Nach der Werft in Carriacou

So schmutzig und anstrengend es auf der Werft gewesen war, so stellten wir danach fest, dass es doch auch einige gute Seiten hatte.

Zwar schliefen wir nachts oft nur ca. 6 Stunden und wurden morgens meist sehr unsanft von einem Schleifgerät o.ä. geweckt und auch nachts gab es des öfteren mal Ruhestörungen, aber dennoch schliefen wir an Land viel besser und tiefer. Morgens war ich für gewöhnlich topfit und konnte mit Schwung an die Arbeit gehen. 

Zurück auf dem Wasser waren wir die ersten Tage total erschlagen und hundemüde. Es ist wirklich nicht zu unterschätzen wie sehr der Körper die ganze Zeit damit beschäftigt ist, das Gleichgewicht zu halten und die ganzen Schwankungen auszugleichen. Auch scheinen wir nachts immer im Alarmzustand zu sein, denn das kleinste Geräusch wie z.B. Wellen, die an unseren Rumpf schlagen, lässt uns aufschrecken. Wir schlafen einfach nicht so fest und ruhig und das belastet einem auf Dauer ganz schön.

Außerdem war es für mich so richtig toll, endlich mal wieder von Menschen umgeben zu sein. Oft war auf der Werft einer unserer Nachbarn vorbeigekommen, um sich etwas auszuleihen oder einen Rat einzuholen. Wenn wir mal kurz eine Pause brauchten, schlappten wir zu einem der anderen Boote und erholten uns bei einem kurzen Gespräch. Erst jetzt bemerkte ich, wie sehr mir diese sozialen Kontakte in den vergangenen Monaten im Lockdown in Antigua gefehlt hatten. So gut wie alle unsere Freunde waren Anfang Mai abgereist und so saßen wir monatelang zu zweit auf unserer Silence und hatten fast keinen Kontakt zu anderen Menschen, weil wir ja auch höchstens einmal im Monat einkaufen gehen. Ich war seelisch total vereinsamt und genoss die Nähe zu den anderen Leuten auf der Werft sehr. Unglaublich wie viel Energie ich einfach nur aus der Anwesenheit von anderen Menschen ziehen konnte. Ich sog die sozialen Kontakte auf, wie ein völlig ausgetrockneter Schwamm.

Aber umso schwieriger war es für mich dann auch, als wir wieder zurück auf dem Wasser waren. Immerhin haben wir hier in Carriacou ein paar Freunde mit denen wir uns ab und an treffen oder tolle Wanderungen machen konnten, doch die Arbeit auf unserer Silence hielt uns zuerst noch so sehr auf Trab, dass wir für gemeinsame Treffen und Unternehmungen nicht viel Zeit und Energie fanden. Erst jetzt wurde mir wieder richtig bewusst wie abgeschottet wir teilweise leben. Und durch Covid ist das alles nicht einfacher geworden. Uns besuchen keine Freunde von zu Hause und wir können unsere Freunde auf anderen Inseln nicht besuchen, weil das Reisen zu aufwändig und teuer geworden ist. Einige unserer Bekannten und Freunde haben die Segel ganz gestrichen, werden ihr Boot verkaufen und nach Hause zurückkehren. Das macht die ganze Sache für mich nicht leichter und ich habe Angst, dass die kommende Saison aufgrund von Covid nicht besser wird. Das ist für mich eine enorme seelische Belastung.

Und dazu dann noch die ständigen Reparaturen am Boot, die einfach mal wieder kein Ende nehmen wollen. Das verbessert die Laune nicht unbedingt.

So waren wir kaum im Wasser, als wir in unserem Backbord-Motorraum eine Wasserlache entdeckten. Salzwasser! Es kam von ganz hinten im Heck. Anscheinend hatten wir ein kleines Leck irgendwo unter unserem Bumper. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! Hätten wir das nicht entdecken können, bevor wir auf die Werft gegangen waren? Wir legten einen Lappen in den Motorraum und warteten erst mal ab, wie schlimm es eigentlich ist, bevor wir nochmal zurück auf die Werft gehen.

Und so widmeten wir uns anderen Dingen, wie z.B. unsere Silence von 5 Wochen Schmutz zu befreien. Wir saugten alles aus, wischten alle Decken, Schränke und Böden auf, gaben zwei große Taschen Betttücher, Handtücher usw. in die Wäscherei. Wir schrubbten wie die Wilden, bis alles endlich wieder richtig schön sauber war. Ach, war das schön!

Dann hatten wir noch eine kleine Reparatur um Furler unserer Genua zu erledigen, bevor wir auch diese wieder aufziehen konnten. Ein Ventil am Wassermacher war kaputt und so tauschten wir dieses und auch gleich noch zwei Schläuche aus.

Außerdem war auf der Werft urplötzlich mal wieder mein Konservenschapp voll Wasser gestanden. Dieses Mal war ich mir 100% sicher, dass das Wasser von draußen hineingelaufen war, als es stark geregnet hatte. Kai glaubte mir nicht so recht und so machte ich mich auf die Suche nach dem „Leck“. Und siehe da, ich fand den Übeltäter. Ein Kabel führte durch mein Schapp nach draußen in den Ankerkasten zu unserer Ankerwinsch. Und dieses Kabel war durch ein Rohr geführt, das bis oben hin mit Regenwasser gefüllt war. Wir bohrten ein Loch in dieses Rohr, damit das Wasser in Zukunft ablaufen kann und ich putzte mein Schapp aus und räumte alles wieder ein. 

Dann tauschten wir noch den Abwasserschlauch unserer Spüle. Was nach einer kleinen Arbeit klingt, kostete uns wegen eines saudoof angebrachten und somit nur sehr schwer erreichbaren Kabelbinders einen halben Tag! Anscheinend waren ein paar Schrankwände erst angebracht worden, nachdem die Schläuche bereits verlegt waren. Sehr clever!

Als wir die Werft verlassen hatten, hatten wir festgestellt, dass der Sensor für unseren Windrichtungs-Anzeiger im Mast nicht mehr richtig funktionierte. So holte Kai diesen herunter, nahm ihn auseinander und stellte fest, dass eine kleine Platine defekt war. Im Internet konnte man dieses Ersatzteil bestellen, aber dass wir es hier bekommen würden, war so gut wie ausgeschlossen. Doch versuchen wollten wir es. Und siehe da, wir hatten Glück im Unglück. Wir fragten im Büro der Werft, wer solch ein Ersatzteil haben könnte und der Angestellte sagte uns, dass er einen kompletten Sensor für uns hätte. Er hatte sich neue Geräte gekauft und nun müsste nur noch jemand in den Mast und seinen alten Sensor abbauen und dafür den neuen anschließen. Wenn wir das für ihn machen würden, könnten wir seinen alten haben. Da sagten wir natürlich nicht nein und gleich am nächsten Tag kletterte Kai bei ihm in den Mast und tauschte die Geräte aus. Dann zurück auf unser Boot, bei uns in den Mast und siehe da, es funktioniert! Welch ein glücklicher Zufall!

Doch danach hatten wir die Nase gestrichen voll von Bootsreparaturen und wollten endlich auch mal ein paar Tage frei haben. Freunde von uns waren schon des öfteren zum Kitesurfen auf der anderen Seite von Carriacou gewesen. Dort gibt es eine kleine verschlafene Ortschaft namens Windward mit einer durch ein Riff geschützten Bucht. Dahin machten wir uns auf, um mal etwas unsere Ruhe zu haben und ein paar Tage zu kitesurfen.

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