Neue Ankerkette in Betrieb genommen

Nachdem wir ja nun die schöne neue Ankerkette gekauft hatten, wollten wir diese auch gerne in Betrieb nehmen und die alte verrostete Kette loswerden. Welch glücklicher Zufall, dass ein Freund von uns anbot, dass wir gerne an seine Ankerboje gehen könnten und er auch unsere alte Kette zur Verstärkung dieser Ankerboje nehmen würde. Da können wir ja zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen!

So bauten wir uns geschwind einen Hahnepot und machten unsere Silence von hinten an der Boje fest. Somit konnten wir vorne bequem die alte Kette in das Boot unseres Freundes hinunterlassen.

 

Danach mussten wir das Schapp, in dem die Kette sitzt, reinigen und von Rost befreien und dann konnten wir die neue Kette von ihrem vorübergehenden Aufbewahrungsort in das Schapp schichten. Dann noch den Anker an der neuen Kette festgemacht und alles war wieder bereit zum Einsatz. In nur ca. zwei Stunden war alles erledigt. Na, das hatte doch mal hervorragend funktioniert.

Krümmer reinigen und andere Arbeiten an den Motoren

Ein weiteres sehr unbeliebtes Projekt ist die Wartung unserer beiden Dieselmotoren. Die große Motorinspektion mit Tausch der Impeller, Öl- und Dieselfilter hatte Kai bereits in Antigua vorgenommen. Er wollte jedoch die Krümmer nicht dort reinigen, weil diese bei der Reinigung leicht mal kaputt gehen können. Und in Antigua hätten wir keine neuen bekommen. Und ohne Krümmer laufen unsere Motoren nicht. Deshalb hatte er sich diese Arbeit für Martinique aufgehoben. 

Zuerst einmal fragten wir beim Volvo-Händler, ob er die Krümmer im Falle eines Falles an Lager hätte. Hatte er! Gut, so konnte Kai die Krümmer ausbauen und mit der Reinigung beginnen. Ein Job, den er hasst wie die Pest! Als ehemaliger Elektronikentwickler liebt er eine reine und saubere Umgebung. Genau das richtige, um kleine Bauteile aufzulöten u.ä. Aber im Öl und Ruß zu wühlen und danach völlig verdreckte rabenschwarze Hände zu haben, ist für ihn kein Spaß. Aber es hilft ja nichts, die Krümmer müssen leider ab und an gereinigt werden.

Und sie hatten es bitter nötig! Was Kai da an Verkrustung rausholte war unglaublich. 

Und mit einem Katamaran hat man ja immer doppelt Spaß. Nachdem er den Krümmer im Backbord-Motor gesäubert hatte, durfte er die Säuberungs-Aktion noch am Steuerbord-Motor wiederholen. 

Außerdem waren unsere Luftfilter relativ dreckig und Kai baute uns ein Paar neue. Schon beim letzten Mal hatten wir beschlossen, dass der Preis von Volvo von €50,- pro Luftfilter völlig irre ist. Und da wir noch etwas Schaumstoff von alten Kissen an Bord hatten, baute uns Kai diese wieder selbst. Kosten €0,-. Das ist doch toll, oder?

Und zu guter Letzt leckte bereits seit einiger Zeit die Seewasserpumpe am Steuerbord-Motor und sollte somit dringend repariert werden. Glücklicherweise war das Problem schnell gefunden, es war wieder der Simmerring, wie beim letzten Mal am Backbord-Motor. Schnell beim Volvo-Händler zwei neue gekauft (einer als Ersatz), eingebaut und die Pumpe war wieder dicht. Kosten €10,-. Wenn nur alles immer so einfach und kostengünstig wäre!

Alte Teile des Riggs erneuert

Ich wollte euch eigentlich schon längst erzählen, was wir denn in den letzten Wochen so alles an unserer Silence gewurschtelt hatten und jetzt werde ich das endlich mal nachholen.

