Leibspeise der Boat Boys in St. Vincent

Hier noch schnell die Anekdote zum Boat Boy in der Regenbogenbucht.

Boat Boys sind zumeist Männer, die entweder mit einem kleinen Fischerboot oder auf einem Surfboard heran paddeln, sobald man in die Bucht fährt. Meist rufen sie dem Skipper tolle Ankertips zu (obwohl sie natürlich von Segelbooten und ankern keine Ahnung haben) und sobald man den Motor ausgeschaltet hat (manchmal auch schon vorher), hängen sie an der Reling und wollen einem alle möglichen Dinge zu völlig überteuerten Preisen verkaufen. Das ist einer der Gründe, warum wir normalerweise nicht in St. Vincent stoppen. Es ist einfach so nervig diese Leute abzuwimmeln und meist tun sie uns auch leid, weil wir ja wissen, dass die Einwohner hier sehr arm sind und so kaufen wir dann doch jedes Mal irgendwas, was wir eigentlich gar nicht wollten.

Auch an diesem Tag sollte es uns nicht anders gehen, wobei es hier in der Bucht glücklicherweise nur einen Boat Boy gab. Dieser legte uns sofort jede Menge Obst an Bord und versicherte uns, dass wir bei ihm keine Marktpreise zahlen müssten. Das war korrekt, denn er wollte sogar noch mehr Geld als die Verkäufer auf dem Markt und ich konnte es mir nicht verkneifen ihm das auch zu sagen. So verhandelten wir eine Weile, zahlten dann am Ende die Hälfte des Preises den er ursprünglich verlangt hatte und gaben ihm obendrein noch ein paar Kekse. Er wollte dann noch Zigaretten und Spaghettis, aber da wir keine Zigaretten hatten und ich nicht gewillt war, meine letzte Packung Spaghetti herzugeben, boten wir ihm statt dessen zwei schöne Filets unseres frisch gefangenen Barrakudas an. Kai überreichte ihm eine Tüte mit den Filets, er schaute hinein und machte ein ganz enttäuschtes Gesicht. „Was ist denn das?“ Kai antwortete ihm ganz stolz, das seien ganz frische Filets, pfannenfertig! Der Boat Boy schaute immer noch ganz enttäuscht und fragte: „Aber wo ist denn der Rest vom Fisch? Was habt ihr mit dem Kopf gemacht?“ Kai war ganz baff und sagte, dass wir diesen natürlich weggeworfen haben, denn was will man denn mit einem Fischkopf?! Oh, wie konnten wir nur. „Oh no, you threw away the head! Why did you do that? Oh no, oh no!“ Da hatten wir doch nun tatsächlich den besten Teil vom Fisch weggeworfen und ihm nur ein paar blöde Filets gelassen. Nein sowas! 

Das können wir nun also zu der Liste der Lieblingsessen der Locals hinzufügen. Sie lieben nicht nur Schweineschwänze, Kuhhufe und Hühnerfüße, sondern auch Fischköpfe. Was sind wir Europäer doch für Banausen! Da schneiden wir ein paar komische Filets aus dem Fisch heraus und werfen den besten Teil weg!

Wir segeln bis zum Ende des Regenbogens

Am 4. Dezember traten wir unsere weitere Reise nach Norden an. Morgens um 9 Uhr ging es los von Union Island nach St. Vincent. Es war ein schöner Ostwind mit ca. 15 Knoten angekündigt und wir sahen einem recht entspannten Segeltag entgegen. Doch leider gab es anstatt Ostwind einen Ost-Nord-Ost-Wind, so dass wir unseren Kurs nur ganz dicht am Wind mit Ach und Krach halten konnten. Außerdem war schöner blauer Himmel vorhergesagt, wir sahen aber überall um uns herum Schauer vorbei ziehen. Dann fiel auf einmal noch eines unserer Navigationsinstrumente aus. Na super!

Als wir gerade ganz schön mieser Laune waren, surrte plötzlich unsere Angel los. Das war ja endlich mal was Positives und Kai stürzte gleich hin, um unseren Fang einzuholen. Am Anfang ging es recht schwer, doch plötzlich konnte er die Leine ganz einfach einholen. Aber wir sahen eindeutig, dass noch etwas am Haken hing. Komisch! Als Kai dann die ganze Leine eingeholt hatten, schwante uns was passiert war: wir hatten einen wunderschönen Rainbow Runner gefangen, den uns dann jedoch irgendein gefräßiges Monster einfach so abgebissen hatte. Lediglich den Kopf hatte es uns gelassen. So eine Gemeinheit! Heute ging doch echt wieder alles schief!

Wir warfen die Angel wieder rein und kurze Zeit später surrte es wieder. Hoffentlich hatten wir jetzt mehr Glück. Jawoll, dieses Mal bekamen wir unseren Fang vollständig an Bord. Es war ein schöner Barrakuda. Meine Freude war groß, aber Kai war etwas enttäuscht. Während ich sehr gerne Barrakuda esse, ist Kai davon nicht so begeistert. So beschlossen wir, die Angel nochmal auszuwerfen, um vielleicht noch einen Fisch für Kai zu fangen.

