Kais Foil ist verhext!

Kai war so froh, dass er nun endlich sein neues Foil hatte und nach etwas anfänglichen Schwierigkeiten gewöhnte er sich recht flott an den neuen schnellen Mast. Doch er war gerade das dritte Mal mit seinem neuen Setup unterwegs, als ihm urplötzlich sein Kite mitten in der Luft einriss. Das war unser neuster Kite, den wir gerade erst im Januar 2021 gekauft hatten. Nahm die Pechsträhne denn überhaupt kein Ende?

Wir sahen uns den Riss an und stellten fest, dass dieser durch den weißen Stoff des Kites ging und dieser weiße Stoff war bereits überall sehr dünn. Auch mit unseren vorherigen Ozone-Kites hatten wir des öfteren das Problem gehabt, dass der weiße Stoff sich ziemlich früh auflöste und wir diesen reparieren mussten. Aber nach nur 16 Monaten, wovon wir mehr als 5 gar nicht gekitet hatten, war das noch nie passiert.

So beschwerte sich Kai bei der Kiteschule, bei der wir den Kite gekauft hatten, und forderte, dass er auf Garantie ausgetauscht werde. Wir glaubten nicht wirklich daran, doch tatsächlich erhielten wir nach einer Woche die Antwort, dass wir einen neuen Kite bekommen. Eine super Nachricht; wir lagen uns vor Erleichterung und Freude in den Armen! Doch ein kleiner Haken ist noch an der Sache: der neue Kite kommt erst Mitte Juli. Und so mussten wir den alten nun doch erst mal noch reparieren, damit Kai weiterhin kiten kann.

Der Kite war nun repariert und Kai wieder mit seinem Foil unterwegs, da passierte das nächste Unglück. Als Kai mit ca. 25 Knoten durch die Bucht sauste und ganz hart an den Wind ging, kam urplötzlich einer seiner Flügel aus dem Wasser und es warf ihn in voller Fahrt ab. Gut, dass er eine Impact Weste und einen Helm trägt, denn sonst wäre der Sturz eventuell nicht so glimpflich ausgegangen. Kai versuchte wieder aufzusteigen und weiter zu fahren, doch das Board bog jedes Mal einfach ab. Irgend etwas war kaputt. So schwamm er zurück zum Strand und besah sich dort den Schaden.

Die Flügel, die durch einen Metallstab miteinander verbunden sind, waren völlig schräg. Er packte alles ein und inspizierte die Sache hier am Boot nochmal genauer. Auf dem Verbindungsstück ist eine Metallplatte und diese hatte es komplett verbogen. Tja, da brauchen wir wohl eine neue. Aber wo sollen wir die hier bekommen? Nee, die müssen wir in Österreich bestellen! Und so blieb Kai nichts anderes übrig, als die Platte mit Hammer und Zangen wieder gerade zu biegen. Wir können nur hoffen, dass das eine Weile hält, zumindest so lange bis wir irgendwie das Ersatzteil hierher bekommen!

Sagt man nicht immer: „Aller guten Dinge sind drei!“ Das waren nun schon vier und wir sind der Meinung, dass es jetzt auch mal wieder gut sein muss!

Nähtage mit unserer neuen Barracuda

Bevor wir nach St. Martin gesegelt waren, hatten wir von einer Freundin zwei Nähmaschinen gekauft. Eigentlich wollten wir nur ihre Reliable Barracuda (eine etwas günstigere Version der Sailrite) kaufen, doch wir bekamen dann noch als Geschenk ihre alte Stickmaschine dazu. 

Mit der Stickmaschine hatten wir in St. Martin schon einige Taschen und Geldbeutel aus Kite-Material genäht, aber unsere Barracuda hatten wir noch nicht ausprobiert. Diese sollte wie Butter durch mehrere Lagen dicken Sunbrella-Stoffes durchgehen und wir waren gespannt, ob das wirklich stimmte.

Zuerst nähten wir nun eine Verlängerung für unser Lazy Bag (der Sack auf dem Baum, in dem unser Segel liegt). Mittlerweile war uns bereits zwei Mal das Schothorn an unserem Segel ausgerissen, weil unser Lazy Bag zu kurz und dieser Teil des Segels somit immer in der Sonne war. Das mussten wir dringend ändern. 

Es wurde zwar nicht sonderlich schön, aber Hauptsache es funktioniert!

