Hanuman

Vergangene Woche erlebten wir eine tolle Überraschung. Als wir gerade dabei waren, ein Teil an unseren Wanten auszutauschen (ein Toggle hatte einen kleinen Haarriss), segelte ein kleiner Laser vorbei. Der Segler grüßte uns total nett und rief rüber „Hi, how are you?“ Da er einen großen Hut trug, konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, aber ich hätte wetten können, dass es die Stimme unseres Bekannten Peter war. Aber das konnte ja nicht sein, weil er und seine Freundin gerade in Holland waren. Rosie & Peter waren ebenfalls jahrelang in die Nonsuch Bay gekommen und dort mit uns gekitet. Vergangenes Jahr hatten sie einen neuen Job angenommen: Kapitän und Chef (Köchin) auf einer 37m langen Motoryacht namens Atlantide aus dem Jahre 1930. Diese Motoryacht sollte eigentlich hauptsächlich durch die karibischen Gewässer fahren, doch dann hatte der Eigner beschlossen, dass ein kompletter Refit nötig ist und hatte das Schiff in eine holländische Werft bringen lassen. Und dort hatten unsere beiden Freunde den kompletten Winter verbracht und das ganze Projekt soll sich nun noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

Somit konnte es unmöglich sein, dass Peter gerade hier an unserem Boot vorbei segelte. Doch es stellte sich heraus, dass er es tatsächlich war und auch Rosie kam kurze Zeit später auf einem anderen Laser vorbei gesegelt. Welch tolles und unerwartetes Wiedersehen! Wir luden die beiden gleich für Abends auf ein paar Drinks auf unserer Silence ein und tauschten Neuigkeiten aus.

Da in Holland zurzeit nicht wirklich viel Arbeit für die beiden anfiel, hatte ihr Chef sie gefragt, ob sie nicht auf seiner anderen Yacht den Überführungstörn von Antigua nach Newport mitsegeln wollten. Und da sagten die beiden nicht nein, zumal es sich bei der anderen Yacht um eine wunderschöne J-Class handelt.

J-Class bezeichnet eine Bootsklasse, mit der hauptsächlich Regatten des America‘s Cup in den Jahren 1930-1937 ausgetragen wurden. Es wurden damals lediglich 10 solcher Yachten gebaut. Drei davon nehmen auch heute noch an Regatten teil und einige der historischen Yachten wurden nach den Originalplänen nachgebaut. So auch die Hanuman, auf der unsere Freunde gerade unterwegs sind. Sie wurde im Jahr 2009 nach den Originalplänen der Endeavour nachgebaut, welche 1934 von der britischen Werft Camper & Nicholson gebaut wurde. Die Bootslänge beträgt 138 Fuß (ca. 42m), die Breite 6,60m und sie wiegt 180 Tonnen. Nur mal zum Vergleich: unsere Silence ist ganze 100 Fuß kürzer und wiegt 12 Tonnen. Irre, oder?

Da wir uns solch eine Yacht noch nie aus der Nähe angesehen hatten (als unautorisierte Person hat man keinen Zutritt zu dem Steg, an dem die Hanuman lag), luden uns Rosie & Peter ein, am nächsten Tag mal vorbei zu kommen. An Bord bitten durften sie uns leider nicht und die Yacht war teilweise schon für den Überführungstörn vorbereitet, aber sie sah dennoch sehr beeindruckend aus. Aber seht einfach selbst:

Und wer sich gerne noch die Innenausstattung ansehen möchte, findet hier mehr Fotos der schönen J-Class.

Visa-Verlängerung die zweite

Kaum zu glauben, aber seit unserer Visa-Verlängerung waren schon wieder drei Monate vergangen und unsere Aufenthaltsgenehmigungen liefen am 16. Mai aus.

Deshalb schrieben wir am Mittwoch, den 12. Mai an die Immigrationsbehörde in English Harbour und baten um einen Termin zur erneuten Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigungen. Beim ersten Mal hatten wir innerhalb einer Stunde eine Antwort erhalten, dieses Mal tat sich nichts. So rief Kai am Freitag nach dem Mittagessen bei der Behörde an und die nette Dame versprach ihm, gleich nachzuschauen und ihn zurück zu rufen. Wir warteten den ganzen Nachmittag, aber es kam kein Rückruf.

