Einklarieren in Tobago

Nach unserer Ankunft verstauten wir erst einmal unsere Segel, räumten kurz das Boot auf und duschten. Dann ging es um 12:30 Uhr auch schon los zum Einklarieren.

Wir hatten überall gelesen, dass Trinidad & Tobago es mit dem Einklarieren sehr genau nimmt und egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man ankommt, man hat sofort bei Customs und Immigration vorstellig zu werden.

In der Bucht, in der wir ankamen gab es kein Customs & Immigration Office, wir hatten aber gelesen, dass es erlaubt ist mit dem Bus oder Taxi in die Hauptstadt Scarborough zu fahren und dort einzuklarieren.

Doch zuerst mussten wir rausfinden, wo wir eigentlich mit unserem Dinghi anlegen können. Weit und breit war kein Steg zu sehen und so landeten wir an einem kleinen Strand vor einer Bar an. Ich fragte die Besitzerin der Bar und sie erklärte mir, dass wir das Dingi am Ende der kleinen Bucht auf den Strand ziehen und dort an einem Zaun festmachen könnten. So zogen wir unser Dinghi mit vereinten Kräften auf den Strand und ketteten es dort an den Zaun. Bereits jetzt waren wir klatschnass verschwitzt.

Dann marschierten wir die Straße runter, bis wir an einer Kreuzung auf eine Bank stießen. Der dortige Geldautomat wollte uns jedoch Gebühren abknöpfen und so liefen wir noch ein paar hundert Meter weiter zu einer anderen Bank. 

Danach winkten wir ein Sammeltaxi heran und los ging’s nach Scarborough. Wir stiegen direkt am Fährterminal aus, wo sich das Immigration Office befindet. Wir sahen schon von außen das Schild im oberen Stockwerk, fanden allerdings nirgends eine Treppe, die dorthin führen würde. Nach mehrmaligem Hin- und Herlaufen fragte ich am Schalter, an dem man die Fährtickets kauft und die Dame erklärte uns, dass wir durch den Eingang zum Fährterminal gehen müssten. Ach, da muss man erst mal drauf kommen.

Im Immigration Office bekamen wir vier Formulare mit mehreren Durchschlägen ausgehändigt und fingen eifrig an auszufüllen. Wir hatten uns bereits Sorgen gemacht, weil unsere Ausklarierungspapiere von Martinique vom 7.7. waren, wir jedoch erst am 11.7 in Trinidad angekommen waren. Aber das interessierte den netten Herrn glücklicherweise nicht. Er stempelte unsere Pässe, gab uns ein Visa für 5 Monate und wir durften weiter zu Customs.

Diese befinden sich in einem anderen Gebäude ein paar hundert Meter die Straße runter. Dort mussten wir nochmals ein Formular ausfüllen und ein Formular von Immigration abgeben, TT$50,- für einen Monat bezahlen (ca. €6,50) und schon waren die Formalitäten erledigt. Wir hatten im Internet so viel Negatives über das Einklarieren hier gelesen und deshalb einen riesigen Aufwand und hohe Gebühren erwartet. Doch das lief alles viel besser als wir gedacht hatten.

Wir schlenderten noch ein paar Minuten durch die Stadt, doch da wir beide so furchtbar müde und fertig waren, beschlossen wir, die Erkundung von Scarborough auf einen anderen Tag zu verschieben und wieder zurück zu unserer Silence in die Store Bay zu fahren.

Wir kauften noch schnell ein paar Mangos und winkten dann wieder ein Sammeltaxi heran und fuhren die 20 Minuten zurück in die Store Bay. Um 16:00 Uhr waren wir glücklich wieder zurück am Boot und hauten uns beide erst einmal hin, um etwas auszuruhen. 

Abends rafften wir uns nochmal kurz auf, um ein leckeres Thunfisch-Carpaccio als Vorspeise und Pasta mit Thunfisch-Tartar als Hauptgericht zu essen, bevor wir todmüde ins Bett fielen. Wir wollten nur noch schlafen!

Auf zu neuen Ufern

Nachdem wir die letzten beiden Hurrikan-Seasons in Union Island und Grenada verbracht hatten, wollten wir dieses Jahr mal wieder eine neue Insel in Angriff nehmen: Tobago!