Und als nächstes Projekt wagten wir uns an eine neue Husse für unseren Außenborder. Vor einigen Tagen streikte unser Außenborder urplötzlich. Ich war mit dem Dingi unterwegs und schaffte es dann gerade noch so an eine Boje, an der ich mich festmachen konnte. Nach mehrmaligen Versuchen, ging der Außenborder zwar wieder an, lief aber nur noch auf einem Zylinder. Das klang nicht gut und die Fahrt zurück zum Boot war auch recht langsam.

Ob das wohl an den Zündkerzen liegen könnte? Kai baute diese aus und reinigte sie, aber das Problem bestand immer noch. Dann tauschen wir sie vielleicht am besten mal gegen neue. Und tatsächlich, jetzt schnurrte unser Motor wieder wie ein Kätzchen. Welch Erleichterung, dass es kein größerer Defekt war!

Und da wir nun schon mal die alte Husse unten hatten und uns diese genauer anschauten, waren wir uns einig, dass wir dringend mal eine neue nähen sollten.

Also nichts wie ran. Die alte Husse diente als Vorlage, drei Teile zugeschnitten, diese mit Klammern festgemacht und schon war die Husse fertig. Na ja, fast. Denn der schwierigste Teil kam noch, nämlich die ganzen Schlitze für die Anlassleine und die Lufteinlässe hinein zu machen. Ich zeichnete alles mit Kreide an, während die Husse auf der Motorhaube saß, dann schnitt ich die Löcher zurecht, fertigte aus Plastik noch ein paar Verstärkungen für die Ecken an und Kai nähte in mühevoller Kleinarbeit alles zusammen.

Ist zwar auch nicht unbedingt wunderschön geworden, aber wir sind dennoch zufrieden!

DHL und Kais Foil – Teil 3

Wer die bisherige Reise von Kais Foil mitverfolgt hat, kann sicherlich nachvollziehen, welche Freude wir empfanden, als das Foil am 19.04., nach dieses Mal nur 11tägiger Reise, hier in Antigua eintraf. Auf dem Tracking lasen wir, dass die Sendung im Zielland eingetroffen ist und zur Verzollung vorbereitet wird.

Leider ist es hier in Antigua seit ein paar Jahren nicht mehr möglich, die Pakete direkt in Empfang zu nehmen, sondern man muss dafür einen Broker beauftragen. Und weil die Broker nicht so gerne mit Endkunden zusammenarbeiten, beauftragt man dann am besten auch zusätzlich noch einen Agenten. Dies hatten wir bereits im Vorfeld getan. Unserem Broker und Agenten lagen alle notwendigen Formulare und Papiere vor, um unser Foil für uns entgegen zu nehmen. Das Schöne hier in Antigua, wie auch in St. Martin, ist, dass man die Sachen zoll- und steuerfrei bekommt. In St. Martin ist das grundsätzlich der Fall, in Antigua ist es so, weil wir hier als Yacht in Transit gelten und die importierten Waren beim Verlassen von Antigua wieder von uns exportiert werden. So entstehen also lediglich Kosten für den Agenten und Broker in Höhe von ca. €70,-. Das dachten wir zumindest, denn so war es bei unseren bisherigen Bestellungen immer gewesen.

Am 20.4. informierten wir unsere Agentin, dass das Paket angekommen sei und sie wollte sich gleich um alles Weitere kümmern. Doch Nachmittags rief sie uns an und teilte uns mit, dass unser Paket leider nicht im DHL-Büro angekommen sei und dort hätte man ihr auch gesagt, dass die Tracking Nummer unseres Pakets keine DHL Tracking Nummer sei, sondern eine Post Tracking Nummer. Was sollte denn der Quatsch? Kais Mutter hatte das Paket bei DHL aufgegeben, wir hatten DHL Premium Versand gebucht, wir konnten das Paket über die DHL Internetseite tracken und nun sollte das plötzlich keine DHL Tracking Nummer sein. Was war denn da los? Auf jeden Fall war unser Paket erst einmal unauffindbar. Das konnte doch nicht wahr sein!

Zwei Tage später (Freitags) rief uns unsere Agentin wieder an und teilte uns mit, dass sie nun eine Benachrichtigung der Hauptpost in St. John’s erhalten habe. Unser Paket war wohl tatsächlich bei der Post gelandet und sie sagte uns, dass sie noch am gleichen Tag hinfahren und das Paket abholen würde. Wir lagen uns vor Freude in den Armen! Kais Foil war nicht verschollen. Nach fast 3 Monaten hatte es endlich den Weg zu uns gefunden.

