Ohne Computer ist man aufgeschmissen

Eigentlich sollten meine Berichte über die Fahrt nach Süden ja noch weitergehen, doch leider ging uns, als wir wieder Internet hatten, unser MacBook kaputt. Also kramten wir gleich mal unseren uralten EeePC (ein kleines Laptop) heraus, den wir seit Jahren nicht mehr benutzt hatten. Tja, das war ein großer Fehler, denn als Kai ihn einschaltete sah er gleich, dass der Bildschirm etwas kaputt war und außerdem ging die Taste „w“ nicht mehr. Das Betriebssystem war auch ziemlich veraltet und als Kai unsere Festplatte anschloss, auf der wir Sicherungskopien von vielen Daten haben, konnte er diese nicht lesen. So konnten wir mit diesem Laptop erst einmal auch nicht wirklich etwas anfangen.

Also behalfen wir uns mit unseren iPads. Man sollte meinen, dass das kein Problem sei, aber leider merkt man immer erst wie oft man etwas benutzt, wenn es nicht mehr funktioniert. So konnten wir nun abends keine Filme schauen, keine eBooks auf unsere eBook-Reader laden (glücklicherweise hatten wir beide gerade kurz vorher einige Bücher darauf geladen), keine Fotos anschauen, auf keine Daten zugreifen und auch keine Blogbeiträge schreiben. So ein Mist! Nun mussten wir zu unserer riesige Einkaufsliste auch noch ein MacBook hinzufügen. Als ob die Liste nicht schon lang genug gewesen wäre.

Wie es hier weiterging, erzähle ich euch dann nach den Segelberichten. Doch wie ihr schon erahnen könnt, haben wir mittlerweile, nach einigen nervenaufreibenden Tagen, eine funktionierende Lösung. Juhu!

Ab in die Mangroven

Wir haben ein paar ereignisreiche Wochen hinter uns. Anfang Juli verabschiedeten wir uns mal wieder von Antigua und traten, wie jedes Jahr, die Reise nach Süden an. Diese Hurrikan-Saison verspricht eine ziemlich aktive Saison zu werden. Bereits im Juni folgte eine Tropical Wave der nächsten und so sah auch der Wetterbericht für unsere Segeltörns in den Süden aus.

So segelten wir am frühen Morgen des 2. Juli los nach Basseterre in Guadeloupe, bevor es am nächsten Morgen weiterging nach Roseau in Dominica. Ursprünglich wollten wir hier nur eine Nacht verbringen, doch da bereits die nächste Tropical Wave heranmarschierte, blieben wir zwei Nächte an unserer Boje und ließen diese passieren. Dann ging es weiter nach Grande Anse in Martinique und am nächsten Tag nach St. Anne, wo mal wieder ein Einkaufstrip anstand.

Nicht nur mussten wir unsere Lebensmittelvorräte für die nächsten 4 1/2 Monate auffüllen, sondern es galt auch mal wieder einige Ersatzteile zu besorgen. So war uns kürzlich bereits das zweite Display zur Anzeige der Geschwindigkeit, Tiefe usw. ausgefallen, so dass wir nur noch ein Display und die Anzeige unseres Autopilots besaßen. Glücklicherweise gibt es jetzt verschiedene Kombigeräte, so dass wir lediglich ein Display ersetzen mussten. Darüber waren wir recht froh und außerdem hatten wir noch das Glück, dass ein Geschäft in Le Marin es zu einem sehr erschwinglichen Preis anbot (sofern man €510,- für ein solches Gerät als erschwinglich bezeichnen kann 😉

Außerdem hatten wir bei unserem Festmach-Manöver in den Mangroven bei Hurrikan Matthew im vergangenen Jahr festgestellt, dass unsere Festmacher-Leinen nicht mehr die besten sind. So kauften wir zwei mal 15m-Leine und zwei mal 25m-Leine. Außerdem benötigte unsere Silence noch eine neue Genua-Reffleine, ein 3-Wege-Ventil (Wassermacher), einen Ersatz-Dingistopfen, neue Duschschläuche, Dieselvorfilter, ein Wellen-Kit für die Seewasserpumpe (Motor), Scharniere für den WC-Sitz, eine Sicherung für die Ankerwinsch, einen neuen Spritschlauch für den Außenborder und noch viele andere Kleinteile.

Und da auch wir noch ein paar Dinge bei Decathlon kaufen wollten, mieteten wir uns ein Auto um einen Tag durch Baumärkte, Einkaufszentrum und Decathlon zu bummeln. Auf den letzten Drücker kam dann auch noch ein Bummel durch Elektrofachgeschäfte dazu, weil ein Tag zuvor, unser Staubsauger den Geist aufgab. Das war wirklich Glück im Unglück, denn Martinique ist sicherlich mit der beste Ort der Karibik, um einen neuen Staubsauger zu kaufen. Und last but not least verkauften wir auch gleich noch unseren alten Wassermacher.

