Carriacou-Antigua Nonstop – Teil 1

Mittwochmorgens hissten wir nach dem Frühstück die Segel und los ging’s Richtung Norden. Hinter Carriacou und Union Island ist das Meer wunderbar glatt. Wir haben ca. einen halben Meter Welle und gleiten bei 18 Knoten Wind mit rund 8 Knoten dahin. So macht segeln Spaß!

Dann beißt auch schon ein Fisch und damit begann mal wieder eine unserer Pechsträhnen. Denn der Fisch wehrte sich ziemlich verbissen und zog so langsam aber sicher unsere ganze Angelleine raus. Irgendwann musste Kai die Bremse zumachen und zack war der Fisch weg. Gemein, ich hätte mich so gefreut endlich mal wieder frischen Fisch zu essen!

Kurz danach fiel auf einmal unsere Anzeige für die Windrichtung aus. Wie konnte das denn sein? Wir hatten doch gerade erst auf dem Mast den Anemometer getauscht und auch ein anderes Anzeigegerät eingebaut. Und bei unseren letzten beiden Törns hatte doch alles wunderbar funktioniert. Na ja, ist ja nicht so schlimm. Dann binden wir halt zwei Streifen Kitematerial an unsere Wanten und schon sehen wir woher der Wind weht.

Hinter St. Vincent lässt der Wind so stark nach, dass wir eine kleine Strecke motoren müssen. Kaum machen wir den Motor an, fällt plötzlich auch noch die Anzeige für die Windgeschwindigkeit aus. Was ist denn nun los? Als wir den Motor ausschalten, schalten wir auch die Navigationsgeräte kurz aus und siehe da die Windgeschwindigkeit geht wieder. Merkwürdig!

Im Kanal zwischen St. Vincent und St. Lucia wird das Segeln langsam etwas ungemütlicher. Die Wellen werden höher und ziemlich kabbelig, aber wir kommen immer noch sehr gut voran. Um 18 Uhr gibt es Abendessen. Heute ist schnell gekocht, denn es gibt für jeden einfach drei Hot Dogs. Lecker!

Hinter uns ist noch ein anderer Segler, der in ziemlich gleich bleibendem Abstand mit uns zieht. Ob er wohl auch nach Antigua will? Nach seinem Kurs zu urteilen sieht es ganz danach aus.

Für die Nacht setzen wir sicherheitshalber das zweite Reff in Groß und Genua, denn wir sind sowieso viel schneller als geplant. Kai übernimmt die erste Wache, doch an Schlaf ist bei mir nicht zu denken. Die Wellen bollern an unseren Rumpf, ich hebe im Bett immer mal kurz ab, bin schwerelos und plumpse zurück auf die Matratze. Das grenzt fast schon an Folter! Ich wälze mich drei Stunden lang hin und her, schlafe immer mal wieder für ein paar Minuten ein und dann weckt mich erneut eine Welle, die in unserem Rumpf einschlägt. Nein, so hat das keinen Sinn!

So gehe ich hoch und löse Kai ab. Er berichtet mir, dass unsere Windanzeige wieder ausgefallen ist. Er hat unser Handgerät für die Windstärke rausgeholt. Damit können wir draußen in der Nacht den Wind überprüfen. Am Tag benötigen wir es nicht. Als langjährige Segler und Kitesurfer können wir den Wind mittlerweile sehr gut an den Schaumspitzen der Wellen abschätzen. Aber Nachts ist da nur tiefe Schwärze!

Außerdem hatte Kai noch Besuch von einem fliegenden Fisch, der in unser Cockpit sprang. Kai beförderte ihn zwar wieder zurück ins Wasser, aber nun lagen überall Fischschuppen. Super! Und der andere Segler hat uns mittlerweile überholt und ist davon gezogen. Tja, der hatte wohl nicht sicherheitshalber gerefft.

Mittlerweile sind wir schon hinter Martinique. Die Wellen werden besser, es bollert auch nicht mehr ganz so sehr und Kai kann tatsächlich ein paar Stündchen schlafen, während ich im Salon Powernapping betreibe. Ganz weit entfernt sehe ich ein paar Lichter. Das muss wohl Martinique sein. Ansonsten sind da nur Sterne und das Meer. Wir passieren Martinique in ca. 50 Meilen Entfernung und nur ab und an sehen wir draußen einen Frachter vorbei ziehen. Alles unspektakulär.

Morgens sind wir im Kanal zwischen Martinique und Dominka und beschließen wieder auszureffen. Wir kommen zwar immernoch mit ca. 5 Knoten voran, aber im 1. Reff wären wir sicherlich schneller. So falle ich etwas ab, während Kai das Segel hoch zieht. Oder besser gesagt hoch ziehen will. Denn es bewegt sich einfach nicht. Kai geht vor zum Mast und sieht, dass dort inmitten der Schiene für unsere Mastrutscher eine Schraube raus schaut. Das kann jetzt aber nicht wahr sein! Wir versuchen das Segel runter zu lassen. Auch das geht nicht! So können wir auf keinen Fall weiter segeln und es gibt nur eine Möglichkeit das Problem zu beheben: Kai muss in den Mast!

Also holen wir den Bootsmannstuhl raus, Kai macht diesen an unserem Spi-Fall fest und hinauf geht’s. Glücklicherweise ist das Problem auf Höhe unserer Saling, d.h. Kai muss den Mast nur zur Hälfte erklimmen. Er holt die Schraube raus, ich lasse ihn am Spi-Fall wieder runter und siehe da, Problem behoben. Wir können unser Segel ausreffen und sind dann auch gleich wieder etwas schneller unterwegs. Aber in Antigua müssen wir uns dann mal noch in Ruhe anschauen, was das für eine Schraube ist und wie wir sie ersetzen können.

Nach diesem Schrecken gibt es erst einmal ein zünftiges Frühstück. Das haben wir uns jetzt verdient!

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