Doch wir hatten uns zu früh gefreut! Denn um kurz vor 12 Uhr bekamen wir erneut einen Anruf unserer Agentin. Sie sei jetzt in der Hauptpost, aber man wolle ihr das Paket nicht aushändigen. Sie müssen Zoll und Steuern in Höhe von XCD800,- (umgerechnet fast €280,-) zahlen. Wir verstanden die Welt nicht mehr und fragten, ob sie denn nicht unsere Boots- und Einklarierungspapiere dabei hätte und ob der Zoll denn auf dem Adressfeld nicht gesehen hätte, dass wir eine „Yacht in Transit“ sind. Doch, doch, der Zoll habe das alles gesehen, aber die Zollbeamtin meinte, dass lediglich Bootsteile zoll- und steuerfrei eingeführt werden dürften, nicht aber Kite-Equipment. Das hatten wir noch nie gehört und auch unserer Agentin bestätigte, dass sie diesen Fall noch nie hatte. Aber die Zollbeamtin ließ einfach nicht mit sich reden und bestand auf Zahlung der Gebühren. So sagten wir unserer Agentin, dass sie das Paket nun erst einmal dort lassen soll und wir uns selbst um alles weitere kümmern. Das Foil war ja schließlich gebraucht und hatte gerade mal €1.100,- gekostet, da waren €280,- an Zoll und Steuern für uns einfach nicht tragbar, zumal es ja auch ungerechtfertigt war. 

So verbrachten wir dann die nächsten Tage mit Recherche im Internet und bei Freunden und Bekannten. Zum einen wollten wir herausfinden, ob das auch schon anderen Leuten passiert war und zum anderen hätten wir gerne mal den Original-Gesetzestext gelesen. 

Egal wen wir fragten, niemand hatte jemals mit Yacht in Transit Status Zoll oder Steuern bezahlt. Unsere schwedischen Freunde, die momentan auf einer Superyacht arbeiten, hatten in den vergangenen Monaten diverses Foilzubehör, Boards, T-Shirts, Lebensmittel und viele andere Sachen bestellt und nie etwas bezahlt. Andere Freunde hatten kürzlich einen Kite und ein Twintip importiert, ohne Gebühren. Auch die Kiteschule, die seit Jahren ständig Sachen für Segler bestellt, hatte noch nie Zoll bezahlen müssen. Was ist das nur mit Kai und diesem Foil. Das Ding ist absolut verhext!

Da wir leider das Zollgesetz im Internet nicht finden konnten, schrieb Kai eine e-mail an die Zollbehörde und fragte, ob wir als Yacht in Transit beim Import von Kite-Equipment Zoll und Steuern zahlen müssten. Wir warteten ein paar Tage, doch es kam keine Antwort. So rief ich bei der Zollbehörde an, doch leider nahm einfach niemand das Telefon ab. Super! Was nun?

So rief ich im DHL Büro an und fragte, ob man uns dort behilflich sein könnte. Ich gab der Dame meine Tracking Nummer und bekam erneut die Auskunft, dies sei keine DHL-Tracking Nummer, sondern eine Nummer der Post. Da wurde ich dann aber doch mal ziemlich wütend und fragte sie, warum ich denn das Paket auf DHL tracken kann, wenn dies keine DHL Tracking Nummer ist. Darauf wusste sie dann auch keine Antwort und verband mich mit ihrem Chef. Auch dieser behauptete, es sei keine DHL Tracking Nummer, aber schließlich konnte ich ihn überzeugen mal bei DHL.com unsere Tracking Nummer einzugeben. Kai hatte ja persönlich die Formulare bei DHL im Internet ausgefüllt und das Paket mit DHL Premiumversand (dem teuersten verfügbaren Versand) verschickt. Endlich hatte ich den Herrn überredet und er sah sich das Tracking unseres Pakets an. Nun glaubte er mir, dass wir das Foil tatsächlich mit DHL verschickt hatten und konnte mir dann sogar erklären was hier schief gelaufen war. Die DHL-Annahmestellen in Deutschland können wohl entscheiden, ob sie das Paket im Zielland an ein FedEx-Büro, ein DHL-Büro oder an die Post senden. Und weil es für DHL wohl billiger ist, das Paket an die Post zu senden, hatte man dies in unserem Fall getan. Wir hatten ja auch nur den Premiumversand bezahlt, da muss DHL dann schon schauen, wie sie noch zusätzlich ein paar Öcken sparen können. Und diese Entscheidung bei DHL hatte nun unser Desaster ausgelöst. Denn wäre das Paket an das DHL-Büro gegangen, wäre es durch den Yacht in Transit Status gar nicht durch den Zoll geschleust worden, sondern wir hätten es direkt dort abholen können. Da es nun aber bei der Post gelandet war, konnte das DHL-Büro in Antigua leider nichts mehr ausrichten. Ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, welchen Hass auf DHL wir mittlerweile entwickelt haben?!

