North Sound Antigua

Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, gefällt es uns hier super. Auch diese Bucht ist riesig und es sind kaum andere Boote da.

Somit herrscht den ganzen Tag eine himmlische Stille, die nur ab und an von einem etwas weinerlichen Krächzen unterbrochen wird. Zuerst dachten wir, da würde ein kleines Kind quengeln, doch dann sahen wir, dass auf der Insel hinter unserem Boot ganz viele Pelikane nisten und der Nachwuchs immer ganz aufgeregt ist, wenn Mutti oder Vati mit Futter zurück kommt. Doch am späten Nachmittag, wenn alle satt sind, hören auch diese Geräusche auf und wir hören nur noch ganz sanft die Wellen an unser Boot plätschern.

Am Montag machten wir einen Dingi-Ausflug nach Great Bird Island. Dies ist eine kleine unbewohnte Insel ganz im Nordosten von Antigua. Wir zogen unser Dingi auf einen kleinen Sandstrand und folgten dann einem schmalen Pfad bergan. Die Insel ist zwar nur 30m hoch, dennoch bot sie uns auf der Westseite eine fantastische Aussicht auf den North Sound von Antigua. Und an der Ostküste konnte man von steilen Klippen direkt ins türkisfarbene Meer schauen und Tropikvögel bei ihren Flugkünsten beobachten.

Wieder unten angekommen, folgten wir einem zweiten Pfad auf die andere Seite der Insel, wo wir in einer wunderschönen türkisfarbenen Bucht einen kleinen Sandstrand mit Bänken direkt am Ufer fanden. Da saßen wir dann unter schattigen Bäumen, ließen die Füße ins Wasser baumeln und genossen die absolute Ruhe und den traumhaften Ausblick.

Am Dienstag herrschte leider Schietwetter, weil eine Kaltfront durchzog, die uns ziemlich viel Regen und grauen Himmel bescherte.

Doch bereits am Mittwoch lachte uns wieder die Sonne und so ging es los zu einem Schnorchelausflug. Unweit unseres Bootes sahen wir ein paar Riffe und so schnorchelten wir direkt von unserer Silence los. Wir sahen zwar nicht wirklich große Fische, dafür aber umso mehr. Und auch die Korallen haben hier im Vergleich zur restlichen östlichen Karibik wunderschöne Formen und Farben. Aber seht einfach selbst:

Ab in den Norden

Das hört sich jetzt etwas kühler an, als es wirklich war.

Da der Wetterbericht für mehr als eine Woche nur sehr wenig Wind gemeldet hatte, beschlossen wir nach Falmouth Harbour und English Harbour zu fahren, um unsere Cruising Permit zu verlängern.

Zurück in der Nonsuch Bay meldete uns der aktuelle Wetterbericht, dass weiterhin mit wenig Wind zu rechnen sei und so beschlossen wir, den Norden von Antigua zu erkunden.

Doch zuerst machten wir auf unserem Weg in den Norden einen Zwischenstopp in der Guiana Bay. Dort gibt es eine der Haupttouristen-Attraktionen von Antigua: Stingray City. Täglich werden mehrere Boote mit vielen Touristen zu zwei kleinen Stegs hinter dem Riff gefahren, wo die Leute entweder aus sicherer Ferne oder auch von ganz nah Stachelrochen sehen können. Und wer mutig genug ist, kann diese sogar im Wasser stehend anfassen und streicheln. Die „Park Ranger“ haben ein Gebiet mit Bojen markiert, doch die Rochen sind freilebend und kommen freiwillig dorthin, weil sie von den Rangern gefüttert werden.

Zwar buchten wir keinen dieser Ausflüge, doch nachmittags, als die ganzen Ausflugsboote verschwunden waren, machten wir auf eigene Faust einen kleinen Ausflug dorthin. Wir hatten mit unserer Silence lediglich ein paar hundert Meter entfernt geankert und so fuhren wir geschwind mit unserem Dingi rüber.

