Ersatzteilmangel

Im Januar waren es bereits 14 Monate, dass wir nicht mehr in Martinique waren. Und seit 19 Monaten hatte uns niemand besucht, der uns Ersatzteile aus Deutschland hätte mitbringen können. Und so hatte sich mittlerweile eine ganz schön lange Liste an Dingen angesammelt, die wir auf unserer Silence erneuern müssten. Aber entweder wir fanden diese Dinge weder in Grenada oder Antigua oder sie waren so teuer, dass uns die Spucke wegblieb. 

Zuletzt hatten wir in 2017 die Teile für den Bau unseres Wassermachers in USA bestellt. Nachdem sich dies so schwierig gestaltet und uns viele Nerven und Geld gekostet hatte, beschlossen wir damals, nie wieder etwas in den USA zu bestellen.

Doch jetzt musste es einfach sein. Unser Wasserhahn im Salon leckte, unsere Windanzeige funktionierte nicht mehr, das Ankerlicht war kaputt, Rolos verschimmelt und verrostet, die Halterung für unseren Außenborder gebrochen, … eine Bestellung lohnte sich also. 

So suchten wir uns einen geeigneten Consolidator in den USA, der uns eine Adresse zur Verfügung stellen und unsere Pakete annehmen und prüfen würde. Gleichzeitig sollte der Consolidator dann auch in der Lage sein, alles in ein Paket zu packen und für nicht allzu hohe Kosten zu uns nach Antigua zu schicken. In myus.com fanden wir den geeigneten Service und unterschrieben den Vertrag.

Nun benötigten wir noch hier in Antigua einen Agenten/Broker, der die Sachen bei Ankunft für uns aus dem Zoll holen würde, denn das darf man hier leider nicht selbst erledigen. Freunde von uns empfahlen uns Group Island Yacht Services in Falmouth und so unterschrieben wir dort ein paar Formulare, gaben ihnen Kopien unserer Bootspapiere und es konnte losgehen mit den Bestellungen.

Voller Freude fingen wir im Januar an, im Internet nach den benötigten Sachen zu suchen, Preise und Versandkosten zu vergleichen und bei amerikanischen Freunden Erkundigungen über die Bonität der Anbieter einzuholen.

Viele Dinge fanden wir bei Amazon und hier war die Bestellung auch genauso unkompliziert wie in Deutschland bei Amazon. Wir konnten problemlos mit Kreditkarte bezahlen und schon waren die ersten Dinge auf dem Weg zu unserem Consolidator in Sarasota.

Bei anderen Anbietern gestaltete sich das Bestellen etwas schwieriger. Defender, ein großer Schiffszubehörladen, bemerkte z.B., dass die Adresse unserer Kreditkarte nicht mit der Lieferadresse übereinstimmt und wir mussten per e-mail nochmal die komplette Anschrift, die für unsere Kreditkarte hinterlegt ist, angeben. Dann fiel ihnen auf, dass die Lieferanschrift die eines Consolidators ist und sie wollten uns gesonderte Zollformulare für den Weiterversand zukommen lassen. Das war zwar nett gemeint, benötigten wir aber nicht, weil unser Consolidator das alles für uns erledigt.

