„Heiße Quellen“ in Bouillante

Schon des öfteren hatten wir von den heißen Quellen in Bouillante gehört, doch wir waren uns nie sicher, ob diese spektakulär genug wären, um dort mal hinzufahren. Im vergangenen Jahr waren dann unsere Segelfreunde Andrea & Gerhard dort gewesen und hatten uns ebenfalls von dem unglaublich heißen Wasser erzählt. Und das wollten wir uns nun doch mal selbst anschauen bzw. badend erforschen.

Rund um das Örtchen Bouillante (wortwörtlich übersetzt „Kochend“) gibt es mehrere heiße Quellen und an einer Stelle kann man dort im heißen Strom baden. Allerdings badet man dort nicht direkt in der Quelle, sondern diese fließt zuerst durch ein Geothermie-Kraftwerk und wo sie von dort aus ins Meer fließt, kann man sich quasi im heißen Sole-Schwefel-Bad vergnügen. 

Da diese Attraktion lediglich etwas mehr als 2 Seemeilen von unserem Ankerplatz entfernt lag, machten wir uns mit dem Dingi auf den Weg. Dort angekommen machten wir unser Dingi an einem Steg fest und schauten uns erst einmal kurz das Kraftwerk von außen an.

Und danach gingen wir ins Wasser. Bereits hier am Steg kam uns das Wasser ziemlich warm vor. Doch es sollte noch wesentlich wärmer werden. Als wir nämlich dort ankamen, wo das Wasser ins Meer strömt, wurde es fast schon unerträglich warm. Eigentlich eher heiß! 40ºC zeigte das Messgerät des Kraftwerks an. Von oben schien uns die Sonne auf den Kopf, von unten wurden wir gekocht. So kam es uns jedenfalls vor. Wie schön wäre es wohl, wenn es schneien würde und man könnte dann in dem schönen heißen Wasser treiben?! Das wäre sicher toll, wird hier aber wohl nie vorkommen 😉 Aber so hielten wir es keine Minute in dem heißen Wasser aus. Immer wieder schwammen wir aus dem Strom raus und flüchteten uns in das etwas kühlere Wasser. Hier war es angenehm und wir konnten uns treiben lassen.

Ein Einheimischer meinte, wir sollten mal bei Nacht herkommen. Dann ist die Umgebungstemperatur etwas kühler und man kann das warme Wasser viel mehr genießen. Außerdem kann man sich dann treiben lassen und in den Sternenhimmel schauen. Das klingt wirklich schön. Vielleicht machen wir das dann mal bei unserem nächsten Besuch in Guadeloupe!

Flokati am Schiff

Nachdem wir unsere Silence schon wieder seit 2 Monaten so gut wie nicht bewegt hatten, hatte sich an unserem Unterwasserschiff ganz schön viel Bewuchs angesammelt. Die meisten Segler, die Copper Coat an ihrem Schiff haben, reinigen die Rümpfe ca. alle 4 Wochen. Wir machen das meist bevor wir irgendwohin segeln wollen.

Und da unsere Aufenthaltsgenehmigung in Antigua nur noch drei Wochen gültig war, mussten wir so langsam mal überlegen, was wir die nächsten paar Wochen machen wollten. Eigentlich wollten wir gerne für 4-6 Wochen nach Barbuda. Aber wenn wir jetzt hoch segeln würden, müssten wir in drei Wochen wieder runter, um entweder unser Visum zu verlängern oder nach Guadeloupe zu segeln. Da erschien es uns einfacher, jetzt gleich nach Guadeloupe zu segeln und wenn wir zurück nach Antigua kämen, hätten wir wieder eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate und könnten dann in Ruhe nach Barbuda.

