Wale vor der Willoughby Bay

Auf unserer Fahrt zurück nach Green Island hatten wir übrigens noch ein ganz tolles Erlebnis. Kai rief auf einmal ganz aufgeregt, dass er einen Buckelwal aus dem Wasser hätte springen sehen. Ich hielt nach allen Seiten Ausschau, doch ich konnte nirgends einen Wal erblicken. Immer wieder schauten wir über die Wellen, doch da war nichts. 

Und ungefähr eine halbe Stunde später blieb mir fast die Luft weg. Urplötzlich tauchte ca. 50m schräg vor uns ein Wal auf, schwamm kurz an der Oberfläche und tauchte ganz langsam wieder weg. Wow, so nah waren wir selten an einen Wal heran gekommen. 

Doch es sollte noch besser werden. Weitere 10 Minuten später erblickten wir zwei Buckelwale ca. 20m neben unserem Boot. Sie schwammen kurz mit uns mit, immer wieder sahen wir ihre Köpfe und Rücken aus dem Wasser kommen, bis sie sich schließlich mit einem Flossenschlag von uns verabschiedeten und untertauchten. Welch tolles Erlebnis! 

Was ist in der Karibik los?

Auch in der Karibik sind wir leider nicht von Corona verschont. Während wir wochenlang nur im Internet darüber lasen oder aus Neuigkeiten von Zuhause wussten, was gerade passiert, betraf uns dieses Thema nicht wirklich. Hier in Antigua war alles ganz normal und auf unserem Boot bekamen wir sowieso so gut wie nichts mit.

Doch dann gab es auch in der Karibik die ersten Fälle. Grenada reagierte als erstes und ließ keine Italiener, Franzosen und Spanier mehr ins Land. Trinidad führte ein paar Tage später ebenfalls Maßnamen ein und ließ nur noch die eigenen Staatsbürger per Flugzeug ins Land. Dann fingen die französischen Inseln Martinique und Guadeloupe an, Flüge vom Festland einzustellen. Doch für uns Segler war weiterhin alles wie gehabt.

Da unsere Aufenthaltsgenehmigung in Antigua am 21.3. ausläuft, planten wir noch meinen Geburtstag am Dienstag, 17.3. zusammen mit unseren kanadischen Freunden zu feiern und an einem der darauffolgenden Tage zum Ausklarieren nach English Harbour zu fahren. Wir wollten wie immer nach Guadeloupe, um dort für die nächsten drei Monate einzukaufen, und dann wieder zurück nach Antigua.

Doch leider überschlugen sich auch hier auf einmal die Ereignisse. An meinem Geburtstag lasen wir, dass Guadeloupe die Grenzen für Yachten komplett schließt und nur noch Staatsbürger zurück ins Land lässt. Ach herrje, was machen wir denn jetzt? Wir müssen Antigua verlassen, weil unsere Aufenthaltsgenehmigung ausläuft, können aber nicht nach Guadeloupe. Mein Geburtstag war überschattet von Sorgen, was wir denn jetzt unternehmen sollen. Normalerweise kann man seine Aufenthaltsgenehmigung in Antigua auch um 3 Monate verlängern, muss hierzu aber zu Behörden in die Hauptstadt St. John’s, zig Formulare ausfüllen, Passfotos mitbringen, …

Aber eine andere Möglichkeit sahen wir nicht. 

Wir diskutierten hin und her. Sollten wir direkt von Green Island aus mit dem Bus nach St. John’s fahren, um das Prozedere anszustoßen oder sollten wir zur Immigrationsbehörde in English Harbour, um dort zu klären, was wir unternehmen müssen. Oder sollten wir es wie andere Segler machen und einfach ignorieren, dass unsere Aufenthaltsgenehmigung ausläuft und gar nichts unternehmen?

