Wiedersehen mit alten Bekannten

Vor unserer Atlantiküberquerung hatten wir 2013 an der spanischen Küste Christine und Michael kennengelernt, die mit einer Lagoon 420 unterwegs waren. Sie waren in Frankreich gestartet und wollten ihr Boot in zwei Jahren nach Australien bringen, wo sie ursprünglich wohnten. 

Wir segelten mit ihnen bis nach Gibraltar und verabredeten, uns auf den Kanaren wieder zu treffen, um die Atlantiküberquerung gemeinsam anzugehen. Doch dies klappte leider nicht, weil wir erst viel später auf die Werft konnten und dort auch länger verblieben, als wir ursprünglich planten.

So zogen die beiden alleine los und bis wir in der Karibik ankamen, waren Michael und Christine bereits auf dem Weg nach Panama. 

Wir blieben per e-mail in losem Kontakt und erfuhren vergangenes Jahr, dass sie sich erneut ein Boot kaufen möchten. Dieses Mal sollte es eine Lagoon 380 werden (wie unsere Silence) und sie wollten sie erneut vom Mittelmeer bis nach Australien segeln.

Und vor zwei Wochen bekamen wir eine Nachricht, dass die beiden gerade in Guadeloupe sind und auf dem Weg nach Norden. Das war ja super, denn Antigua liegt genau nördlich von Guadeloupe. Und so kamen die beiden ein paar Tage später hier in die Nonsuch Bay gesegelt, wo wir unser Wiedersehen feierten.

Wir konnten es alle fast nicht glauben, dass wir uns seit mehr als 6 Jahren nicht mehr gesehen hatten. Und während die beiden nun schon zum zweiten Mal auf dem Weg nach Australien sind, hängen wir immer noch hier in der Karibik fest. So erneuerten Christine und Michael ihre Einladung, dass wir sie irgendwann in Australien besuchen sollen und wir versprachen, dass wir unsere Silence nicht verkaufen bis wir nicht zumindest einmal mit ihr in Australien waren. 

Wetterkapriolen

Von St. Pierre aus ging es weiter nach Dominika, wo wir deutsche Freunde besuchten. Doch bevor ich euch von unserem Aufenthalt in Dominika erzähle, muss ich erst einmal einen aktuellen Beitrag zwischenschalten.

Wir kamen am 22.12. in Antigua an und waren pünktlich zu Heilig Abend in unserer geliebten Nonsuch Bay. Seit Wochen freuten wir uns aufs Kitesurfen hier, doch leider spielte das Wetter nicht mit. Zwei Wochen lang hatten wir so wenig Wind, dass wir noch nicht einmal mit dem Hydrofoil kiten konnten. 

Doch das änderte sich schlagartig. Lediglich einen Tag lang hatten wir normalen Wind (ca. 15 Knoten) und dann ging es hoch auf 25-32 Knoten (ca. 60 km/h). Und diesen „Sturm“ hatten wir eine komplette Woche. Ständig zogen Regenschauer durch, die uns um die 45 Knoten (fast 90 km/h) Wind bescherten. Die Wellen peitschten um unsere Silence, der Wind pfiff übers Boot, riss an unserem Bimini, der Regen prasselte aufs Deck und wir bekamen nachts teilweise kein Auge zu. Drei Tage lang war der Wind sogar so stark, dass wir nicht einmal kiten konnten, dann wurde er ein kleines bisschen schwächer und wir konnten mit unserem kleinsten Kite (einem 8qm Ozone Reo) rausgehen. Wir sprangen fast bis zum Mond!

Aber leider gab es auch nachts immer noch jede Menge heftige Regenschauer, die es uns unmöglich machten durchzuschlafen. 4-5 Mal wurden wir pro Nacht geweckt und teilweise prasselte und pfiff es mehr als 1/2 Stunde lang. Wir waren morgens total gerädert und es wurde von Tag zu Tag schlimmer.

Wenn wir unsere Freunde am Strand trafen, blickten wir überall in müde Gesichter und alle bestätigten, dass man bei diesem Lärm einfach kein Auge zubekommt.