Das Wetter passte auch einigermaßen für unser Vorhaben und so machten wir uns an die Vorbereitungen für die Abreise. Zuerst einmal musste der Bewuchs unter unserem Boot weg. Solch einen schönen Flokati hatte ich an unserer Silence selten gesehen. Das waren mehrere Zentimeter lange Haare, die sich ganz weich anfühlten. Sah nach ziemlich viel Arbeit aus, ging aber mit der Spachtel und einer Bürste ziemlich gut weg. Wir beide schabten und bürsteten ca. zwei Stunden, dann war unsere Silence wieder schön sauber und glatt.

Doch dann fiel mir ein, dass das Geschäft in Guadeloupe, in dem wir früher immer einklarierten (wir waren seit Covid nicht mehr dort gewesen) oft im Juni geschlossen hatte. So fragte ich über den Messenger an, ob er nächste Woche geöffnet sei. Prompt kam die Antwort zurück: Nein, er schließe morgen nachmittag für einen Monat und wir müssten entweder in Basseterre oder auf Les Saintes einklarieren. Au weia, welch übles Timing! Ich fragte an, ob wir woanders einklarieren könnten (früher konnte man das bei der Polizei vor Ort tun), weil wir eigentlich gar nicht weiter nach Süden, sondern nach ein paar Tagen zurück nach Antigua wollten. Antwort: „Bei der Polizei kann man leider nicht mehr einklarieren.“ Welch Disaster! Basseterre wäre einfache Strecke ca. 12 Seemeilen von dem Ort entfernt, an den wir eigentlich wollten, also ca. 2 Stunden. Hin und zurück also 4 Stunden. Och nee, das ist jetzt echt nicht wahr, zumal man hinter Guadeloupe meist nur schlecht segeln kann und am besten einfach den Motor benutzt! Wir überlegten was wir nun machen sollten. Doch dann kam nochmal eine Antwort von dem netten Herrn. Er fragte wann wir denn kommen wollten und bot an, dass er dann für einen Aufpreis kurz ins Geschäft kommen und uns einklarieren könnte. Unglaublich wie nett! So etwas ist man ja heutzutage gar nicht mehr gewohnt. Super, so konnten wir nun doch wie geplant nach Guadeloupe segeln.

Nun noch ein schneller Riggcheck: alles ok! Es konnte also losgehen. Wir segelten am Sonntag von Green Island nach English Harbour und klarierten dort aus. Hier erlebten wir dann auch nochmal eine böse Überraschung. Früher hatte man hier beim Ausklarieren nur die Ausklarierungsgebühr von US$10,- plus eine Ankergebühr von insgesamt ca. US$8,- bezahlt. Dieses Mal hatten sie sich aber überlegt, dass es ja keinen Sinn macht, dass sie nur beim Einklarieren den Eintritt in den Nationalpark verlangen. Das könnte man beim Ausklarieren ja auch tun. Und so kamen nochmal US$15,- pro Person an Gebühren drauf. Wir hatten also mit US$18,- an Gebühren gerechnet, durften nun jedoch US$48,- zahlen. Mir platzte fast der Kragen vor lauter Wut. Man weiß hier einfach nie was einem erwartet, weil ständig irgendwelche neuen Gebühren erfunden werden. Das ist manchmal echt zum Haare raufen.

Doch immerhin waren wir nun bereit zur Abfahrt und am Sonntag morgen um 8 Uhr holten wir den Anker hoch und nahmen Kurs auf Guadeloupe. Ursprünglich waren 4-5 Beaufort Wind, 2-3 Meter Welle und vereinzelte Schauer angekündigt. Das stimmte mal wieder nicht ganz, kam der Realität aber doch recht nah. Der Wind war etwas stärker, die Wellen waren ungefähr wie vorhergesagt, und Schauer gab es glücklicherweise keine. So hatten wir einen ziemlich schönen und schnellen Törn. Wir liefen fast die ganze Zeit mit knapp 8 Knoten und schafften die 42 Seemeilen (inklusive Ankermanöver) in gerade mal 6 Stunden und waren somit bereits um 14 Uhr in Deshaies. Grandios!