Langsam wurde das Wetter etwas besser, urplötzlich funktionierte unser Navigationsinstrument wieder, ohne dass wir irgendwas gemacht hätten und der Wind drehte etwas, so dass wir auch unseren Kurs fahren konnten. Der Tag wendete sich eindeutig zum Besseren.

Und als dann auch noch eine wunderschöne Dorade anbiss, war die gesamte Besatzung der Silence wieder glücklich.

Am späten Nachmittag näherten wir uns St. Vincent und gerade als wir auf die angepeilte Ankerbucht zufuhren, kam ein kleiner Regenschauer aus den Bergen und wir sahen einen wunderschönen Regenbogen. Wir hielten direkt auf das eine Ende des Regenbogens zu; ob dort hinten wohl ein toller Schatz auf uns wartet? Einen Schatz fanden wir zwar nicht, dafür aber eine schöne kleine Bucht mit einem schwarzen Sandstrand und wunderbar grüner Vegetation. Wie romantisch!

Doch die Romantik wurde gleich gestört von einem der in St. Vincent leider so typischen Boat Boys. Aber diese Anekdote erzähle ich im nächsten Blog. 

Mein geliebtes Union Island

Nachdem wir in Carriacou ausklariert hatten, segelten wir weiter nach Union Island. Das war der Segeltörn, bei dem wir einen kleinen Hai aus dem Wasser fischten. Aber das wisst ihr ja bereits (falls nicht, findet ihr den Beitrag hier).

Eigentlich wollten wir ca. 7-10 Tage in Union Island bleiben, um an einem meiner liebsten Kitespots endlich mal wieder etwas zu kiten. Doch wir hatten nicht so richtig Glück mit dem Wetter. Während normalerweise Anfang November die Passatwinde wieder einsetzen, gab es dieses Jahr fast nur Flaute. Nach 10 Tagen waren wir lediglich zwei Mal gekitet. Doch dann setzte endlich ein Wochenende lang der Wind ein. Leider nutzen nicht nur wir dieses Wochenende zum Kiten, sondern andere Boote mit Kitesurfern fielen wie die Heuschrecken in die Bucht ein. Waren wir zuvor für eine ganze Weile drei Boote, so waren es plötzlich mehr als 10 mit insgesamt mehr als 30 Kitesurfern! An einem Kitespot, wo man sehr schön zu dritt kiten kann, es mit fünf oder sechs auch noch möglich ist und es mit mehr als 10 Kitern keinen Spaß mehr macht, waren 30 Kiter ein Albtraum! So lange hatten wir auf Wind gewartet und nun sowas! Das war doch zum Mäuse melken.

Kaum war das Wochenende mit tollem Wind vorbei, zogen die Heuschrecken weiter und wir waren nur noch sechs Boote in der Bucht. Eigentlich hätten auch wir langsam weiter ziehen sollen, doch wir wollten so gerne noch ein paar Tage in aller Ruhe hier kiten. So beschlossen wir, noch zu bleiben bis es wieder Wind hat, dann ein paar Tage zu kiten und danach unsere Reise nach Norden fortzusetzten.

So nutzten wir die Zeit zum Boot putzen und um weitere kleine Reparaturen durchzuführen: auf der Fahrt von Grenada nach Carriacou konnten wir urplötzlich unsere Backbord-Winsch nicht mehr benutzen und so hatten wir bereits in Carriacou den äußeren Teil zerlegt, gereinigt und gefettet. Doch auf der Fahrt von Carriacou nach Union Island hatten wir festgestellt, dass sie immer noch nicht wieder richtig funktionierte. Und so mussten wir sie komplett zerlegen, was bedeutet, dass man in der Decke unseres Salons eine Verkleidung entfernen muss, um an die Schrauben für die Winsch zu kommen. Das war mal wieder ein Projekt für einen Vormittag, aber es hatte sich gelohnt, denn danach funktionierte sie wieder einwandfrei.

 

An meinem Kite mussten wir ein Ventil ausstauschen, weil dieses sich in der Hitze in Tobago einfach aufgelöst hatte. Außerdem war im Bad ein Teil der Wandverkleidung herunter gekommen, den wir neu verklebten. Und überall entdeckten wir weitere „Schimmelecken“. Es nahm einfach kein Ende.

Aber wir machten auch ein paar schöne Spaziergänge an Land, sammelten Treibholz für meine Drahtfiguren und Muscheln für Ohrringe. Ich bastelte einiges an Schmuck für Martinique und wir vertrieben uns die Abende mit unseren Schweizer Freunden beim Brändi Dog spielen bis es endlich nochmal Wind gab und wir ein paar Tage kiten konnten.