Auf nach Fort-de-France

Nachdem wir abends todmüde ins Bett gefallen waren, weckte uns morgens um 4:45 Uhr ein lautes Motorengeräusch. Im Halbschlaf zog ich mir das Kissen über den Kopf, doch es half nichts, denn das Geräusch wurde immer lauter. Was um Himmels willen war denn das?

Ich schaute aus dem Fenster und sah zwei Männer, die mit Laubbläsern den Marktplatz reinigten. Um dieses Uhrzeit, die spinnen doch wohl! Aber dann fiel mir ein, dass uns das auch schon im November bei unserem Zwischenstopp hier passiert war. Ich hatte damals gedacht, die würden das vielleicht immer Samstags machen, aber nein, dieses Spektakel findet anscheinend jeden Morgen statt. Wie gut, dass wir nicht in St. Pierre wohnen und mit unserem mobilen Zuhause die Flucht ergreifen können.

Und so gingen wir morgens geschwind zum Einklarieren an Land, danach noch etwas Obst und Gemüse auf dem Markt gekauft und nichts wie schnell weg von hier.

Tatsächlich hatte es heute nur sehr wenig Wind und so mussten wir erst einmal ein ganzes Stück der Strecke unter Motor zurücklegen. Unser Ziel war die Hauptstadt Fort-de-France (FdF) und glücklicherweise blies der Wind wie immer recht kräftig aus der großen Bucht, in der FdF liegt. So konnten wir das letzte Stück unter aufkreuzen fast bis direkt nach FdF segeln.

Und hier wetterten wir dann auch die nächste Tropical Wave ab. Wir hatten zwar viel Regen, aber wir lagen sehr geschützt unterhalb des Forts und hatten somit so gut wie keine Wellen. Das war doch wesentlich angenehmer als in Dominika!

Unverhofft kommt oft

Leider hieß es dann aber doch früher als geplant Abschied zu nehmen von unseren Freunden und von Dominika.

Ursprünglich sollte die nächste Tropical Wave erst in ein paar Tagen über die Karibik ziehen, doch mit jedem neuen Wetterbericht wurde sie früher angekündigt. So wachten wir am 23. August morgens auf und sahen, dass das schlechte Wetter nun schon am übernächsten Tag käme. Am nächsten Tag gäbe es wegen der Ausläufer der tropischen Welle so gut wie keinen Wind, also müssten wir heute los, wollten wir noch vor der Welle nach Martinique segeln. Tja, unverhofft kommt oft und so riefen wir unsere Freunde an, verabschiedeten uns telefonisch von ihnen und machten unsere Silence sofort startklar. 

Um 8:20 Uhr setzten wir die Segel und machten uns auf nach St. Pierre in Martinique. Wir hatten eine Strecke von 55 Seemeilen vor uns und wollten unbedingt noch im Hellen dort ankommen, weil die Bucht immer ziemlich voll ist, es Bereiche gibt, in denen man wegen versunkener Wracks nicht ankern kann und das Ankern somit sogar schon im Hellen manchmal ein schwieriges Unterfangen ist. 

Glücklicherweise war das Wetter uns hold. Wir hatten strahlenden Sonnenschein, keinen einzigen Regenschauer und genügend Wind, dass wir gut vorwärts kamen. Einzig die riesigen Teppiche an Sargassum-Seegras bremsten uns manchmal etwas aus. Wenn sich zu viel davon in unserem Ruder ansammelt, schafft der Autopilot es nicht mehr das Schiff zu steuern. Dann müssen wir kurz in den Wind schießen um (fast) anzuhalten, damit das Seegras vom Ruder wegtreiben kann.

Um 17:45 Uhr kamen wir in St. Pierre an, fanden auf Anhieb ein schönes Ankerplätzchen und durften uns gleich danach bei einem herrlichen Sonnenuntergang von dem unerwarteten aber sehr schönen Segeltörn erholen.

Im Regenwald da regnet’s halt…

…würden wir in unserem kurpfälzerischen Dialekt sagen. Denn leider zeigte sich uns Dominika nicht nur von seiner schönen Seite. Ein kleiner Nachteil hier ist, dass es keinerlei gegen Süd- oder Westwind geschützte Buchten gibt. Während der Saison kein Problem, doch in der Hurrikan-Saison kann es schon des öfteren mal zu drehenden Winden kommen und dann liegt man hier in der Prince-Rupert-Bay vor Portsmouth komplett ungeschützt.

Leider mussten wir hier zwei durchgehende Tropical Waves abwettern, die uns beide Male Wind von Süden und Westen und viel Regen bescherten. Und das war gar nicht schön!

Es bauten sich richtige Wellen auf, die unser Boot hoch und runter schaukeln ließen, als wären wir draußen auf See. Da würde man am liebsten das Boot verlassen und irgendwo an Land Unterschlupf suchen. Doch das ist uns zu riskant. Denn bei dem Wellengang kann leicht einmal der Anker ausbrechen und schwupp die wupp wird das Schiff an Land geschwemmt, wie es einem unserer Nachbarboote passierte. Kai schaute aus dem Fenster und meinte zu mir: „Sag mal, war das Boot vorher nicht weiter südlich verankert?“ Wir gingen beide raus um genauer zu schauen und sahen, wie das Boot langsam aber sicher dem Strand zu driftete. Also ging Kai schnell ins Dingi und fuhr hinüber zu dem Katamaran. Ich blieb an Bord, damit uns nicht das gleiche Schicksal ereilt und ich notfalls die Motoren anwerfen könnte, sollte sich unser Anker losreißen. Doch bis Kai bei dem anderen Boot ankam, war es bereits zu spät. Dieses hatte bereits mit den Rudern auf dem Sand aufgesetzt und steckte nun dort im Schwell. Die Eigner waren nicht an Bord und so fuhr Kai mit dem Dingi zum Steg, um dort ein paar Einheimischen, die für die Vermietung der Bojen zuständig sind, Bescheid zu sagen. 

Danach kam er gleich wieder zurück und er schaffte es mit Ach und Krach ohne ins Wasser zu fallen wieder an Bord zu kommen. Uns tat der Eigner des anderen Schiffes total leid, aber das Erlebnis bestärkte uns auch darin, dass man bei solch einem Wetter sein Boot nicht einfach alleine lassen kann. So ungemütlich es an Bord auch ist, da muss man durch!

Am späten Abend ließ der Wind nach und alles beruhigte sich wieder etwas. Doch nun drehte sich unser Schiff quer zur Welle und wir wurden mächtig durchgeschüttelt. Die Gläser klirrten im Schrank und fielen um, die Teller und Pfannen rutschten hin und her, ein paar Flaschen fielen um; es war schlimmer als wenn wir zwischen den Inseln segeln. Ich wurde seekrank und bekam Kopfschmerzen und an Einschlafen war nicht zu denken, weil man im Bett hin und her geworfen wurde. 

Glücklicherweise war der ganze Spuk dann irgendwann nachts vorbei und wir schliefen völlig erschöpft ein. Puh, das muss man nicht allzu oft erleben!

Doch leider sollte uns dieses Schicksal noch ein zweites Mal ereilen, dieses Mal jedoch nicht ganz so schlimm und ohne, dass Boote an Land geschwemmt wurden.

Aber als die dritte Tropical Wave auf die Karibik zuzog, beschlossen wir uns nun doch langsam auf den Weg weiter nach Süden zu machen und diese nicht auch noch hier abzuwettern.