Das Schlimmste ist immer die Unsicherheit, aber das muss ich euch allen wahrscheinlich nicht sagen. Was war der beste und am wenigsten aufwändige Weg? Zum Stillhalten (Duck and Cover :-)) waren wir einfach zu deutsch. Ohne Aufenthaltsgenehmigung im Land bleiben, das fühlte sich nicht gut an. Also was nun?

Wir beschlossen das Thema zu vertagen und erst einmal in Ruhe meinen Geburtstag zu feiern. Doch das war einfacher gesagt als getan. Als Geburtstagskuchen gab es Donauwellen und nach dem Kaffee machten wir einen Strandspaziergang. Zum Abendessen hatten wir dann unsere kanadischen Freunde Susan & Lee eingeladen. Da wir schon seit zwei Wochen nicht mehr einkaufen waren und vor meinem Geburtstag auch keine Lust hatten einen vollen Tag damit zu verbringen, wenn wir sowieso kurz danach nach Guadeloupe fahren, gab es für mich ein ziemlich lustiges Geburtstagsgeschenk. Susan & Lee hatten noch Putenbrust eingefroren, die sie mir schenkten und so gab es als Geburtstagsessen Schnitzel mit Kartoffelbrei und Rotkraut! 

Doch im Hintergrund lauerte den ganzen Tag unsere Aufenthaltsgenehmigung und auch beim Abendessen diskutierten wir das Thema mit unseren Freunden. 

Abends checkten wir die Neuigkeiten im Internet und sahen, dass auch Antigua ab dem 18.3. neue Maßnahmen für Yachten einführt. Die Einklarierungsstellen in English Harbour, Jolly Harbour und Barbuda dürfen niemanden mehr einklarieren und alle Yachten, die nach Antigua kommen, müssen nach St. John’s, wo sie sich einem Gesundheitscheck unterziehen müssen. Aber was bedeutete das für uns?

Wir gingen abends völlig verwirrt zu Bett und hofften einfach darauf, dass wir unsere Aufenthaltsgenehmigung irgendwie verlängert bekommen. 

Am 18.3. besprachen wir beim Frühstück, dass wir jetzt einfach mal mit unserer Silence nach Falmouth bzw. English Harbour fahren, um dort zu fragen, was wir tun können.

Wir segelten los und checkten von unterwegs nochmal die Informationen im Internet. Und tatsächlich fand ich auf der Facebook-Seite der Antigua Cruiser einige Informationen eines anderen Seglers, der gerade dabei war die Aufenthaltsgenehmigung in der Behörde in St. John’s zu verlängern. Als ich diese Informationen durchlas, standen mir die Haare zu Berge. Unser Mitsegler schrieb von folgender Vorgehensweise:

Zuerst muss man nach St. John’s zur Einwanderungsbehörde, um dort die Formulare abzuholen.
Dann muss man zu einem Arzt, um sich eine Gesundheitsbescheinigung ausstellen zu lassen und ggf. einen Bluttest abzugeben.
Des weiteren benötigt man noch eine Bankauskunft, die Heiratsurkunde und Passfotos.
Und wenn man alle diese Unterlagen zusammen hat und die Formulare ausgefüllt hat, dann darf man einen Termin vereinbaren.
Zu diesem muss man ordentlich bekleidet erscheinen. Das bedeutet lange Hosen und geschlossene Schuhe; kommt man im schönen knielangen Sonntagskleidchen und den Riemchensandalen, wird man wieder weggeschickt.
Und wenn dann alles bewilligt ist, kann man (ordentlich bekleidet) die ganzen Unterlagen abholen.

Wir wurden beide blass, als wir diese Informationen lasen. Zumal ich momentan gerade mal wieder mit einer Nebenhöhlenentzündung kämpfe und es mir nicht besonders gut geht. Ob ich da überhaupt eine Gesundheitsbescheinigung beim Arzt bekommen würde? Und falls ja, würde ich das ganze Theater überhaupt durchstehen, ohne vollständig krank zu werden? Wir müssten ja zig Mal mit dem Bus einmal quer über die Insel, um nach St. John’s zu kommen. Ich war völlig aufgelöst und war vor lauter Verzweiflung den Tränen nah. Und das alles, weil es hier in Antigua bisher einen bestätigten Fall von Corona gab, der sofort in Quarantäne genommen wurde!

