Leck im Kaltwasser-System

Leider endete unser Tag auf dem Pearns Point nicht so erfreulich. Kaum dass wir zurück an Bord waren, holte der Alltag uns wieder ein.

Wir ruhten uns gerade von unserem Spaziergang aus, als Kai eine Nachricht auf seinem iPad erhielt. Es war eine TAN für seine Kreditkarte erzeugt worden, die er nun abrufen könne. Wir hatten jedoch überhaupt nichts mit der Kreditkarte bezahlt. Dies war wohl offensichtlich ein Betrugsversuch. So aktivierte Kai seinen Skype-Account und rief bei der Karten-Sperr-Hotline in Stuttgart an. Der Mitarbeiter deutete das auch sofort als Betrugsversuch und sperrte Kais Kreditkarte. Zwar konnte er auch gleich veranlassen, dass Kai eine neue Kreditkarte ausgestellt wird, aber diese wird natürlich an unsere Adresse in Deutschland geschickt. Dort wird sie dann in guter Gesellschaft mit meiner neuen Kreditkarte liegen, die im Sommer vergangenen Jahres meine abgelaufene Karte ersetzt hatte. Eigentlich hatten wir geplant, dass unser nächster Besucher meine Karte aus Deutschland mitbringen wird. Aber aufgrund von Covid war dann ja jeglicher Besuch bei uns ausgefallen. Gut, dass wir insgesamt drei Kreditkarten hatten, denn so bleibt uns immerhin noch eine Karte mit der wir jetzt überall bezahlen und Geld abheben können. Aber es ist wirklich ein etwas mulmiges Gefühl, wenn man weiß, dass wir jetzt für unsere ganzen Lebensmitteleinkäufe, Ersatzteile, Bargeld-Abhebungen u.ä. auf nur eine Kreditkarte angewiesen sind.

Und als ob das nicht genug gewesen wäre, hatten wir morgens bereits bemerkt, dass unsere Wasserpumpe immer mal wieder unvermittelt ansprang. Dies ließ auf ein Leck im Wassersystem schließen, das wir aber leider nicht auf Anhieb fanden.

Als wir von unserer Wanderung zurück kamen, sprang unsere Pumpe noch öfter an, das Leck musste sich also verschlimmert haben und wir sollten es unbedingt finden. So suchte Kai alle unsere Leitungen ab, bis er es schließlich fand. Unter dem Waschbecken in unserer Toilette gab es ein T-Stück aus Plastik für den Abzweig zum Wasserhahn. Und dieses hatte auf einer Seite einen Riss, aus dem stetig das Wasser tropfte. Abends hatten wir keine Lust mehr dies zu reparieren und so stellten wir über Nacht die Wasserpumpe ab und gingen gleich am nächsten Morgen an die Reparatur.  

Natürlich war das T-Stück an einer völlig unzugänglichen Stelle und beim Versuch die Schläuche abzuziehen, brach es komplett auseinander und in jedem der drei Schläuche blieb ein Teil hängen.

Na super, wie sollten wir denn jetzt die Plastikstücke aus den Schläuchen bekommen? Kai hatte zu kurze Arme um an alle Schläuche ranzukommen und meine Arme waren zwar lang genug, aber ich hatte zu wenig Kraft. Hier am Boot wäre es sehr oft von Vorteil, wenn man ein zierliches Wesen mit kleinen Händen und dünnen Ärmchen wäre. Gleichzeitig sollte man aber Kraft haben wir Herkules. Solch einen Matrosen hätten wir nur zu gerne an Bord.

Aber da wir das nicht hatten, musste ich mal wieder mein Konservenschapp ausräumen und das Trennbrett zum Kühlschrank rausschrauben. Dann konnten wir einen der Schläuche heraus ziehen und das Plastikteil im Salon entfernen. Die anderen Schläuche konnte Kai unter dem Waschbecken hervor ziehen und dort mit einer Zange die Teile zerbrechen und dann aus dem Schlauch heraus holen.

Glücklicherweise hatten wir bei unserem Grenada-Aufenthalt bei Island Waterworld ein T-Stück gekauft, das wir nun hier verbauen konnten. Es ist immer gut, wenn man die wichtigsten Ersatzteile an Bord hat, denn hier in Antigua hätten wir das gewünschte Ersatzteil nicht bekommen.

So verbaute Kai das neue T-Stück und wir konnten unsere Wasserpumpe wieder in Betrieb nehmen. Danach mussten wir allerdings noch die Vorräte in den Schaps über unserer Bilge ausräumen, um die Bilge trocken zu legen, in der mehre Zentimeter hoch das Wasser stand.

Spaziergang auf den Pearns Point

Auf dem Weg zur Hermitage Bay waren wir an einer Halbinsel namens Pearns Point vorbeigesegelt, auf die wir nun direkten Ausblick hatten.

