Dieses Jahr ist alles anders

Leider dürfen wir nicht, wie in den Vorjahren, einfach in Grenada aufschlagen und dort zu Zoll und Einwanderungsbehörde gehen und schwupp schon sind wir angekommen. Nein, jetzt ist alles wesentlich komplizierter.

Bis zum 1. Juni waren auch die Grenzen von Grenada komplett geschlossen gewesen. Ein Yachtclub in Grenada hatte sich dann jedoch für uns Segler stark gemacht und mit den Behörden verhandelt, dass wir Segler in der Hurrikan-Saison nach Grenada kommen dürfen. Hierzu müssen wir jedoch strenge Auflagen erfüllen. Zuerst einmal galt es sich bei dem Yachtclub zu registrieren und ungefähre Angaben zu machen wann und warum man nach Grenada kommen möchte. Dies hatten wir dann auch gleich im Juni getan.

Daraufhin hatten wir eine e-mail mit näheren Informationen und drei Formulare bekommen, die wir vor unserer Ankunft ausfüllen und per e-mail an den Yachtclub senden mussten. Außerdem darf man jede Woche nur Mittwoch, Donnerstag oder Freitag ankommen und man muss sich im Internet einen Platz für das gewünschte Ankunftsdatum reservieren, denn pro Woche werden lediglich 35 Boote herein gelassen.

So galt es unsere Fahrt also dieses Mal ganz genau zu planen, denn wir hatten eine Strecke von mehr als 300 Seemeilen zu bewältigen, wofür wir nonstop ca. 2 Tage und Nächte brauchen würden. Natürlich wollten wir unterwegs nicht in eine tropische Welle mit Gewittern, Regen und stürmischen Winden geraten und so sollte der Wetterbericht einigermaßen passen. Das war alles nicht so einfach, wenn gerade eine tropische Welle die nächste jagt und wir lediglich Montag, Dienstag oder Mittwoch in Antigua los segeln können, damit wir an einem der erlaubten Tage in Grenada ankommen.

Wir sahen ein halbwegs geeignetes Wetterfenster zwischen Dienstag dem 4.8. und Donnerstag dem 6.8. Zwar sollte am Donnerstag bereits wieder eine tropische Welle durch die Karibik ziehen, aber wenn wir schnell genug wären, würden wir vor dieser in Grenada ankommen. Es war alles etwas spitz auf Knopf, aber anders war es dieses Jahr nicht zu bewerkstelligen.

Gerne hätten wir uns, wie in den Vorjahren, wieder die Inseln entlang nach Süden gehangelt und in Martinique einen größeren Einkaufsstopp eingelegt. Aber da Martinique noch eine 14-tägige Quarantäne hat und wir auch in Grenada in Quarantäne müssen, wollten wir uns das nicht geben. Also blieb nur die Variante Nonstop nach Grenada. 

So klarierten wir also am Montag in Antigua aus, reservierten den Termin für die Ankunft in Grenada und füllten die geforderten Formulare aus. Diese verschickten wir per e-mail an den Yachtclub und danach mussten wir noch eine Servicegebühr von GBP20,- per Paypal bezahlen. Dann waren wir endlich bereit für die Abreise.

Am Dienstag morgen hissten wir um 5:30 Uhr die Segel und segelten im Sonnenaufgang in Richtung Guadeloupe. Wir hatten 13 Knoten Wind von querab und lediglich 1,50 Meter Welle. So segelten wir gemütlich mit ca. 6 Knoten dahin. Der Himmel war etwas diesig, weil uns die Sahara wohl gerade mal wieder etwas Sand herüber schickte, aber das war uns eher recht, denn so gibt es weniger Regenschauer.

Wir hatten eine Distanz von etwa 300 Seemeilen vor uns und mussten einmal kerzengerade mit Kurs 180 Grad längs durch die östliche Karibik, vorbei an Guadeloupe, Les Saintes, Dominika, Martinique, St. Lucia, St. Vincent, den ganzen kleinen Inseln der Grenadinen und Carriacou.

Hinter Guadeloupe mussten wir ca. eine Stunde motoren, weil uns der Wind ausging, doch als wir uns der Südspitze der Insel näherten frischte der Wind wieder auf. Und dann im Kanal zu Les Saintes frischte er ganz schön dolle auf. Von einer Minute auf die andere hatten wir 26-28 Knoten und ca. 2-3m hohe steile Wellen. Unsere Silence beschleunigte teilweise auf 9 Knoten Fahrt und die Wellen krachten an unseren Rumpf, dass das Geschirr in den Schränken schepperte.