Wir beschlossen, diese Infos erst einmal zu ignorieren und einfach nach English Harbour zur Immigrationsbehörde zu gehen, uns dumm zu stellen und zu fragen, was wir tun müssen, damit wir bis auf weiteres hier in Antigua bleiben können.

Eigentlich hatten wir erwartet, dass es dort riesige Schlangen gibt, weil bestimmt viele Leute Fragen haben. Doch außer uns war nur noch ein anderer Segler dort. So gingen wir direkt zur Immigration und schilderten unser Problem. Die Dame sah sich unsere Stempel in den Ausweisen an, beratschlagte kurz mit ihrer Vorgesetzten und fragte wie lange wir denn verlängern wollten. Wir sagten ihr, dass wir ausreisen würden, sobald wir wieder nach Guadeloupe können. Sie sprach nochmals kurz mit ihrer Vorgesetzten und sagte uns dann, dass wir aufgrund der besonderen Umstände und weil es ja nicht unsere Schuld sei, dass wir nicht wie geplant ausreisen könnten, einen weiteren Monat in Antigua bleiben dürften. Wir bekamen zwar keinen neuen Stempel in unseren Pass oder auch nichts Schriftliches, aber wir waren dennoch überglücklich! Mir liefen vor lauter Erleichterung die Tränen übers Gesicht!

So konnten wir also geschwind ein paar Einkäufe tätigen, die uns die nächsten vier Wochen über die Runden bringen sollten. In den Supermärkten war alles ganz normal. Die Regale waren so voll wie immer und wir bekamen viel frisches Obst und Gemüse. Für den Notfall kauften wir auch nochmal 3kg Mehl und 1kg Nudeln und natürlich etwas Klopapier ;-). Aber ich muss zu unserer Verteidigung sagen, dass wir nur noch 5 Rollen an Bord hatten und wir somit nochmal 10 Rollen kauften, damit wir uns ganz sicher einen Monat lang nicht mehr aus Green Island weg bewegen müssen.

Abends beschlossen wir, meinen Geburtstag nochmal in etwas besserer Stimmung nachzufeiern und gingen in bester Laune zum Burger essen. War das lecker! Und es war auch sehr schön zu sehen, dass auf Antigua alles noch ist wie bisher!

Doch als wir zurück ans Boot kamen, lasen wir schon wieder die nächsten aufregenden Neuigkeiten. Angeblich sollte es ab diesem Abend eine Ausgangssperre für Yachties in Marinas geben. Jeden Abend ab 17 Uhr dürfte man sein Boot nicht mehr verlassen und man dürfte sein Boot auch nicht bewegen. Oje, galt das auch für uns? Wir waren ja nicht in einer Marina, sondern vor Anker. Aber das machte ja keinen Sinn, wenn diese Beschränkungen nur für Boote in Marinas galten. Wir waren wieder komplett verwirrt! Was, wenn wir am nächsten Tag die Ankerbucht nicht mehr verlassen dürften und somit nicht zurück nach Green Island könnten? Dort waren doch alle unsere Freunde, für die wir bereits Vorräte eingekauft hatten. Außerdem passen wir gerade auf das Boot eines Freundes auf, das dort an einer Boje liegt. Ach herrje, was nun?

Wir gingen am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück los, um unsere Benzinkanister aufzufüllen, kauften nochmals etwas frisches Obst und Gemüse und gingen danach Anker auf. Und wunderbar unbehelligt fuhren wir unter Motor aus der Bucht und setzten Kurs auf Green Island. Alle Sorge umsonst! Vielleicht war das einfach eine Fehlinformation gewesen!

