Angenehmer Törn nach Dominica

In Guadeloupe blieben wir nur kurz. Wir gingen morgens einkaufen und wuschen im Waschsalon einen ganzen Wäschekorb voll Wäsche. Direkt im Anschluss ging es per Motor gleich noch weiter nach Basse Terre, damit der Weg nach Dominica am nächsten Tag nicht so weit war.

Außerdem sollte am nächsten Tag eine Regenfront von Süden herauf ziehen und da wäre es schön, wenn uns diese nicht ausgerechnet im Kanal zwischen Guadeloupe und Les Saintes oder Les Saintes und Dominica treffen würde. Somit hieß es früh aufstehen und los.

Um kurz nach 6 Uhr setzten wir die Segel und waren kurze Zeit später bereits im Kanal zu Les Saintes.

Und da erlebten wir ausnahmsweise mal eine positive Überraschung. Der Wind ging nicht, wie gewohnt auf 25-30 Knoten hoch, sondern wir sahen lediglich mal knapp über 20 Knoten auf unserer Anzeige. Auch war fast kein Seegang und somit zogen wir mit unserem Großsegel und der Genua im 2. Reff mit mehr als 7 Knoten sanft dahin. Das war ja mal eine ganz neue Erfahrung, denn normalerweise bläst es hier immer wie irre. Aber seht einfach selbst in diesem Video (nur über unsere Website abrufbar):

Schon ein paar Mal hatten wir hinter Les Saintes einen schönen Fisch gefangen, doch dieses Mal war nicht daran zu denken. Sobald wir den Köder ins Wasser warfen, hing auch schon Sargassum-Algen im Haken und wir mussten ihn wieder einholen. Ein paar Mal probierten wir es, dann gaben wir frustriert auf.

Mittlerweile zogen auch ein paar kleine Regenschauer an uns vorbei, aber wir hatten Glück und bekamen nur ein paar Tropfen ab. Und im Kanal zwischen Les Saintes und Dominica strahlte die Sonne wieder und wir segelten bei schönstem Wetter und nicht allzu viel Wind sanft dahin. 

Um 12 Uhr liefen wir in Portsmouth ein und hatten wieder 30 Seemeilen Strecke hinter uns gelassen: „nur“ noch  313 Seemeilen bis Trinidad!

Und jetzt freuten wir uns erst einmal darauf, unsere deutschen Freunde in Dominica wieder zu sehen!

Dieses Jahr geht es früh nach Süden

In den letzten Jahren waren wir meist bis Anfang August in Antigua geblieben. Das war zwar schon mitten in der Hurrikan-Saison, aber da die ersten Tropical Waves sich meist aufgrund der noch zu niedrigen Wassertemperatur nicht zu einem Hurrikan entwickeln und somit von den Kap Verden eher Kurs auf die Grenadinen halten, war es oben in Antigua immer ziemlich ruhig.

Doch dieses Jahr ist das etwas anders. Bereits im Februar hatten wir 28 Grad, was normalerweise die Wassertemperatur vom Juli ist. Dafür hatten wir im Mai dann schon ein paar Mal 30 Grad, was wir bisher eigentlich erst im Hochsommer gesehen hatten. Deshalb und auch weil im Pazifik gerade La Niña herrscht (das bedeutet für den Atlantik dann meist verstärkte Hurrikan-Aktivitäten), nahmen wir an, dass es dieses Jahr eine aktive Hurrikan-Saison geben wird. Und die Vorhersagen der NOAA bestätigten dies.

Wir haben für dieses Jahr einen etwas längeren Deutschland-Besuch geplant und hatten uns kurzzeitig mal überlegt, unser Boot hierfür in Antigua auf die Werft zu stellen. Doch da diese Hurrikan-Saison so aktiv werden soll, wollten wir unsere Silence nicht unversichert hier lassen. Also holten wir im März ein paar Angebote von Versicherungen ein. Bevor wir unsere Vollkasko-Versicherung Ende 2014 gekündigt hatten, mussten wir jährlich ca. €3.500,- dafür berappen. Das war uns zu viel Geld, zumal wir unsere Silence ja normalerweise nicht oft auf der Werft hatten und somit im Falle eines Hurrikans einfach wegsegeln konnten. 

