Die Geschichte von meinem neuen Kiteboard…

…begann bereits vor fast zwei Jahren. Damals trafen wir am Kitestrand von Green Island auf ein paar deutsche Mädels von denen eine ein tolles nagelneues North-Kiteboard hatte. Sie schwärmte sehr davon und wollte gerne, dass ich es mal probiere, um meine Meinung dazu zu hören.

Das hätte ich lieber mal nicht getan, denn das Board gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Am liebsten hätte ich es mir auch sofort gekauft, aber wo sollte ich es herbekommen? Hier in Antigua verkauft der Kiteshop nur Crazy Fly und Shinn Boards aber leider keine von North. Also beschlossen wir zu warten bis wir wieder in Union Island sind und in der dortigen Kiteschule zu fragen, weil diese mit North Equipment ausgestattet ist. Doch als wir ein halbes Jahr später dort vorbei kamen, gab es zwar einige North Boards, nicht jedoch das von mir so heiß ersehnte „Soleil“.

Und so hielt ich einfach immer Ausschau, wenn wir irgendwo in einen Surf-Shop kamen, doch leider vergeblich! Das was ich gerne haben wollte war einfach zu speziell und hier in der Karibik nicht verfügbar.

Anfang vergangenen Jahres testete ich mal verschiedene Boards von Freunden, war jedoch von keinem so richtig begeistert. Und dann war irgendwann ein australisches Pärchen hier in Green Island. Er hatte ein North Jamie, während sie ein North Xride fuhr. Als ich erzählte, dass ich auch überlege ein North Board zu kaufen, ließen sie mich beide Boards mal probieren. Ich hatte schon sehr viele Leute vom Jamie schwärmen hören, doch mir gefiel das Xride besser. So recherchierte ich online und erfuhr, dass das Soleil prinzipiell das gleiche Board ist wie das Xride, nur ist das Soleil nunmal ein spezielles Frauenboard. Damit fühlte ich mich in meiner Meinung bezüglich des Soleil dann doch sehr bestärkt und es war endlich klar: Dieses Board möchte ich haben und kein anderes! Doch wie und wo sollte ich es kaufen? In USA bestellen und in die Karibik liefern lassen? Nein, das fiel aus, denn zum einen muss man die Frachtkosten zahlen, dann braucht man einen Agenten, um es aus dem Zoll zu bekommen und schließlich muss man noch Zoll und Mehrwertsteuer zahlen. Das hätte das Board wahrscheinlich ca. doppelt so teuer gemacht. Also hieß es abwarten bis wir irgendwann eine andere Möglichkeit haben.

Und diese bot sich, als unsere Freunde Lise & Johan mit ihrem Boot für die letzte Hurrikan-Saison in die USA fuhren. So suchte ich im Internet nach Shops in USA, die noch ein Soleil im Bestand hatten und fand auch einige. Es war zwar etwas teurer als in Deutschland, aber was soll’s. Wir fragten Lise & Johan nach einer Adresse, zu der wir das Board schicken könnten und als wir diese hatten, bestellten wir es gleich in einem der Shops. Wir zahlten per Kreditkarte und bekamen umgehend eine Bestätigungs-e-mail. Ach, wie habe ich mich gefreut! Doch ich freute mich zu früh, denn am nächsten Tag kam eine e-mail des Shops, dass sie leider auf der Internetseite einen falschen Bestand hatten und das Board nicht mehr vorrätig sei. Selbstverständlich würde man mir den Betrag auf der Kreditkarte erstatten. Tja, da waren dann schon mal €10,- an Gebühren und Währungsdifferenzen weg und ich hatte immer noch kein Soleil.