Bei einem anderen Anbieter wollten wir mit PayPal bezahlen. Den Paypal-Dienst hatten wir schon oft für Zahlungen genutzt, das letzte Mal, als wir in Grenada etwas bezahlten. Beim Einloggen musste Kai allerdings erst einmal gefühlte 100 Fotos anklicken, auf denen Ampeln, Hügel, Autos etc. zu sehen waren (Captchas, um sicherzustellen, dass er kein Roboter ist). Wahrscheinlich witterte der PayPal-Server Betrug, da wir uns ständig aus einem anderen Land eingeloggt hatten. Naja, nach einiger Zeit war das endlich geschafft, aber dann hieß es, dass Kai nun eine sms mit einer TAN-Nummer auf sein Handy bekäme, die er zur Verifizierung eingeben solle. Also die Antigua-Telefonkarte aus dem Handy raus und die Grenada-Telefonkarte rein. „Kein Empfang“. Die Grenada-Telefonkarte funktionierte hier in Antigua nicht. Was nun? Da muss Kai die bei Paypal hinterlegte Nummer ändern in unsere Antigua Nummer. Das war leichter gesagt als getan, denn zur Änderung der hinterlegten Telefonnummer wollte PayPal ebenfalls eine sms an die Grenada-Karte schicken. Wir hatten das typische Henne-Ei-Problem. Ich hörte ihn ca. eine Stunde lang nur noch fluchen und schimpfen bis er es schließlich irgendwie geschafft hatte und wir die Sachen bestellen konnten.

Aber das Beste kam erst noch, als er am Folgetag bei einem anderen Anbieter ebenfalls mit PayPal bezahlen wollte. Es war kaum zu fassen, aber urplötzlich war wieder unsere Grenada-Telefonnummer hinterlegt und alle Änderungen vom Vortag waren verschwunden. Jetzt musste das ganze Spiel von neuem losgehen. Welch ein Aufwand und Ärger!

Aber irgendwann war es endlich geschafft: die ganzen Bestellungen waren auf dem Weg zu unserem Consolidator und wir luden die Rechnungen in dessen System hoch, damit er nachvollziehen konnte, was alles geliefert wird.

Doch jetzt ging hier der Ärger los. Zuerst hieß es, dass bei einer Lieferung nicht alle bestellten Sachen angekommen seien. Auf dem Lieferschein waren aber alle Dinge aufgeführt. Unser Consolidator macht vom Inhalt jedes Päckchens ein paar Fotos, die man sich gegen Zahlung einer Gebühr von US$2,- anschauen kann. Also bezahlten wir die Gebühr und versuchten auf den etwas unscharfen Fotos zu erkennen, ob alle bestellten Teile abgebildet sind. Wir meinten das fehlende Teil zu sehen, schrieben unserem Consolidator das und siehe da, bei Überprüfung wurde festgestellt, dass doch alle Teile vorhanden waren. Aber die US$2,- durften wir trotzdem bezahlen. So kann man auch Profit generieren.

Des weiteren wurde unsere Amazon-Bestellung in mehrere Lieferungen aufgeteilt, zu denen es auch jedes Mal einen Lieferschein gab. Der Consolidator myus glich jedoch lediglich den Lieferschein der ersten Lieferung mit der Bestellung ab und hakte die gelieferten Teile im System ab. Bei den nächsten Lieferungen wurden die Sachen nicht abgehakt, sondern irgendjemand gab Beschreibungen der gelieferten Dinge ins System ein, die teilweise überhaupt nicht stimmten. Das war zuerst nicht weiter schlimm, weil wir jeweils identifizieren konnten, was gemeint war, aber als eine Batterie falsch bezeichnet wurde, gingen die Probleme erneut los. Wir hatten für unsere Bohrmaschine einen NiMh-Akku bestellt, im myus-System war jedoch angegeben, dies sei ein Lithium-Ionen-Akku. Diese können jedoch nicht so einfach per Luftfracht versendet werden. Hierzu bedarf es gesonderter Regularien und Deklarierungen, die bei myus zusätzlich US$30,- kosten. Da wir ja extra keinen Lithium-Ionen-Akku bestellt hatten, weil wir die Problematik kannten, teilten wir myus mit, dass es sich um eine herkömmliche Batterie handelt. Unsere e-mail landete irgendwo im Service-System, es wurde ein Ticket aufgemacht und sonst passierte nichts. So schrieb Kai erneut und hängte nochmals die Rechnung an. Es wurde wieder ein Ticket aufgemacht. Kai schrieb eine erneute e-mail, dass seine e-mail doch bitte an den betreffenden Mitarbeiter weitergeleitet werden solle. Außer dass ein erneutes Ticket aufgemacht wurde passierte nichts. Der Akku war weiterhin als Lithium-Ionen-Akku angegeben. So beschlossen wir erst einmal abzuwarten bis alle Teile geliefert waren und hofften, dass sich das Problem bis dahin geklärt hätte. Pustekuchen! Also nochmal eine diese Mal etwas unfreundlichere e-mail, wieder ein neues Ticket und einige Tage später war es endlich richtig im System. Juhuuuuu! Jetzt konnten unsere Bestellungen die Reise nach Antigua antreten.