Tja, leider haben sich, wie fast bei allen anderen Dingen auch, die Preise der Versicherung mittlerweile verdoppelt. Eine Versicherung schickte uns ein Angebot über €7.500,-, eine andere teilte uns mit, dass wir das Boot für die Hurrikan-Saison mindestens nach Bequia bringen müssten. In Bequia ist allerdings keine Werft und somit müssten wir dann schon nach Grenada, um es beruhigt an Land zu stellen. Und Grenada ist dann auch nur noch 24 Stunden von Trinidad entfernt. Dann können wir es auch dorthin bringen (Trinidad wurde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen lediglich ein einziges Mal von einem Hurrikan getroffen), wo es absolut in Sicherheit ist. Und dann benötigen wir auch keine Versicherung. Der Zahn mit Antigua und der Abschluss einer Versicherung war uns also gezogen.

Somit stand für uns zur Auswahl: Curaçao oder Trinidad. Curaçao hat den Vorteil, dass das Klima dort sehr trocken ist. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass man nach 3 Monaten zurück kommt und im Boot alles komplett verschimmelt ist. Auch waren wir dort schon einmal auf der Werft gewesen, kannten somit Land, Leute, Fachgeschäfte, … Nachteil: Curaçao liegt ein ganzes Stück westlich von uns. Dorthin zu segeln: kein Problem! Zurück: großes Problem, zumindest mit unserem Boot! Wir hatten das 2015 getan und waren von Bonaire zurück nach Guadeloupe unter Motor gesegelt. Absolut kein Vergnügen 100 Stunden gegen an zu blockern. Etwas, das wir nicht so gerne wiederholen wollten. 

Gerade als wir hin und her überlegten, wohin wir gehen sollten, erzählten uns Bekannte, sie hätten gerade in Curacao bei der Werft angefragt und die Mitteilung bekommen, sie sei ausgebucht. Also war uns die Entscheidung abgenommen: Trinidad it is!

Also gleich mal nach Flügen von Trinidad nach Deutschland geschaut. Leider gibt es hier in der Karibik im Sommer keine Direktflüge nach Deutschland und auch von Trinidad muss man über London fliegen. Eigentlich wollten wir Anfang Juli fliegen, doch am 10. Juli waren die Flüge €200,- günstiger. Da wir vor dem Heimflug noch einige Arbeiten auf der Werft erledigen wollten, fragten wir bei der größten Werft in Trinidad (Powerboats) für Ende Juni bis Mitte Oktober an.
Gleich am nächsten Tag hatten wir die Antwort: ausgebucht!

Nun ging uns doch etwas der Ar… auf Grundeis. Sollten wir zu spät dran sein und müssten uns notgedrungen unsere Deutschland-Reise in die Haare schmieren?
Eine Chance hatten wir noch: eine Anfrage an die zweitgrößte Werft in Trinidad (Peake). Auch hier bekamen wir gleich am nächsten Tag Antwort. Sie hätten einen Platz für uns, wir sollten die Buchung aber schnellstmöglich bestätigen, denn sie kämen schon an die Kapazitätsgrenze. Das ließen wir uns nicht zwei Mal sagen und schickten sofort unsere Bestätigung durch. Puh, das war ja nochmal gut gegangen!

Dann gleich noch die Flüge von Trinidad nach London gebucht und unsere Deutschland-Reise war nach langem hin und her in trockenen Tüchern.

Da wir nun bereits Ende Juni in Trinidad sein mussten, sollten wir so langsam die Fahrt nach Süden antreten. Direkte Linie wären es 400 Seemeilen nach Trinidad, für uns also eine Strecke von ca. 65 Stunden. Das wollten wir nicht an einem Stück segeln, sondern lieber in kleinere Etappen aufteilen.

Doch schon seit einigen Wochen zogen immer mal wieder Tropical Waves über die Karibik und brachten uns Regentage und Winde aus Südost. Manchmal gab es recht viel Wind, manchmal keinen Wind, die Wettervorhersagen kündigten das eine an, das andere geschah. Dem Wetterbericht konnte man irgendwie nicht mehr richtig trauen, aber eines stimmte, der Wind kam sehr oft aus Südost. Nicht gut für uns, denn wir wollten ja nach Süden segeln.