Damit uns das gleiche nicht nochmal passiert, schickte Kai an drei andere Shops eine e-mail und fragte an, ob es korrekt sei, dass sie noch ein Soleil im Bestand hätten? Von allen drei kam die Antwort, dass sie das Board selbstverständlich hätten und so „kauften“ wir es bei dem Shop, der am schnellsten geantwortet hatte. Ihr werdet es nicht glauben, aber am nächsten Tag bekamen wir eine e-mail, dass es ihnen furchtbar leid täte, aber der Bestand war wohl doch nicht korrekt und das Board sei nicht mehr vorrätig. Sie boten mir zwar an, dass ich für den gleichen Preis das neue North Soleil Board von 2018 bekommen könne, doch dieses sollte erst in ein paar Wochen bei ihnen eintreffen. Diese Gefahr wollte ich nicht eingehen, denn bis dahin wären unsere Freunde eventuell schon wieder auf dem Rückweg in die Karibik.

Also versuchten wir unser Glück noch bei den beiden anderen Shops in USA. Doch auch dort hieß es beide Male urplötzlich nach der Bestellung, dass das Board doch nicht verfügbar sei. Die Amis spinnen ja wohl! Ich war stinksauer, denn so etwas war mir in Deutschland noch nie passiert!

Doch was nun? Wie sollte ich jetzt an mein neues Kiteboard kommen? Uns fiel nur eine Lösung ein: wir bestellen es in Deutschland und lassen es nach Martinique liefern. Das hatten wir ja auch schon mal mit einem Kite gemacht, nur mussten wir damals so lange warten, weil er ewig im Zoll fest hing. Das wollten wir nicht nochmal riskieren und deshalb recherchierte ich eine andere Möglichkeit. Wir hatten schon von einigen deutschen Seglern gehört, dass sie Mitglied in einem Verein namens Trans Ocean sind. Dieser hat weltweit Stützpunkte, an denen einem Personen, die mit dem jeweiligen Land vertraut sind, weiterhelfen oder Services zur Verfügung stellen. Und einer der Services ist zum Beispiel, dass sie ihre Adresse zur Verfügung stellen, damit man Pakete dorthin liefern kann. Na, das ist doch super. Das können wir bestimmt des öfteren mal gebrauchen und so füllte ich gleich einen Mitgliedsantrag aus und schickte diesen an Trans Ocean.

Nachdem ich die Mitgliedschaft bestätigt bekommen hatte, schrieb ich an den Stützpunktleiter von Martinique, dass ich gerne ein Kiteboard an seine Adresse schicken lassen würde und ob er dieses dann, natürlich gegen Erstattung jeglicher Gebühren und Auslagen, für mich annehmen könne. Daraufhin antwortete er mir, dass er gerne Briefe und ähnliches annehme, ein Paket müsse ich jedoch selbst bei der Post abholen, aber wir dürften gerne seine Adresse benutzen. Nee, das war ja nicht das, was wir wollten, denn dann müssten wir ja wieder wochenlang in Martinique auf unser Paket warten.

Aber bevor ich mit ihm dann weiter hin und her e-mailte, prüfte ich erst einmal, ob das Board in Deutschland mittlerweile überhaupt noch verfügbar ist, denn inzwischen waren ja wieder mehrere Wochen ins Land gegangen. Und während es vor ein paar Wochen noch in zwei Shops jeweils ein Board gab, war es jetzt nur noch ein einziges! Ich bekam Panik und beschloss, dass ich das Board jetzt einfach nach Martinique bestellen würde und wie wir das dann alles mit der Abholung machen würden, konnten wir ja in Ruhe klären.

Gesagt, getan, ich schickte die Bestellung ab und war überglücklich! Doch mein Glück währte wieder nicht lange, denn am nächsten Tag kam mal wieder eine dieser tollen e-mails, die mir dieses Mal zwar bestätigte, dass das Board verfügbar sei, leider könne es jedoch nicht nach Martinique geschickt werden, weil DHL nur Pakete bis zu 1,20m ins Ausland versendet. Somit könne nur ein Versand innerhalb Deutschlands erfolgen. Ich konnte es nicht fassen: wieder war ich so nah dran und wieder wurde mir das Board im letzten Moment aus den Fingern gerissen! Mir liefen die Tränen übers Gesicht, weil ich so unglaublich enttäuscht war!