So mieteten wir uns also Dienstags ein Auto, packten alle unsere Boots- und Einklarierungspapiere ein und fuhren erst einmal ans eine Ende der Insel nach Falmouth, um den Benachrichtigungsschein von unserer Agentin abzuholen. Danach fuhren wir ans andere Ende der Insel zur Hauptpost. Dort gaben wir den Benachrichtigungsschein ab und Kai wurde ins Zollbüro gebeten. Er setzte dem Zollbeamten auseinander, dass da wohl ein Irrtum vorliegt, weil wir als Yacht in Transit ja keinen Zoll bezahlen müssten und legte ihm unsere Papiere vor. Der Beamte fand das alles gut und recht, verstand auch unseren Standpunkt, meinte aber, er könne da jetzt gar nichts machen, weil seine Vorgesetzte entschieden habe, dass wir das zahlen müssen. Okay, dann diskutieren wir das mit seiner Vorgesetzten. Das war aber leider nicht möglich, denn diese ist ja erst wieder in zwei Wochen im Büro. Ich dachte mein Schwein pfeift! Wir hatten nun also die Wahl, entweder wir zahlen die €280,- und nehmen unser Foil mit oder wir lassen es da und kommen wieder, wenn die Vorgesetzte vom Urlaub zurück ist. Oder Variante drei: ich packe das Foil aus, schlage damit die Einrichtung des Zollbüros kurz und klein, stopfe es danach in den Müll und habe endlich meine Ruhe! Leider gefiel Kai die dritte Variante nicht so gut und so zahlte er zähneknirschend die Gebühren, denn jetzt wo das Paket vor ihm stand, wollte er es auf keinen Fall zurücklassen mit der Gefahr, dass es am Ende in zwei Wochen verschwunden ist.

Außerdem bangten wir auch noch, ob das Foil nach seiner Reise von der holländischen Grenze bis nach Malta, dann zurück nach Hockenheim und nun endlich nach Antigua, überhaupt noch heil ist. Wir hatten keine Muse alles in der Stadt auf dem Parkplatz auszupacken und so fuhren wir zum nächstgelegenen Strand. Dort versuchte ich mich beim Blick aufs türkisfarbene Wasser und beim sanften Wellenrauschen erst einmal wieder zu beruhigen, während Kai sein Foil auspackte. Glücklicherweise war alles heil und das Foil tatsächlich wie vom Verkäufer angegeben in einem sehr guten Zustand. Welch Erleichterung!

Mit etwas besserer Laune machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Fort in St. John’s, gingen danach noch im Supermarkt einkaufen, holten unsere gefüllten Gasflaschen in der Raffinerie ab und machten uns wieder auf den Heimweg.

Doch die ganze Sache ließ mir keine Ruhe und ich war immer noch stinksauer und so machte ich mich dann zu Hause nochmal ans Recherchieren. Und tatsächlich fand ich dieses Mal über mehrere Umwege den Gesetzestext. Und dieser besagt, dass wir als Yacht in Transit auf Dinge, die wir bei Abreise wieder mit aus dem Land nehmen keine Zollgebühren und Steuern zahlen müssen. 

Und am Freitag war dann sogar noch eine e-mail-Antwort der Zollbehörde in Kais e-mail-Eingang, die uns genau dies auch nochmal bestätigte! Könnt ihr euch das vorstellen? Wir sind anscheinend an die einzige Beamtin in Antigua geraten, die das Gesetzbuch nicht richtig lesen kann. Wieviel Pech kann man denn nur haben?

So werden wir also irgendwann in ein, zwei Wochen nochmal nach St. John’s fahren und ich werde die Poststelle nicht verlassen, bevor ich meine XCD800,- zurück bekommen habe. Mal sehen wie das ausgehen wird! Ich werde berichten!