Sugar Apples, Guaven, Soursaps und andere Köstlichkeiten

Eine weitere tolle Sache hier in Dominica ist die Vielfalt an Obst. Ich hatte ja schon des öfteren berichtet was im Garten unserer Freunde so alles wächst und auch dieses Mal bekamen wir ganz viele Köstlichkeiten von unserem Freund Jan.

Schon seit Ewigkeiten hatten wir keine Soursaps, Sugar Apples und Guaven mehr gegessen, weil es das in Antigua nur sehr selten oder überhaupt nicht zu kaufen gibt. Umso mehr freuten wir uns, als uns Jan eine ganze Tüte voll davon gab. Obendrein bekamen wir noch einige Sternfrüchte und Kokosnüsse und auf dem Markt erstand ich einen ganzen Beutel karibischer Kirschen. Ich weiß leider nicht, wie diese hier genannt werden, aber sie sind unseren Kirschen sehr ähnlich. Nicht nur vom Aussehen, sondern auch vom Geschmack, allerdings mit einem Unterschied: statt einem Kern haben sie davon vier, was das Essen nicht so einfach macht.

Überhaupt haben wir festgestellt, dass die ganzen karibischen Früchte ziemlich viele Kerne haben. Ist das, weil sie aus unseren europäischen Früchten weg gezüchtet wurden oder ist das Zufall? Wahrscheinlich ersteres. Und ich muss schon sagen, dass sich die meisten tropischen Früchte wesentlich einfacher essen ließen, hätten sie nicht so viele Kerne.

Und auch wenn ich mich daran erinnere, wie ich früher immer mit meiner Mutter Erdbeer-, Himbeer- und Brombeer-Marmelade eingekocht habe, fällt mir auf, dass das mit diesem Obst viel schneller und einfacher geht als mit Mangos oder Guaven.

Aus Guaven Marmelade herzustellen ist schon ganz schön zeitaufwändig. Aber da wir von Jan so viele bekommen hatten, dass wir diese unmöglich alle essen konnten und wir so gerne Guaven-Marmelade essen, kochten wir uns einige Gläser ein.

Hierzu müssen die Guaven aber zuerst einmal geschält und dann im Mixer zerkleinert werden. Und bevor die Masse eingekocht werden kann, müssen wir sie noch von den unzähligen kleinen gelben Kernen befreien. Da ich immer wieder vergesse, mir mal ein größeres Sieb zuzulegen, dauert das mit unserem kleinen Sieb ganz schön lange. Aber das Ergebnis ist sehr lecker und somit lohnt sich der Aufwand.

Und weil wir dann immer noch einige Guaven übrig hatten, gab es noch mehrere Tage lang Guaven-Bananen Smoothies, Guaven-Joghurt und Guaven-Streuselkuchen. Wir sind im Schlemmerland!

 

Waitukubuli Trail Nr. 11, zweiter Anlauf

Als wir kürzlich in Dominica im Cabrit-Nationalpark waren, hatten wir dort mit einem der Park Ranger erzählt. Dieser hatte uns berichtet, dass sie gerade an der Wiedereröffnung von Teilstücken des Waitukubuli Trails arbeiten.

Dieser Wanderweg führte früher in 14 Segmenten vom Süden bis ganz in den Norden der Insel. Ganz ursprünglich benutzten die Kalinago (die indianischen Ureinwohner Dominicas) diesen Weg, der teilweise mitten durch den Regenwald, durch Flüsse, über Berge und teilweise an der Küste entlang führt. Insgesamt ist er 185km lang und damit der längste Wanderweg der östlichen Karibik. Leider hatte Hurrikan Maria im Jahr 2017 Dominica ziemlich verwüstet und seitdem waren nur noch sehr wenige Segmente des Trails zu erwandern.

2023 waren wir auf dem Segment 13 von Penville nach Capuchin gewandert und ein paar Tage später wollten wir uns an einem Teilstück des 11. Segments probieren. Damals kamen wir auf diesem Teilstück leider nicht sehr weit, weil wir bereits auf dem ersten Berg durch razor grass gestoppt wurden. Dieses kratzte uns so sehr die Beine blutig, dass wir umkehren mussten.

Nun sollte dieser Trail wieder zugänglich sein und der Park Ranger sagte uns, dass auch die Hängebrücke, die damals sehr zerfallen war, gerade erneuert worden war. Das waren ja super Nachrichten! Endlich können wir die vor 3 Jahren geplante Wanderung machen.