Für mich war das Projekt „neues Kiteboard“ damit gestorben! Ich hatte keine Lust mehr und beschloss einfach bis in alle Ewigkeit mit meinem mittlerweile 9 Jahre alten Holzbrett zu fahren.

Doch Kai konnte es nicht ertragen mich so traurig zu sehen und sagte er würde mir dieses Kiteboard besorgen, und wenn es ihm den letzten Nerv raube. Wenn er gewusst hätte, wie sich das bewahrheiten sollte, hätte er in diesem Moment wahrscheinlich auch lieber aufgegeben.

Doch es gab noch einen letzten Weg: unser Freund Andreas musste es bei seinem Besuch aus Deutschland mitbringen. Eigentlich wollten wir ihm das nicht zumuten, weil wir wussten, dass er bei der Anreise ein paar Mal umsteigen muss, aber uns fiel einfach keine andere Möglichkeit mehr ein.

So bestellten wir das Board zu Kais Mutter und während der Bestellung fiel uns auf, dass wir auch noch Fußschlaufen dafür bestellen müssen, weil das Board ohne jegliches Equipment geliefert wird. So suchte ich also im Shop nach North-Fußschlaufen, doch ich fand nur Fußschlaufen, die entweder zu groß waren oder in einer unmöglichen Farbe, die leider überhaupt nicht zu meinem neuen Board passte. So bestellte ich also erst einmal das Board, um dann in Ruhe an anderer Stelle nach Fußschlaufen zu suchen. Stellt Euch vor, die Bestätigungs-email kam und kurze Zeit später bekamen wir auch eine e-mail, dass das Board versendet sei. Ich konnte es fast nicht glauben. Sollte es dieses Mal wirklich klappen?

Glücklicherweise fand ich dann auch in einem anderen Shop Fußschlaufen, die blau und in meiner Größe verfügbar waren und bestellte diese ebenfalls zu Kais Mutter. Na, erratet ihr was dann passierte? Ja genau, am nächsten Tag kam die obligatorische e-mail, dass ein Fehler im Bestand war und es diese Fußschlaufen leider nicht mehr gäbe. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte, so skurril kam mir die Situation vor. Das konnte doch einfach nicht sein! Also suchte ich weiter und hatte Glück im Unglück: North hatte gerade die nagelneuen Fußschlaufen für das Jahr 2018 rausgebracht und diese gab es in einem wunderschönen blau und natürlich auch in meiner Größe. Sie waren zwar doppelt so teuer wie die anderen, aber das war mir mittlerweile so was von egal. So bestellten wir diese und ließen sie ebenfalls zu Kais Mutter liefern, wo Andreas dann kurz vor seinem Abflug alle Sachen für uns abholen wollte. Und wenige Tage später bekamen wir von Kais Mutti die tolle Nachricht, dass sowohl Board als auch Fußschlaufen wohlbehalten bei ihr angekommen waren.

Wenn ihr denkt, dass damit dann alles gut war und ich mein neues Kiteboard ohne weitere Zwischenfälle ein paar Wochen später in Händen halten sollte, dann irrt Ihr Euch gewaltig. Denn jetzt ging der Wahnsinn erst richtig los. Aber das erzähle ich Euch an einem anderen Tag, im zweiten Teil der Geschichte!

Weihnachtsgeschenke gab es bei uns schon im November…

…oder zumindest haben wir von unserem Freund Andreas damals ziemlich viele Sachen mitgebracht bekommen. Für unsere Silence gab es ein neues Trampolin, eine Wifi-Antenne und ein paar Öl- und Dieselfilter. Kai hatte sich einen e-book-Reader, diverse Ladekabel und Rasierklingen bestellt. Und für mich hatte Santa Andreas einiges an Bastelzubehör und ein neues Kiteboard im Gepäck. Allerdings nahm das Kiteboard leider eine etwas andere Flugroute als Andreas und kam somit erst mit zweiwöchiger Verspätung und einigen nervenaufreibenden Telefonaten, e-mails und Flughafenbesuchen bei uns an. Aber die gesamte Kiteboard-Geschichte erzähle ich Euch mal noch in einem separaten Beitrag, denn auch die Bestellung verlief nicht reibungslos.

