Wetterbericht und Realität haben mal wieder nichts gemeinsam

Nachdem unser Kühlschrank und im speziellen unsere Obst- und Gemüsevorräte nach 5 Wochen ohne Supermarkt auf ein trauriges Häuflein zusammengeschrumpft waren (1 Orange, 7 Kartoffeln, 1 Rotkohl, 2 Paprika und 5 Zwiebeln) wollten wir das nächste Wetterfenster nutzen, um nach Antigua zurück zu segeln.

In den letzten Wochen war eine Tropical Wave nach der anderen über den Atlantik gekommen, die jedes Mal ordentlich Wind mitbrachte. Zu viel Wind für einen angenehmen Segeltag und richtig tollen Wind zum Kiten. Also kiteten wir uns quasi den Allerwertesten ab und warteten auf einen Tag mit weniger Wind.

Und der erschien nun endlich im Wetterbericht. Es sollte vergangenen Freitag nur 10 Knoten haben, keine Tropical Wave weit und breit und schönstes Wetter. Wunderbar, da segeln wir zurück nach Antigua.

Schon als wir morgens um kurz vor 7 Uhr aufstanden bot sich uns jedoch ein anderes Bild: überall um uns herum lauerten Regenschauer, mal wehte ein laues Lüftchen, mal pfiff es ganz schön übers Schiff.

Der neueste Wetterbericht sprach nun von 14 Knoten Wind und mitten auf dem Atlantik war aus dem Nichts eine Tropical Wave materialisiert. Na super!
Also doch nicht segeln? Leider sah der Wetterbericht für die ganzen nächsten Tage nicht besser aus. Also bringen wir’s dann einfach hinter uns.

Aus einem Törn mit leichtem Wind von hinten und wenig Wellen, wurde ein absolut unangenehmer Törn mit immer mal wieder Regenschauern, sich drehenden Winden, chaotischen Wellen und Sargassum ohne Ende.

Das Üble an den riesigen Sargassum-Teppichen ist, dass sich diese zwischen den Rumpf und unser Ruder setzen und dort unser Ruder blockieren. Somit können wir dann unseren Kurs nicht mehr halten und müssen in den Wind schießen (mit dem Bug direkt in die Windrichtung). Dort schlagen die Segel und Kai muss schnell genug wieder gegensteuern, damit wir nicht im Wind stehen bleiben (denn dann müssten wir den Motor anschalten, um das Schiff zurück auf Kurs zu bekommen).
Nach dem 6. Mal hatten wir gehörig die Schnauze voll und wollten einfach nur noch ankommen. Denn diese ganzen Manöver helfen nicht wirklich beim Vorankommen und machen den ganzen Segeltörn zu einem ziemlich unschönen Erlebnis!

Und als ob das nicht schon nervig genug wäre, knirschte und krachte unsere Notlösung für den Großschot-Block auch noch die ganze Zeit wie wild. Beim Törn nach Barbuda war uns der Block, der unter dem Mast die Leinen für den Baum führt mit einem lauten Knall kaputt gegangen. Kai hatte alles erst einmal mit einer Leine gesichert, damit wir weiter segeln konnten und dann in Barbuda mit zwei Low Friction Ringen eine Notlösung gebastelt. Den neuen Block haben wir mittlerweile in USA bestellt und er ist auch schon in Antigua angekommen. Aber bis wir ihn dort abholen können, musste jetzt mit der Notlösung gesegelt werden. Und das war geräuschmäßig nicht angenehm. Ich sage euch, die Nerven lagen blank!

Wir waren beide total k.o. und sehr erleichtert, als wir in die Diane Bay einfuhren und dort nach 5-stündigem Segeltörn den Anker werfen konnten.

