8 Jahre

Heute ist es auf den Tag genau 8 Jahre her, dass wir auf unsere Silence gezogen sind. Hätte uns das im Juni 2013 jemand gesagt, dass wir in 8 Jahren noch auf dem Wasser leben würden und vor allem, dass wir dann immer noch hier in der Karibik wären, hätten wir ihn sicherlich für verrückt erklärt!

Aber gerade die letzten paar Jahre, insbesondere das Covid Jahr, vergingen wie im Flug. Auf den Fotos, auf denen wir unser Boot in Tunesien übernommen hatten sind zwei käsweiße „Jungspunde“ zu sehen. So weiß wie damals waren wir seit 8 Jahren nicht mehr und so jung natürlich auch nicht. Mittlerweile sind wir immer etwas braungebrannt, dafür aber faltig und bekommen langsam graue Haare. Aber immerhin haben uns das Kitesurfen und Segeln körperlich einigermaßen fit gehalten.

Manchmal finden wir unser Leben auf dem Boot einfach nur tierisch anstrengend, manchmal einfach nur atemberaubend schön! Wo zu Hause Alltag und Gleichförmigkeit herrschten, gibt es auf unserer Silence weiterhin hohe Höhen und tiefe Tiefen. Mal gibt es wunderbare Tage mit herrlichen Erlebnissen: Wale, Delfine und Tölpel begleiten uns beim Segeln, wir dürfen an einem pinkfarbenen Sandstrand spazieren gehen oder auf glattem türkisfarbenen Wasser kiten. Uns geht das Herz auf und wir freuen uns am Leben. 

An anderen Tagen bleibt uns fast das Herz stehen, wenn Kai z.B. in tiefster Nacht mitten auf dem Atlantik in 3m hohen Wellen ins Wasser muss, um eine Leine loszuschneiden, die sich im Ruder verklemmt hat. Oder mitten auf dem karibischen Meer unser Großsegel blockiert und weder hoch noch runter geht. Wir haben festgestellt: das Paradies auf Erden gibt es nicht! Überall wo es hoch hinauf geht, geht es in der anderen Richtung auch tief hinunter. Manchmal haben wir die Tiefen total satt, sehnen uns nach unserem „leichten“ Leben zu Hause in Deutschland. Doch dann haben wir wieder wunderbare Erlebnisse und schätzen uns so glücklich, dass wir hier auf unserer Silence sein dürfen.

Immer wieder werden wir nach unseren weiteren Plänen gefragt. Wie lange wir noch auf dem Boot leben wollen, ob und wann wir zurück nach Deutschland kommen? Eine Antwort darauf fällt uns schwer. Wir planen weiterhin nicht allzu viel zu planen, lassen das Leben und die Ereignisse auf uns zukommen. Kai fällt das sicherlich schwerer als mir, aber er hat mittlerweile auch gelernt, dass Pläne nur dafür gut sind sie ständig zu ändern.

Aber natürlich steht die Reise in die Südsee immer noch fest in unserem Programm. Bevor wir mit unserer Silence nicht in der Südsee waren, wollen wir das Leben auf dem Wasser nicht aufgeben. Wann das wahr wird? Keine Ahnung! An einem Tag sagen wir, dass wir hier mit der Karibik durch sind und endlich mal weiter ziehen müssen. Am nächsten Tag gefällt es uns hier wieder so gut, dass wir beschließen noch etwas zu bleiben. An einem Tag wollen wir recht bald wieder in ein Haus ziehen und ein Auto, eine Waschmaschine und alle möglichen weiteren Annehmlichkeiten haben. An nächsten Tag pfeifen wir darauf und erfreuen uns am ständig warmen Wetter, Sonnenschein und dem größten Swimming Pool der Welt. Von daher kann ich nur sagen, lasst euch überraschen, denn wir werden uns selbst auch weiterhin vom Leben überraschen lassen.

Und so hoffe ich, dass ihr unsere Reise weiterhin mit uns genießt, wo immer sie uns auch hinführen mag.

Was tut sich bei uns in Bezug auf Covid?

Hier in Antigua ist es weiterhin so, dass wir uns frei bewegen können. Geschäfte und Restaurants haben geöffnet und es gibt lediglich eine Ausgangssperre zwischen 23 Uhr und 5 Uhr. Es herrscht weiterhin Maskenpflicht, auch im Freien.

Antigua hatte insgesamt 6 Todesfälle zu verzeichnen und hat momentan 22 aktive Fälle.