Natürlich gab es auch noch ein paar richtige Geschenke. So hatte Andreas uns einiges an Schokolade und weihnachtlichen Süßigkeiten eingepackt. Kais Mama beschenkte uns ebenfalls mit leckerer Schokolade, vielen verschiedenen Packungen Paradiescreme und mit einigen anderen Lebensmitteln wie z.B. Bratensoße und Semmelknödeln, die es hier in der Karibik nicht zu kaufen gibt. Marie hatte für Kai und mich neue Geldbeutel mitgegeben, mir ein Ersatzteil für meinen Tupperware-Mixbecher besorgt und mir eine Haarbürste und ein paar Haarklämmerchen geschenkt, die ich hier seit 2 Jahren vergeblich gesucht habe. Außerdem gab es von ihr noch einen Solar-Taschenrechner und ein paar neue Spannbettlaken. Wenn das mal keine reiche Bescherung war! Wir freuten uns wie die kleinen Kinder!

Das neue Trampolin für unsere Silence haben wir vor zwei Wochen installiert und das war auch allerhöchste Eisenbahn. Nachdem Kai bereits seit 1 1/2 Jahren immer mal wieder Stellen repariert hatte, an denen das Netz gerissen war, brach ich dann beim Anlegen an der Boje hier in der Nonsuch Bay sogar mit einem Fuß komplett durch. Ach waren wir froh, dass wir das neue Trampolin bereits in petto hatten 😉

Aber am meisten habe ich mich natürlich über mein neues Kiteboard gefreut. Mein vorheriges war mittlerweile doch sehr in die Jahre gekommen, denn wir hatten es vor drei Jahren gebraucht gekauft und es hatte nun 9 Jahre auf dem Buckel. Nicht nur, dass das neue Board viel schöner aussieht, es hat natürlich auch ein paar tolle technische Features über die ich mich jeden Tag aufs Neue freue!

So sind wir also momentan mal wieder in Antigua und kiten fast jeden Tag bis zum Umfallen, weil es so schön viel Wind hat. Doch nebenbei haben wir auch noch jede Menge Weihnachtsguzl gebacken und alle unsere Freunde hier zum 3. Advent zu Kaffee und Plätzchen eingeladen. 3 Tage lang waren wir mit Backen von Hildabrötchen, Vanillekipferl, Spritzgebäck, Kokosmakronen, Schokoladenbrot und Buttergebäck beschäftigt, um die 7 Gäste satt zu bekommen. Doch glücklicherweise blieben dann auch noch ein paar Weihnachtsplätzchen für uns übrig. Doch lediglich zwei Hildabrötchen haben den heiligen Abend erlebt. Alle anderen hatten wir schon vorher weggeputzt!

4 Jahre „auf See“

Am 16. Juni war es vier Jahre her, dass wir unser Leben in Deutschland hinter uns ließen und auf unsere Silence zogen. Wir haben seither viel erlebt, doch das vergangene Jahr zählte sicherlich nicht zu unseren glücklichsten Jahren.

Als ich unseren Bericht zum Dreijährigen schrieb, waren wir gerade in Bequia und betrauerten den Tod eines unserer engsten Seglerfreunde. Rob war im Mai 2016 an einem Herzinfarkt gestorben und wir halfen seiner Freundin Jen mit allen möglichen administrativen Dingen und leisteten ihr in dieser schweren Zeit einige Wochen Gesellschaft. Der Tod von Rob traf uns schwer. In unserem neuen Leben ist es nicht leicht Freunde zu finden. Da wir Segler alle Nomaden sind, hat jeder andere Pläne und nur selten überschneiden sich diese. Außerdem trifft man recht wenig Leute in unserem Alter und die meisten „Fahrtensegler“ leben nur die Hälfte des Jahres auf ihrem Boot und die andere Hälfte verbringen sie in der Heimat. So waren wir überglücklich in Rob & Jen ein Pärchen gefunden zu haben, die ebenfalls ganzjährig auf dem Boot leben, die etwa in unserem Alter sind, mit denen wir uns super verstehen und Rob war sogar Kitesurfer. Rob und Jen waren Ende April 2016 von Antigua weggefahren und wir wollten uns Anfang Juni wieder in Union Island treffen. Doch im Mai erhielten wir von Jen die Nachricht, dass Rob in Bequia an einem Herzinfarkt gestorben sei. Wir konnten es einfach nicht fassen!

