Wunderschöner North Sound

Nach der Dickenson Bay ging es für uns weiter in den North Sound. Dies ist ein großes Gebiet im Nordosten Antiguas, in dem es viele kleine Inseln und Riffe gibt.

Wir ankerten hinter Great Bird Island und machten gleich mal einen Ausflug auf diese Insel. Es war Jahre her, dass wir das letzte Mal hier waren und leider erwartete uns eine negative Überraschung. Vor einigen Jahren führte hier ein schöner, steiler und etwas unwegsamer Pfad zwischen Felsen hinauf auf die Klippen von Great Bird Island. Jetzt war hier eine große Baustelle: man ist gerade dabei, eine ca. 1m breite Holztreppe vom Strand bis auf die Klippen zu bauen. 

Wofür muss dass denn sein? Teil des schönen Erlebnisses war für uns immer der tolle Pfad hinauf. Diesen hatten wir sogar in unseren Flip Flops bewältigt; so beschwerlich war der Weg nun also wirklich nicht. Aber heutzutage muss es anscheinend dem behäbigsten und ungelenkigsten Touristen mit Badeschlappen möglich sein, überall hin zu gehen und so wird die Natur immer weiter verschandelt. Irgendwann werden sie oben wahrscheinlich noch ein Kiosk mit Bierbänken hin bauen, dann ist es ganz vorbei mit dem Naturerlebnis.

Da das Betreten der Baustelle verboten war, nahmen wir nur die ersten paar Stufen und danach folgten wir dem alten Felspfad. Und hier war glücklicherweise alles noch genauso wie wir es in Erinnerung hatten: die Aussicht war wunderschön, der Wind blies uns um die Ohren und die Tropikvögel sausten in den Hangwinden dahin. Wir setzten uns auf die Felsen und genossen es, den Vögeln bei ihren Manövern zuzuschauen. Spektakulär!

Danach gingen wir noch zu dem kleinen Strand an der Nordseite der Insel. Wir standen mit den Füßen im Wasser und beobachteten eine Große Fechterschnecke (Lambi) beim Fressen. Diese Schnecken sehen so lustig aus. Vorne schauen zwei große Stielaugen unter dem Gehäuse vor, dazwischen ein kleiner Rüssel. Und an der Seite gibt es noch eine Art Schaufel, mit der sie sich fortbewegen. Diese Schnecken gelten bei vielen als Delikatesse. Wir schauen ihnen lieber beim Fressen zu, als dass wir sie essen.

Dickenson Bay

Zu Zeiten der Antigua Classics Regatta sollen hier angeblich rund 200 Boote in der Bucht liegen. Heute sind wir ganz alleine.

Wir ankern ganz am nördlichen Zipfel mit Ausblick auf ein paar schöne Felsen. Und, wer hätte es gedacht, natürlich ist da auch wieder ein schöner Sandstrand. Direkt neben uns ist ein Restaurant auf Pfählen ins Wasser gebaut. Das sieht traumhaft aus!

Wir legen uns auf unser Trampolin und genießen die Ruhe und den Ausblick. Als Sundowner gibt es einen Rum Punch ohne Rum. So lässt es sich leben!

Am nächsten Morgen geht es auf Erkundungsgang. Wir landen mit dem Dingi an der nördlichen Spitze des Strandes an und laufen einmal am Meer entlang bis ans südliche Ende des Strands. 

Das Hotel direkt vor unserem Ankerplatz und auch das schöne Restaurant auf dem Wasser sind zwar geschlossen, aber ansonsten sind hier erstaunlich viele Hotels geöffnet. Ein riesiges Sandals Resort ist sehr betriebsam und auch in ein paar kleineren Hotels liegen Leute am Strand oder baden im Meer. Wir erfahren, dass es in den Hotels wohl immer noch so gehandhabt wird, dass die Leute mit negativem Test ankommen und dann nicht in Quarantäne müssen. Das war zwar vor einigen Wochen offiziell geändert worden, aber wir wissen ja, dass hier Theorie und Praxis oft weit auseinander gehen. Das Sandals bietet für seine Gäste sogar einen kostenlosen PCR-Test für die Rückreise an, der im Hotel durchgeführt werden kann. So kann man dann wohl Kunden anlocken.

Wir schlendern zurück in Richtung unseres Bootes und genießen vor dem geschlossen Hotel, vom Wachposten des Bademeisters aus, den Blick auf unsere Silence. Der Wind weht uns um die Schultern, das Meer rauscht leise und würde mich nicht so sehr der Durst plagen, könnte ich hier ewig sitzen!

Industriehafen St. John’s

Nach so vielen schönen Stränden und malerischen Buchten gab es letzte Woche etwas Kontrastprogramm.

Schon unzählige Male waren wir mit dem Bus oder dem Mietwagen in der Hauptstadt St. John‘s gewesen, aber noch nie zuvor waren wir mit unserer Silence dorthin gefahren.

Da die Bucht fast auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel lag, planten wir dort einen Zwischenstopp. Aber so richtig lag sie dann doch wieder nicht auf unserem Weg, denn die Einfahrt zog sich wie Kaugummi. Wir hatten ordentlich Gegenwind und kamen somit unter Motor nur mit 4,5 Knoten Fahrt voran. Die Einfahrt in die Bucht betrug jedoch mehr als zwei Meilen und so tuckerten wir fast eine halbe Stunde lang auf St. John‘s zu. 

Langweilig wurde uns dabei nicht, denn es gab jede Menge Unterhaltungsprogramm. Zuerst wurde eine große Barke direkt an uns vorbei aus der Bucht hinaus geschleppt, dann wurde links im Containerhafen ein Schiff entladen und rechts von uns wurde der Kanal ausgebaggert. Ja, so stellt man sich einen Industriehafen vor. Lediglich dort, wo für gewöhnlich ein Kreuzfahrtschiff neben dem nächsten liegt, herrschte gähnende Leere. Auch fast alle Geschäfte haben geschlossen, die sonst so lebhaften Häuser und Innenhöfe liegen wie im Dornröschenschlaf vor uns.  

Wir ankern rechts vom Kanal, lassen unser Dingi zu Wasser und ab geht‘s zum Einkaufen in die Stadt.

Auf dem Markt ergattern wir jede Menge frisches Obst und Gemüse. Und neben dem Busterminal hat ein neuer Supermarkt eröffnet, in dem wir einige unserer Vorräte wieder auffüllen können.

Es gibt sogar selbstgemachtes lokales Eis und wir kaufen einen 500g Becher Schokoeis, welches wir unter einem schönen blühenden Busch in der völlig ausgestorbenen Einkaufsmeile verspeisen (Vielen Dank an Florian für diese Spende!). Wow, das macht satt. Mittagessen fällt heute für uns aus 😉

Zurück an Bord verstauen wir die Vorräte und beschließen, gleich noch eine Bucht weiter zu fahren. Hatten wir vorher noch überlegt, ob wir hier vielleicht über Nacht bleiben, ist uns nun klar, dass wir das nicht tun. Neben uns dröhnt der Autolärm von der Straße, hinter uns wird immer noch gebaggert und irgendwo sitzt wohl jemand in einem Container und schlägt mit einer Eisenstange an dessen Wand. Zumindest klingt es für uns so. Nein, hier bleiben wir nicht. Anker auf und weiter in die Dickenson Bay!