Zwischendurch muss auch im Barbuda-Urlaub…

…ab und an etwas gearbeitet werden. So war uns auf dem Törn nach Barbuda der Block, der unter dem Mast die Leinen für den Baum (die Großschot) führt mit einem lauten Knall kaputt gegangen. Kai hatte alles erst einmal mit einer Leine gesichert, damit wir weiter segeln konnten und jetzt in Barbuda mit zwei Low Friction Ringen eine Notlösung gebastelt. Hierzu spleißte er zwei Dynema Leinen um die Low Friction Ringe und befestigte diese dann wie gewohnt an unserem Baum. Sah gut aus und sollte eine Weile halten, denn ohne diese Notlösung hätten wir nicht zurück nach Antigua segeln können.

Des weiteren mussten mal alle Plastikteile auf Deck gesäubert und mit Vaseline eingepinselt werden. Die Sonne entzieht den Sachen die Weichmacher, lässt diese total spröde werden und irgendwann brechen sie. Also nichts wie ran an die ganzen Plastikteile, bewaffnet mit Vaseline-Töpfchen und Pinsel.

 

Und während die Sonne die Teile an Deck angreift, greift das Salzwasser die Teile unter Wasser an. Der Schaft und Propeller unseres Außenborders hatte ganz schön Kalk und Salz angesetzt und wurde von Kai mit Phosphorsäure gereinigt.

Dann war noch ein Ventil in unserer Toilettenpumpe (Joker-Valve) kaputt, so dass ständig Wasser in die Toilettenschüssel floss. Kai baute die Pumpe auseinander und tauschte das Ventil. Keine sehr schwierige Aufgabe, aber eine sehr unangenehme, weil Kai im wahrsten Sinne des Wortes in der Scheiße wühlen musste🤢 Deshalb hier mal lieber kein Foto.

Als nächstes war unser Wassermacher zu reparieren. Er war bereits seit einiger Zeit an mehreren Stellen undicht und Kai hatte neue Dichtungen und Gewindedichtfaden in USA bestellt. Zum Einbau der Dichtungen musste jedoch fast der gesamte Wassermacher zerlegt werden. Und bei dieser Gelegenheit entrosteten wir ihn auch gleich noch. Das alles war fast ein Tageswerk und die Spannung war bei uns beiden ziemlich hoch, als Kai den Wassermacher nach dem Zusammenbau das erste Mal einschaltete. Wir konnten unseren Augen fast nicht trauen: er war komplett dicht! So toll hatte er noch nie funktioniert. Also das können wir jedem nur empfehlen: anstatt Teflon-Tape lieber Gewindedichtfaden verwenden. Ganz herzlichen Dank an Nick, der uns diesen tollen Tip gegeben hat!

Auch einer unserer Dieselmotoren musste dringend mal überprüft werden. Schon seit einiger Zeit bekamen wir beim Anschalten des Stb-Motors immer einen Kühlwasseralarm, mit dem Kühlwasser war aber alles in Ordnung. Kai vermutete, dass es sich um den Kühlwasser-Sensor handelte, der da irgendwie rumspackte. Unser Freund Tim hatte ihm geraten, mal die Verkabelung zu überprüfen. Oft sei das ein Masse-Problem. Also schraubte Kai den Masseanschluss vom Motor ab und in der Tat war dieser ganz schön korrodiert. Er machte ihn mit einer Drahtbürste sauber und reinigte bei dieser Gelegenheit auch gleich noch den Kontakt des Kühlwasseranschlusses. Dann schloss er alles wieder an und startete den Motor. Juchu, kein Alarm mehr!

Leider bockte dann auch noch unsere Wasserpumpe rum. Das hatte sie vor kurzem schon einmal getan und Kai hatte damals einen neuen Schalter eingebaut, den er im Internet bestellt hatte. Dieser war aber anscheinend nicht der richtige und so musste Kai ihn wieder ausbauen, den alten Schalter etwas säubern und wieder einbauen und darauf hoffen, dass die Pumpe noch so lange funktioniert bis der in USA bestellte Ersatz-Schalter bei uns ankommt. Dieser lag mittlerweile in Antigua, wir waren jedoch in Barbuda. Und ohne Wasserpumpe gibt es bei uns an Bord kein fließendes Wasser mehr. Keine tollen Aussichten. Also musste Kai mal wieder MacGyver spielen. Er fand noch eine andere Pumpe, die wir ursprünglich mal für unseren Wassermacher gekauft hatten (für den Einsatz als Hauptpumpe aber nicht geeignet ist) baute aus dieser den Schalter aus und in unsere defekte Pumpe ein. Und siehe da, es funktionierte! Welch ein Glück!