Da bereits am Morgen wieder die heftigen Fallböen begonnen hatten, beschlossen wir, so schnell wie möglich an Land zu gehen und einen ausgedehnten Spaziergang zur Spitze des Pearns Point zu machen.

Wir hatten auf maps.me gesehen, dass es dort einige Wege gab und ich wollte so gerne mal den pinkfarbenen Felsen erklimmen, den wir bei der Einfahrt in die Bucht passiert hatten. Was wir jedoch nicht wussten war, dass der ganze Hügel gerade für Investoren erschlossen wird und die vermeintlich kleinen Wanderwege asphaltierte Straßen waren, die zu den zukünftigen Grundstücken führen sollten. Na ja, so wurde aus einer Wanderung durch Büsche, dann eben ein Spaziergang über asphaltierte Wege, was jedoch dem tollen Ausblick keinen Abbruch tat. 

Dieser Teil der Insel zeichnet sich durch sehr flaches Wasser aus, welches von oben wunderschön türkis erstrahlt. Und es gibt hier jede Menge weiße, leere Sandstrände. Einer schöner als der andere! Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Von der Landspitze hatten wir einen Ausblick auf die kleinen vorgelagerten Inseln, durch die wir hindurch gesegelt waren und am nahegelegenen Sandstrand stand die einzige Villa, die bisher hier errichtet wurde. Wir wanderten von einem Strand zum nächsten bis wir schließlich an dem Felsen ankamen, den ich mir zu erklimmen vorgenommen hatte.

Auch das war einfacher als gedacht, weil ein kleiner Trampelpfad direkt über die Felsen und durch die Büsche auf den höchsten Punkt hinauf führte. Die Aussicht hier war genial. Wir setzten uns auf die Steine und genossen das Rauschen des Wassers, das unten an die Felsen krachte, und den magischen Blick aufs Meer hinaus.

Danach ging es an einem weiteren Sandstrand entlang zu einer roten zerklüfteten Landzunge, die uns mit ein paar tollen Fontänen überraschte, die durch Blow Holes in die Höhe schossen. Nach einer kurzen Pause am Strand gingen wir zurück zur Straße und folgten dieser fast bis zum höchsten Punkt des Pearns Point. Teilweise ging es ganz schön steil hinauf und wir schwitzten mächtig, aber auch hier wurden wir erneut mit einem fantastischen Ausblick belohnt. Ich lasse einfach die Bilder sprechen:

Mittlerweile waren wir mehr als vier Stunden unterwegs gewesen und uns plagte so langsam aber sicher der Hunger. So machten wir uns gegen 14 Uhr auf den Weg zurück zu unserem Dingi. Und könnt Ihr Euch das vorstellen: ca. 100m vor unserem Dingi gab einer meiner Flip Flops den Geist auf und ging kaputt. Welch ein Glück, dass dies genau hier passierte und nicht irgendwo mitten auf dem Pearns Point. 

Welch ein wunderschöner Tag! Ich hoffe ich konnte Euch etwas an unserem Urlaubs-Feeling teilhaben lassen.

Hermitage Bay Beach

Eigentlich hatten wir vor, einen ruhigen Tag an Bord zu verbringen, aber da es immer noch sehr viel Wind hatte, war es auf dem Schiff etwas ungemütlich. Wir dachten, wir lägen hinter dem Hügel recht geschützt, aber leider war das nicht der Fall.

Der Wind sammelte sich immer hinter dem Berg, um dann urplötzlich mit heftigen Böen vor zu schießen. In der einen Sekunde war alles wunderbar ruhig und lediglich das Wasser plätscherte etwas an den Rumpf und in der nächsten Sekunde schoß eine Böe mit ca. 50 km/h über unser Boot. Wir ruckten an unserem Anker ein und der Wind zerrte an unserem Bimini, dass es klang als würde uns gleich das ganze Dach wegfliegen. Mittags hatten wir beide Kopfschmerzen und hielten es nicht mehr aus. Nichts da mit dem gemütlichen Tag an Bord, wir müssen an Land!

Wir sprangen in unser Dingi und landeten an dem kleinen Sandstrand vor dem Resort an. Hier spazierten wir etwas entlang, nahmen das Resort in Augenschein und sammelten ein paar Muscheln. Dann setzten wir uns in den Sand und genossen die Sonne und das Meeresrauschen. Herrlich!

Später kamen noch ein paar andere Segler an Land und wir hielten einen kleinen Plausch, bevor es zum Abendessen zurück auf unsere Silence ging.

Glücklicherweise schläft der Wind hinter der Insel über Nacht immer komplett ein, so dass es von ca. 20 Uhr bis 7:30 Uhr keine Böen gibt. So schläft es sich einfach herrlich!