Für unseren Entschluss gab es drei Gründe: zum einen liegt Tobago weit südlich und somit außerhalb des Hurrikan Gürtels. Zum anderen hat die Insel einen schönen Kitespot und auf der zugehörigen Nachbarinsel Trinidad gibt es eine deutsche Botschaft. Da mein Reisepass nächstes Jahr abläuft, muss ich einen neuen beantragen und in der ganzen Karibik gibt es nur zwei Orte, an denen man dies tun kann: Trinidad und Jamaika.

Da Tobago recht weit im Osten liegt und somit von Grenada nur sehr schwer zu erreichen ist, planten wir direkt von Martinique nach Tobago zu segeln.

Doch leider machte uns das Wetter mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Zuerst hatte es für uns Schönwettersegler zu viel Wind. Auf dem Weg nach Tobago herrscht eine sehr starke Gegenströmung (bis zu 2 Knoten!) gegen die es anzukämpfen gilt. Wenn dann noch Wind von 25 Knoten vorhergesagt ist, bedeutet dies in Wirklichkeit normalerweise eher an die 30 Knoten Wind und sehr hohe Wellen. Das wollten wir uns und unserer Silence einfach nicht antun. Und so warteten wir und warteten und warteten, bis „Hurrikan Beryl“ auf die Karibik zukam. Die verschiedenen Wettervorhersagen waren sich lange nicht einig, was da genau kommt und wussten auch nicht wohin (irgendwo zwischen Guadeloupe und St. Vincent), doch mit jedem Tag nahm Beryl immer mehr Kurs auf Martinique. Und natürlich genau auf St. Anne, wo wir gerade mit unserer Silence lagen. Samstag vor einer Woche um 6:00 Uhr morgens waren sich die Wetterfrösche immer noch nicht einig, wo Beryl hinziehen wird und ob er sich kurz vor den Inseln abschwächen wird oder nicht. Und so gingen wir schnell ausklarieren und noch ein letztes Mal zu Leader Price und hissten um 9:30 Uhr die Segel, um nach Bequia zu segeln.

Als wir an St. Lucia vorbei kamen, holte Kai nochmal den aktuellen Wetterbericht und siehe da, Beryl wurde nun nur noch als Tropical Storm angekündigt und er sollte über Dominika ziehen. Super, hätten sie diese Vorhersage nicht ein paar Stunden früher treffen können?! Da wir gerade auf Höhe der Rodney Bay (der größten und sehr geschützten Bucht) waren, brachen wir unseren Segeltörn hier ab und legten uns vor Anker. Denn je weniger weit wir jetzt nach Süden fuhren, umso besser würde unser Winkel für den Törn nach Tobago bleiben. 

So warteten wir in St. Lucia ab, bis Beryl vorbeigezogen war. Direkt danach gab es im Wetterbericht zwei Tage mit weniger Wind, bevor es wieder anfangen sollte, wie wild zu blasen. Wir dachten „jetzt oder nie“ und machten unsere Silence Montag Abend startklar für den Törn nach Tobago.

Dienstag früh um 4:45 Uhr gingen wir Anker auf und motorsegelten erst einmal hinter St. Lucia vorbei. Wir buken noch schnell ein Brot, frühstückten und Kai entdeckte, dass sich aus unserem Lazy Bag (der Sack, der vor Anker unser Großsegel beherbergt) hinten eine Latte heraus geschoben hatte. So stieg er mal geschwind auf unser Bimini, schob die Latte wieder rein und nähte die Stelle provisorisch zu. Das war genau rechtzeitig, denn ca. 15 Minuten später fuhren wir in den Kanal zwischen St. Lucia und St. Vincent. Wir hatten ganz schön stürmische See und statt der angekündigten 18-23 Knoten hatten wir 18-28 Knoten. Wow, das ging ja gleich richtig ordentlich los.

Wir waren im 1. Reff gestartet, doch auf Dauer wurde uns das etwas zu ruppig. Wir hatten sehr steile Wellen, die teilweise aus mehreren Richtungen kamen und ständig klatschte uns eine Welle an die Seite und begoss den Steuerstand mit mehreren 100 Litern Salzwasser oder sie krachte von vorne direkt an beide Rümpfe, so dass wir dachten, unser Boot würde in der Mitte auseinander gerissen. Durch die Strömung liefen wir nur mit ca. 7-8 Knoten, durchs Wasser machten wir jedoch zwischen 9-10 Knoten. Und so beschlossen wir doch lieber ins 2. Reff zu gehen und lieber etwas langsamer, dafür aber heil am Ziel anzukommen. Gesagt, getan. Nun liefen wir mit 6-7 Knoten immer noch schnell genug, dafür aber etwas angenehmer. 