Zum ersten Mal wurde uns auch so richtig bewusst, wie schlecht teilweise die medizinische Versorgung hier in der Karibik ist. Rob war noch in Bequia zum Arzt gegangen und hatte über Herzschmerzen geklagt. Der Arzt hatte auf Sodbrennen getippt. Doch als Rob nicht locker ließ machte er zur Sicherheit noch ein EKG. Hier stellte er einen sehr unregelmäßigen Herzschlag fest und schloss daraus, dass etwas mit seinem Gerät nicht stimmt und verschrieb Rob Tabletten gegen Sodbrennen. Da die Apotheke diese nicht vorrätig hatte, musste Rob am Nachmittag nochmal vorbeikommen. Doch auf dem Weg in die Apotheke starb er dann im Dingi an einem Herzinfarkt!

Wir brauchten Monate um halbwegs über Robs Tod hinwegzukommen und das mulmige Gefühl bezüglich der medizinischen Versorgung hier in der Karibik werden wir wohl nie mehr los. Wir können nur hoffen, dass wir nie ernsthaft krank werden und schnell einen guten Arzt benötigen.

Gegenüber diesem schrecklichen Ereignis klingt natürlich alles andere wie Nebensächliches, aber dennoch war es nicht schön, als ein paar Wochen später mein iPad den Geist aufgab, unser Inverter abrauchte und ich unseren 11er Kite zerlegte. Wo sollten wir nun auf die schnelle einen neuen Inverter, ein neues iPad und einen neuen Kite zu halbwegs akzeptablen Preisen bekommen?

Im September kam dann die stressige Zeit mit Hurrikan Matthew. Lange war nicht klar, ob sich bereits vor den karibischen Inseln ein Hurrikan bilden würde, wohin er zieht, wann er kommt, usw. Wir bangten eine ganze Woche, hatten Angst mit dem Verbleiben in Grenada die falsche Entscheidung getroffen zu haben und befürchteten, dass wir eventuell unser Boot verlieren könnten. Das war eine unglaublich nervenaufreibende Zeit und ich kann die Erleichterung, die wir verspürten als alles vorüber war auch heute noch nicht in Worte fassen. Es war einer der wenigen Momente in unserer 22jährigen Beziehung, dass ich Kai weinen sah.

Als wir uns wieder auf dem Weg nach Norden machten, wollten wir uns in Carriacou mit Bekannten treffen, die dort einen Tauchshop haben. Georg war ursprünglich aus Worms, hatte einige Zeit in Sandhausen gelebt und wir konnten mit ihm wunderbar in unserem Dialekt quatschen. Er und seine Freundin Connie lagen total auf unserer Wellenlänge und Georg hatte uns zum Wiedersehen einen leckeren deutschen Käskuchen versprochen. Doch leider gab es kein Wiedersehen, denn als wir in Carriacou ankamen erfuhren wir, dass Georg im Krankenhaus sei. Eine Woche zuvor wurde bei ihm Krebs diagnostiziert und die Metastasen hatten bereits im ganzen Körper gestreut. Das war für uns unbegreiflich, denn noch sechs Wochen zuvor waren die beiden bei uns zum Abendessen und es ging Georg noch gut. Welch ein Schock!

Connie flog dann zur weiteren Behandlung mit ihm nach Deutschland, doch leider war der Krebs schon so weit fortgeschritten, dass nicht mehr viel zu machen war und Georg im Januar verstarb.

Und damit verloren wir einen zweiten sehr netten Freund!