So zogen wir morgens erneut unser Dingi an Land und machten uns zu Fuß auf den Weg zur Busstation am anderen Ende von Portsmouth. Mit dem Bus ging es dann bis ins Nachbarort Picard, von wo wir ungefähr in der Hälfte des Segments 11 einsteigen konnten. Das ganze Segment wäre ca. 13,2km lang, unser Teilsegment sollte ca. 7km lang sein. Klingt nach einem kleinen Spaziergang, aber ich kann euch sagen, es ist alles andere als ein Spaziergang.

Zuerst liefen wir auf einer etwas breiteren geschotterten Straße vorbei an einer riesigen Bananenplantage bis zur Hängebrücke. Diese war tatsächlich komplett erneuert und wir freuten uns riesig. Doch zu früh gefreut, denn leider fehlte auf unserer Seite noch eine Rampe, so dass wir nicht auf die Brücke hoch kamen und auch dieses Mal wieder durch den Fluss mussten.

Also Schuhe und Socken aus, hinüber waten und drüben wieder Schuhe anziehen. Und von hier aus kam man dann auch auf die Brücke, so dass wir immerhin noch ein paar schöne Fotos machen konnten.

Das Wasser des Flusses hatte uns herrlich erfrischt und so konnten wir mit völlig entspannten Füßen den Aufstieg beginnen. Und dieser Aufstieg hat es in sich. Teilweise ist es eher ein Klettern als ein Wandern, denn in manchen Stücken geht es fast senkrecht den Berg hinauf. In weniger als 2km Strecke machten wir 300 Höhenmeter und ich schnaufte bereits nach einer halben Stunde wie eine Dampfwalze. Boah war das anstrengend.

Glücklicherweise steht auf der Wegstrecke eine kleine Picknick-Bank mit einer herrlichen Aussicht, an der wir eine kurze Pause machen konnten, bevor es weiter steil den Berg hinauf ging.

Ich war ziemlich froh, als es dann endlich etwas flacher wurde und wir den ersten Bergkamm, den Mourne Balvine, erreichten. Doch oh je: hier gab es wieder razor grass! Sollte der Weg doch nicht begehbar sein? Sollten wir schon wieder umkehren müssen? Wir standen beide mit völlig enttäuschten Gesichtern da. Komm, wir probieren noch ein Stück. Vor drei Jahren wurde es erst so richtig schlimm, als wir aus dem Dschungel raus und auf eine offenen Ebene kamen, wo überall die von Hurrikan Maria entwurzelten Bäume lagen. Vielleicht ist es dieses Mal ja nicht so schlimm. So gingen wir weiter und weiter und weiter, aber wir kamen gar nicht aus dem Dschungel raus. Waren wir damals so weit gegangen? Nein, nie und nimmer. Und dann dämmerte es uns langsam, als wir ständig über umgefallene Bäume steigen mussten. Da, wo vor 3 Jahren nur entlaubte und umgestürzte Bäume waren, war mittlerweile alles wieder zugewachsen und wir kamen nie auf eine freie Fläche. Nachteil: keine Aussicht, Vorteil: deutlich weniger razor grass als damals, so dass wir beide mit leichten Schnitten davon kamen.

Und dann ging es auch schon wieder in den dichteren Regenwald. Ebenfalls sehr steil führte der Weg hinunter zu einem kleinen Fluss, wo wir unsere erste längere Pause einlegten.

Und danach ging es frisch gestärkt auf der anderen Seite des Flusses wieder auf den nächsten Berg hinauf und kurz darauf schon wieder hinunter zu einem weiteren kleinen Fluss.

Und wer hätte es gedacht, von da ging es wieder bergan. Als wir auf dem dritten Berg ankamen zitterten mir die Knie und mir wurde schwindlig. Ich musste dringend nochmal etwas essen und trinken. Auch hier gab es glücklicherweise eine kleine Picknick-Hütte, wo wir Pause machen konnten. Kai war so verschwitzt, dass er sein T-Shirt auswringen konnte und ich war völlig außer Atem.

Doch nach einer etwas längeren Pause ging es wieder und wir konnten uns an den letzten Abstieg machen. Hier wurde es manchmal so steil, dass zwischen den Bäumen Seile gespannt waren, an denen man sich hinunter hangeln musste. Das war genial, denn so war der Abstieg wesentlich weniger anstrengend, als wenn man sich ständig an Bäumen und Wurzeln festkrallen musste, um nicht den Berg hinunter zu rutschen.

Dann wurde der Weg etwas ebener und führte uns am Ende hinaus auf eine freie Fläche, von der aus wir eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge hatten. Wir hatten den anstrengendsten Teil geschafft und mussten nun nur noch auf einer Schotterstraße ein Stück am Indian River entlang gehen bis zur Nationalstraße, wo wir hoffentlich einen Bus zurück nach Portsmouth nehmen konnten.