Einklarieren konnten wir leider erst am nächsten Tag, aber so blieb uns noch schön viel Zeit, um noch ganz gemütlich eine Runde schnorcheln zu gehen und uns etwas abzukühlen. Unter unserem Boot hatte sich bereits ein Barrakuda häuslich eingerichtet und direkt vor unserem Anker grasten zwei Schildkröten am Meeresgrund. Welch toller Abschluss eines schönen Segeltags!

Der ganz normale Wahnsinn

Unsere Fahrt nach Süden war bisher einigermaßen unspektakulär. Ich würde sagen, es war mal wieder einfach nur der ganz normale Wahnsinn.

Wir starteten Dienstag vor einer Woche bei Sonnenaufgang in Falmouth, Antigua mit ca. 20-25 Knoten Wind und recht hohen Wellen. Eigentlich ist das nicht unser Lieblingssegelwetter, aber da eine Tropische Welle nach der nächsten bei uns ankam, musste man halt einfach irgendwann mal los. So segelten wir ca. eine Stunde mit ziemlich steilen Wellen von der Seite, als eine Welle genau neben unserem Heck brach. Ich saß am Steuerstand und sah eine riesige Wand aus Wasser auf mich zukommen, duckte mich noch weg und rief „Achtung“, doch zu spät! Kai sagte, er sah nur noch, wie ich urplötzlich vom Wasser verschluckt wurde und dann traf die Wasserwand auch ihn. Wir waren beide von Kopf bis Fuß und von Jacke bis Unterhose klatschnass! Na, das fing ja toll an. In unserem Cockpit stand ca. 20cm hoch das Wasser und es dauerte eine ganze Weile bis es abgelaufen war. Das war uns in dem Ausmaß noch nie passiert!

So zogen wir also unsere nassen Klamotten aus, warfen sie in einen Eimer und zogen frische Kleidung an. Als wir um ca. 12:30 Uhr den Kanal durchquert hatten und es hinter Guadeloupe mit dem Seegang und Wind etwas besser wurde, wusch ich gleich unsere ganzen salzigen Klamotten aus und hängte sie zum Trocknen auf. Echt super, wenn man nun auch noch an den Segeltagen waschen muss, aber ich konnte die nassen salzigen Sachen ja schlecht tagelang in einem Eimer vor sich hin modern lassen.

Am nächsten Tag ging es dann morgens um 7 Uhr weiter nach Dominika. Der Wetterbericht sagte ca. 20 Knoten voraus, d.h. wir wären normalerweise mit dem 1. Reff im Segel gefahren, doch da es im Kanal zwischen Guadeloupe und Les Saintes immer bläst wie verrückt, gingen wir sicherheitshalber mal ins 2. Reff. Und das war auch mal wieder gut so! Hinter Guadeloupe hatten wir ca. 15 Knoten, dann streckten wir die Nasenspitze in den Kanal und „Bamm“ von einer Sekunde auf die andere hatten wir 33 Knoten auf unserer Anzeige stehen. Gut, dass wir mal wieder so vorsichtig waren!

Der Rest der Fahrt verlief dann jedoch recht unspektakulär. Es zogen zwar ab und an ein paar Regenschauer an uns vorbei, doch keiner traf uns. Normalerweise segelten wir immer nach Rosseau, wo wir für die Nacht an einer Boje festmachten. Doch dieses Mal hatte Kai im Revierführer gelesen, dass es kurz vor Rosseau noch eine kleine Ankerbucht gibt, in der man vor einem Sandstrand ankern kann. Da wir immer offen für Neues sind, wollten wir das mal ausprobieren. Zumal wir uns dadurch auch die €13,- für die Boje sparen konnten.

Die Bucht sah zwar nicht so richtig einladend aus, weil auf der einen Seite ein Schrottplatz und auf der anderen Seite ein Zementwerk war, aber wir wollten ja nur für eine Nacht bleiben. Das sollte schon passen. Und tatsächlich kehrte ab 18 Uhr wunderbare Ruhe ein und wir genossen die schöne Industrieromantik.