Kaum waren wir im Wasser zeigte Kai auch schon aufgeregt auf einen dunklen Fleck, der geradewegs auf uns zukam. Da das Wasser recht milchig war, konnte man nichts genaues erkennen, doch der Fleck wurde auf jeden Fall immer größer und als er noch ca. 4m entfernt war sahen wir, dass es sich um einen mindestens 1m langen Stachelrochen handelte. Zuerst schwamm er direkt auf Kai zu, und als er feststellte, dass von Kai kein Futter zu erwarten war, steuerte er mich an. Doch auch bei mir gab es ja nichts zu holen und so schwamm er ca. einen Meter von mir entfernt sehr graziös vorbei. Ich muss schon zugeben, dass mir kurz etwas bange wurde, und ich recht froh war, dass er nicht weiter auf mich zukam, denn so einen großen Rochen hatte ich noch nie aus solch geringer Entfernung gesehen.

Als wir weiter schnorchelten, sahen wir noch mehrere andere Rochen, die jedoch alle in etwas größerem Abstand an uns vorüber zogen und auch unten auf dem Grund sahen wir viele, die sich im Sand verbuddelt hatten. So viele Rochen hatten wir noch nie auf einem Fleck gesehen!

Da es uns in der Bucht so gut gefiel und wir dort das einzige(!) Boot waren, beschlossen wir, noch ein paar Tage zu bleiben und die Ruhe und Abgeschiedenheit zu genießen.

Am Samstag erkundeten wir bei einem Dingi-Ausflug einmal die gesamte ca. 2 Quadratmeilen große Bucht, schnorchelten im türkisfarbenen Wasser, fuhren in eine kleine verlassene Bucht mit einem kleinen Sandstrand und Kai erjagte uns sogar noch zwei Langusten zum Abendessen.

Und gestern morgen konnten wir noch eine Runde kiten. Als wir um kurz vor 7:00 Uhr aufwachten hörten wir, dass es draußen Wind hatte und so beschlossen wir, etwas Frühsport zu treiben.

Mangels eines geeigneten Strandes pumpten wir den Kite am Bug unserer Silence auf, führten die Leinen einmal um unser Boot und starteten den Kite dann vom Boot aus. Leider hatte der Wind mittlerweile wieder etwas nachgelassen, so dass wir uns zeitweise etwas schwer taten. Aber dennoch war es ein tolles Erlebnis, völlig alleine durch die riesige Bucht zu kiten.

Nach dem Frühstück gingen wir Anker auf und fuhren weiter in den North Sound von Antigua, wo wir nun völlig geschützt zwischen zwei kleinen Inseln ankern. Auch hier ist es paradiesisch schön und uns ist es fast schon etwas peinlich, dass wir noch nie zuvor hier waren. Da die Passagen einiges an Riffnavigation erfordern, war uns das bisher immer etwas zu heikel, zumal auch die Seekarten sehr ungenau sind und man wirklich nur bei sehr guter Sicht hier durchfahren kann. Doch da wir gestern super Wetter hatten, war das alles kein Problem und auf jeden Fall der Mühe wert! Weitere Details erfahrt ihr dann in unserem nächsten Bericht.

Die Hurrikan-Saison naht…

… und deshalb geht’s mal wieder ab in den Süden. Wir haben uns vergangene Woche von unseren Freunden Lise & Johan und Wolfgang & Anke in der Nonsuch Bay verabschiedet und haben in Jolly Harbour ausklariert.

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Da Anfang Juni bereits die Hurrikan-Saison beginnt, wollen wir nach Union Island, um dort noch einige Wochen zu kiten, bevor wir entscheiden, wo wir die weiteren Sommermonate verbringen werden.

So segelten wir am Sonntag zuerst einmal die 55 Seemeilen nach Guadeloupe. Wir hatten recht schönes Wetter, ca. 15 Knoten aus Osten und relativ niedrige Wellen. So kamen wir bereits nach 8 Stunden in Ilet Pigeon an und konnten gleich am Nachmittag noch unser Schiff von der unterwegs aufgesammelten Salzkruste befreien.

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Eigentlich wollten wir am Montag einkaufen gehen und uns erneut einen Termin beim Zahnarzt besorgen (nun ist mir unterhalb der neu ersetzten Füllung ein Stück meines Zahns abgebrochen und Kai verlor kürzlich eine Krone). Doch leider fiel uns erst Sonntag Abend auf, dass Pfingsten ist und somit die Geschäfte am Montag geschlossen haben. Also gingen wir lediglich Wäsche waschen und wollten danach einfach etwas ausspannen.