Diese sich immer wieder überschlagenden Neuigkeiten sind einfach furchtbar. Man lebt im Ungewissen und weiß heute nicht, was morgen sein wird. Aber wem sage ich das!
Wir haben beschlossen, uns jetzt insofern von der Außenwelt abzuschotten, dass wir so lange wie möglich hier in Green Island bleiben werden und ansonsten unsere Tage wie gewohnt verbringen.

Uns hilft die Natur dann immer mal wieder dabei zu sehen, dass nicht die ganze Welt aus den Angeln gehoben wurde. Die Schildkröten grasen weiterhin am Meeresgrund und strecken zum Atem holen ihre Köpfchen aus dem Wasser, die Vögel kreisen über uns und draußen schlagen die Wellen ans Riff, brechen und schwappen ins türkisfarbene Wasser. Unsere Freunde fahren mit ihren Kites über die Bucht und alles ist so wie immer!

RORC600

Heute war der Startschuss für eine recht bekannte Regatta: die RORC Caribbean 600. In dieser Regatta gibt es vier verschiedene Rennklassen. Insgesamt nehmen in diesem Jahr 74 Boote mit mehr als 700 Personen aus 37 Ländern teil und der Rennkurs geht über 600 nautische Meilen und führt an 11 Inseln vorbei.

Heute um 11:00 Uhr fiel der Startschuss vor English Harbour in Antigua, und auf dem Weg nach Barbuda kam die gesamte Flotte auch an Green Island vorbei. 

Da wir in den vergangenen Jahren die Boote immer nur aus der Ferne gesehen hatten, wollten wir uns dieses Ereignis nun auch mal aus der Nähe anschauen.

Zuerst planten wir, zusammen mit unseren kanadischen Freunden Susan & Lee auf einen kleinen Hügel in Green Island zu steigen, um die Boote von dort aus vorbeisegeln zu sehen. Doch da wir momentan mal wieder so wenig Wind haben, dass es selbst draußen im karibischen Meer fast keine Wellen gibt, beschlossen wir, mit unserem Dingi ganz nah an das Geschehen heran zu fahren.

Das war gigantisch, denn wir waren mittendrin statt nur dabei! Die Boote kamen direkt auf uns zu und wendeten ca. 100m von uns entfernt. Einen besseren Beobachtungsposten hätten wir nicht finden können.

Als uns ca. die Hälfte der Flotte passiert hatte, fuhren wir mit dem Dingi zurück nach Green Island und gingen mit Stühlen, Ferngläsern und Snacks bewaffnet zu unserem nächsten Aussichtsposten.

Als wir auf dem kleinen Hügel ankamen, waren die ersten Boote bereits um die nächste Klippe verschwunden, doch es kam ja noch die Hälfte des Feldes hinterher. So saßen wir bei Kaltgetränken und Snacks direkt auf einer Klippe im leichten Wind und beobachteten das Rennen. Links von uns hatten wir eine tolle Aussicht über die Nonsuch Bay, unter uns surften ein paar Kitelehrer der Kiteschule 40Knots in den Wellen und draußen zog eine Segelyacht nach der anderen vorbei. Zwischendrin sahen wir immer mal wieder einen Trimaran, der die anderen Boote blitzschnell hinter sich ließ und ums nächste Kap verschwand. Und das alles bei ca. 8-10 Knoten Wind. Unglaublich!

Um 14:00 Uhr hatte uns der letzte Teilnehmer passiert und wir packten gerade unsere Sachen zusammen, als Lee plötzlich ganz aufgeregt rief: „Ein Wal, ein Wal!“ Wir holten schnell nochmal unser Fernglas heraus und tatsächlich, da draußen sprang ein Buckelwal immer wieder aus dem Wasser und landete mit einem großen Platsch. Und direkt nebendran tat es ein Baby seiner Mutter gleich und ließ ebenfalls mehrfach das Wasser aufspritzen. Welch gelungener Abschluss eines tollen Regattatages!