Unser erstes Ziel war Guadeloupe, mit südöstlichen Winden für uns nicht erreichbar. Also mussten wir warten, bis es nach mehr als einer Woche endlich ein Wetterfenster gab. Dann klarierten wir schnell aus, trafen uns zum Abschiedsessen mit unseren antiguanischen Freunden und segelten direkt von Green Island hinunter nach Ilet Pigeon. Insgesamt ein Törn von 57 Seemeilen, den wir bei schönstem Wetter und mit teilweise leichtem Wind aus 120 Grad in 9 1/2 Stunden schafften. Jetzt liegen nur noch 343 Seemeilen vor uns 😉

Neues Großsegel

Da unser Großsegel nach 13 Jahren mehr als ausgedient hat, musste so langsam mal ein neues Segel her. Im Juni letzten Jahres war uns zwischen Antigua und Guadeloupe mal wieder ein Reff ausgerissen, welches Kai beim Segelmacher in Antigua reparieren ließ. Da gerade Sommer und nicht viel zu tun war, musste er lediglich US$250 zahlen, aber nochmal solch eine Reparatur wäre unser Segel wahrscheinlich nicht mehr wert.

Also lieber bevor das nächste Mal etwas ausreißt ein neues bestellen. Doch das war mal wieder gar nicht so einfach. Na ja, es könnte einfach sein, wenn man ein unbegrenztes Budget hätte und einfach dem Segelmacher vor Ort den Auftrag erteilen würde. Da dieser jedoch als speziellen Sonderpreis US$8.157,- wollte (inkl. Sommer-Rabatt von US$1.000,-), holten wir uns doch lieber mal noch ein paar andere Angebote ein.

Mit die bekanntesten Marken sind North Sails (hier hatten wir das Angebot von Antigua), Doyle Sails, Kemp Sails, Lee Sails, Rolly Tasker, Ullmann Sails und Quantum und so schrieben wir diese Anbieter an.

Leider antworteten nicht alle. Von Ullmann und Doyle bekamen wir auch nach mehrfacher Nachfrage keine Antwort. Aber immerhin waren einige Angebote, die wir erhielten, um einiges günstiger als das von North Sails in Antigua. Schon mal nicht schlecht, aber mit einer Preisspanne von €4.250,- (nach einem Rabatt von 10%, inkl. Versand) bis €7.015 (ohne Versand) war das trotzdem alles immer noch recht happig. Wir hatten eher so auf einen Preis von höchstens €3.500,- gehofft. Gut, dass wir dann mit einem unserer Bekannten zufällig über dieses Thema sprachen. Udo hatte sich auch gerade ein Segel bei Lee Sails bestellt und dies direkt über einen Kontakt in Hongkong getan und somit den Vermittler in USA ausgeschaltet. 

Das war ja auch mal noch einen Versuch wert. Also schrieben wir eine e-mail nach Hongkong und bekamen innerhalb weniger Tage ein Angebot zugesandt. Mit US$3.880,- (inklusive US$830,- Versand nach Antigua!) war dieses Angebot wesentlich günstiger als alle anderen und wir mussten nicht lange überlegen. Das Angebot nahmen wir an!

Doch damit fing die Arbeit für uns erst richtig an. Denn normalerweise bestellt der Laie solch ein Segel ja beim Segelmacher vor Ort, der dann vorbei kommt, alles ausmisst und das Segel anfertigt. Wenn dann irgendwas nicht passt, lässt man den Segelmacher wieder kommen und er muss es kostenlos anpassen.
Das geht bei einem Segel aus Hongkong natürlich nicht. Da mussten wir alles selbst vermessen und möglichst keine Fehler machen, denn das würde uns teuer zu stehen kommen. Jetzt fragt sich vielleicht manch einer, warum wir nicht einfach unser altes Segel vermessen und diese Maße angegeben haben. Das ging leider nicht, weil der Voreigner unseres Bootes nachträglich das Bimini hoch gesetzt hatte. Dadurch ist unser Baum höher, als auf einer normalen Lagoon 380. Aus diesem Grund hatte der Voreigner das Segel kurzerhand unten abschneiden lassen. Unseres Erachtens erhielt das Segel dadurch jedoch eine falsche Form (z.B. sind die Segellatten nicht parallel zum Baum). Und deshalb und auch weil es völlig ausgeblasen ist, wollten wir es nicht als Vorlage benutzen.