Nachdem unsere Silence nun vollbeladen wieder ein paar Zentimeter tiefer im Wasser lag und wir in Le Marin eine weitere größere Tropical Wave abgewettert hatten, konnte die Reise weitergehen. So segelten wir am 15.7. nach St. Lucia und übernachteten dort in der schönen Marigot-Bay, bevor es am nächsten Tag bei Sonnenaufgang vorbei an St. Vincent nach Bequia ging, wo wir am späten Nachmittag nach einem 11-stündigen Törn mit teilweise starken Gegenströmungen ankamen.

Eigentlich sollte es am nächsten Tag nach dem Einklarieren weiter nach Union Island gehen, wo wir einige Wochen bleiben wollten, bevor es weitergehen sollte nach Grenada. Ich hatte mir leider auch noch eine Kieferhöhlenentzündung zugezogen und freute mich bereits auf ein paar erholsame Tage.

Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Seit mehreren Tagen zeigte der Wetterbericht bereits eine nahende Tropical Wave, die sich eventuell zu einem Sturm entwickeln könnte und nun wurde die Wahrscheinlichkeit eines Sturms immer größer. So entschieden wir sehr widerwillig nicht nach Union Island, sondern noch ein Stück weiter nach Carriacou zu segeln, weil wir notfalls dort in den Mangroven Schutz suchen könnten.

Wir kamen am späten Nachmittag des 17. Juli in der Tyrell Bay in Carriacou an und warteten mit Spannung auf den abendlichen Wetterbericht. Es sah nicht gut aus! Die USA hatten mittlerweile ein Flugzeug zur Erforschung der Wetterlage losgeschickt und sprachen nun von Tropical Storm Don, der am nächsten Abend mit ca. 50 Knoten über uns hinwegfegen sollte. Der Wetterbericht um 3:00 Uhr nachts sagte dann sogar 50-60 Knoten voraus und der Wetterbericht um 6:00 Uhr morgens bestätigte dies. Die ersten Locals fingen schon an, Boote in die Mangroven zu fahren, als wir unsere Genua herunternahmen und unser Groß mit einer Leine umwickelten. Um 7:30 Uhr ging dann der Ansturm auf die Mangroven los. So gingen auch wir Anker auf und fuhren in die hinterste Ecke der Mangroven. Wir machten bis um 10 Uhr Leinen fest und brachten zwei Anker aus, doch dann mussten wir erst einmal frühstücken. Bei Bullenhitze und fast keinem Wind wurschtelten wir danach noch etwas weiter, bis wir mit unserer Arbeit zufrieden waren. Es kamen immer mehr Boote in die Mangroven und wir sahen auch ein paar bekannte Gesichter. Ein befreundetes Schweizer Pärchen war gleich mit uns reingefahren und nun legte sich noch ein weiterer Bekannter neben uns. Wir halfen ihm beim Festmachen und danach hieß es abwarten.

Der Wetterbericht um 13:00 Uhr kündigte nun nur noch 35 Knoten an und wir atmeten etwas auf. Mittlerweile regnete es immer mal wieder in Strömen und es kamen immer noch mehr Boote in die Mangroven.

Um 18:45 Uhr nahm der Wind zu, aber wir waren super windgeschützt in unserer Ecke. Wenn wir keinen Windmesser auf dem Mast hätten, hätten wir gedacht, dass überhaupt kein Lüftchen wehte. Aber auch auf unserer Anzeige sahen wir lediglich 32,6 Knoten, also nur halb so viel wie ursprünglich vorhergesagt war und so konnten wir ganz beruhigt zu Bett gehen.

Am nächsten Morgen sahen wir im Wetterbericht, dass sich Tropical Storm Don am Vorabend über Grenada aufgelöst hatte und zerfallen war. Hätte er sich nicht schon einen hallben Tag vorher auflösen können, dann wäre uns der ganze Aufwand erspart geblieben?!

So hatten wir nochmal einen halben Tag Arbeit damit alle Leinen wieder abzubauen, unseren Zweitanker einzuholen, der uns dabei wieder das ganze Deck vermatschte, unsere Genua wieder anzuschlagen und zu putzen. Meine Kieferhöhlenentzündung war die letzten Tage natürlich nicht besser geworden und so war ich, als wir um 16:00 Uhr endlich aufhörten zu arbeiten, körperlich fix und fertig.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag gleich aufbrechen nach Union Island, doch als Kai unsere Wifi-Antenne wieder anschloss, funktionierte sie nicht mehr. Glücklicherweise konnten wir beim Anbieter des lokalen Wifi-Netztes eine gebrauchte kaufen, die aber erst von Grenada mit der Fähre nach Carriacou geschickt werden musste. So segelten wir dann erst sonntags nach Union Island.

Und nun sind wir schon fast wieder eine Woche in unserer zweiten Heimat am Frigate Rock und erholen uns von den Strapazen der letzten Wochen!

Au revoir Martinique

Seit meinem letzten Bericht ist einige Zeit vergangen und wir haben ganz schön viel erlebt.

Zuerst bekamen wir kurz nach Weihnachten Besuch von unserem Freund Andreas. Er wollte uns ursprünglich in Antigua besuchen kommen, doch da wir ja viel länger als erwartet in Martinique fest hingen, kam er dann dorthin.

