Alte Teile des Riggs erneuert

Ich wollte euch eigentlich schon längst erzählen, was wir denn in den letzten Wochen so alles an unserer Silence gewurschtelt hatten und jetzt werde ich das endlich mal nachholen.

Das größte Projekt war unser Rigg. Hier hatten wir in Antigua einen Toggle tauschen müssen, weil dieser einen kleinen Riss hatte. Bei Edelstahl ist der kleinste Riss gefährlich, weil dieser blitzschnell ganz durchbrechen kann, und bei diesem Teil hätte das bedeutet, dass unser Mast umfällt. Somit mussten wir es tauschen, obwohl sie in Antigua nicht wirklich das genau passende Ersatzteil hatten. Es war also eine Notlösung, die wir hier in Martinique dann mit dem richtigen Teil ersetzen wollten. 

Da wir am Rigg unserer Silence noch einige andere Teile hatten, die mittlerweile 20 Jahre alt waren, beschlossen wir, diese lieber mal alle zu ersetzen. Das hatten wir uns ganz einfach vorgestellt: Fotos machen und Teile vermessen, damit zum Rigger gehen, Teile kaufen, alte Teile ausbauen, neue einbauen, fertig!

Aber ganz so einfach war das dann doch mal wieder nicht. Beim ersten Mal schlugen wir beim Rigger auf und zeigten ihm Fotos und Maße, der Teile, die wir ersetzen wollten. Aber er hatte natürlich nochmal ein paar Rückfragen, die wir nicht beantworten konnten. Somit mussten wir wieder zurück zu unserer Silence und nochmal Fotos machen und vermessen. Da dies alles noch während des Lockdowns war, hatte der Rigger nur vormittags geöffnet, so dass wir erst am nächsten Tag mit unseren neuen Maßen wieder hin konnten. 

So schlugen wir am nächsten Tag erneut dort auf und der Rigger machte uns ein Angebot für die Teile, welches wir sofort annahmen. Man versprach uns die Teile bis zum folgenden Tag zu richten. 

Also am nächsten Tag in die Werkstatt, um die Teile abzuholen und zu bezahlen. Klingt auch wieder einfacher, als es war. Von den 8 Teilen lagen nur 7 da, eines hatten sie gerade nicht, war aber bereits bestellt und sollte in ein paar Tagen ankommen. Und von den 7 Teilen, die da lagen, war eines völlig falsch. Wir haben an unserem Vorstag eine Besonderheit, die man wohl so an neueren Booten nicht mehr verbaut und wir schafften es einfach nicht dem Rigger klar zu machen, wie das Teil aussieht, das wir benötigen. Leider ist dieses am Vorstag halb unter unserer Rollreffanlage (der Anlage zum Aufrollen der Genua) versteckt. Und obwohl wir ihm ein Foto zeigten, auf dem das Teil halbwegs zu erkennen war, wollte er einfach nicht glauben, was wir ihm erzählten. Erst als einer seiner Mitarbeiter einen Blick auf unser Foto warf und meinte, dass er wisse wie das Teil aussehe und es ihm beschrieb, fing er an uns zu glauben. Er meinte, das würde ja schon seit 20 Jahren nicht mehr so verbaut (könnte hinkommen, denn so alt ist ja unser Boot) und wir sollen nochmal ein besseres Foto bringen, dann kann er uns sagen, ob sie solch ein Teil irgendwo beschaffen können. 

Also mit unserer Beute von 6 Teilen (anstatt 8) zurück zum Boot und gleich mal geschaut, ob diese passen. 2 Teile, nämlich die Wantenspanner, waren perfekt, aber bei den vier Toggles war jeweils ein zu dicker Bolzen dabei, der nicht in unser Rigg passt. Wir brauchten einen Bolzen mit 19mm Durchmesser, bekommen hatten wir Bolzen mit 20mm Durchmesser. Somit konnten wir das alles nicht einbauen. Wir benötigten erst die richtigen Bolzen. Na super!

Somit am nächsten Vormittag wieder zum Rigger, mit den falschen Bolzen und weiteren Fotos des Teils in unserem Vorstag. Kai erklärte nochmal ganz genau was wir benötigen, u.a. dass es sich quasi um ein Rohr handelt, das ein amerikanisches Gewinde hat, und auf unser Rigg geschraubt wird. Nein, ein solches Teil wird heute nicht mehr hergestellt, aber kein Problem, man könne es für uns im Metall-Workshop anfertigen. Hierzu müssen wir jedoch das alte Teil ausbauen und vorbei bringen. Wir wussten, dass wir dieses Teil seit 8 Jahren nicht geöffnet hatten und es sicherlich nicht einfach auszubauen war. Aber wenn wir es tauschen wollten, musste es ja sowieso ausgebaut werden. Immerhin hatten wir jetzt die richtigen Bolzen und fuhren damit zurück zu unserer Silence.