Somit mussten wir selbst die Länge vom Baum bis zum Segeltop im Mast und vom Mast bis zum Schothorn (dem unteren hinteren Seil des Segels) messen. Das war ja noch recht einfach. Auch die Angaben zu den Segellatten und den Reffs (den Punkten, an denen man das Segel durch Einbinden von Leinen bei viel Wind verkleinern kann) waren relativ schnell gemacht. Doch dann ging es um die Neigung unseres Baums, weil diese die Form des Segels bestimmt. Tja, wie messen wir am korrektesten den Winkel zwischen unserem Mast und dem Baum. Hier kommt es auf Präzision an, denn ein paar Grad daneben, würden ein völlig falsches Ergebnis liefern. So maß Kai auf mehrere verschiedene Arten und kam glücklicherweise bei allen auf ein nur minimal abweichendes Ergebnis. Müsste also passen. Hoffentlich!

Auch Leinen waren bei Lee Sails günstiger als in USA oder Antigua, also bestellten wir gleich noch eine neue Dirk und eine Genua-Reffleine. Alles in allem 62m Leine, da lohnt sich ein Unterschied von US$1,- pro Meter auch.

Jetzt noch einen Broker finden, der uns das Segel durch den Zoll bringt, wenn es hier ankommt. Da wir nicht in Antigua wohnen, sondern eine Yacht in Transit sind, müssen wir hier weder Zoll noch Steuern zahlen, was die Sache dann auch um einiges günstiger macht. Aber man darf es nicht selbst beim Zoll abholen, sondern benötigt hierzu einen Broker.

Insgesamt hatte uns der ganze Prozess ca. 3 Monate gedauert. Die Anfertigung des Segels dauerte dann nochmal 6 Wochen und die Lieferung nach Antigua 10 Tage. Und so konnten wir unser neues Segel dann endlich Ende April in Händen halten.

Kai war total aufgeregt, weil er solche Angst hatte, er könnte sich bei irgendwas vertan haben und das Segel würde nicht passen. Am liebsten hätten wir es gleich hochgezogen, um zu sehen, ob alles passt. Da gab es nur ein Problem: da die ganzen Beschläge an unserem alten Segel eigentlich noch okay waren, hatten wir für das neue Segel zum Beispiel keine Lattenboxen bestellt, sondern wollten diese von unserem alten auf unser neues Segel umbauen.

Aber unser altes Segel funktioniert momentan ja noch. Es wäre schade, wenn wir jetzt einfach alle Beschläge abmontieren und das Segel in den Müll werfen würden. Viel lieber möchten wir es noch eine Weile benutzen. Aber wie wissen wir dann, ob das neue Segel passt, wenn wir es nicht anstatt des alten Segels hochziehen können?

Hm, sollen wir das alte Segel runter nehmen, uns irgendwo eine große Wiese suchen und die beiden Segel ausbreiten und übereinander legen? Puh, das wäre ein riesiger Aufwand, zumal die Segel ganz schön schwer sind, uns aus dem Stegreif auch kein geeigneter Ort einfiel und das neue Segel ja auch eine leicht andere Form haben müsste. 

So legten wir das Segel erst einmal aufs Vordeck und schauten, ob die richtige Anzahl Reffs und Taschen für die Segellatten eingenäht waren. Das sah schon mal gut aus, aber ob die Form des Segels auch passt, konnten wir so nicht sehen.

Wir schliefen erst einmal ein paar Nächte über diesem Problem und dann kamen wir auf die Idee, das neue Segel einfach an den drei Ecken am alten Segel zu befestigen und beide zusammen hoch zu ziehen. Dann müssten wir doch sehen, ob das alles passt. Gesagt, getan: neues Segel in den Segelsack gehievt, auseinander gefaltet, am alten Segel festgemacht und dann stieg die Spannung! Langsam zog Kai beide Segel zusammen hoch und wir überprüften jeweils die Stellen, an denen die Reffs eingebunden werden. Die passten alle haargenau. Super!

Dann überprüften wir die Segellatten. Die ersten zwei oberen Latten passten auch genau, nur die letzten drei Segellatten waren an etwas anderen Stellen. Aber das war uns ja vorher klar gewesen. Sah also auch gut aus. 

Also Segel ganz hoch, die Spannung wuchs noch weiter, et voilà das sah auch gut aus! Unser neues Segel war eventuell ein, zwei Zentimeter kürzer als unser altes, aber lieber zu kurz als zu lang, denn dann hätten wir es nicht am Mast einbinden können. Wahnsinn! Es war alles perfekt!

Ich kann euch gar nicht sagen, wie erleichtert wir waren. Alles richtig gemacht und wir haben für „nur“ €3.600,- ein schönes neues Segel 🙂