Aber die See war immer noch sehr konfus und die Wellen steil und mir machte meine Seekrankheit dieses Mal ordentlich zu schaffen. Mir ging es nur gut, wenn ich am Steuerstand saß. Dort wurde ich aber ständig mit Salzwasser geduscht, was ich auch nicht sonderlich angenehm fand. Es gab einfach kein schönes Plätzchen zum Sitzen.

Nachmittags ließ der Wind etwas nach und wir konnten wieder ausreffen, die See war aber weiterhin sehr kabbelig. Während Kai schon bange der Nacht entgegensah, freute ich mich dieses Mal darauf, weil dann normalerweise meine Seekrankheit weg ist.

Wir vereinbarten, dass ich die erste Schicht von 20:00-24:00 Uhr übernehmen würde und Kai mich dann für 4 Stunden ablösen würde. Die Sonne ging unter, doch meine Seekrankheit blieb. Und der Wind ging wieder stetig nach oben. Als wir wieder ständig 26 Knoten auf der Anzeige hatten, beschlossen wir, notgedrungen wieder zu reffen. Die Wellen krachten erneut dermaßen ans Boot, dass ich dachte, uns zerreißt es und mir war kotzübel. Kai zog wieder das 2. Reff ein und beschloss, dass er die erste Schicht übernehmen würde, weil ich zu nichts zu gebrauchen war. 

So ging ich ins Bett. Doch da war ich nicht lange. Mir wurde so schlecht, dass ich mich nach 10 Minuten wieder nach oben begab und mit kreidebleichem Gesicht raus zum Steuerstand wankte. Doch auch hier wurde es nicht besser. Ich war total verzweifelt. Normalerweise ging meine Seekrankheit immer weg, sobald ich mich hinlegte und die Augen schloss oder am Steuerstand saß, doch dieses Mal half nichts. So seekrank war ich noch nie!  

Ich saß bestimmt eine halbe Stunde am Steuerstand bis es mir endlich wieder halbwegs gut ging und ich in der Lage war, mich im Salon hinzulegen. Zuerst wurde es mir wieder leicht schlecht, doch nach ca. einer Stunde muss ich endlich eingeschlafen sein. Doch ich wurde immer wieder von einem lauten Scheppern und Krachen geweckt, wenn eine besonders steile Welle an unsere Silence krachte. Es war ein Höllenritt!

Um 0:30 Uhr übernahm ich die Nachtwache und saß größtenteils mit geschlossenen Augen da, weil ich sonst wieder seekrank wurde. Alle 15 Minuten stellte ich mir den Wecker und ging einmal auf Rundgang: Blick nach draußen auf die Segel, den Winkel und die Stärke des Winds, rechts und links am Boot vorbei Ausschau nach Booten halten, drinnen ein Blick aufs AIS und auf unsere Kurslinie. Danach wieder 15 Minuten Augen zu. Kai wachte auch immer mal wieder auf, fragte ob alles ok sei und döste dann wieder ein halbes Stündchen ein. 

Um 3:00 Uhr nachts ließ der Wind endlich wieder nach, aber dieses Mal ging es manchmal runter auf 14-15 Knoten. Im 2. Reff kamen wir da natürlich nicht mehr so richtig schnell voran, aber wir wollten auch nicht ausreffen, nur um dann eventuell eine Stunde später doch wieder einreffen zu müssen. Und so beschlossen wir, erst einmal abzuwarten.

Kai übernahm um 4:15 Uhr seine zweite Nachtwache und reffte dann schließlich um ca. 5:30 Uhr wieder aus, nachdem wir nur noch 3-4 Knoten liefen. Mittlerweile hatte sich die Gegenströmung in eine seitliche Strömung verwandelt und die Wellen wurden viel angenehmer. Wir kamen wieder mit 7-8 Knoten voran und meine Seekrankheit war fast weg.

Um 7:30 Uhr kamen uns die ersten Fischerboote von Tobago entgegen und wir dachten, wo es Fischer gibt, da muss es auch Fische geben und warfen gleich mal unseren Köder aus. Und siehe da, ca. 40 Minuten später hatte bereits ein schöner Thunfisch angebissen. Er kämpfte wie wild und Kai konnte die Leine am Anfang fast nicht einholen. Doch langsam ermüdete er und nach ca. 20 Minuten hatten wir ihn an Bord. Fürs Abendessen für die nächsten Tage war somit gesorgt.

