennen.

BL Abstieg Valley of desolationBL Abstieg Valley of desolation1BL Valey of desolationBL Valey of desolation1BL Valey of desolation2

SeaCat zauberte aus seinem Rucksack ein paar rohe Eier hervor, legte diese ins kochende Wasser und ein paar Minuten später konnten wir unseren ersten Snack zu uns nehmen. Zu den gekochten Eiern gab es noch eine Gesichtsmaske, die uns alle etwas gespenstisch aussehen ließ und dann machten wir uns auf die letzte Etappe.

BL SeaCat Eier BL Eier essen BL Kai Gesichtsmaske

Erneut ging es bergan und da war er dann: der Boiling Lake. Zuerst sahen wir den See vor lauter Dämpfen nicht, doch dann lichtete sich der „Nebel“ und wir konnten sehen, wie es in der Mitte des Sees in riesigen Blasen blubberte. Wahnsinn!

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Während wir noch das Naturschauspiel bewunderten, hatte SeaCat bereits unser Mittagessen angerichtet: es gab kalten Codfish-Salat, Gurken-Tomaten-Salat und als Nachtisch frittierte Platanen. Dazu tranken wir Grapefruitsaft und erholten uns von der anstrengenden Wanderung.

BL Lunch

Dann ging es den gleichen Weg wieder zurück, wobei wir unterwegs einen kurzen Stopp bei einem der vielen kleinen Flüsse einlegten und ein Bad in einem natürlichen Hot Tub nehmen konnten. Doch außer Kai verlockte es niemanden mitten auf dem matschigen Weg aus den ganzen Klamotten und Schuhen zu steigen und so hatte er den Hot Tub ganz für sich alleine.

BL Aufstieg Rückweg BL Trail Fluss2 BL Hot TubBL Trail5BL Trail4BL Rückweg 3BL Rückweg1BL Strilizie

Insgesamt waren wir sieben Stunden unterwegs, genossen unglaublich schöne Ausblicke und waren total k.o. als wir wieder am Beginn des Trails ankamen.

Zum Abschluss badeten wir noch im schönen kühlen Flusswasser und schwammen in die Titou Gorge, eine tiefe und sehr schmale Schlucht, an deren Ende ein Wasserfall toste. Die steilen Felswände waren völlig mit Moos und Farnen überwuchert und das Licht der tief stehenden Sonne verzauberte diesen Ort geradezu. Man dachte fast, man wäre in einem Hollywoodfilm gelandet. Und tatsächlich wurde hier eine Szene von „Pirates of the Caribbean“ gedreht!

BL Baden Titou Gorge2 BL Baden Titou Gorge1BL Titou Gorge  BL Titou Gorge1

Dies war eindeutig eine der tollsten Wanderungen, die wir jemals gemacht haben und ein krönender Abschluss unserer Zeit auf Dominica. Und einen solchen Muskelkater wie am nächsten Tag hatten wir beide noch nie 😉

Mittlerweile sind wir auf Martinique und müssen morgen unser Großsegel zum Segelmacher bringen, da uns auf der Fahrt hierher unser Schothorn riss. Drückt uns die Daumen, dass wir es schnell repariert bekommen!