Wir hatten bereits vor ein paar Wochen meine Kreditkarte als Zahlungsart angegeben und drückten nun den Button zum Versenden. Doch ach weh, so einfach ging es dann doch nicht. Denn jetzt fiel myus ein, dass sie ja erst noch meine Kreditkarte verifizieren möchten. Warum hatten sie das denn nicht gleich getan, als ich meine Kreditkartendaten eingegeben hatte?! Die Verifizierung sah folgendermaßen aus: auf meiner Kreditkarte wurde ein nicht genannter kleiner Betrag belastet und sobald dieser als Abbuchung erschien, mussten wir den Betrag im myus-System eingeben. Wir hatten unsere Bestellung am Donnerstag los senden wollen, doch da wurde nun erst einmal die Abbuchung losgesendet. Übers Wochenende passiert bei den Banken ja bekanntlich nichts und so kam die Abbuchung erst am kommenden Dienstag auf meinem Konto an. Wir gaben den Betrag ins System ein und jetzt endlich konnte die Bestellung abgeschickt werden.

Und von da an ging alles ganz schnell. Die Ware wurde noch Dienstags mit FedEx losgeschickt und war bereits Freitag Nachmittag in Antigua. Und Montag früh schrieb uns unser Broker, dass wir unseren großen Karton bei ihr abholen könnten. Wenn doch nur alles so gut geklappt hätte wie der Versand aus den USA nach Antigua!

Wir waren überglücklich, als wir unsere ganzen Bestellungen Anfang Februar in Händen hielten. Aber ich muss schon sagen, allzu oft würden wir das trotzdem nicht machen wollen. Es ist einfach so viel Ärger und Unmuß und die Versandkosten sind beträchtlich.

Hier mal die Auflistung des Warenwerts im Gegensatz zu den anderen Kosten:

Warenwert: US$817,91
Versandkosten in USA: US$61,17
Versandkosten myUS: US$149,99
Broker in Antigua: US$100,-

Somit hatten wir an zusätzlichen Kosten US$311,16, also mehr als ein Drittel des Warenwerts. Aber was soll man machen, wenn man die Teile dringend benötigt, hier aber nicht bekommt und uns auch niemand die Teile aus Deutschland mitbringen kann. Da muss man in den sauren Apfel beißen!

Alternativprogramm Schnorcheln

Wir hatten gerade kürzlich eine Dokumentation namens „Chasing Coral“ angeschaut, die wir sehr empfehlen können. Sie hatte uns fasziniert, gleichzeitig aber auch ernüchtert. Und wir hatten einiges über Korallen erfahren, das wir bisher nicht wussten. Und dieses Wissen möchten wir heute gerne mit Euch teilen.

Korallen sehen zwar aus wie Pflanzen oder Steine (manche heißen sogar Steinkorallen), aber in Wirklichkeit sind es Tiere. Sie gehören zum Stamm der Nesseltiere. Steinkorallen z.B. setzen sich aus tausenden von kleinen Polypen zusammen, in denen Algen namens Zooxanthellen leben. Diese geben den Korallen nicht nur ihre Farben, sondern ernähren sie auch. Unter anderem stimulieren sie die Produktion von Kalziumkarbonat, was die Korallen zum Wachstum benötigen. Korallen wachsen sehr langsam, die meisten Arten bringen es gerade mal auf 2,5cm pro Jahr.