Wir sahen dies als Belohnung für unseren schrecklichen Segeltörn an. Mittlerweile hatten wir trotz unglaublich diesigem Wetter auch endlich Sicht auf Tobago. Juhuu, wir haben es fast geschafft! Die Wellen wurden immer weniger und mir ging es glücklicherweise immer besser.

Aber dennoch waren wir beide heilfroh, als wir nach 30 Stunden und 190 Seemeilen, unseren Anker in der Store Bay vor einem kleinen Badestrand in den weichen Sand eingraben konnten.

Leider waren die Strapazen damit noch nicht ganz überstanden, denn nun mussten wir noch zum Einklarieren fahren. Doch davon erzähle ich Euch im nächsten Beitrag.

Aufregung am Abend

Vorgestern am späten Abend waren wir gerade so schön am „Fernsehen“ im Bett, die Spannung stieg bei „Prison Break“, als der Wind draußen immer mehr zunahm. Es gingen einige heftige Böen über unser Boot und dann fing es auch schon an zu regnen. Der Wind brauste und pfiff wie wild.

Kai sprintete aus dem Bett und schaltete im Salon unsere Windanzeige an. Wir hatten 32 Knoten, doch das war erst der Anfang. Der Wind pfiff immer mehr und die Anzeige stieg immer weiter. Bei 50 Knoten (ca. 90 km/h) hörte es sich an, als ob es uns draußen unser Bimini abreisst. Wow, solch einen heftigen Regenschauer hatten wir auf unserer Silence bisher nur ein einziges Mal erlebt!

Wir schauten bange nach draußen und sahen plötzlich ein Licht im Wasser, nur ein paar Meter hinter unserem Heck. Ach herrje, war da etwa jemand mit dem Dingi unterwegs? Aber nein, irgendwie war das Licht genau auf der Wasseroberfläche. Was könnte das nur sein? Und auf einmal wusste ich die Antwort. Ein schneller Blick an die Backbordseite unseres Hecks und ja, es war unser Rettungsring inklusive des Markierungslichts. Den hatte es wohl bei dem heftigen Wind weggerissen. So ein Mist!

Leider war der Ring schon zu weit entfernt, um ihn mit unserem Bootshaken zu greifen und bei dem Wind wollte auch keiner von uns ins Dingi, um ihm hinterher zu fahren. 

So schauten wir im Internet aufs Regenradar von Martinique, um zu sehen, ob der Spuk bald vorüber sei. Olala, da zog gerade ganz schön was über uns hinweg. Der Schauer reichte von Martinique bis runter nach St. Lucia und war auch ziemlich breit. Also beschlossen wir erst einmal abzuwarten.

Wir sahen das Licht unserer Boje lustig auf den Wellen tanzen und sich langsam aber sicher immer weiter von unserem Boot entfernen. Wir hätten sie so gerne zurück geholt, aber bei immer weiteren Böen von über 40 Knoten hielten wir das für etwas zu riskant. Aber sie einfach wegtreiben lassen, das wollten wir halt auch nicht. Zum einen war der Ring noch ziemlich neu und zum anderen wollten wir nicht, dass jemand denkt, dass eine Person auf dem Meer in Not ist und eine riskante Rettungsaktion durchführt.

Als der Wind nach ca. 15 Min. endlich nachließ, hüpfte Kai sogleich ins Dingi und raste unserer Boje hinterher, die wir mittlerweile nur noch als kleines Licht am Horizont ausmachen konnten. Irgendwann erlosch das Licht und ich hoffte, dass dies bedeutete, dass Kai sie gefunden hatte. Und tatsächlich kam er kurz darauf zurück und konnte mir freudestrahlend unseren Rettungsring mitsamt Markierungsboje unversehrt wieder an Bord geben!

Der Sturm hatte sich mittlerweile auch gelegt, doch bevor wir wieder ins Bett gingen, hörten wir noch einen Notruf über Funk. Im Kanal zwischen Martinique und St. Lucia war ein 9m langes Segelboot entmastet worden und die beiden Passagiere baten um Hilfe. Meine Güte, wer segelt denn bei solch einem Wetter mitten in der Nacht mit einem kleinen Boot über den Kanal?! Dennoch taten uns die beiden leid und wir waren froh, dass es bei uns lediglich den Rettungsring mit Boje weggeblasen hatte und kein größerer Schaden entstanden war!