Geschaukel in Tobago

Nachdem wir hier in Tobago ein paar wunderschöne Wochen verbracht haben, zeigt es sich momentan leider eher von seiner schlechten Seite.

Zuerst wurden wir vergangenen Freitag von Seine-Net-Fischern von unserem schönen Ankerplatz in Plymouth vertrieben. Nachdem wir bereits 1 1/2 Wochen an dieser Stelle lagen, bestanden sie plötzlich darauf, dass wir ihnen beim Fischen im Weg seien und wir müssten in die Mitte der Bucht ankern. Wir waren uns ziemlich sicher, dass dies kein guter Ankerplatz ist, weil dort sowohl Schwell von Norden als auch von Süden ungehindert einlaufen kann. Doch alles diskutieren nützte nichts, wir mussten hier weg und zwar noch heute!

Also ankerten wir unter großem Grummeln in die Mitte der Bucht und machten uns gleich darauf an unsere eigentlich für diesen Tag vorgesehen Arbeiten. Wir nahmen unser Großsegel und Lazy Bag herunter und verstauten beides in unserer Heckkabine. Was so einfach klingt, ist ganz schön viel Arbeit und wir waren am späten Nachmittag recht k.o., als wir diese Aufgabe bewältigt hatten.

 Bisher war der Ankerplatz gar nicht so schlecht wie wir gedacht hatten und wir schliefen selig ein. Als jedoch nachts der Wind nachließ, drehte sich unsere Silence quer zur Welle und wir schaukelten, dass fast das Geschirr aus dem Schrank fiel. Ich fiel im Bett von einer Seite zur anderen und beschloss irgendwann im Salon zu schlafen. Doch auch dort wackelte es sehr und es dauerte eine ganze Weile bis ich wieder eingeschlafen war. Kai hatte sich sein Kissen über den Kopf gezogen und sich quer ins Bett gelegt und schlief auch irgendwann wieder ein. Doch wir wachten beide immer mal wieder auf, wenn es urplötzlich ganz besonders schlimm schaukelte. Und genau so plötzlich wie der Spuk angefangen hatte, hörte er auch wieder auf. Morgens um 6 Uhr war alles wieder friedlich und wir schliefen nochmal bis gegen 8 Uhr.

Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Mitten in der Nacht fing es wieder an zu schaukeln wie verrückt und ich verzog mich erneut in den Salon. Ich kann euch sagen, wir waren morgens ganz schön erschlagen!

Die nächste Nacht hatten wir dann mehr Glück. Es schaukelte überhaupt nicht und wir durften komplett durchschlafen. Doch dieses Mal bekamen wir das Gewackel dafür am Tag. Wir hatten eigentlich noch jede Menge Arbeit am Boot, um es vor unserer Abreise „hurrikansicher“ zu machen, doch es schaukelte die ganze Zeit so heftig, dass wir irgendwann beschlossen, alles liegen und stehen zu lassen und an Land zu flüchten. Als wir von unserem Landausflug zurück kamen, hatte sich alles wieder beruhigt, so dass wir gemütlich Abend essen konnten.

Nach dem Abendessen fing das Gewackel wieder an, doch glücklicherweise nur für ein paar Stunden und die Nacht war erneut recht ruhig. Dennoch waren wir am nächsten Tag noch ganz schön gerädert! Ich hatte Kopfschmerzen und fühlte mich, als ob ich tagelang gefoltert worden wäre.

Und das beste an der Sache war noch, dass die Fischer weder Samstags, noch Sonntags, noch Montags gefischt hatten. Sie hatten uns also einfach so zum Spaß dort weggejagt. Wir kochten beide ziemlich vor Wut!

Am Dienstag beschlossen wir zurück in die Store Bay zu fahren, weil wir dort vor unserer Abreise noch einige Dinge zu erledigen hatten. Wir mussten noch unsere Dieseltanks auffüllen, unsere Ankerkette rumdrehen (weil eine Seite ziemlich verrostet ist) unsere Genua herunternehmen und ein paar Besorgungen erledigen.

Wir hatten beide gehofft, dass wir dort etwas geschützter ankern können, doch Pustekuchen! Zuerst sah es noch ganz gut aus. Als wir ankamen, machten wir gleich an einer Boje fest und drehten unsere Ankerkette um. Das klappte hervorragend, doch als wir den Anker wieder anschäkeln wollten, fing auch hier das Gewackel an. Da südlich von Tobago ein paar große Schauer durchgezogen waren, hatte sich Schwell aufgebaut, der nun direkt hier in die Bucht lief. Wir schaukelten wie ein Korken auf dem Wasser, kein Schritt traf dorthin, wo er hinsollte und wir schwankten wie besoffen übers Boot. Na, so kann man ja super arbeiten! Wir waren froh, als der Anker wieder an Ort und Stelle war, wir von der Boje losmachen und ankern konnten. Und dann saßen wir im Salon und schimpften wie die Rohrspatzen, weil alles so wackelte und wir völlig entnervt waren.

Am späten Nachmittag hörte das Gewackel dann glücklicherweise wieder auf und wir freuten uns auf eine ruhige Nacht. Tja, zu früh gefreut. Um 4:00 standen wir beide im Bett, weil wir wieder so sehr schaukelten, dass im Boot alles hin- und herrutschte. Dieses Mal ging Kai in den Salon und las ein paar Stunden, während ich versuchte im Bett auszuharren. Doch es dauerte ewig bis ich wieder einschlafen konnte.

Wir sind echt beide fix und fertig. Das ist wie Folter, wenn man müde ist und einfach nicht schlafen darf, weil die ganze Zeit jemand am Bett rüttelt. Wir können gar nicht in Worte fassen wie sehr wir uns darauf freuen in Deutschland endlich mal wieder 6 Wochen am Stück jede Nacht durchzuschlafen. Das wird himmlisch!

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