Tintamarre

Anstatt direkt in die Baie Orientale zu fahren gab es eine kleine Planänderung und wir segelten stattdessen nach Tintamarre, einer kleinen vorgelagerten Insel, die aber quasi auf unserem Weg lag. Denn kurz zuvor hatten unsere Freunde Andrea & Gerhard geschrieben, dass sie heute dort hin wollten und so freuten wir uns auf ein Wiedersehen!

Wir segelten ca. 3 Stunden und kamen kurz nach Mittag in Tintamarre an. Ich hatte mich auf eine kleine verlassene Insel gefreut, wo man in Ruhe etwas entspannen könnte, aber au weia lag ich da falsch. Die kleine Bucht wimmelte nur so von Ausflugsbooten. Am Strand waren überall Leute, im Wasser schwammen und schnorchelten Menschen und es war ein riesiges Bohau! Wo sind wir denn da hingeraten? Außerdem kam Schwell in die Bucht gelaufen, so dass wir ganz unschön wackelten. Das war ja genau das Gegenteil von dem, was ich mir erhofft hatte!

Sobald Andrea & Gerhard ankamen, holten wir die beiden ab, um diesem ganzen Gewimmel zu entkommen und etwas über die Insel zu spazieren. Und diese kleine Erkundungstour war richtig toll!

Tintamarre wurde irgendwann um ca. 1907 von einem Holländer namens Diederik Christian van Romondt besiedelt, der dort Baumwolle anbaute und Rinder und Ziegen züchtete. Er errichtete ein großes Bauernhaus und ließ auf der ganzen Insel Mauern aus Steinen hochziehen. Viele dieser Ruinen sind auch heute noch erhalten und immer mal wieder sieht man irgendwo einen rostigen Kessel, kleine Eisenbahnschienen oder andere Überbleibsel liegen. Faszinierend!

Doch anscheinend war die ganze Sache hier dann doch nicht so ertragreich oder toll wie geplant und van Romondt kehrte irgendwann nach St. Martin zurück.

Aber hiermit endet die Geschichte der Insel nicht, im Gegenteil, sie wird noch interessanter. Nach dem zweiten Weltkrieg mietete Rémy de Haenen die Insel und eröffnete dort eine kleine Fluggesellschaft namens Compagnie Aérienne Antillaise. Er fand auf Tintamarre, welches auch Flat Island (flache Insel) genannt wird, ideale Bedingungen zur Errichtung eines Rollfelds. Zuerst gingen von hier Flüge nach Saba und Guadeloupe, ab 1946 gingen für einige Zeit dann sogar Flüge bis nach Martinique und Puerto Rico.

Überbleibsel dieser Zeit findet man auch heute noch auf der Insel. Das ehemalige Rollfeld ist nun teilweise mit Büschen überwuchert, aber man kann noch gut ausmachen, wo es sich früher befand. Und immer mal wieder findet man im Gebüsch einen alten Motor oder sogar das Chassis einer Maschine. Einfach nur genial und wir sind froh, dass wir diesen Zwischenstopp gemacht und diese schöne Insel etwas erkundet haben!  

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