Am nächsten Tag ging es dann erneut um 7 Uhr los. Dieses Mal von Dominica nach Martinique. Auch hier war die Fahrt in den Kanal wieder wie erwartet. Von einer Sekunde auf die andere ging es von 16 auf 28 Knoten, doch das konnte uns ja mittlerweile nicht mehr erschrecken. Es klappte alles wunderbar, wir hatten im Kanal weniger Wind als an den Vortagen und konnten gemütlich im 1. Reff dahinsegeln.

Hinter Martinique mussten wir ein Stückchen motoren, doch dann nahte auch schon die Rade-de-Fort-de-France (eine riesige Bucht, in der auch die Hauptstadt Fort-de-France liegt), wo wir wieder segeln konnten. Aus Erfahrung wussten wir, dass es hier auch immer ordentlich bläst, doch da wir im 1. Reff waren, was gut bis zu 28 Knoten ist, waren wir ganz beruhigt.

Wir hatten zwischen 12-14 Knoten auf der Anzeige, als wir, ganz kurz vor der Einfahrt in den Kanal, ein paar schwarze Wolken hinter den Bergen hervorspitzeln sahen. Sollte da ausgerechnet jetzt ein Regenschauer auf uns zukommen? Ja, natürlich, dem war so! Mal wieder von einer Sekunde auf die andere, ging unsere Anzeige von 14 Knoten auf 33 Knoten hoch. Kai rief nur noch „Abfallen, abfallen, abfallen!“ und rannte an die Schoten, um die Segel mehr zu öffnen. Ich lenkte das Boot so weit ich konnte nach Lee (also vom Wind weg) und wir schossen mit immer höherer Geschwindigkeit dahin. Mir wurde Angst und Bange, als der Wind einfach nicht nachließ und wir immer schneller wurden. Das erste Reff ist eigentlich nur bis 28 Knoten ausgelegt und wir kennen genug Segler, denen genau bei solchen Gelegenheiten der Mast umgekracht war. Wir hatten ganz schön Muffensausen und ihr könnt euch sicher unsere Erleichterung vorstellen, als der Schauer endlich über uns hinweggezogen war und sich der Wind wieder normalisierte. So plötzlich wie er gekommen war, war er auch wieder vorbei. Es strahlte erneut die Sonne und wir fuhren gemütlich dahin. Puh, welch ein Schreck! Wir waren ganz schön froh, als wir um 17 Uhr unseren Anker vor dem schönen Sandstrand von Grande Anse eingruben. Nun hatten wir es fast geschafft!

Am nächsten Morgen ging es dann auf zu unserem gewohnten Zwischenstopp in Ste. Anne und Le Marin. Da ziemlich viele Regenschauer angekündigt waren, beschlossen wir dieses Mal nicht zu segeln, sondern ganz früh morgens, wenn noch nicht viel Wind herrscht, geschwind die 2,5 Stunden zu Motoren. So standen wir also mit dem ersten Sonnenstrahl um 5:15 Uhr auf und es ging los.

Die ersten fünf Meilen klappte alles super, doch dann setzte um ca. 6:30 Uhr plötzlich der Wind ein. Was sollte das denn jetzt? Bisher war es hier immer so gewesen, dass der Wind erst so ca. um 8:30-9:00 Uhr loslegte. Warum war das ausgerechnet heute anders? Da könnte man manchmal wirklich auf der Sau davon reiten! Da der Wind natürlich fast direkt von vorne kam, bremste er unsere Fahrt um ca. 1,5 Knoten. So zog Kai also doch schweren Herzens zumindest das Großsegel hoch, damit wir motorsegeln konnten und wieder etwas besser voran kamen.

Um 8:30 Uhr kamen wir in Ste. Anne an und waren heilfroh, dass wir unsere erste größere Etappe nach Süden geschafft hatten. Kai fuhr direkt mit dem Dingi zum Bäcker, um uns ein schönes frisches Baguette zu kaufen und wir hatten ein gemütliches Frühstück. Das hatten wir uns jetzt echt verdient!