Wieder mal auf der Werft

Da wir unsere Silence letztes Jahr nicht aufs Trockene gestellt haben, war es dieses Jahr mal wieder an der Zeit. Das Antifouling nützte nicht mehr allzu viel und der Bewuchs wucherte lustig an unserem Rumpf herum. Außerdem war uns irgendwann unterwegs die Rumpfdichtung einer unserer Saildrives abgefallen, die wir neu anbringen müssen und es gibt noch die ein oder anderen Kleinigkeiten zu erledigen.

So machten wir uns am Montag vormittag auf den Weg nach St. Davids Harbour, wo die Grenada Marine Werft angesiedelt ist. Wir hatten uns extra erst einen Termin für 11 Uhr besorgt, damit wir nicht schon am Vortag „anreisen“ müssen, weil der Wetterbericht für Montag morgen ganz wenig Wind vorhersagte (nur 8 Knoten) und wir ein Stück direkt gegen den Wind motoren mussten. Doch nach fast 3 1/2 Jahren hier in der Karibik sollten wir natürlich langsam mal wissen, dass das Wetter nie das macht, was wir gerne hätten. Als wir losfuhren hatten wir ca. 15 Knoten Gegenwind, doch dann kam noch ein dicker Regenschauer auf uns zu und bescherte uns für ca. 1/2 Stunde mehr als 20 Knoten Wind, so dass wir auch aufgrund der starken Gegenströmung nur noch mit ca. 2 Knoten vorwärts kamen. Selbst Laufen wäre wahrscheinlich schneller gewesen: wir brauchten für die 11km fast 2 Stunden!

Als wir kurz vor 11 Uhr ankamen, war dann gerade ein anderer Katamaran im Travellift. Na super! Also drehten wir noch eine Runde, bevor wir rückwärts ins Becken fahren konnten. Und da lagen wir dann erst einmal bis 13 Uhr, weil die Jungs von der Werft Mittagspause machten, nachdem sie den anderen Katamaran platziert hatten. Na, das fing ja alles gut an! Es regnete immer mal wieder wie aus Kübeln und wir verkrochen uns irgendwann ins schöne kühle und trockene Marina-Office, um die Formalitäten zu erledigen.

Doch danach lief dann alles wie am Schnürchen. Wir bekamen ein schönes Plätzchen nah am Wasser, wo die ganze Zeit eine frische Brise weht und haben einen netten Amerikaner als Nachbarn.

Inzwischen haben wir uns ein bisschen besser an die karibische Arbeitsweise angepasst: nicht zu viel an einem Tag arbeiten und hie und da auch mal etwas hinpfuschen, was uns ansonsten viel Zeit und Geld gekostet hätte.

Von den echten Locals sind wir aber immer noch meilenweit entfernt. Beispielhaft hier der vorgestrige Arbeitstag des Fahrers des 70t Travellifts:

  •  um 7:30 mit Joint zum Büro schlappen zum morgendlichen Meeting
  • nix zu tun, also sich irgendwo zwischen die Boote verdrücken und Joints rauchen
  • kurz nach Mittag dann die Überraschung: ein kleines Boot will doch zu Wasser gelassen werden! Verdammt! Naja, erstmal Joint an und zum Travellift schlurfen…
  • …aufsitzen und mit qualmendem Joint den 70t Travellift millimetergenau durch die Fluchten von Booten manövrieren
  • nach diesem anstrengenden Auftrag erstmal an den werfteigenen Strand gehen und ins 30°C warme karibische Meer springen. Dabei kurz mal einen gut 2 Pfund schweren Lobster fangen.
  • zum werfteigenen Grill laufen und Lobster grillen, dabei Joint rauchen
  • pünktlich zum Feierabend mit den Arbeitskumpels Lobster essen
  • Leben genießen und dabei Joint qualmen

Wenn wir da so an die deutsche Arbeitssicherheit denken, sind wir sicher, dass die Mitarbeiter dieser Abteilung hier den ganzen Tag ihren Spaß hätten. Denn auch der Fahrer des Bobcat (ein kleiner Bagger) hält sich nicht unbedingt an die europäischen Sicherheitsstandards. So nimmt er beispielsweise immer gerne einen oder zwei Kollegen vorne auf seiner Schaufel mit, wenn er durch die Werft fährt. Dann müssen die armen Kerle nicht laufen. Ist doch viel besser!

Früher wären uns bei solchen Dingen die Haare zu Berge gestanden, aber heute können wir nur noch darüber schmunzeln :-).