Doch dazu kamen wir erst einmal nicht. Kai machte mich irgendwann darauf aufmerksam, dass ein Charter-Katamaran, der genau an unserer Steuerbord-Seite geankert hatte, plötzlich schräg hinter uns lag. Es gingen gerade ein paar heftige Böen durch die Bucht und es war ziemlich eindeutig, dass der Anker des Katamarans rutschte. Da wir jedoch sahen, dass zwei Frauen an Bord waren, dachten wir uns erst einmal nichts dabei. Ca. 10 Minuten später war das Boot jedoch bereits ca. 200m von uns entfernt und driftete weiter durch die Gegend. Eine der Damen nahm dann mal ein Bad und legte sich danach in die Sonne und wir sahen uns beide nur noch verdutzt an. Merkten die denn nicht, dass ihr Anker rutschte?

Wir beschlossen erst einmal abzuwarten, denn wir waren sicher, dass den beiden irgendwann auffallen müsse, dass sie nicht mehr an der Stelle waren, wo sie zuvor geankert hatten. Doch das Boot driftete weiter und weiter. Als es dann bereits die halbe Strecke in Richtung Ilet Pigeon zurückgelegt hatte, beschlossen wir hinzufahren und den beiden unsere Hilfe anzubieten. Vielleicht hatten sie ja ein Motorproblem oder die beiden Damen konnten das Boot nicht steuern.

So fuhren wir mit unserem Dingi hinüber und fragten die eine Dame an Deck, ob wir ihnen irgendwie helfen können. Sie schaute uns an wie ein Auto und verneinte. Ich fragte sie, ob sie denn bemerkt hätten, dass ihr Anker rutsche und sie in ca. 10-15 Minuten auf Ilet Pigeon auflaufen würden. Sie sah mich völlig entsetzt an, verneinte nochmals und holte ihre Kollegin. Diese hatte irgendwo unter Deck gewurschtelt und auch ihr war das völlig entgangen.

Leider war der Skipper nicht an Bord, aber die beiden versicherten uns, dass sie das Boot steuern könnten und gleich neu ankern würden. So fuhren wir zurück zu unserem Boot, schauten aber immer mal wieder zurück, um uns zu vergewissern, dass die beiden tatsächlich Anker aufgehen und ihnen die Dringlichkeit der Lage bewusst ist. Aber es passierte nichts. Und irgendwann sahen wir eine der beiden am Bug stehen und winken und so fuhren wir sofort wieder hin. Die beiden bekamen die Motoren nicht an, weil sie mit dem System nicht vertraut waren.

So gingen wir beide an Bord, Kai schaffte es nach kurzer Zeit die Motoren zu starten und wir halfen den beiden den Anker einzuholen. Wir blieben zur Sicherheit an Bord bis sie neu geankert hatten und wir sicher waren, dass der Anker dieses Mal auch hielt. Die beiden Damen gehörten übrigens zur Crew (die eine war wohl Deckhand und die andere Hostess) dieses 59 Fuß Katamarans und waren sehr dankbar für unsere Hilfe.

Eigentlich hatten wir erwartet, dass der Skipper des Bootes später auch mal noch kurz bei uns vorbeischauen würde, um sich zu bedanken, dass wir sein sicherlich eine Million Euro teures Boot vor dem Auflaufen auf Ilet Pigeon gerettet hatten, aber da warteten wir leider vergebens.

Am Montag holten wir uns dann einen Termin beim Zahnarzt, kauften uns eine neue Gasflasche und stockten unseren Kühlschrank bei Leader Price auf. Leider bekamen wir beim Zahnarzt erst einen Termin für morgen, so dass wir nun ein paar Tage hier festhängen. Doch das ist wahrscheinlich gar nicht so übel, denn Kai hatte sich vor ca. 1,5 Wochen die Fußsohle an einem Stück Koralle aufgerissen und nun hat sich die Wunde anscheinend entzündet. So habe ich ihm absolute Bettruhe verordnet und desinfiziere die Wunde nun ständig. Sollte diese bis morgen nicht besser sein, dann werden wir wohl gleich noch dem Arzt, der sich das Wartezimmer mit dem Zahnarzt teilt, einen Besuch abstatten!

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