Kurz vor der Nationalstraße hatten wir die Gelegenheit eine letzte Pause einzulegen und unsere Füße im Fluss zu baden. Ich kann euch gar nicht sagen wie gut das tat. Danach lief es sich wieder deutlich leichter.

Auf der Nationalstraße liefen wir dann los in Richtung Portsmouth und bei jedem vorbeifahrenden Auto streckte ich den Daumen raus, in der Hoffnung, dass uns jemand mitnimmt. Problem war nur: die meisten Autos kamen uns entgegen und die wenigen, die in unsere Richtung fuhren, hielten nicht an. Aber auf der geteerten Straße lief es sich so leicht und flockig, dass ich das Gefühl hatte, ich könnte noch ewig so weiter laufen. Falls uns also keiner mitnimmt, laufen wir dann eben noch die 3km bis nach Portsmouth.

Doch einen Kilometer vor der Stadt hatten wir Glück. Jemand hatte einen Platz auf dem Beifahrersitz frei, auf den wir uns beide quetschten und 3 Minuten später waren wir zurück in Portsmouth.

Jetzt hatten wir mächtig Hunger und Durst. Wie wär’s mit Pizza? Wir strahlten beide wie die Honigkuchenpferde, als die schöne große Pepperoni-Pizza vor uns stand.

Insgesamt waren wir (mit dem Weg vom Dingi zum Bus und zurück) nur etwas mehr als 8km gewandert, hatten dafür aber mit Pausen 6 1/2 Stunden benötigt. Es ging insgesamt 518m hoch und 513m runter. Für mich eine sehr anstrengende Wanderung. Aber wir sind auf dem Wanderweg keiner Menschenseele begegnet und hörten nur ab und an den ein oder anderen Vogel und ein paar Papageien. Ich denke, es gibt nicht viele Wanderwege in der Karibik, die noch dermaßen naturbelassen sind und auf solch einem schmalen Pfad durch solch dichten Regenwald führen. Das war jede Strapaze wert!

Neue Decke in der Gästekabine

Im Sommer erledigen wir normalerweise immer verstärkt unsere Wartungs-, Renovierungs- und Reparaturarbeiten. Und so sind wir seit einiger Zeit damit beschäftigt, unsere Deckenverkleidung in einer unserer Gästekabinen zu erneuern. Diese war total porös und in die kleinen Löcher setzte sich immer herrlich der Schimmel. Bei einer weißen Decke fällt natürlich schwarzer Schimmel ziemlich unschön auf und so war ich mehrmals im Jahr damit beschäftigt, die Decke mit einer Zahnbürste abzuschrubben. Dies sollte nun ein Ende haben.

Wir hatten gedacht, das wäre eine Sache von ein paar Tagen die Deckenverkleidung zu erneuern, aber wie immer wurden uns diverse Steine in den Weg gelegt. So zog sich die ganze Sache nun schon über mehrere Wochen hin.

Zuerst musste die ganze Deckenverkleidung runter. Diese besteht zum einen Teil aus Sperrholz, die mit weißem Kunstleder bezogen sind und an den senkrechten Stellen ist das Kunstleder direkt auf die Decke geklebt.

Leider hatte das alte Kunstleder schwarzen Schaum auf der Rückseite, der beim Ablösen des Kunstleders von der Decke teilweise dort haften blieb. Außerdem war es so gut hinter die Seitenverkleidung der Kabine gesteckt, dass wir diese auch noch rausnehmen mussten, um den alten Stoff abzubekommen. Meine Güte, war das eine Drecksarbeit den ganzen Schaum mit der Spachtel von der Decke zu schaben. Während ich schwitzend und verdreckt vor mich hin arbeitete, löste Kai das alte Kunstleder vom Sperrholz ab. Auch ziemlich aufwändig, weil dieses auf der Rückseite fest getackert war und die Tackernadeln saßen im Abstand von wenigen Millimetern nebeneinander. Einen ganzen Tag waren wir damit beschäftigt einfach nur das ganze alte Zeugs weg zu machen.

Dann stellten wir fest, dass eines der Deckenteile auf der Rückseite einen großen nassen Flecken hatte. Da war wohl Wasser drauf getropft. Das Leck war glücklicherweise schnell gefunden: eine der Schrauben, die den Alurahmen unserer Lucke befestigen, war undicht. Kai dichtete sicherheitshalber alle Schrauben ab und legte das Deckenteil zum Trocknen draußen in die Sonne.

Dann machten wir uns ans Ausschneiden der neuen Teile. Was eigentlich ein einfacher und schneller Job ist, gestaltete sich als schwieriger als gedacht. Denn die Teile waren so lang, dass wir sie nirgendwo hinlegen konnten. Nicht das erste Mal, dass uns das passiert, also improvisierten wir etwas. Kai war mit dem einen Ende des Stoffs auf unserem Gästebett, ich hielt das andere Ende fest und immer wenn er ein Stück angezeichnet hatte, wickelten wir den Stoff etwas auf und weiter ging’s.