Das heißt, dass wir weiterhin von Covid recht wenig mitbekommen und manchmal tatsächlich vergessen, dass der Virus da draußen weiterhin wütet.

Im täglichen Leben schränkt es uns nicht so sehr ein, insgesamt hat sich aber auch unser Leben ganz schön verändert. Unsere ganzen Freunde haben sich, teilweise aufgrund von Covid, teilweise zufällig, in alle Winde zerstreut und wir sitzen hier größtenteils alleine auf unserer Silence. In den letzten zwei Monaten hatten wir zweimal Bekannte zu Gast und waren zwei Mal bei Bekannten eingeladen. Das heißt wir hatten im Schnitt alle zwei Wochen soziale Kontakte zu anderen Menschen. Für Kai ist das kein Problem, mich macht das völlig fertig! Aber wir können es ja nicht ändern und da müssen wir halt durch.

Die andere Einschränkung ist die des Reisens. Viele Inseln sind zwar für Segler geöffnet, die Auflagen machen es aber entweder sehr teuer oder teilweise unmöglich hinzusegeln. Wollten wir z.B. jetzt zurück nach Grenada, müssten wir mit einem negativen PCR-Test ankommen, der bei Ankunft nicht älter als drei Tage sein darf. Das ist schlichtweg unmöglich, denn Grenada selbst hatte ja für die Auswertung unseres Test vier Tage benötigt. Und wir bräuchten ja auch noch zwei Tage um hinzusegeln. Geht also nicht! Aber selbst wenn es theoretisch möglich wäre, wäre es uns viel zu teuer. Denn der PCR-Test in Antigua kostet US$200 pro Person. Nach Ankunft in Grenada müssten wir dann 5 Tage in Quarantäne und dann würde erneut ein PCR-Test gemacht, der pro Person US$150 kosten würde. Das heißt, wir wären alleine nur für die Tests schon US$700 für uns beide los! Könnt ihr euch das vorstellen? Wir finden das absolut irre!

Wenn wir das erzählen, haben wir schon von vielen landbasierten Leuten zur Antwort bekommen :“Na ja, dann reist man jetzt halt mal nicht!“ Da werdet ihr sicherlich auch beipflichten. Aber so einfach ist das für uns nicht. Hier in Antigua z.B. bekommen wir bei Einreise nur eine Aufenthaltsgenehmigung für 3 Monate, dann müssen wir entweder das Land verlassen oder diese Genehmigung verlängern. Und diese Verlängerung war hier in Antigua, zumindest früher, mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden. Wir hoffen, dass sich dies geändert hat, denn die Verlängerung der Genehmigung steht uns Anfang nächsten Monat bevor.

Hier mal noch einige Bestimmungen der für uns wichtigsten karibischen Inseln, die wir normalerweise immer bereist haben oder sehr gerne mal bereisen würden. Nur damit ihr seht, welch ein Regulations-Chaos hier momentan herrscht:

Bahamas:
Man benötigt zur Einreise einen negativen PCR-Test, der nicht älter als drei Tage sein darf. Da die Bahamas so schön abgelegen liegen, ist das für uns unmöglich! Von Antigua würden wir alleine schon ca. 7 Tage benötigen, um dorthin zu segeln.

Antigua:
Zur Einreise per Boot benötigt man, wenn man aus der Travel Bubble (hierin sind Grenada, Dominika, St. Vincent, St. Lucia, … enthalten) kommt, einen negativen PCR-Test, der bei Ankunft nicht älter als 7 Tage sein darf. Kommt man nicht aus der Travel Bubble muss man ebenfalls einen negativen Test mitbringen, dann bis zu 14 Tage in Quarantäne und danach eventuell nochmals einen Test machen. So ganz genau sind die Bestimmungen nicht in Erfahrung zu bringen.

Kommt man jedoch per Flugzeug nach Antigua, muss man lediglich einen negativen PCR-Test mitbringen und wenn man eine Unterkunft gebucht hat, die von der Regierung zertifiziert ist, kann man sich frei auf der Insel bewegen. Warum hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ist uns schleierhaft und einfach nur unfair! Aber wenn die Bananenrepublik Antigua das so beschließt, dann ist das nun mal so!

Guadeloupe:
Eine Einreise ist nur möglich, wenn man von Martinique, St. Barths, St. Martin, Guyana, Dominika oder St. Lucia kommt. Wir dürfen, obwohl wir Europäer sind und von einer Insel kämen, die wesentlich weniger Covid-Fälle hat als Guadeloupe, nicht einreisen.