Zurück in Union Island kamen ständig Tropical Waves vorbeigezogen, die teilweise Wind aus Süden und Westen mit sich brachten. Ständig lief der Schwell in die Ankerbucht und einmal mussten wir sogar die Bucht wechseln, weil es am Frigate Rock nicht aushaltbar war. Wir schliefen schlecht und waren gestresst.

Ende November machten wir uns auf den Weg nach Norden, weil wir spätestens Mitte Dezember in Antigua sein wollten. Doch bei der Abfahrt von Union Island streikte einer unserer Motoren. Nach Behebung des Problems segelten wir nach Bequia, wo unsere Ankerwinsch anfing zu streiken.

Bei der Ankunft in Martinique gab die Ankerwinsch endgültig ihren Geist auf und ein paar Tage später hatten wir die Horrornacht, in der in strömendem Regen und Wind unser Anker rutschte, weil er sich in einer alten Kette verfangen hatte und wir ihn per Hand hochziehen und losbekommen mussten. Nach dieser Aktion waren Kai und ich mit den Nerven endgültig am Ende. Wir waren ganz knapp davor unsere Silence einem Broker zum Verkauf zu übergeben und in den nächsten Flieger nach Hause zu steigen. Doch irgendwie siegte dann doch wieder der Wille zum Durchhalten.

Doch dieser sollte weiterhin auf eine harte Probe gestellt werden. Zuerst platzte unser Expansionstank der Wasserpumpe und wir mussten einiges ausräumen und trocknen. Dann roch es in unserer Kabine plötzlich furchtbar modrig, weil eine Relingstütze undicht war und Wasser von außen ins Boot lief. Es galt einige total verschimmelte Bücher zu entsorgen, Deckenverkleidungen sauber zu machen und wieder alles zu trocknen.

Unglücklicherweise hingen wir in Martinique fest, weil der neue Kite, den wir in Deutschland bestellt hatten, einfach nicht ankam. Er sollte 2-3 Wochen Lieferzeit haben und war nach 5 Wochen immer noch nicht angekommen. Unsere Nerven lagen blank. Somit wurde es dann auch nichts mit Weihnachten in Antigua.

Am 6. Januar verließen wir dann endlich Martinique (ca. einen Monat später als geplant) und hatten natürlich für die gesamte Strecke höllisch viel Wind. Teilweise blies es in den Kanälen mit mehr als 30 Knoten und wir waren mehr als froh, als wir endlich in Antigua ankamen.

Und dort begannen wir dann gleich mit unserem großen Wassermacher-Projekt, das uns auch ganz schön viele Nerven kostete.

Alles in allem war das vergangene Jahr einfach zu stressig für uns und wir bewegten uns mittlerweile am Rande des Wahnsinns. Wegen der kleinsten Kleinigkeiten gingen wir beide in die Luft und lautstarke Streits waren fast schon an der Tagesordnung. Wir konnten beide nicht mehr und näherten uns wieder immer mehr dem Punkt, dass wir das Boot und alle damit verbundenen Probleme am besten so schnell wie möglich loswerden sollten. Doch was dann?

Um nichts zu überstürzen überredete ich Kai dann erst einmal zu einem „Urlaub“ in Barbuda. Wir nahmen uns vor, während unseres Aufenthalts in Barbuda nicht am Boot zu arbeiten und mal den ganzen Tag nur das zu machen, wozu wir gerade Lust hätten. Also richtig Urlaub machen.

Was soll ich sagen: es hat geklappt, denn auch unsere Silence spielte mit und bescherte uns keine größeren Reparaturen. Wir hatten eine wunderschöne Zeit in Barbuda und unser Stresslevel kam um einiges runter.

Doch leider ist nun auch bald die beste Zeit des Jahres schon wieder vorbei und in ca. zwei Wochen müssen wir uns wieder für die kommende Hurrikan-Saison auf den Weg nach Süden machen und dort auch mal wieder auf die Werft gehen. Mal sehen wie lange unsere Erholung mit diesem Programm vorhalten wird 🙂