Wir hofften, dass es nach Les Saintes wieder besser werden würde, aber das war leider nicht der Fall. Kai übernahm die erste Nachtschicht und ich versuchte bei dem Getöse zu schlafen. Was aber leider so gut wie unmöglich war. Erst als wir hinter Dominika segelten wurde es mit den Wellen etwas besser und ich konnte ca. eine Stunde schlafen. Dann übernahm ich die nächste Wache und Kai ging zu Bett. Aber auch er schlief nicht wirklich gut und morgens waren wir beide ziemlich gerädert. 

Tagsüber ging es bei mäßigem Seegang und mäßigem Wind an Martinique vorbei. Wir waren ca. 50 Seemeilen entfernt und konnten nur ein paar schwache Schemen unter Wolken ausmachen. Teilweise schlief der Wind fast ein auf ca. 8 Knoten und wir mussten kurz den Motor anschalten. Doch im Kanal zu St. Lucia lief es dann wieder besser, aber dafür bekamen wir nun schlechteres Wetter. Überall um uns herum zogen Schauer vorbei, während die Nacht langsam über uns hereinbrach. 

Dieses Mal übernahm ich die erste Wache. Der Mond war noch nicht aufgegangen und ich hatte einen überwältigend schönen Sternenhimmel. Der Wind war ziemlich böig, ich hatte alles zwischen 10 und 23 Knoten, aber wir kamen im Mittel ganz gut voran. Um 0 Uhr löste Kai mich ab und da wir diese Nacht im anderen Rumpf schliefen, an den die Wellen nicht so derb ranklatschten, schlief ich sogar einigermaßen gut. Doch Kai hatte etwas mit dem Wetter zu kämpfen. Kurz vor Wachwechsel musste er nochmal durch eine große Squall segeln, die uns ordentlich Wind und Regen bescherte. Als der Wind fast 30 Knoten erreichte, fiel Kai kurz ab, um nicht zu viel Last in die Segel und unseren Mast zu bekommen. Unsere Besegelung (Groß im 2. und Genua im 1. Reff) war zwar bis 32 Knoten ausgelegt, aber wie der Engländer so schön sagt „better safe than sorry“. So ritt Kai den Schauer mit Wind von hinten ab und ging danach wieder auf Kurs. Um 4 Uhr übernahm ich die nächste Wache und Kai ging nochmal zu Bett. Auch ich sah überall Regenschauer, doch viele zogen vor oder hinter uns vorbei. Am frühen Morgen kam von Norden ein Frachter, der wohl auch nach Grenada wollte. Während wir gerade im 2. Reff mit 5-7 Knoten unterwegs waren, machte der Frachter 20 Knoten Fahrt. Ich beneidete ihn, als er da so völlig ungerührt von Wind und Wellen einfach so an uns vorbeizog!

Seit St. Lucia hatten wir furchtbar kabbelige See. Die Wellen schienen aus mehreren Richtungen gleichzeitig zu kommen und wir wurden teilweise kräftig durchgeschaukelt. Wir hatten mal wieder den Caribbean-Threestep: wenn man zwei Schritte vorwärts macht, geht es danach erst mal wieder ein Schritt zurück. Also nimmt man kräftiger Schwung, bekommt dann aber eine Welle ab und auf einmal saust man sechs Schritte vorwärts und fliegt fast die Treppe runter. Tee einschenken ist ein Abenteuer, bei dem man fast den ganzen Salon unter Tee setzt und selbst beim Trinken kippt man sich teilweise den Inhalt der Tasse eher übers Kinn als in den Mund. Gibt es ernsthaft Menschen, denen so etwas Spaß macht? Wir finden über Nacht zu segeln total schei… äh schrecklich und wünschen uns jedes Mal, dass wir einfach bald da sind.

Dieses Mal war uns Petrus dann auch tatsächlich wohlgesonnen. Es lief wie am Schnürchen. Während der Wetterbericht vorhergesagt hatte, dass wir wahrscheinlich einen ganzen Tag motoren müssten, hatten wir den Motor bisher immer nur ab und an mal ein Stündchen anschalten müssen. Und so schafften wir es auch tatsächlich vor der angekündigten Tropischen Welle in Grenada anzukommen.

Um 11:30 Uhr liefen wir nach 53 Stunden in die Bucht vor der Hauptstadt St. George’s ein. Und hier galt es dann das weitere Ankommens-Prozedere korrekt einzuhalten. Aber davon dann im nächsten Beitrag mehr.

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