Und nun wurschteln wir seit Montag Nachmittag täglich bei 34°C an unserer Silence. Im Moment kommen wir gut vorwärts und wir denken, dass wir evtl. schon kommende Woche wieder einwassern können. Obwohl wir die Werft wirklich gut finden (angenehme Brise am Boot, recht sauber, sanitäre Einrichtungen i.O., nette Bar/Restaurant, heute Nachmittag sogar mit Live-Musik!) , ist es natürlich im türkisfarbenen Wasser immer noch am schönsten!

 

Ein Hurrikan jagt den anderen

Dieses Jahr erleben wir hier in der Karibik leider eine überdurchschnittlich aktive Saison. Uns war schon zu Beginn der Hurrikan-Saison klar, dass dieses Jahr anders wird. Bereits im Juni folgte eine Tropical Wave auf die andere und im Juli hatten wir vor Tropical Storm Don Schutz in den Mangroven gesucht. Danach folgte Tropical Storm Harvey, der sich nach einem kurzen Besuch bei uns in der Nähe von Mexico zu einem Hurrikan entwickelte.

Danach hatten wir fast jeden dritten Tag eine Tropical Wave, bis sich da draußen Irma entwickelte. Für uns war relativ früh klar, dass Irma nördlich an uns vorbeiziehen wird und wir somit nichts zu befürchten haben. Doch wir sorgten uns um unsere Bekannten in Antigua und auch um einige Boote von Freunden, die dort auf der Werft die Hurrikan-Saison verbringen. Und die größten Sorgen machten wir uns um unsere Lieblingsinsel Barbuda. Dort gibt es nur eine einzige „Stadt“ mit ca. 2.000 Einwohnern und diese leben in sehr ärmlichen Verhältnissen. Die Insel ist total flach, viele Häuser sind einfache Holzhütten mit Blechdach und uns war Angst und Bange bei dem Gedanken an Windstärken von bis zu 300km/h die über die Insel fegen sollten.

Und leider kam es dann auch tatsächlich so. Hurrikan Irma zog eine Schneise der Verwüstung über Barbuda, St. Maarten und die Virgin Islands. In Barbuda brach der Damm zu der Lagune und die ganze Insel wurde überschwemmt. Die Regierung spricht von einer fast kompletten Verwüstung der Insel.

Dies alles passierte ca. 600km nördlich von uns und dennoch bekamen auch wir hier in Grenada noch Auswirkungen davon zu spüren. Für einen kompletten Tag drehte der Wind auf Westen (normalerweise bläst es hier immer aus Osten) und wir lagen recht unkomfortabel, da Wellen in unsere Ankerbucht liefen und uns den ganzen Tag ordentlich durchschüttelten und uns nachts um den Schlaf brachten. Der Westwind war zwar angekündigt gewesen, doch vorhergesagt waren nur 8 Knoten, in Wirklichkeit waren es dann aber 15 Knoten. Das hätte ich nie gedacht, dass man in so riesiger Entfernung etwas von Hurrikan Irma spüren wird.

Einen Tag vor Irma sahen wir den Katamaran von Richard Branson in Port Louis ankommen. Dieser liegt normalerweise vor seiner Insel in den BVI’s und wir dachten uns dass Mr. Branson wohl schnell mal mit seinem Katamaran geflüchtet ist. Doch später lasen wir, dass er den Hurrikan in seinem Weinkeller auf Necker Island aussitzen wollte. Ich weiß nicht, ob er nicht lieber mit seinem Katamaran hier nach Grenada gefahren wäre, denn angeblich wurde sein Haus auf der Insel dem Erdboden gleich gemacht.

Irma ist der stärkste atlantische Hurrikan außerhalb des Golfs von Mexico und des karibischen Meeres seit Beginn der Aufzeichnungen. Barbuda maß eine andauernde Windgeschwindigkeit von 191 km/h und eine Böe von 250 km/h bevor der Windmesser versagte. Auf St. Barths wurden Böen von über 300km/h gemessen. Das ist für mich der helle Wahnsinn!

Und als ob Hurrikan Irma nicht schon genug Schaden angerichtet hätte, kommt nun gleich noch Hurrikan Jose hinterher. Momentan sieht es so aus, als ob dieser die gleiche Bahn wie Irma nehmen wird, um die Verwüstung komplett zu machen. Seit gestern Nachmittag werden die Anwohner von Barbuda evakuiert und nach Antigua gebracht, wo sie bei Verwandten und in Notunterkünften Hurrikan Jose abwarten müssen. Das ist so schrecklich und wir bangen mit all den Menschen auf den nördlichen Antillen!