Er hatte für einige Tage ein Auto gemietet und so konnten wir fast ganz Martinique erkunden und haben nun wohl mehr von dieser Insel gesehen als manch ein Einheimischer 🙂

So besuchten wir zwei verschiedene Rumdestillerien, von denen eine in einem wunderschönen grünen Tal im abgeschiedenen Norden der Insel lag. Wir schlenderten durch St. Pierre, fuhren zu einem Aussichtspunkt auf dem Mont Pelé (dem höchsten Berg der Insel), wanderten zu einem schönen Kap an der Ostküste, spazierten über einen Steg auf einem Salzwassersee, wanderten etwas an den schroffen Klippen der Südküste entlang, erkundeten den Canal de Beauregard, u.v.m.

Nachdem wir den Mietwagen in St. Anne zurück gegeben hatten, ging es per Schiff weiter. Zuerst segelten wir in die Anse Chaudière, von wo aus wir einen Ausflug mit dem Dingi nach Anse d’Arlet machten. Hier waren wir bereits im vergangenen Jahr einmal gewesen und da uns das kleine Örtchen so gut gefallen hatte, wollten wir auch Andreas eines der bekanntesten Fotomotive von Martinique, nämlich die kleine malerische Kirche direkt am Meer, zeigen.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Fort-de-France, der Hauptstadt der Insel, durch die wir Nachmittags einen gemütlichen Spaziergang machten.

Und dann war die Woche Urlaub auch schon wieder vorbei und wir nahmen am 5.1. Abschied von Andreas und starteten unseren „Gewaltmarsch“ nach Norden.

Noch am gleichen Tag motorten wir nach St. Pierre (im Norden von Martinique), von wo aus es am nächsten Tag bei Sonnenaufgang um 6:30 Uhr weiter ging nach Dominica.

Dies war ein ziemlich harter Trip, denn anstatt der angekündigten 15-20 Knoten Wind und rund 2m Welle, hatten wir die ganze Zeit zwischen 26-32 (!) Knoten Wind und ca. 2,5m Welle. Das war kein wirklich schöner Törn und wir waren heilfroh als wir nach 9 Stunden in der Prince Rupert Bay in Dominica ankamen. Dann brauchten wir noch kurz, bis wir zwischen all den Bojen ein Plätzchen zum Ankern fanden, machten Abendessen und fielen danach todmüde ins Bett.

Und gleich am nächsten Morgen ging es wieder bei Sonnenaufgang weiter nach Guadeloupe. Und auch dieser Törn sollte nicht angenehmer werden. Dieses Mal hatten wir etwas weniger Segel gesetzt als am Vortag, weil der Wetterbericht erneut 15-20 Knoten meldete, wir der Sache jedoch nicht trauten. Es herrschten an diesem Tag dann 25 Knoten und wir hätten natürlich mehr Segel setzen können, doch da wir eine sehr kabbelige See mit ca. 3m Wellen hatten, die teilweise aus allen Richtungen kamen, beließen wir es bei der Besegelung. Einmal klatschte eine Welle dermaßen von der Seite an unsere Silence, dass nicht nur unser gesamtes Cockpit, sondern auch wir am Steuerstand „überflutet“ wurden. Das hatten wir noch nie zuvor erlebt! Völlig fertig kamen wir am späten Nachmittag in Deshaies an und fuhren genau zeitgleich mit einer riesigen Squall, die uns über 30 Knoten Wind und heftigen Regen bescherte, in die Bucht ein. Das war der passende Abschluss für diesen Tagestörn!

Doch glücklicherweise hatten wir für den nächsten Tag nur noch 42 Meilen nach Antigua zurückzulegen. Das Wetter war ähnlich wie am Vortag und erneut schwappte uns einmal eine Welle ins Cockpit. Doch dieses Mal nahmen wir das etwas gelassen hin, denn wir konnten Antigua schon am Horizont erkennen und wussten, dass wir nun bald „zu Hause“ sein würden.

Ja, und die Ankunft in Antigua fühlte sich tatsächlich so an, als ob wir zurück nach Hause kommen. Nach dem Einklarieren am nächsten Tag, bewältigten wir dann noch kurz die 10 Seemeilen gegen den Wind in unsere geliebte Nonsuch Bay und wurden dort bereits von unseren Freunden erwartet. Lise & Johan hatten mit ihrem Dingi eigens „unsere Boje“ reserviert und halfen uns auch gleich noch beim Festmachen. Welch ein Service! Kurz danach kam auch schon unser französischer Freund JC vorbei und hieß uns willkommen. Wir hatten uns alle mehr als 7 Monate nicht gesehen und es gab viel zu berichten.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie toll das ist, wenn man an einen Ort kommt, wo einem bereits Freunde erwarten und man viele Leute kennt und freudig begrüßt wird. Für uns, die wir ja See-Nomaden und damit nirgendwo richtig zu Hause sind, ist das ein ganz unglaubliches Gefühl!