Die erste Woche auf der Werft in Carriacou…

…war Kai hauptsächlich mit einem Kratzer oder der Schleifmaschine in der Hand zu sehen, während ich mit Salzsäure und Schleifpapier unterwegs war. Das ganze alte Antifouling musste runter und wir wussten aus Erfahrung, dass man dieses viel besser abschleifen kann, wenn man das gröbste erste einmal mit einem Farbkratzer entfernt. Ansonsten setzen sich die Schleifscheiben in Null Komma Nichts zu und man ist ewig am Schleifen.

So kratzte Kai jeden Tag eine halbe Seite unseres Rumpfes ab und danach machte er sich an andere Arbeiten. Wie z.B. den Saildrive auseinander zu bauen, weil wir hiervon zwei Teile zur Reparatur geben mussten. Die Simmerringe hatten Rillen in die Antriebswellen geschliffen, die jedes Jahr etwas tiefer wurden. Und dadurch wurde alles undicht und Wasser konnte in den Saildrive eindringen und umgekehrt floss auch Öl ins Meer. Eigentlich hatten wir vorgehabt, zwei neue Antriebswellen zu kaufen, aber da hier in Grenada zwei neue Wellen €1.530,- kosten würden, wollten wir nun doch erst einmal probieren, die alten reparieren zu lassen. Nach einiger Recherche entschlossen wir uns, die Teile mit der Fähre zu Grenada Marine zu schicken, um an den eingelaufenen Stellen Metall-Mäntel aufschrumpfen zu lassen. So säuberten wir alles, verpackten es und gaben es einem Mitarbeiter von Grenada Marine mit, der gerade zufällig in Carriacou war.

Außerdem war der Rahmen unserer Notausstiegsluke undicht und ein Bekannter hatte uns einen Tipp gegeben, wie wir diesen wieder dicht bekommen könnten. Wir hatten den Rahmen beim letzten Werftaufenthalt bereits mit Silikon abgedichtet, dieses hing jedoch teilweise weg, weil es auf dem Alu-Rahmen nicht richtig gehalten hatte. Unser Bekannter meinte, wir sollen den Rahmen außen anschleifen und dann mit Epoxy einstreichen. Und erst dann sollten wir das Silikon auftragen. Also nichts wie ran an diese Aufgabe!

Und während dessen befreite ich unser Boot von Kalk, Salz und Gilb. An der Wasserlinie war unser Boot nicht mehr weiß, sondern gelb und unsere blauen Zierstreifen hatten lauter weiße Flecken. Zuerst versuchte ich das alles mit Oxalsäure zu reinigen, doch die Verschmutzung war zu stark und Oxalsäure bewirkte rein gar nichts. Also mussten stärkere Geschütze aufgefahren werden: Salzsäure war gefragt. Mit Handschuhen und teilweise auch mit Mundschutz bewaffnet, rückte ich der Sache zu Leibe und glücklicherweise gingen die Verschmutzungen damit weg. Allerdings musste ich sogar die Salzsäure mehrfach auftragen, bis endlich alles wieder sauber war. Und wehe, wenn mir die Salzsäure dann auch mal am Arm runterlief. Das prickelte ganz schön. Aber das Ergebnis war umwerfend. Unsere Silence erstrahlte wieder ganz in weiß!

Das war eigentlich eine recht schöne Arbeit im Gegensatz zu den ganzen Schleifarbeiten. Denn nach vier Tagen war Kai mit dem Abkratzen des Antifoulings fertig und schliff nun Seite für Seite mit der Schleifmaschine ab. Hierzu musste er sich komplett in Schutzkleidung hüllen, weil er auf den Antifouling-Staub extrem allergisch reagiert. Und so trug er einen Schutzanzug, Kopfschutz, Schutzbrille, Mundschutz und Handschuhe. Und das alles bei ca. 35˚C im Schatten. Da kam Freude auf!

Und die Stellen, die er mit der Schleifmaschine nicht erreichen konnte, durfte ich dann mit der Hand abschleifen. Und das waren ganz schön viele Stellen!

Nachts lagen wir im Bett, schwitzten und es juckte Kai am Hals und an den Armen. Lediglich Aloe Vera Gel verschaffte ihm etwas Erleichterung, sonst half nichts! Es war eine Tortur!

Und dann kam auch noch dazu, dass es nachts allerlei Störungen gab. Mal kamen irgendwelche Nachbarn laut singend vom Bar-Besuch zurück, mal jaulte und bellte der Werfthund die halbe Nacht, mal ließ jemand seinen Generator die ganze Nacht laufen, … Teilweise schliefen wir erst zwischen 11 und 12 Uhr ein, wachten nachts mehrfach auf und morgens um 6:30 Uhr fing immer irgendeiner unserer Nachbarn an zu arbeiten.

Und als ob das alles nicht schon genug wäre, gab es auch noch Sandflies und Schnaken. Ca. um 16 Uhr starteten die Sandflies ihren Großangriff. Sie fielen in Schwärmen über uns her und wir mussten entweder die Arbeit einstellen oder uns mit 30% DEET einsprühen. Um 16:30 Uhr übernahmen die Schnaken und fraßen uns bei lebendigem Leib auf. Bis tief in die Nacht quälten uns diese Viecher, bis wir im Supermarkt ein Giftspray kauften, mit dem wir ab dann jeden Abend unser Schlafzimmer einsprühten. Sicherlich auch nicht gerade gesund, aber irgendwann mussten wir ja auch mal schlafen!

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