Harvey beschert uns einen Ausflug auf die Tobago Cays

Dieses Jahr verschafft uns die Hurrikan Saison recht viel Abwechslung. Innerhalb von vier Wochen kam am Donnerstag bereits der zweite Tropical Storm auf uns zu und so galt es mal wieder zu entscheiden was wir unternehmen, um gut gewappnet zu sein.

Tropical Storm Harvey sollte laut Wetterbericht am Donnerstag Nachmittag irgendwo zwischen Martinique und St. Vincent durchziehen. Es war nicht sonderlich viel Wind gemeldet, aber da es sich um ein Tiefdruckgebiet handelte, sollte der Wind sich über Nord nach West und Süd drehen. Somit benötigten wir eine Ankerbucht in der wir aus allen Windrichtungen geschützt wären und das gibt es, außer in den Mangroven in Carriacou, hier in der näheren Umgebung nicht. Da wir gerade kürzlich erst in den Mangroven waren und die Erinnerung an diese Schufterei somit noch sehr präsent war, wollten wir dort keinesfalls hin, zumal auch lediglich bis zu 30 Knoten erwartet wurden.

So entschieden wir uns für einen Ausflug auf die Tobago Cays. Dies ist eine kleine Inselgruppe ca. 6 Seemeilen vor Union Island, die von einem großen Riff umgeben ist und so hofften wir dort von allen Seiten zumindest einigermaßen vor den Wellen geschützt zu sein.

Am Donnerstag morgen fuhren wir somit bei strahlendem Sonnenschein und wenig Wind unter Motor auf die Tobago Cays. Wir ankerten ziemlich genau in der Mitte der Inseln und machten dann gleich einen kleinen Ausflug auf Baradal, um nach Leguanen Ausschau zu halten.

Als wir das letzte Mal vor zwei Jahren hier waren, sahen wir unzählige riesige Leguane, doch dieses Mal war uns das Glück nicht so hold. Wir marschierten über die halbe Insel und sahen keinen einzigen. Sollten tatsächlich keine Leguane mehr hier sein oder versteckten sie sich einfach nur zu gut vor uns? Wahrscheinlich war es letzteres, denn plötzlich sah Kai einen auf einem Ast gut getarnt zwischen Blättern hervorlugen. Und als wir später auf einen kleinen Hügel stiegen sahen wir nochmals einen, der ganz oben auf einem Baum saß und die Aussicht genoss. Selbst nachdem wir wussten, wo er saß, war er von unten nicht auszumachen. Wahrscheinlich saßen dutzende oben in den Bäumen und lachten von dort auf uns herunter.

Nachdem uns dieser kleine Spaziergang ganz schön ins Schwitzen gebracht hatte, kühlten wir uns danach im Wasser etwas ab. In den Tobago Cays gibt es unglaublich viele Wasserschildkröten und eine bekam ich sogar vor die Linse. Leider sind sie sehr scheu und wollten uns nicht wirklich nahe heran lassen.

Donnerstag abend fing der Wind langsam an nach Nordost und danach nach Norden zu drehen und wir schliefen wie die Babys. Freitag morgen drehte der Wind dann weiter nach Westen und es baute sich etwas Schwell auf, doch wir lagen tatsächlich ziemlich geschützt hinter einer Insel und den Riffen. Es regnete den ganzen Tag doch der nachmittags folgende Südwind war nur kurz unangenehm, weil die Wellen noch einige Zeit aus Westen kamen und sich unsere Silence somit seitlich dazu stellte. Doch am späten Nachmittag war dann auch das ausgestanden. Mit das schlimmste war, als sich alles wieder zurück gedreht hatte und der Wind wieder aus Ost bzw. Südost kam und wir Flut hatten. Nachts um ca. 2:30 Uhr wachte ich auf, weil manchmal Wellen ordentlich gegen einen unserer Rümpfe knallten und das Boot danach ziemlich schaukelte. So lag ich bis fünf Uhr wach, bis die Tide langsam fiel und ich endlich wieder einschlafen konnte.

Da wir morgens dann beide ziemlich gerädert waren und Harvey mittlerweile weitergezogen war, beschlossen wir, erneut bei strahlendem Sonnenschein, zurück nach Union Island zu segeln, um wieder im wunderbar glatten Wasser hinterm Frigate Rock zu ankern.