So schickte Kai am Freitag Abend nochmals eine e-mail an zwei weitere Adressen. Bei der einen kam sofort eine Fehlermeldung zurück. Auf die andere meldete sich wieder niemand. Was nun? Wenn man hier in Antigua nicht rechtzeitig einen Termin vereinbart muss man eine Strafe zahlen. Aber wie soll man einen Termin vereinbaren, wenn weder e-mails noch Anrufe beantwortet werden? Da hilft nur eins: persönlich hingehen!

Das war auch der Grund, warum wir von der Willoughby Bucht nicht zurück in die Nonsuch, sondern nach Falmouth motort waren. So schlappten wir am Sonntag Vormittag (dem letzten Gültigkeitstag unserer Visa) zur Immigration nach English Harbour und erzählten der Beamtin unser Leid. Und schwupp die wupp, schon hatten wir einen Termin für den nächsten Vormittag um 10:30 Uhr. Warum nicht gleich so? 

Beim letzten Mal war die ganze Sache innerhalb von 20 Minuten geschafft. Dieses Mal dauerte es leider 1 1/4 Stunden bis der ganze Papierkram erledigt war und wir unsere EC$600 plus ein paar weiterer Gebühren (insgesamt etwas über €200) bezahlt hatten. Aber wir waren dennoch froh, dass sie die Prozedur beibehalten hatten und wir zur Verlängerung nicht nach St. John‘s mussten. Und nun dürfen wir offiziell bis Mitte August in Antigua bleiben.

Und nach diesen Strapazen gönnten wir uns erst einmal ein Eis (danke an Daniel für die Spende 😉

Willoughby Bay

Da wir ziemlich südöstliche Winde hatten, bei welchen man in der Nonsuch Bay nicht so richtig gut kiten kann, wollten wir unser Glück mal in der Willoughby Bay probieren.

Diese ebenfalls riesige Bucht liegt an der Südseite Antiguas und genau wie in der Nonsuch Bay kann man auch hier geschützt hinter einem Riff ankern. So war es uns zumindest erzählt worden.

Wir fuhren ziemlich mittig in einem tiefen Kanal in die Willoughby Bucht hinein. Rechts und links von uns brachen sich die Wellen an den Riffen, doch der Kanal war so breit, dass er nicht zu verfehlen war. Drinnen ankerten wir ziemlich nah hinter dem Riff und packten sogleich unser Foil-Bord und unseren Kite aus.

An neuen Plätzen lasse ich Kai immer den Vortritt (quasi als Versuchskaninchen ;-), weil er besser foilt als ich und dann erst einmal das neue „Gelände“ auskundschaften kann. Es war leider wesentlich unruhiger als wir gedacht hatten. Bei nur ca. 11-16 Knoten Wind kam reichlich Schwell über die Riffe und unsere Silence wackelte ganz schön, zumal der Schwell aus zwei verschiedenen Richtungen kam. 

Kai berichtete mir, dass das auch mit dem Foil nicht so angenehm sei. Und außerdem hatte er noch mit einem anderen Problem zu kämpfen: Seegras. Es kam in mehreren Streifen in die Bucht, teilweise bildeten sich sogar kleine Teppiche, denen er ständig ausweichen musste. Das war ganz schön anstrengend, aber er meisterte es ziemlich gut.

Als Kai zurück kam, aßen wir zu Mittag und dann versuchte ich mein Glück. Und in der Tat hatte ich mehr Glück als Kai, denn urplötzlich verschwand das Seegras fast gänzlich, so dass ich nur mit dem Schwell zu kämpfen hatte. Das fühlte sich an, als ob sich unten jemand an den Mast des Foils gehängt hätte und ich benötigte wesentlich mehr Kraft und Schwung, um aus dem Wasser zu kommen. Zuerst hatte ich ziemlich Probleme damit, aber nach einer Weile hatte ich mich etwas daran gewöhnt und auch der Wind tat seinen Teil dazu. Es hatte von 11 auf 15 Knoten aufgefrischt, da ging das alles einfacher.

Doch nach ca. einer Stunde kamen wieder ganze Seegras-Teppiche in die Bucht getrieben und so fuhr ich schnell zurück zum Boot. Wir packten die Kite-Sachen weg und gingen statt dessen noch eine Runde schnorcheln. Doch leider war das Wasser durch den Schwell sehr aufgewühlt und die Sicht nicht besonders toll.

Als wir zurück zu unserer Silence kamen, tanzte diese wie ein Korken auf den Wellen und wir beschlossen, dass wir hier nicht übernachten wollen. So gingen wir Anker auf und motorten noch geschwind eine Stunde nach Falmouth, wo wir wesentlich geschützter lagen und wunderbar schlafen konnten.