Am nächsten Morgen stand Kai um 7 Uhr auf und machte sich daran, unser Rigg mit Leinen zu sichern, damit er das Vorstag öffnen konnte. Und wie er es sich schon gedacht hatte, saß das Teil fest. Er brauchte 4 Stunden bis er es endlich losgeschraubt hatte und wir wieder zum Rigger fahren konnten. Dort trafen wir um 11:45 Uhr ein und erfuhren, dass der Chef leider heute nicht mehr da sei. Wir müssten morgen wieder kommen, da sei er den ganzen Vormittag im Shop. Also unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Und da unser Rigg mit den abgespannten Leinen einen Höllenlärm machte, baute Kai das alte Teil dann erst einmal wieder ein, damit wir nachts schlafen konnten.

Am nächsten Morgen wieder um 7 Uhr raus und das Teil erneut losgeschraubt. Dann schnell gefrühstückt und ab in den Shop zum Rigger. Tja, der Chef war leider nicht da, aber die Angestellte vermutete, er sei in der Rigging-Werkstatt. Also fuhren wir mit dem Dingi dort hin. Weit und breit kein Mensch. Endlich fanden wir einen Angestellten, der uns sagte, der Chef sei heute noch nicht hier gewesen. Ja, wo steckte der gute Mensch denn nur? Ich rief ihn an und erfuhr, dass er auf der Werft in der Metall-Werkstatt sei. Das traf sich gut, denn da sollte ja auch unser Teil angefertigt werden. Also mit dem Dingi zur Werft. Dort besah man sich unser Teil und ein Mitarbeiter begann das Gewinde zu vermessen. Er schüttelte den Kopf, lief weg, holte anderes Werkzeug, maß erneut. Der Rigger schaute mit aufs Teil, dann liefen sie beide zusammen mit unserem Teil weg. Was war denn los? Schließlich holten sie den Abteilungsleiter der Werkstatt hinzu, diskutierten kurz, er telefonierte, nochmal kurze Diskussion und dann machte man uns die Mitteilung, dass sie dieses Teil nicht anfertigen können. Es hätte ja ein amerikanisches Gewinde und sie könnten hier nur europäische Gewinde herstellen. Nee, oder? Is jetzt nich wahr?! Wir hatten dem Rigger doch gesagt, dass unser Teil ein amerikanisches Gewinde hat. Somit war der ganze Ausbau und auch dieser komplette Vormittag fer umme (wie man bei uns in der Kurpfalz so schön zu sagen pflegt) gewesen.  

Also völlig frustriert wieder zurück zu unserer Silence und das alte Teil wieder eingebaut. Immerhin hatten wir mittlerweile auch den Toggle fürs Vorstag bekommen, so dass wir diesen gleich mit einbauen konnten. Und damit war die Sache mit dem Vorstag gezwungenermaßen erst einmal abgehakt.

Am nächsten Tag baute Kai noch die beiden neuen Wantenspanner und Toggles an Backbord und Steuerbord ein und das Projekt war endlich erledigt. 

Das war mal wieder ein ganz typisches Bootsprojekt. Hätte ganz einfach sein können, wenn man uns nicht mehrfach falsche Teile und Auskünfte gegeben hätte. Und am Ende kamen wir uns noch vor wie die totalen Nervbratzen, weil wir täglich mit anderen Problemen beim Rigger aufschlugen. Alles in allem zwar kein sehr schönes Projekt, aber immerhin haben wir (hoffentlich!) was verbessert. 

Entspannung am Sonntag

Nachdem wir nun mehr als 5 Wochen auf unserer Silence gewurschtelt hatten, brauchten wir mal einen kleinen Tapetenwechsel.

Unsere Nachbarn gingen mit ihrem Hund auf eine Wanderung und nahmen uns netterweise mit. Wir hatten uns ab und an nachmittags etwas in Ste. Anne die Beine vertreten und waren dort gefühlt schon alle Straßen abgelaufen. Und so freuten wir uns, dass es dieses Mal zur Abwechslung nach Le Marin ging. Wäre zwar eigentlich nicht erlaubt gewesen, weil man sich ja erst ab Montag mehr als 1km vom Boot entfernen durfte, aber wir hofften, dass man das nun nicht mehr so eng sehen würde.

In Le Marin ließen wir unsere Dingis an einem Steg und gingen zuerst auf der Straße ziemlich steil den Berg hinauf. Irgendwann hörte die Bebauung auf und ein kleiner Pfad führte in den Wald. Da wir hier gerade Hochsommer und jeden Tag mehr als 30ºC haben, waren wir recht froh, dass der Weg nun im Schatten weiter den Berg hoch führte. Hier war es wunderschön kühl und bald ging es auch recht eben weiter bis wir aus dem Wald heraus auf eine Lichtung kamen.

Wow, welch ein toller Ausblick von hier oben auf die Bucht von Le Marin mit ihren ungefähr 1.000 Booten. Und im Hintergrund erblickten wir sogar St. Lucia. 

Dann ging es noch einen kleinen Kreuzweg hinauf zu einem Kapellchen, bevor wir uns wieder auf den Weg zurück nach Le Marin machten. 