Das größte Projekt war unser Rigg. Hier hatten wir in Antigua einen Toggle tauschen müssen, weil dieser einen kleinen Riss hatte. Bei Edelstahl ist der kleinste Riss gefährlich, weil dieser blitzschnell ganz durchbrechen kann, und bei diesem Teil hätte das bedeutet, dass unser Mast umfällt. Somit mussten wir es tauschen, obwohl sie in Antigua nicht wirklich das genau passende Ersatzteil hatten. Es war also eine Notlösung, die wir hier in Martinique dann mit dem richtigen Teil ersetzen wollten. 

Da wir am Rigg unserer Silence noch einige andere Teile hatten, die mittlerweile 20 Jahre alt waren, beschlossen wir, diese lieber mal alle zu ersetzen. Das hatten wir uns ganz einfach vorgestellt: Fotos machen und Teile vermessen, damit zum Rigger gehen, Teile kaufen, alte Teile ausbauen, neue einbauen, fertig!

Aber ganz so einfach war das dann doch mal wieder nicht. Beim ersten Mal schlugen wir beim Rigger auf und zeigten ihm Fotos und Maße, der Teile, die wir ersetzen wollten. Aber er hatte natürlich nochmal ein paar Rückfragen, die wir nicht beantworten konnten. Somit mussten wir wieder zurück zu unserer Silence und nochmal Fotos machen und vermessen. Da dies alles noch während des Lockdowns war, hatte der Rigger nur vormittags geöffnet, so dass wir erst am nächsten Tag mit unseren neuen Maßen wieder hin konnten. 

So schlugen wir am nächsten Tag erneut dort auf und der Rigger machte uns ein Angebot für die Teile, welches wir sofort annahmen. Man versprach uns die Teile bis zum folgenden Tag zu richten. 

Also am nächsten Tag in die Werkstatt, um die Teile abzuholen und zu bezahlen. Klingt auch wieder einfacher, als es war. Von den 8 Teilen lagen nur 7 da, eines hatten sie gerade nicht, war aber bereits bestellt und sollte in ein paar Tagen ankommen. Und von den 7 Teilen, die da lagen, war eines völlig falsch. Wir haben an unserem Vorstag eine Besonderheit, die man wohl so an neueren Booten nicht mehr verbaut und wir schafften es einfach nicht dem Rigger klar zu machen, wie das Teil aussieht, das wir benötigen. Leider ist dieses am Vorstag halb unter unserer Rollreffanlage (der Anlage zum Aufrollen der Genua) versteckt. Und obwohl wir ihm ein Foto zeigten, auf dem das Teil halbwegs zu erkennen war, wollte er einfach nicht glauben, was wir ihm erzählten. Erst als einer seiner Mitarbeiter einen Blick auf unser Foto warf und meinte, dass er wisse wie das Teil aussehe und es ihm beschrieb, fing er an uns zu glauben. Er meinte, das würde ja schon seit 20 Jahren nicht mehr so verbaut (könnte hinkommen, denn so alt ist ja unser Boot) und wir sollen nochmal ein besseres Foto bringen, dann kann er uns sagen, ob sie solch ein Teil irgendwo beschaffen können. 

Also mit unserer Beute von 6 Teilen (anstatt 8) zurück zum Boot und gleich mal geschaut, ob diese passen. 2 Teile, nämlich die Wantenspanner, waren perfekt, aber bei den vier Toggles war jeweils ein zu dicker Bolzen dabei, der nicht in unser Rigg passt. Wir brauchten einen Bolzen mit 19mm Durchmesser, bekommen hatten wir Bolzen mit 20mm Durchmesser. Somit konnten wir das alles nicht einbauen. Wir benötigten erst die richtigen Bolzen. Na super!