Die Zooxanthellen benötigen Sonnenlicht und somit klares Wasser, um zu wachsen. Auch die Wassertemperatur spielt eine große Rolle. Sie muss konstant zwischen 21-29,5°C liegen. Erwärmt sich das Wasser über mehrere Monate um 1-3°C, gerät die Photosynthese der Zooxanthellen durcheinander. Anstatt Kalziumkarbonat erzeugen sie kleine Moleküle, die die Koralle angreifen. Somit bleibt der Steinkoralle nichts anderes übrig, als die Zooxanthellen abzustoßen, wodurch die Steinkorallen dann aber verhungern. Da sie bei diesem Prozess ausbleichen (denn die Zooxanthellen geben ihnen ja die leuchtenden Farben) nennt man diesen Prozess Korallenbleiche.

Aber die globale Erwärmung ist nur einer der Gründe für Korallensterben. Andere Gründe sind Abwässer, Dünger, Sonnencreme und Dynamit- und Cyanid-Fischen. 

Aktuelle Modelle gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahrzehnten ca. 90% der Korallenriffe verlieren werden! Eine schreckliche Prophezeiung.

Und damit verlieren wir nicht nur die Riffe, die die Küsten vor Erosion oder Sturmschäden schützen, sondern wir verlieren auch eine große Vielzahl an Fischen. Denn die Korallen sind die Kinderstube und Heimat von fast einem Drittel der Salzwasserfische, von denen sich viele Menschen ernähren.

In der Nonsuch Bay gibt es bereits sehr viele ausgebleichte Riffe. Die Korallenüberreste liegen in großen Schutthaufen am Meeresgrund. Nur ab und an stößt man auf eine schöne Hirnkoralle. Ansonsten ist dort vieles grau in grau. Wir können den Trend des Korallensterbens also nicht leugnen. Hier ist er ganz klar sichtbar.

Aber im North Sound gibt es glücklicherweise noch einige lebende Riffe. Und so wollten wir uns bei unserem Schnorchelgang dieses Mal nicht wie für gewöhnlich auf die Fische konzentrieren, sondern auf die verschiedenen Korallenarten. Und wir waren erstaunt, welche Vielzahl von Korallen es hier gibt. Wir fanden sehr viele Steinkorallen wie z.B. Hirnkorallen, Geweihkorallen, Fingerkorallen. Und auch Unmengen von Gorgonien wie z.B. Seefächer, Strauchgorgonien und Federgorgonien.

Wenn man näher herangeht, kann man bei fast allen sogar die einzelnen Polypen ausmachen. Faszinierend!

Ich lasse jetzt am Besten einfach mal die Fotos für sich sprechen. Wir haben, wo es uns möglich war, die Namen der Korallen in der Beschriftung genannt.

Foilen hinter Great Bird Island

So ganz geheuer war es mir hier zwar nicht zwischen all den Riffen, aber da wir nun schon mehrere Wochen nicht mehr gekitet hatten, wollten wir doch einen Versuch wagen. 

Wir bauten unseren Kite am Boot auf und ich schickte erst einmal Kai als Testkaninchen raus. Als er mit seiner Session fertig war, erklärte er mir, wo der Wind am besten ist (denn hier schräg hinter Bird Island war es natürlich etwas böig) und dann versuchte auch ich mein Glück.

Es war schön, endlich wieder auf dem Foil-Board zu stehen, aber so richtig optimal war es hier in der Tat nicht. In Richtung Süden musste man ein Riff umfahren und danach kam man schon bald in den Windschatten einer Insel. Richtung Norden war man schnell im Windschatten von Bird Island. So ging es auf recht kurzen Tacks hin und her, was für mich recht anstrengend war. Aber es war trotzdem schön endlich mal wieder zu hydrofoilen.