Käme man von einer der oben genannten Inseln, müsste man 2 Tage vor Ankunft eine Anfrage zur Einreise schicken. Dieser Anfrage muss der Bescheid über einen negativen Covid-Test anhängen, der dann bei letztendlicher Ankunft nicht älter als 3 Tage sein darf. Selbst wenn man die Testergebnisse noch am gleichen Tag bekäme und dann sofort die Anfrage schicken würde, müsste man ja innerhalb des nächsten Tages die Genehmigung für die Einreise erhalten (haha, ich lache mich krank!), um dann noch einen Tag Zeit zu haben, um nach Guadeloupe zu segeln. Ist also auch unmöglich! Da fragt man sich schon, welche Irren sich diese Regelungen ausdenken. Wenn sie nicht möchten, dass jemand auf ihre Covid verseuchte Insel kommt, sollen sie doch einfach schreiben „geschlossen“, dann muss man sich nicht erst die ganzen Regularien durchlesen, um zu merken, dass man mit dem Boot nicht einreisen kann.

St. Vincent & die Grenadinen (SVG):
Hier wird zur Einreise ein negativer PCR-Test benötigt. Man muss eine Boje nehmen und 5 Tage in Quarantäne und dann erneut einen PCR-Test machen. Ist dieser ebenfalls negativ, kann man einen Agenten beauftragen, der einem einklariert. Während dieser Zeit darf man nicht irgendwo ankern, sondern muss in einer bestimmten Bucht an einer Boje liegen, die US$20 pro Tag kostet. Den Agenten muss man natürlich auch bezahlen (US$75) und der Test kostet US$60 pro Person. Kämen wir von Antigua nach SVG wären wir hier also auch alleine aufgrund von Covid-Regularien bereits US$695 los! Ist das nicht schön, wie man uns Seglern aufgrund von Covid das Geld aus der Tasche ziehen kann?   

Martinique:
Hier sollte man mit einem negativen Test ankommen. Falls das nicht möglich ist, kann man ohne Test ankommen, muss dann aber bei einer temporären Station in der Marina in Le Marin einen Termin für den PCR-Test vereinbaren (Kosten €70,-) und bis man die Testergebnisse hat, auf seinem Boot in Quarantäne bleiben. Na, das klingt doch mal nach vernünftigen Regelungen. Chapeau!

Die Britischen Jungferninseln, Dominika, Montserrat und Trinidad & Tobago sind komplett geschlossen. Weder per Flugzeug noch per Boot ist eine Einreise möglich.

Doch das Tollste an der ganzen Sache ist, dass sich die Regelungen teilweise mehrmals pro Monat ändern. St. Vincent & die Grenadinen z.B. hat seine Regularien seit März 2020 18 (!) mal geändert. Gar nicht so einfach da den Überblick zu behalten. Da kommt bei uns Seglern richtig Freude auf!

 

Happy New Year 2021

Wir wünschen Euch allen ein frohes neues Jahr!

Unsere Seglerfreunde Andrea & Gerhard haben uns gestern eine schöne Nachricht weitergeleitet, die wahrscheinlich allen Menschen weltweit aus der Seele spricht. Deshalb möchte ich diese hier zitieren:

Wir hoffen, dass Corona bald wieder nur ein Bier sein wird, positiv etwas Gutes bedeutet, Tests in der Schule geschrieben werden, Isolierung für Häuser und Kabel gilt und Masken nur an Fasching getragen werden. Und außerdem soll Donald einfach nur wieder eine Ente sein.

Und natürlich wünschen wir Euch allen, dass Ihr gesund und munter bleibt und unser aller Leben bald wieder in normalen Bahnen verläuft.

Wir hätten gestern übrigens richtig toll feiern dürfen. Hier ist es erlaubt, sich mit bis zu 25 Personen zu treffen und auch Restaurants und Bars sind geöffnet. Aber leider wurden alle Silvesterpartys abgesagt und mangels Freunden oder Bekannten mit denen wir hätten feiern können, wurde es für uns ein ruhiger Abend.

Der Wind hatte den ganzen Tag mit rund 50 km/h geblasen, teilweise gab es Böen von fast 80 km/h und heftige Regenschauer. So waren wir froh, dass wir das Boot nicht verlassen mussten. Wir buken uns ein paar schöne Haferflockenkekse und genossen dazu einen warmen Tee.

Zum Abendessen gab es Pizza, dann zwei Folgen der Serie „Babylon Berlin“ und kurz nach 23 Uhr fielen uns, erschöpft von dem Gebläse und Gewackel des Tages, einfach die Augen zu und wir verschliefen den Beginn des neuen Jahres.