Somit am nächsten Vormittag wieder zum Rigger, mit den falschen Bolzen und weiteren Fotos des Teils in unserem Vorstag. Kai erklärte nochmal ganz genau was wir benötigen, u.a. dass es sich quasi um ein Rohr handelt, das ein amerikanisches Gewinde hat, und auf unser Rigg geschraubt wird. Nein, ein solches Teil wird heute nicht mehr hergestellt, aber kein Problem, man könne es für uns im Metall-Workshop anfertigen. Hierzu müssen wir jedoch das alte Teil ausbauen und vorbei bringen. Wir wussten, dass wir dieses Teil seit 8 Jahren nicht geöffnet hatten und es sicherlich nicht einfach auszubauen war. Aber wenn wir es tauschen wollten, musste es ja sowieso ausgebaut werden. Immerhin hatten wir jetzt die richtigen Bolzen und fuhren damit zurück zu unserer Silence.

Am nächsten Morgen stand Kai um 7 Uhr auf und machte sich daran, unser Rigg mit Leinen zu sichern, damit er das Vorstag öffnen konnte. Und wie er es sich schon gedacht hatte, saß das Teil fest. Er brauchte 4 Stunden bis er es endlich losgeschraubt hatte und wir wieder zum Rigger fahren konnten. Dort trafen wir um 11:45 Uhr ein und erfuhren, dass der Chef leider heute nicht mehr da sei. Wir müssten morgen wieder kommen, da sei er den ganzen Vormittag im Shop. Also unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Und da unser Rigg mit den abgespannten Leinen einen Höllenlärm machte, baute Kai das alte Teil dann erst einmal wieder ein, damit wir nachts schlafen konnten.

Am nächsten Morgen wieder um 7 Uhr raus und das Teil erneut losgeschraubt. Dann schnell gefrühstückt und ab in den Shop zum Rigger. Tja, der Chef war leider nicht da, aber die Angestellte vermutete, er sei in der Rigging-Werkstatt. Also fuhren wir mit dem Dingi dort hin. Weit und breit kein Mensch. Endlich fanden wir einen Angestellten, der uns sagte, der Chef sei heute noch nicht hier gewesen. Ja, wo steckte der gute Mensch denn nur? Ich rief ihn an und erfuhr, dass er auf der Werft in der Metall-Werkstatt sei. Das traf sich gut, denn da sollte ja auch unser Teil angefertigt werden. Also mit dem Dingi zur Werft. Dort besah man sich unser Teil und ein Mitarbeiter begann das Gewinde zu vermessen. Er schüttelte den Kopf, lief weg, holte anderes Werkzeug, maß erneut. Der Rigger schaute mit aufs Teil, dann liefen sie beide zusammen mit unserem Teil weg. Was war denn los? Schließlich holten sie den Abteilungsleiter der Werkstatt hinzu, diskutierten kurz, er telefonierte, nochmal kurze Diskussion und dann machte man uns die Mitteilung, dass sie dieses Teil nicht anfertigen können. Es hätte ja ein amerikanisches Gewinde und sie könnten hier nur europäische Gewinde herstellen. Nee, oder? Is jetzt nich wahr?! Wir hatten dem Rigger doch gesagt, dass unser Teil ein amerikanisches Gewinde hat. Somit war der ganze Ausbau und auch dieser komplette Vormittag fer umme (wie man bei uns in der Kurpfalz so schön zu sagen pflegt) gewesen.  

Also völlig frustriert wieder zurück zu unserer Silence und das alte Teil wieder eingebaut. Immerhin hatten wir mittlerweile auch den Toggle fürs Vorstag bekommen, so dass wir diesen gleich mit einbauen konnten. Und damit war die Sache mit dem Vorstag gezwungenermaßen erst einmal abgehakt.

Am nächsten Tag baute Kai noch die beiden neuen Wantenspanner und Toggles an Backbord und Steuerbord ein und das Projekt war endlich erledigt. 

Das war mal wieder ein ganz typisches Bootsprojekt. Hätte ganz einfach sein können, wenn man uns nicht mehrfach falsche Teile und Auskünfte gegeben hätte. Und am Ende kamen wir uns noch vor wie die totalen Nervbratzen, weil wir täglich mit anderen Problemen beim Rigger aufschlugen. Alles in allem zwar kein sehr schönes Projekt, aber immerhin haben wir (hoffentlich!) was verbessert.