Am nächsten Tag legte Kai dann wieder das eine Deckenteil zum Trocknen raus und bespannte die anderen zwei Teile mit dem Stoff und tackerte ihn fest, während ich noch einige Klebereste von der Wand entfernte und dann den ganzen Backbord-Rumpf putzte, weil dort überall schwarzer Staub rumlag.

Am Tag darauf mussten noch zwei Teile umgenäht werden. Also Nähmaschine raus und die Nahten umnähen. Und dann war noch die Unterkonstruktion an manchen Stellen von der Decke abgekommen. Kai klebte diese wieder fest und baute mit einer Latte eine Stütze, damit sie nicht wieder runterkommt bevor der Kleber getrocknet ist.

Das alles war noch in Antigua, doch dann wollten wir lossegeln nach Guadeloupe. Also die zwei fertigen Deckenteile hoch geschraubt, damit sie aus dem Weg sind, den Stoff und alles Werkzeug verstaut und das Projekt erst mal auf Eis gelegt.

Und hier in Dominica ging es dann weiter. Obwohl wir das eine Deckenteile immer wieder zum Trocknen in die Sonne legten, war es am nächsten Morgen jedes Mal wieder feucht. Es war zum Mäusemelken! Kai versuchte es mit der Heißluftpistole. Nee, am nächsten Tag wieder nass.
So fragte Kai irgendwann unseren Freund Jan, ob er eine Idee habe und der hatte den Tipp, dass Kai doch mal probieren solle, ob sich das Brett nicht vielleicht mit Salzwasser vollgesogen hatte. Hm, das könnte natürlich sein. Wir waren die ganze Zeit davon ausgegangen, dass es reingeregnet hatte, aber das Wasser könnte durchaus beim Segeln von überkommenden Wellen stammen. Kai leckte mal am Brett und siehe da: salzig!

Jans Tipp war, die Stelle mit Spüli und Wasser abzuwaschen und danach ordentlich Alkohol darauf zu schütten. Das machte Kai mehrmals, ließ es zwischendurch immer wieder trocken und siehe da, endlich wurde es trockener. Halleluja!

Endlich konnte unser Projekt weitergehen. Kai bespannte noch das letzte Deckenteil und dann wollten wir die bespannten Teile wieder hochschrauben und die anderen Deckenteile mit Tikal (eine Art Silikon) hochkleben. Dabei gab es allerdings noch ein Problem zu lösen: die Teile zum Kleben waren zu schwer und wir wussten vom Austausch im Gästebad, dass diese, solange der Kleber noch feucht war (braucht 24 Stunden zum Aushärten) einfach wieder runterrutschen würden. Damals hatten wir uns mit Panzertape beholfen. Das klappte dieses Mal nicht, weil es sich um eine viel größere Fläche handelte. Zwei Tage überlegte Kai immer wieder und probierte verschiedene Dinge aus, bis es endlich klappte. Wir haben für unsere Näharbeiten schmales doppelseitiges Klebeband. Wenn wir den Stofflappen damit an der Decke festklebten und dann das Tikal unten dran schmierten, dann hielt es.

So beklebten wir das größte Stück mit Klebestreifen, klebten es oben an die Decke, machten eine Spur Tikal direkt unten drunter und klebten dieses fest. Leider kann man nicht das ganze Teil komplett verkleben, weil der Untergrund zu uneben ist und man das dann durch das Leder sehen würde. Also unten auch wieder mit dem Klebestreifen festgeklebt und dann wieder unterhalb eine Spur Tikal und festgedrückt. Dann schnell die Deckenverkleidung hoch und hoffen, dass das so hält. Jawohl, am nächsten Morgen klebte es wunderbar fest.

Jetzt mussten wir das gleiche noch mit zwei Stücken an der Wand machen. Kein Problem, wir haben ja Übung. Dachten wir. Klappte alles wunderbar bis wir die obere Hälfte zu 2/3 mit Tikal eingestrichen hatten, dann ging uns das Tikal aus, weil es in der Mitte durchgehärtet war und sich überhaupt nicht mehr verstreichen ließ. So eine Sch…! Irgendwie kratzten wir alles zusammen was ging und schafften es, das eine Teil immerhin oben festzukleben.

Und das ist jetzt der Stand der Dinge, denn hier in Dominica bekommen wir kein Tikal und müssen somit mit dem Abschluss unseres Projekts warten bis wir in Martinique sind. Irgendwie unbefriedigend wenn man so kurz vorm Ende aufgeben muss und jetzt Tage oder Wochen warten muss, bis es weiter gehen kann.