Glücklicherweise ließ der Wind gestern wieder etwas nach und wir wurden heute Nacht nur ein einziges Mal von einem Regenschauer geweckt. Wie herrlich, wenn man endlich mal wieder (fast) durchschlafen darf! Wir hoffen, dass es nun erst einmal so bleibt und das Wetter nicht bald wieder so verrückt spielt!  

Martinique – alles wie immer

Der Törn nach Martinique war relativ unspektakulär und wir erreichten St. Anne am frühen Nachmittag.

Dort starteten wir unser übliches Programm: einklarieren, Wäsche waschen und im „L’Atelier“ (die Boutique, die meinen Schmuck verkauft) neue Bastelarbeiten abliefern.

Bevor es in den Waschsalon ging, mussten wir jedoch noch die hoffentlich letzte Nachwirkung unseres Deutschland-Aufenthalts in Ordnung bringen. Alle vier Bezüge der Matrazen in den Gästekabinen waren schrecklich verschimmelt und wir reinigten diese (mit Mundschutz ausgestattet) mit Chlorbleiche und Zahnbürsten. Das war eine Heidenarbeit, doch es hat sich gelohnt. Nachdem wir die Bezüge dann noch gewaschen hatten, sahen sie wieder aus wie neu.

Danach ging es direkt weiter nach Le Marin, wo wir Leader Price, Carrefour, diversen Bioläden, Caraibe Marine und Polymar (beides Schiffszubehörläden), Akwaba (einem Angelzubehörladen), dem Baumarkt und meinem Lieblingsgeschäft Domia einen Besuch abstatteten. Domia hatte bei unserem letzten Besuch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und tatsächlich war es nun noch größer und schöner wieder eröffnet. Ich freute mich riesig!

Es dauerte eine ganze Woche und unzählige Fahrten zu Leader Price bis wir Käse, Wurst, Milch, Mehl, Konserven, Müsli, Schokolade, Reis, Nudeln und vieles mehr für die nächsten drei Monate eingekauft hatten.

Bei den Schiffszubehörläden gab es einen neuen Wasserhahn und Lichtschalter für unsere Gäste-Toilette, Wasserfilter, eine neue Sicherheitsleine für die Außenseite des Salons, Schrauben inkl. Abdeckungen für unsere Deckenverkleidungen, einen neuen Schäkel für unseren Hahnepot, Winschfett, … Man sollte nicht glauben welch lange Liste sich jedes Mal in nur 6 Monaten ansammelt.

Auch ein neuer Feuerlöscher musste her, denn unsere alten waren bereits seit Ewigkeiten abgelaufen. Doch wir hatten den ältesten von 2002 mal ausprobiert und er funktionierte noch einwandfrei. Und so ersetzten wir nur diesen einen und vertrauen darauf, dass die anderen auch noch genauso gut funktionieren.

Und irgendwann hatten wir alles beisammen und fuhren für eine letzte Übernachtung nach St. Anne, bevor es am folgenden Tag weiterging nach St. Pierre.

Dies war wieder ein Segeltag, der es in sich hatte. Zuerst hatten wir wunderschönen Rückenwind. Ich wusste gar nicht mehr, wie angenehm es sich so segelt. Der Wind pustet ein kleines bisschen, die Wellen schieben einem vorwärts, es herrscht eine himmlische Stille. Ach, wäre Segeln doch nur immer so!

Doch nach ca. 2 Stunden mussten wir auf einen anderen Kurs gehen und hatten nun Wind direkt von der Seite, während wir in die Rade de Fort de France hinein fuhren. Hier blies es wie immer ordentlich! Wir waren froh, dass wir im ersten Reff waren und uns somit die Böen von 30 Knoten nichts anhaben konnten. Doch leider zog auch ein Schauer nach dem anderen aus der Bucht heraus und diese waren ganz schön schwarz und bedrohlich. Doch wir hatten Glück, denn lediglich einer streifte uns noch ganz am Rande und drückte uns mit Wind von hinten aus der Rade hinaus. Na, das war ja nochmal gut gegangen und wir konnten den Rest der Strecke bis kurz vor St. Pierre bei schönstem Sonnenschein gemütlich segeln.

In St. Pierre ankerten wir vor der schönen Altstadt mit dem Mount Pélé, dem höchsten Berg Martiniques, im Hintergrund und genossen die Abendstimmung.