Am Wegesrand blüht es momentan in allen Farben und überall tragen die Bäume reichlich Früchte. Wo wir hinschauten sahen wir Mangos, Zitronen, Orangen, Papaya, Guyaven, Sauersack, Avocados, … 

Und da wir so viele reife Mangos fanden und wir mittlerweile Agar Agar hatten (anstatt Gelierzucker), kochte ich gestern gleich mal ein paar Gläser Mango-Marmelade ein. Lecker!

Lockdown erst einmal zu Ende

Nachdem der Lockdown natürlich nach den ersten drei Wochen in die Verlängerung ging, ist er nun endlich seit gestern teilweise aufgehoben.

Die Strände sind wieder geöffnet, allerdings nur dynamisch. Wir hatten die wildesten Vermutungen, was das heißen könnte, bis unsere Nachbarn uns aufklärten: man darf nicht auf dem Handtuch am Strand liegen oder sitzen, sondern man muss die ganze Zeit in Bewegung sein. Damit haben wir kein Problem, da wir sowieso nicht gerne am Strand liegen, sondern lieber schwimmen, Wasserball spielen, kiten, … Klingt also super!

Ab Mittwoch sollen auch wieder alle Geschäfte geöffnet werden, wobei das mit den Geschäften ja am Ende alles gar nicht so war, wie ursprünglich angekündigt. Die Supermärkte und Baumärkte hatten sowieso geöffnet und die Schiffszubehörläden waren dann doch alle am Vormittag geöffnet. So mussten wir dann eben immer vormittags auf Ersatzteiljagd gehen, was uns eigentlich nur beim Beschaffen von Ersatzteilen für unser Rigg ziemlich aufhielt. Ansonsten war es kein großes Problem für uns.

Bars und Restaurants dürfen ab Mittwoch auch wieder öffnen, allerdings benötigt man einen „pass sanitaire“. Und da haben wir leider einen typischen Catch-22. Diesen Pass bekommen die Leute in Frankreich nach der Impfung oder können ihn, falls sie im Ausland geimpft wurden, im Internet beantragen. Das gilt jedoch nur für Franzosen, alle anderen Nationalitäten müssen diesen Pass in ihrem Heimatland ausstellen lassen. Wir könnten das in einer deutschen Apotheke tun. Dort müssten wir mit unserer Impfbescheinigung aus dem Ausland aufschlagen und uns würde dann ein QR-Code ausgedruckt. Hm, technisch etwas schwierig, weil wir ja hier in Martinique sitzen. Also gibt es für uns erst einmal keinen „pass sanitaire“, was aber nicht so schlimm ist, weil wir sowieso nicht oft in Bars und Restaurants gehen. Wir hoffen aber, dass das mit diesem Ausweis nicht auf andere Bereiche ausgeweitet wird.

Die Ausgangssperre von 19-5 Uhr gilt weiterhin, jetzt darf man sich aber in einem Radius von 10km von seinem Haus bewegen. 

Und ehrlich gesagt finden wir die Ausgangssperre momentan eher angenehm. Ab 19 Uhr herrscht hier himmlische Ruhe: es zoomen keine Dingis oder sonstigen Boote durch die Ankerbucht, es fahren keine lauten Motorräder auf den Straßen, niemand spielt am Strand ohrenbetäubend laute Musik. Es herrscht Silence! Die letzten Wochen haben wir so gut geschlafen wie schon seit Monaten oder Jahren nicht mehr. 

Aber dennoch schauen wir etwas mit weinenden Augen nach Europa. Während bei euch endlich immer mehr Maßnahmen aufgehoben werden, geht es hier in der Karibik wieder so richtig rund.

Grenada z.B. hat einen partiellen Lockdown (nennt es aber nicht so, damit die Leute sich nicht so aufregen), bei dem man an Wochenenden ab Freitag Nachmittag 17 Uhr bis Montag 5 Uhr sein Haus nicht verlassen darf. Man darf nicht von Bucht zu Bucht segeln und der Fährverkehr zwischen Grenada und Carriacou wurde eingestellt, Öffnungszeiten von Geschäften verkürzt, …

Antigua hat seine Einreisebestimmungen geändert und lässt ab 1. Oktober nur noch geimpfte Personen ins Land. Die Strände sind am Wochenende vormittags nur von 5-12 Uhr geöffnet, Ausflugsboote dürfen nicht um die Insel fahren, …

Da somit auf den anderen Inseln die Maßnahmen nun auch wieder verschärft werden, haben wir beschlossen, dass wir für die Hurrikan-Saison einfach hier in Martinique bleiben werden. Hier können wir lange liegengebliebene Bootsprojekte abarbeiten und bekommen fast alle Ersatzteile. Unsere Silence liegt total ruhig vor einem wunderschönen Strand, wir können jeden Morgen frisches Baguette essen und haben mehrere Supermärkte mit leckerem Essen gleich um die Ecke. Das Leben könnte wesentlich unangenehmer sein 😉