Von Antigua nach Martinique mit kleinen Zwischenfällen

Am Donnerstag um 5:45 Uhr klingelt unser Wecker. Kai ruft den neuesten Wetterbericht ab und schaut sich die momentane Wetterlage auf dem Regenradar im Internet an. Sieht nicht super aus, aber die nächsten 7-8 Tage wird es nur noch schlechteres Wetter geben. Auf dem Regenradar sehen wir ein paar Schauer an Antigua vorbei ziehen; die warten wir noch ab, dann geht es los. Um 6:30 Uhr setzen wir die Segel und starten in Richtung Guadeloupe. Es hat nur wenig Wellen und auch nicht allzu viel Wind. Dieser kommt wie angekündigt mit einer Stärke von etwa 10-15 Knoten leicht aus Nordost. Perfekt! Wir segeln mit 6-7 Knoten ganz friedlich dahin, werfen unsere Angel aus und entspannen.

Und ca. eine Stunde später sirrt unsere Angelleine. Kai macht langsam die Bremse rein, doch der Fisch zieht immer noch Leine raus. Das muss ja ein ganz schöner Brocken sein. Wir drosseln die Geschwindigkeit von ca. 7,5 auf 5 Knoten und Kai versucht langsam den Fisch einzuholen. Keine Chance! Wir müssen ihn wohl erst etwas müde machen. Kai probiert es immer wieder bis es plötzlich kinderleicht geht. Och nö, der Fisch hat sich wohl losgerissen. Aber nein, als wir die Leine einholen hängt nur noch ein kleiner Zipfel unseres Vorfachs an der Leine. Da ist doch tatsächlich das Vorfach aus Draht gerissen! Das ist uns auch noch nicht passiert.

Schade, das wäre bestimmt ein Abendessen für mehrere Tage gewesen. Aber glücklicherweise hat Kai gerade vor ein paar Wochen ein Ersatz-Vorfach vorbereitet und auch jede Menge Köder. Also das neue Vorfach inklusive Köder an die Leine und schon können wir wieder fischen. Doch jetzt fangen wir nur noch Seegras.

Wir lassen die Leine draußen und setzen uns vorne neben unseren Mast und genießen den schönen Segeltrip. Und da hört Kai, dass unsere Angel wieder sirrt. Schnell nach hinten zur Angel! Aber leider ist er nicht schnell genug: als er bei der Angel ankommt, sieht er gerade noch wie sich die letzten Umdrehungen unserer nagelneuen Angelleine von der Spule rollen, der Knoten mit der die Leine an der Angel fest gemacht ist reißt unter der ruckartigen Last und ca. 200m Angelleine, neues Vorfach und neuer Köder verschwinden im Meer! Ach wie ärgerlich und wie blöd auch für den armen Fisch, der jetzt mit diesem ganzen Zeug durch die Gegend schwimmt! Wir schimpfen wie die Rohrspatzen auf unsere Dummheit.

Und so verbringen wir die nächste Stunde damit, wieder Angelleine auf die Spule zu rollen, ein neues Vorfach zu bauen und einen neuen Köder vorzubereiten. Dieses Mal werden wir uns nicht mehr weit von der Angel entfernen. Bringt aber nichts, denn den Rest des Törns beißt kein Fisch mehr an.

Ansonsten ist der Segeltörn bis nach Guadeloupe wunderschön. Selten sind wir hier so entspannt gesegelt. Hinter Guadeloupe schwächt sich der Wind ab und wir müssen eine Weile die Motoren anschalten. Wir empfangen über Funk den aktuellen französischen Wetterbericht für Guadeloupe. Für die Nacht werden 3-4 Beaufort (7-15 Knoten) und wenig aufgewühlte See vorhergesagt, für den nächsten Tag lautet die Prognose: kleine Schauer, wenig aufgewühlte See und ebenfalls 3-4 Beaufort. Das klingt doch nach einem schönen ruhigen Törn!

Dennoch möchte Kai für die Einfahrt in den Kanal zwischen Guadeloupe und Les Saintes gerne ins zweite Reff gehen, da es dort immer deutlich mehr Wind hat, als vorhergesagt. Ich mosere etwas, weil ich das bei dem Wetterbericht nicht unbedingt für nötig halte, aber wir hatten uns mal geeinigt, dass wir immer das machen, was der jeweils Vorsichtigere für richtig erachtet und so setzen wir Groß und Genua ins 2. Reff.

Und wieder einmal bin ich Kai dankbar für seine Voraussicht. Von wegen 3-4 Beaufort, im Kanal bläst es mit über 25 Knoten, also 6 Beaufort! Und von wenig aufgewühlter See würden wir auch nicht unbedingt sprechen. Na ja, normalerweise geht der Wind hinter den Saintes etwas runter und wir hoffen, dass wir für den Rest des Törns wieder bessere Bedingungen haben werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Fortsetzung folgt.

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