Ein paar Tage später funktionierte die Anzeige für die Batteriespannung nicht mehr. Kai vermutete einen Wackelkontakt an einem der Kabel. Also Kabel weg gemacht, gereinigt, wieder angebracht. Nee, funktioniert nicht! Sch… Nochmal an Kabeln etwas gerüttelt. Nee, nix! Also nochmal Kabel ab, wieder angeschlossen und oh Wunder jetzt geht’s wieder. Nun bloß nichts mehr anfassen!

Und wenn am Boot gerade nichts kaputt geht, dann gibt es immer mal wieder etwas an unserem Kite- oder Wingfoil-Equipment zu reparieren.
So klebten wir ein kleines Loch in unserem 5er Wing und und an Kais Kite war eine Seite des Hauptventils abgekommen, die er wieder ankleben musste. Bei meinem Kite brach gleich das ganze Ventil auseinander. Das ist ein altbekanntes Problem der Ozone-Kites und somit hatten wir glücklicherweise noch Ersatzventile an Bord. Kai schnitt das alte Ventil aus der Bladder heraus, klebte das neue ein und mein Kite funktionierte wieder wunderbar.
Dann lösten sich noch bei beiden unserer Kiteboards die footpads ab und Kai klebte diese mit 3M wieder fest. Dann brach der Griff seines Kiteboards ab. Glücklicherweise hatten wir noch ein paar alte Griffe, so dass Kai diesen ganz leicht ersetzen konnte.
Und last but not least hatten sich meine Kiteleinen gelängt. Kai hatte mir vor ein paar Monaten alle Leinen meiner Bar erneuert und diese schön gespleißt. Nun hatten sie sich unterschiedlich gelängt und Kai musste drei der Spleiße aufmachen, die Leinen kürzen und wieder spleißen. Klingt nach einer Kleinigkeit, nahm aber mit Ausmessen am Strand und der ganzen Spleißerei einen halben Tag in Anspruch.

Also Langeweile hier an Bord? Nee, die kommt vor Anker niemals auf. Nur beim Segeln😜

 

An der Ostküste Barbudas…

…sieht es ganz anders aus als an der Westküste. Während ihr in meinem vorletzten Bericht kilometerlange traumhafte Strände sehen konntet, ist von den schönen Stränden an der Ostküste fast nichts zu sehen.

Dieses Jahr macht das in unglaublichen Mengen angeschwemmte Sargassum die ganze Sache noch viel schlimmer. Normalerweise gibt es jeweils an den Ostküsten der karibischen Inseln überall sehr viel Müll. Da liegen Schuhe, Plastik- und Glasflaschen, Kanister, Fischernetze, leere Ölfässer, sogar einen kleinen Kinderwagen hatten wir schon mal gesehen. Man kann sich kaum vorstellen, was da alles angeschwemmt wird.

Nun kommen aber auch noch meterhohe Berge an Sargassum hinzu. Vom Strand war teilweise nichts mehr zu sehen und es stank einfach widerlich!

Dieses Jahr ist mal wieder ein besonders schlimmes Jahr. Mit einer der Gründe dafür, dass wir schon Ende Mai nach Barbuda gesegelt waren, waren die Sargassum-Teppiche die in die Nonsuch Bay hineingeschwemmt wurden und die das Wingfoilen dort teilweise unmöglich machten.

Dennoch war unser langer Spaziergang an der Ostküste erfolgreich, weil wir zwischen all dem Müll auch ziemlich viel Treibholz für meine Bastelarbeiten fanden.

Nach mehr als drei Stunden kehrten wir völlig verschwitzt zu unserer Silence zurück und nahmen dort erst einmal ein Bad im kristallklaren Wasser, bevor es ans Saubermachen des Treibholzes ging.